Straßburg (F) (Galerie)

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    • Straßburg (F) (Galerie)

      Dieser Strang wird in Kürze wiederbelebt, denn ich war 3 Tage in Straßburg und habe jede Menge Fotos gemacht.
      Ich bin von dieser Stadt einfach nur hingerissen. Eine vollkommen geschlossene historische Altstadt mit wunderschönen Häusern, das überwältigende Münster und das malerische Petite France. Dazu der wilhelminische Einfluss mit seinen monumentalen Prachtbauten.
      Man muss angesichts der Eindrücke sagen, dass dagegen Köln, Nürnberg oder auch Ulm keine Chance haben. Die Bausünden in der Innenstadt kann man hier wirklich an einer Hand abzählen, es dürfte sogar noch ein Finger übrigbleiben. Angesichts dieses nahezu vollkommen erhaltenen Stadtbilds begreift man, was in Deutschland an Vergleichbarem verlorenging. Sehr schön sind übrigens die deutschen bzw. elsässischen Straßennamen, die Prägung der Stadt durch deutsche Kultur ist unübersehbar, auch wenn die Lebensart ganz französisch ist. Ich hatte auch Glück, bei dem tollen Wetter war die Stadt richtig mit Leben erfüllt und strahlte eine wunderbare Atmosphäre aus. Demnächst folgen einige Bilder.
      In dubio pro reko

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    • Prunkarchitektur aus jüngerer Zeit:

      Palais du Rhin


      Théâtre national de Strasbourg


      Bibliothèque nationale et universitaire de Strasbourg








      Paulskirche


      Place Kléber, Aubette



      Kaufhaus Galeries Lafayette


      Das Palais Rohan, welches ich leider nicht ausgiebig besichtigt habe:
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    • Was ich noch anmerken wollte: Es gibt so gut wie keine Graffiti an den Häusern. Eine schönes Stadtbild wird eben von seinen Bewohnern geehrt und in Schutz genommen. Hässlich-moderne Innenstädte dagegen ziehen aufgrund ihrer gegebenen Lieblosigkeit meist Vandalismus und Verwahrlosung nach sich. Der Zusammenhang ist offensichtlich.
      In dubio pro reko
    • Nein, es gibt rings um die Altstadt sehr schöne Beispiele des Wilhelminismus. Aber in einer Stadt wie Straßburg liegt das Augenmerk selbstverständlich auf dem mittelalterlichen Zentrum, es sei denn man macht eine speziell auf die gründerzeitlichen Vorstädte ausgerichtete Erkundungstour. Bei unserer Bootsfahrt auf der Ill wurde allerdings ausführlich auf die Villen und Jugendstilhäuser aus deutscher Zeit eingegangen.
      Um das Missverständnis auszuräumen: Ich habe nie behauptet dass mich nur der Historismus interessiert, ich begeistere mich ebenso für Mittelalter, Gotik, Renaissance, Barock etc., erkenne auch an dass diese Epochen von höherem kunsthistorischen Wert sind, es wäre sehr unbedarft das in Frage zu stellen. Ich plädiere nur regelmäßig für eine angemessene Würdigung des Historismus, der in manchen unserer Städte die einzig verbliebene historische Zeitschicht darstellt. Ein neobarocker Prachtbau kann mich jedenfalls - rein visuell - ebenso begeistern wie ein schmuckes Fachwerkhaus. Manche Architektur wirkt einfach nur imposant, andere wiederum anmutig oder altertümlich. In Straßburg gibt es eigentlich von allem etwas zu sehen, sogar spektakuläre moderne Architektur wie das Europaparlament - zum Glück jedoch außerhalb des Zentrums.
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    • Hört, hört!
      Genauso ist's völlig richtig, Königsbau. Was andres hab ich auch nie gesagt.
      Leider schlägt das mit dem kulturhistorischen Wert bei uns in Wien leider weit höher zuungunsten des Historismus aus. In euren Innenstädten hat mich der Historismus nie so auf die Palme gebracht, oft ist er sogar bereichernd, mitunter von den Vorstilen uU gar nicht leicht zu unterscheiden:
      google.at/search?q=frankfurt+r…gfbYLM:&spf=1504258967782

      Auch in Straßburg machen sich die (dennoch:zum Glück) nicht häufigen Beispiele nicht ungut bemerkbar.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Die Gründerzeitarchitektur hat Straßburg baulich komplettiert. Ich würde sie in diesem Zusammenhang nicht missen wollen. Sie umgibt mit ihren Bauten die Altstadt und fügt dem Stadtbild ein repräsentatives Erscheinungsbild hinzu, drängt sich aber nie in den Vordergrund. Zudem sind die Gebäude die ich zu Gesicht bekam von hoher Qualität, selbst die Mietshäuser in den Vorstädten sind in den Fassaden anspruchsvoll ausgeführt.
      In dubio pro reko

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    • Einfach nur "baulich komplettiert" ist meines Erachtens nicht ausreichend, um die Bedeutung der gründerzeitlichen Stadtergänzung zu beschreiben - tatsächlich stellt die Neustadt östlich der Altstadt eines der bedeutendsten und aufwendigsten Bauvorhaben des Deutschen Kaiserreichs überhaupt dar.

      Hier begeistert nicht nur die Vielzahl der errichteten Prachtgebäude, sondern vor allem die Stadtanlage mit monumentalen Boulevards und prächtigen Plätzen (gern einige Nummern zu groß) und auch deren Einbettung in Wohnbebauung, Parks und aufgelockerte Villenbauung. Ich muß sogar zugeben, daß ich bei meinen Besuchen in Straßburg inzwischen den Schwerpunkt fast eher auf die Neustadt (und auf durchaus gelungene Neubauprojekte wie Straßburgs Miniatur-Hafencity Rivetoile lege) - aber ich war in den letzten 27 Jahren locker 40mal dort und habe jedes Haus der Altstadt gefühlt mehrfach gesehen.

      In der Neustadt entdecke ich hingegen immer wieder neue schöne Viertel, so heute die wunderbare Villenbebauung südwestlich des Parc de l'Orangerie (offensichtlich nicht aus der deutschen Zeit, da auf einem historischen Stadtplan von 1913 noch nicht eingezeichnet) und ein zwar winziges, aber außergewöhnlich hochwertiges Gründerzeitviertel unmittelbar nordwestlich des Parc des Contades.

      Nicht umsonst ist die Straßburger Neustadt inzwischen auch offiziell Welterbe:

      Straßburgs "Deutsches Viertel" ist Welterbe

      Infos über die Neustadt gibt es hier:

      Neustadt

      Generell gilt: Alle Bauten der Neustadt sind sehr gepflegt und wurden sehr sorgfältig denkmalgerecht saniert (sogar zerstörte oder stark beschädigte Bauten wurden rekonstruiert). Abgeschlagene Stuckverzierungen oder gar irgendwelche gruseligen Styropor-Einpackaktionen habe ich noch nie irgendwo gesehen. Wer also erstklassige Gründerzeitbauten sehen möchte, wird in Straßburg sicherlich fündig.

      Heute habe ich mir in einem großen Rundgang alle wichtigen Straßburger Parks erwandert (Fotos folgen - Botanischer Garten der Universität, Parc de la Citadelle, Parc de l'Orangerie, Square Tivoli, Parc des Contades) und war doch beeindruckt, wie sorgsam die Stadtplaner von damals die Blickbeziehungen angelegt haben:

      Kommt man von Norden über die Place de Bordeaux, beeindruckt erst einmal die gigantische Platzanlage mit dem recht monumentalen Boulevard, der dann um vielleicht 20 Grad in die Avenue de la Paix abknickt. Hier hat man den Eindruck, direkt auf das Münster zuzufahren, das komplett den Horizont dominiert. Kurz vor der Altstadt dann Place de la Republique - blickt man nach links, sieht man über die erste Querstraße direkt auf das Querschiff der Paulskirche.

      Geht man eine Querstraße (Avenue de la Liberté) weiter, sieht man zur linken genau auf die Hauptfassade der Universität, zur rechten auf den Mittelteil des Rheinpalasts (hier wurden extra keine Bäume im Park gepflanzt). Kurzum: Sichtbeziehungen, wie sie besser nicht sein könnten.

      P.S. Einen historischen Stadtplan mit allen alten deutschen Namen gibt es hier: Landkartenarchiv Straßburg - generell ist das Landkartenarchiv eine ideale Fundstelle für historische Karten aller Art, die teilweise auch online bereitstehen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von silesien ()

    • Ich bitte um Verzeihung ob meiner Ahnungslosigkeit, tasächlich war ich noch nie in Straßburg und was ich kenne, kenne ich von Fotos. Meine erste Reaktion beim Blick auf den verlinkten Stadtplan war: "Ist das alles?" Ich hatte mir das alles deutlich größer vorgestellt. Zum Vergleich hab ich mir mal einen Chemnitzer Plan von 1913 im gleichen Maßstab hergenommen. Da erscheinen mir die gründerzeitlichen Erweiterungen auch deutlich umfangreicher.
    • Schwer zu sagen - laut meiner Internetrecherche hatten Chemnitz und Straßburg 1910 in etwa dieselbe Einwohnerzahl von 280.000 (wobei natürlich noch berücksichtigt werden müßte, was das alles eingemeindet wurde).

      Ich habe versucht, mit Google Maps die Länge der Hauptachse der Neustadt nachzumessen, von Hagenauer Platz bis zur Post knapp hinter der katholischen Garnisonskirche (heute: Avenue des Vosges, Avenue de la Forêt Noire), und komme ungefähr auf 2,8 km Länge. Dazu kommen natürlich noch weitere Gründerzeitgebiete um die Altstadt herum, in Form eines großen U bis hin zum Hauptbahnhof im Westen.

      Im Süden gab es Kasernen und Exerziergelände - wo sich heute die Neubauten der Universität und das Plattenbauviertel Esplanade befinden, war also überwiegend grüne Wiese.
    • Noch ein bischen Senf von mir.

      Es gibt im Münster einen wundervollden Zyklus der deutchen Kaiser als Glasfenster. Von ursprünglich 28 Kaisern sind 26 Kaiser erhalten geblieben.

      Das Viertel "Klein Frankreich", La petit France hat seinen Namen nicht etwa deshalb, weil dort Franzosen siedelten, sondern weil dort lange Zeit Prostitution betrieben wurde und es häufig zum Ausbruch der sogenannten Franzosen-krankheit kam.
    • Eine Genese der Straßburger Mundart kann ich im Detail nicht leisten, aber ein paar (subjektive) Beobachtungen aus der Region ohne jeglichen Anspruch auf wissenschaftliche Genauigkeit: Wie du schon bemerkt hast, mischen sich in der elsässischen Hauptstadt rhein-/südfränkische und alemannische Einflüsse. Das ist auch in vielen anderen Orten im unterelsässisch-mittelbadischen Raum entlang des Oberrheins der Fall.

      Um es mal an deinem Beispiel zu illustrieren: Im Baden-Badener und Rastatter Umland können die Übergänge zwischen den Einflüssen recht willkürlich sein, wo für das hochdeutsche "Markt" unter anderem "Margd" oder "Moarkt" neben "Märk" existiert. Etwas südlicher, in der Ortenau rund um Offenburg, wird teilweise wie im nahen Straßburg das Wort "Märik" bzw. "Märikt" gebraucht. Endungen auf "-i" oder "-ri" sind auf Elsässer Seite ab und an ebenfalls gebräuchlich, z.B. bei "unseri" (statt "unsere"). Ob darin die Begründung für "Strossburi" liegt, kann ich aber nicht sagen.

      Diese Unterschiede sind meist nur für wirklich Alt-Eingesessene tatsächlich erkennbar – und für noch weniger erklärbar. Generell kommt es mehr auf die Aussprache als auf die Schreibweise an. Ein "stilreiner" badischer, elsässischer oder alemannischer Dialekt per se existiert also nicht. Aber man versteht sich untereinander ganz gut. Dieses Durcheinander hab ich auch neulich wieder bei einigen mittelbadischen Dörflern wahrgenommen, die das eher hochalemannische "Wîhnachte" (für "Weihnachten") in einer Region benutzen, in der sonst ausschließlich "Weihnachde" üblich ist.

      Übrigens ist die oben zu sehende Bezeichnung "Gass" schlichtweg üblicher, weil "Gässel/Gässle" in der Regel nur eine Verniedlichungsform darstellt und daher weniger angewandt wird. Und was öffentliche Schilder im Elsass betrifft: Seit einigen Jahren gibt es mancherorts zudem Ortsschilder, die um den offiziellen Zusatz "Mir redde au Elsassisch" ergänzt wurden, wie hier in Roeschwoog/Röschwoog etwa 40 km nördlich von Straßburg (Bild von mir):


      Ich hoffe, dieser Exkurs hat jetzt nicht zu weit von der Straßburg-Galerie weggeführt. ;)
      O tempora, o mores!

      "Nach Baden-Baden habe ich ohnedies immer eine Art Sehnsucht." (Johannes Brahms)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Badner ()