Das Alte Theater (Leipzig) - Kultur von der Innenstadt bis zum Rosental

  • Nicht von der Sache her, sondern in der Gier nach Fördergeldern wird gegenwärtig im Leipziger Rathaus das Thema des Matthäikirchhofs aufgegriffen. Das heißt, nicht etwa die Matthäikirche als Wirkungsstätte u.a. von Johann Sebastian Bach wird aufgegriffen, sondern Begriffe werden ins Spiel gebracht wie "Totalzerstörung", "Trutzburg", "Dunstkreis der Stasiakten", "Banalarchitektur", "autoritäre Gedanken" u.ä., worauf gelegentlich noch einzugehen ist.


    Hier geht es nun darum, weiteres stärker ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken, weil dies eben die Leipziger Stadtverwaltung bisher unterließ.


    Als Carl Christian Carus Gretschel im Monat September 1828 Leipzig und seine Umgebungen herausgebend beschrieb, sah das Alte Theater noch so aus:


    Hundert Jahre später gab es bereits Postkarten in Farbe:



    Aber auch in Schwarz/Weiß als Foto:



    (gelaufen am 12.8.1934)


    Über die vielen Uraufführungen bis hin zum Skandal um Bertolt Brechts Baal kann man im Netz schon reichlich nachlesen.


    Allerdings gibt es heute keine Ansichtskarte, denn der Vergleich ist für Leipzig bezeichnend und sieht so aus:



    (Vergleichsaufnahmen alle am 22. Oktober 2017)


    nochmals im Querformat:



    (gelaufen am 13.12.1910)



    und die Partie am alten Theater gesamt



    (gelaufen am 16.9.1913 nach Lössnitz i.Erzg.)



    Dies ist das für jeden nachvollziehbare Ergebnis unter dem Motto: Wie mache ich eine Stadt mit möglichst viel Fördergeldern unattraktiv?


    Extensive Straßenerweiterungen statt intelligenter Verkehrsentwicklung! Dabei hatte Leipzig schon in den 1930er Jahren einen beispielhaften Anteil an Elektromobilität ...


    Die Stadtverwaltung und ihre im Rathaus vertretenen Parteien haben es weder auf die Reihe bekommen, daß der Crystallpalast wieder aufgebaut wird, noch kann man andere Beispiele in der Kultur nennen, die überregional und gemäß der historischen Würde der Stadt Leipzig zu neuen Wahrzeichen wurden. Im Wiki "Leipzig - Diktaturfolgen in der Architektur" wurde schon einiges angesprochen. Im Thema "Technische Messe und Umgebung" sieht man die Verwahrlosung unter Finanzierung einer städtischen Gesellschaft.


    Eine Kulturstrategie ist nicht erkennbar. Kultur wird nach wie vor (insbesondere Unterhaltungskultur) unter Wert angeboten. Solche berühmten Hallen neu (wie Alberthalle) - Fehlanzeige.


    Und schweift der Blick nach links zur zweiten Bürgerschule:



    So ist diese zwar bestens wiederhergestellt, wird aber wegdelegiert:


    Statt an alten städtischen Infrastrukturen (gerade bezüglich Schulen, als die Einwohnerzahl Leipzigs in den 1920er Jahre noch höher lag) nach 1989 anzuknüpfen, war man in der Stadtverwaltung unter Andreas Müller (SPD) gemäß vieler Medienberichte langjährig mit (bis heute unaufgeklärter) Immobilienkriminalität befaßt. Statt Nutzung moderner Technologien und transparenter Stadtentwicklung wurde ein Stück weiter die Kleine Funkenburg sinnlos zerstört und viele Entwicklungsfragen kamen maximal in der 4. Etage des Neuen Rathauses zur Sprache.


    Jedenfalls ist von der ehemaligen Theatergasse und jetzigen Richard-Wagner-Straße kaum mehr etwas an Attraktivität vorhanden.





    Theaterplatz mit dem Alten Theater, Dr. Trenkler Co., Leipzig. 20109 um 1900.


    Der Bereich einer gesamten Häuserzeile wurde einer extensiven Verkehrsentwicklung geopfert.


    Herrn Hahnemann berührt das wenig:



    (gelaufen 25.1.1909)



    Foto um 1930



    Vergleich im Jahre 1998, noch mit DDR-Brücke namens "Blaues Wunder"



    Vergleich 22. Oktober 2017


    Hier nochmals die Gesamtszenerie:



    Richard Wagner-Platz mit Kaufhaus Brühl (gelaufen am 28.5.1930 nach Wien)


    Und gleich dahinter, keine 150 Meter weiter in Richtung Brühl befand sich dann das Geburtshaus von Richard Wagner:



    Dazu die Situation heute:



    Daß es dennoch Hoffnung gibt, zeigt die (wenn auch grobschlächtige) Lückenschließung zur Großen Fleischergasse / Ecke Hainstraße:



    In dem Moment, wo die Räume wieder verengt und für die Bürger erschließbar werden, beleben sich wieder Geschäfte und Straßen.



    Derzeit ist allerdings dies das Niveau der Leipziger Stadtverwaltung nebst Stadträten in der Realität.

  • Da gegenwärtig in Leipzig viel über die Flußläufe gesprochen wird, hier nochmals der gezeichnete Vergleich von Peter Jacob stadteinwärts mit den vielen kleinen Kneipen - auf Höhe der Kleinen Funkenburg (rechts):



    Hierzu hatten wir bereits beim Thema Elsterviertel die Aufnahme vor der Deckelung:



    Gut zu sehen ist hier "die goldene Sonne" in Richtung Stadtzentrum.


    Nun zum linksseitigen Teil in Richtung Rosental:



    Dies läßt sich auch heute gut verorten:



    Dazu gibt es eine weitere Aufnahme am Flußlauf, so daß ich auf einen weiteren Vergleich verzichten kann:



    Und wer vom Rosental wieder zurück gen Innenstadt spazierte, hatte die Ansicht von der anderen Seite:



    Damals im Jahre 1878 der Hospitaleingang hinter der Rosenthalgasse (Verlag von Max Nierth 1899. 181)

  • Nochmals zum Strangthema zwei weitere Aufnahmen.


    Fleischerplatz und Altes Theater, ca. 1920.

    Bildquelle: Stadtarchiv Leipzig


    Und das Ganze und mehr aus der Luft etwa 20 Jahre später. Das Alte Theater links der Blechbüchse in spe.

    Bildquelle: bildindex.de/Luftbildarchiv

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)