Pirmasens

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    • In Pirmasens - eine der am stärksten kriegszerstörten Kleinstädte - soll für eine bessere Platzsicht das ehemalige mittlerweile heruntergewirtschaftete Jugendstilhotel Matheis von 1900 abgerissen werden. Die Rheinberger Stifung stiftet für den Erwerb und Abriss 1,3 Millionen Euro (das ist ja mal eine "sinnvolle" Verwendung von Stiftungsgeldern...). Der Denkmalschutz hat - oh Wunder - nichts dagegen, da somit die historische Platzsicht von vor 1900 wiederhergestellt werde (so eine Begründung ist auch mal was neues...).

      Die Rheinpfalz (25.02.13 "Schandfleck steht vor dem Abriss") zitiert Brigitte Linse, Fraktionsvorsitzende der CDU, zu dem bevorstehenden Abriss mit den Worten "wir klatschen begeistert” (zur Erinnerung wir schreiben das Jahr 2013 und nicht 1973!) s. rheinpfalz.de/cgi-bin/cms2/cms…p/lokal/pir&id=91-8884561

      Ein weiterer Bericht mit Foto in der Pirmasenser Zeitung, 26.02.13 "Hotel Matheis soll für einen Platz weichen": pirmasenser-zeitung.de/nachric…fuer-einen-platz-weichen/

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    • Pirmasens als die ehemalig blühende Schuhstadt Deutschlands (wenn nicht gar Europas) befindet sich durch die Folgen der Globalisierung und den damit einhergehenden Weggang der Produktionsstätten in Billiglohnländer in einem städtebaulichen Dornröschenschlaf. Dies betrifft weniger die öffentlichen Plätze und Gebäude, welche in den letzten Jahren und auch aktuell saniert und umgebaut werden, sondern eher die privaten Immobilienbesitzer. Hier hat in meinen Augen die finanzschwache Gesellschaftsstruktur der Region den Vorteil, dass Altbausubstanz nicht zugunsten renditeträchtiger Schuhkartons (auch wenn diese hier zumindest thematisch passen würden) weichen musste, im Gegenteil. In den letzten Monaten finden sich vermehrt Artikel der lokalen Presse über Sanierungsvorhaben von Altbauten. Dies liegt in den langsam ansteigenden Immobilenpreisen und der Besserung der wirtschaftlichen Lage.

      Villa Löser während Sanierung (Rheinpfalz)

      Villa Löser fertig saniert (Rheinpfalz)

      Auch mehrere Filmbeiträeg über den ursprünglichen Zustand liegen vor (ja, die Musik ist etwas zu viel des Guten): klick
    • Seit Jahren steht die Kaufhalle in Pirmasens leer. Mittlerweile befindet sie sich im Besitz der Stadt und es wird offen über einen möglichen Abriss gesprochen. Das Gebäude stammt aus den 1950iger Jahren und befindet sich am Exerzierplatz gegenüber dem Rathaus.


      ehemalige Kaufhalle wird vermutlich abgerissen



      (FOTO: Buchholz, Rheinpfalz.de)

      In diesem Artikel findet man sowohl ein Foto des direkten Vorgängerbaus von 1930, als auch ein Foto vor dem Umbau von 1904. Der Vorgängerbau in seiner Urfassung ist sicherlich kein architektonisches Kleinod, aber allein durch die geringere Höhe und dem Krüppelwalmdach wirkt er sehr viel qualitätvoller.
    • In einer ernstzunehmenden Aufzählung wirtschaftlich abgehängter und schrumpfender Weststädte darf neben einigen der üblichen Verdächtigen z.B. im Ruhrgebiet und natürlich Bremerhaven niemals Pirmasens fehlen, das die Tücken der Globalisierung bei zu einseitig ausgerichteter Wirtschaftsstruktur wohl so brutal wie kaum eine andere Stadt erleben durfte.

      Umso schöner, wenn es auch dort nun zarte Anzeichen der Erholung gibt! Ein solcher Trend entwickelt dann recht rasch eine Eigendynamik, wie man am hier in den letzten 5 Jahren recht intensiv begleiteten Bremerhaven sehen kann. Neben einer dominoartigen Abwärtsspirale gibt es eben auch eine Aufwärtsspirale, auch wenn von einer solchen zu sprechen wohl in beiden Fällen noch zu früh wäre.

      Trotzdem: neben der Rekonstruktion zerstörter Gebäude und Ensembles unseres prominenten baukulturellen Erbes gibt es für mich im Bereich Städtebau fast nichts Schöneres als zu sehen, wie eine abgeschriebene, aufgegebene und geprügelte Stadt beginnt, sich aus dem Sumpf zu ziehen. Klingt vielleicht pathetisch, aber ich wünsche Pirmasens alles Gute dabei!
    • Mit Pirmasens verbinde ich viele schöne Kindheitserinnerungen. Mein Großvater kommt aus der Gegend und mein Vater wurde in Pirmasens geboren. Mein letzter Besuch muss ungefähr 2003 gewesen sein. Da machte die Stadt einen relativ toten Eindruck auf mich. Ein gewisser Aufschwung wäre schon wünschenswert.


      Die Rheinpfalz schrieb:

      (...) Und unter dem Dach sind die zwei Wohnungen mit etwa je 140 Quadratmeter Wohnfläche geplant. Der Dachraum unter den Spitzböden soll zu weiteren Wohnungen ausgebaut werden. (...)

      Das klingt für mich nicht nach einem Flachdach. Hoffentlich wird das bestehende Dach nur erneuert.
    • Die Umgestaltung des oben erwähnten Kaufhallen-Geländes nimmt Gestalt an: Pirmasens könnte "Schuhstadt" bekommen

      Im November entscheidet der Stadtrat über ein Konzept, dass einen Abriss und Neubau der alten Kaufhalle für ein Fachmarktzentrum mit dem Schwerpunkt auf Schuhe vorsieht. Daneben soll Gastronomie einziehen sowie eventuell die Pop-Art-Galerie eines Pirmasenser Unternehmers oder die Stadtbücherei.

      Die Gestaltung sieht man hier etwas besser: 5000 Quadratmeter großes „Schuhstadt“-Zentrum geplant

      Macht auf mich einen recht gelungenen Eindruck, die Architektur soll sich dabei an alten Schuhfabriken orientieren. Besonders der Innenhof gefällt mir, sowas sieht man heute nicht allzu oft bei Neubauten, vermutlich weil es der möglichst "effizienten Nutzung der Fläche" widerspricht und den Profit des Investors reduziert. Hier in Pirmasens bekommt man Grundstücke allerdings anders als in Großstädten geradezu nachgeworfen. Bleibt zu hoffen, dass bei einer Ausführung am Ende auch einigermaßen wertig aussehende Materialien für die Fassaden verwendet werden.

      Auch von Interesse: Ein imposanter Gründerzeitler im Pirmasenser Bahnhofsviertel (direkt neben der von Eber schon erwähnten neu angelegten Rheinberger-Passage) wird saniert, um hochwertige Eigentumswohnungen zu schaffen. Von außen fällt vor allem der neue gläserne Aufzug auf.
    • Der gleiche Investor, der den prächtigen Neorenaissance-Bau in der Teichstraße neben der Rheinberger-Passage sanieren lässt, will ein paar Straßen weiter in der Turnstraße (im weitesten Sinne auch Teil des Bahnhofsviertels) in Kürze drei gründerzeitliche Altbauten abreißen lassen für den Neubau zweier Stadthäuser: Marode Gemäuer weichen für Stadthäuser

      Es geht um folgende drei Häuser; um das rechts und in der Mitte ist es als Einzelbauten nicht so schade, das sind einfachste und banalste Gründerzeitbauten, die durch unpassende Türen und hässliche Dachgauben bereits stark verschandelt wurden, bevor sie leer standen und langsam verfielen. Der rosafarbene linke Bau besitzt allerdings einen aufwändigen Fassadenschmuck, um den es wiederum ziemlich schade ist.

      Außerdem fügen sich die Neubauten in keinster Weise in die bestehende Bebauung ein, was der Investor so selbst in einem anderen Zeitungsartikel auch zugegeben hat. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite ist ebenfalls eine durchgehende gründerzeitliche Bebauung erhalten, dieses Ensemble wird von den Neubauten deutlich beeinträchtigt.

      Die Leerstandsquote ist in Pirmasens gerade im Innenstadtbereich sehr hoch, um das stark kriegszerstörte Zentrum herum stehen noch sehr viele Altbauten, die häufig einen hohen Sanierungsrückstand aufweisen. Investitionen sind hier riskanter als anderswo, da die Interessenten nicht gerade Schlange stehen, deshalb bleibt vieles unsaniert. Neubauten gibt es aber auch nicht gerade viele. Hier fand der Investor Neubau statt Sanierung anscheinend erfolgversprechender. Besser hätte ich es dabei aber gefunden, wenn der architektonisch wertvollste Altbau erhalten geblieben wäre und die Neubauten in irgendeiner Weise räumlich oder gestalterisch auf den baulichen Bestand Bezug genommen hätten.
    • Pirmasens gilt ja als stark strukturschwach. Da ist es den verantwortlichen Politikern und der Bauverwaltung offenbar egal, ob ein bestehendes Ensemble zerstört wird. Hauptsache, ein Investor macht irgendetwas. Und das ohne Rücksicht auf die bestehende Struktur. Ist erst einmal diese Struktur zerstört, können weitere Sündenfälle hinzukommen. Sensibilität sieht anders aus.
    • Von Pirmasens lernen:

      Die Landgraf-Ludwig-Realschule in Pirmasens ist in einem Altbau aus dem Jahre 1906 untergebracht, dieser muss dringend saniert und erweitert werden. Im Zuge der Umbauarbeiten wird das angrenzende, seit 2011 leerstehende ehemalige Wohngebäude von 1900 abgerissen, die Fassade bleibt jedoch erhalten und wird in den entstehenden Neubau integriert!
      In meinen Augen zeigt hier die kleine finanzschwache Stadt Pirmasens, dass man zumindest immer versuchen sollte alte Bausubstanz zu erhalten. Und gerade die historische Fassade ist doch das, was der Betrachter im Vorbeigehen wahrnimmt.

      Eigentlichs Schulgebäude (Alleestraße 22):

      (Quelle: Wikipedia / Gerd Eichmann)

      Wird bis auf Fassade abgerissen (Alleestraße 24):

      (Quelle: Wikipedia / Gerd Eichmann)
    • Puh, am Anfang hat es mich gerissen, wie ich schon wieder etwas wie Abriss las!

      Offensichtlich verstehen die Verantwortlichen dort bereits, dass die alten Fassaden das Beste sein werden, wenn die neuen Gebäude einmal hergestellt worden sind und vertrauen zum Glück auch nicht auf irgendwelche Wegwerfarchitektur, die bereits kurze Zeit nach der Fertigstellung rasch aus der Mode und vergammelt aussehen werden.
      "Man kann einen gesellschaftlichen Diskurs darüber haben, was Meinungsfreiheit darf. Oder man hat Meinungsfreiheit!"

      Meinungsfreiheit bedeutet aber mehr als nur das Recht auf eine eigene Meinung. Es bedeutet auch, nach den eigenen Ansichten leben und handeln zu dürfen.
    • Neu

      Freut mich insbesondere, dass sich die Stadt für den historischen Gebäudebestand in ihrem Besitz verantwortlich fühlt. In einer Leerstandsregion wie dieser hat ein marodes Gebäude, dass die öffentliche Hand abstößt, keine große Chance auf eine glückliche Zukunft. Die Sanierung des Altbaus ist bei weitem nicht die günstigste Lösung für den Schulstandort, was auch den Abriss des benachbarten Hauses Nr. 24 erklärt, das sich noch in deutlich schlechterem baulichen Zustand (Statik, Feuchtigkeit) befindet als das eigentliche Schulhaus Nr. 22. Außerdem soll Nr. 24 als ehemaliges Wohn- und Bankgebäude einen miserablen Raumzuschnitt für eine Schule besitzen (ehemalige Schüler nannten es wohl "das Labyrinth").

      Das letzte Stündlein geschlagen hat dagegen für ein weiteres Gebäude der Realschule in der Nähe: Ein Nachkriegsbau wird für einen Neubau abgerissen, interessanterweise trotz Denkmalschutz für seine Vorhalle mit zeittypischem Mosaik (die Sanierungspläne werden ausführlich hier erläutert). Eigentlich kein schlechtes Gebäude wie ich finde, aber kein Vergleich zum herrlichen Vorkriegsbau von 1895/96, dem ursprünglichen Luitpold- oder Nagelschmiedsbergschulhaus mit angeschlossener jüdischer Volksschule, 1945 bis auf die Außenmauern ausgebombt. Die Geschichte der Schule ist auf der Internetseite der Stadt mit Schwerpunkt auf die jüdische Vergangenheit als PDF verlinkt, dort sieht man auch Bilder vor und nach dem Krieg. Das Bild nach dem Krieg deutet darauf hin, dass die Ruine mit ihren vollständig erhaltenen Außenmauern durchaus wiederaufbaufähig gewesen wäre, aber vermutlich aus Kosten- und Zeitgründen Anfang bis Mitte der 50er abgeräumt wurde.

      Ein ähnliches Schicksal traf leider auch die ehemalige Oberrealschule in der Luisenstraße, deren imposante Reste noch auf Bildern von um 1950 (nicht im Internet) auszumachen sind. Die Stadt hat drei Volksschulen (Exerzierplatz, Horeb, Matzenberg) und eine weiterführende Schule (die jetzt zu sanierende Realschule in der Alleestraße, damals Höhere Töchterschule) nach dem Krieg wiederaufgebaut (davon hat nur das heutige Rathaus am Exerzierplatz seit den 80er Jahren wieder seine historische Dachform), zwei Gebäude hatten Pech. Umso erfreulicher, dass immerhin die Schulen erhalten werden, die diese Zeit überstanden haben.
    • Neu

      Ja tatsächlich, sehr gut beobachtet bzw. erinnert, lieber Villa1895,

      beide Gebäude verwenden anscheinend eine sehr ähnliche Formensprache. Zum Vergleich:

      Die Oberrealschule (Quelle: leibniz-pirmasens.de) Die Oberfinanzdirektion
      (CC BY-NC-SA 2.0, Benutzer:Gerry259, Stadtwiki Karlsruhe)


      Beide Gebäude wurden im Jahr 1892 fertiggestellt, der Aufbau der Fassade unterscheidet sich zwar (hier und bei Google Maps erkennt man die Ausmaße der ehemaligen Kadettenanstalt), aber die verschiedenen Arten von Fenstergestaltungen kann man fast eins zu eins beim jeweils anderen Gebäude wiederfinden.

      Stilistisch würde ich die Bauten der "Deutschen Renaissance" zuordnen, der so ziemlich letzten Ausprägung der Neorenaissance um 1890, der vor allem bei Schulbauten sehr beliebt war. Nicht ganz so elegant wie mein persönlicher Lieblings-Architekturstil, der italienischen Neorenaissance à la Semper (ein schönes Beispiel in Pirmasens ist die Alte Post), aber auf jeden Fall sehr ansehnlich.

      Das heutige Gebäude des ehemaligen Naturwissenschaftlichen Gymnasiums (heute Leibniz-Gymnasium) sah übrigens nach der Fertigstellung 1955 zuerst so aus. Die schlichte und recht monotone Gestalt war immerhin ordentlich proportioniert, was aber durch diese Aufstockung schließlich auch zunichte gemacht wurde.
    • Neu

      Ich hoffe, dass dem so ist. Solche Mosaike gehören zu dem schönsten, was die Architektur der Nachkriegszeit zu bieten hat. (Ein weiteres interessantes Mosaik dieser Zeit befindet sich am Nardinihaus in Pirmasens)

      Leider gibt es noch keinerlei Informationen über Abriss- und Neubaupläne. Weder ist ein genauer Zeitplan bekannt, noch weiß man, wie der Neubau aussehen soll. Fest steht nur, dass in den Neubau am Nagelschmiedsberg die Grundschule Horeb ziehen soll, während die alte Horebschule, die ebenfalls saniert wird, neuer Standort für die Unterstufe der Realschule wird. Der Abriss wird wohl erst starten, wenn die Sanierung des Altbaus der Realschule fertiggestellt wurde. Wenn es neue Information von Stadt oder Lokalpresse gibt, werde ich sie hier verlinken.

      Gefunden habe ich bezüglich des Abrisses sonst nur noch ein Zitat des Oberbürgermeisters von 2017, in einem Interview über die Haltung der Stadtverwaltung zu historischer Bausubstanz:

      Bernhard Matheis schrieb:

      Warum soll die Schule am Nagelschmiedsberg abgerissen werden?


      Weil es in diesem Fall keine passende Nutzung gibt. Die Schule soll zur Ganztagsschule umgebaut werden, mit Mensa. Das ist in einem Neubau viel wirtschaftlicher zu realisieren. Alles können wir finanziell nicht stemmen, auch wenn es wünschenswert wäre. Am Nagelschmiedsberg würde nur die Fassade stehen bleiben. Ich kann nicht in jedes Gebäude Millionen stecken. Ich kann ein Museum bauen, aber nicht fünf. Wobei wir uns Schulumbauten schon sehr, sehr viel Geld kosten lassen. Wir werden die 100 Jahre alte Horebschule und die Realschule in der Alleestraße mit großem finanziellem Aufwand nach ihrem historischen Vorbild herrichten und auf den neuesten Stand bringen. Da werden zehn Millionen Euro nicht reichen. Das sind zwei für ihre Zeit bedeutende Gebäude. Das leisten wir uns und das wollen wir uns leisten. Aber alles geht nicht.
    • Neu

      Bernhard Matheis schrieb:

      Warum soll die Schule am Nagelschmiedsberg abgerissen werden?
      Wir werden die 100 Jahre alte Horebschule und die Realschule in der Alleestraße mit großem finanziellem Aufwand nach ihrem historischen Vorbild herrichten und auf den neuesten Stand bringen.

      Damit ist aber nicht eine Rekonstruktion der Giebel gemeint? Das wäre natürlich ein ganz tolles Projekt.

      So sieht diese Horebschule heute aus: goo.gl/images/cUU3CP

      So sah sie einst aus: goo.gl/images/v6tkAy