Paulskirche

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    • Neußer wrote:

      Wieso sollte man die Empore nicht nutzen dürfen? Ist das in anderen Kirchen auch so? Was wäre denn, wenn die originale Empore noch da wäre? Würde man sie absperren? Mir scheint, der Brandschutz wird gern vorgeschoben, um unbeliebte Baumaßnahmen zu verhindern.
      Stichwort Bestandsschutz. Eine rekonstruierte Empore ist ein Neubau und für diese gelten die aktuellen Brandschutzbestimmungen, bei einer alten Empore aus dem 19. Jahrhundert gelten diese so nicht.
      "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski
    • Neußer wrote:

      Und deswegen dürfte man eine alte Empore betreten, eine neu gebaute aber nicht? Oder ist das Feuer, im Fall eines Brandes, etwa informiert und gefährdet nur die Leute auf einer neuen Empore? Ein ziemlicher Blödsinn ist das. Aber irgendwie typisch deutsch-bürokratisch.
      Ich glaube, so ähnlich dürfte das in den meisten Ländern geregelt sein. Etwas anderes ist auch kaum praktikabel. Man kann sich sicherlich über Standards und Vorschriften streiten, aber wenn sie gelten, dann sind sie nunmal anzuwenden, man wird sich auch in Frankfurt nicht zu einem Schwarzbau hinreißen lassen.
      "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski
    • Vielleicht werden wenigstens die hässlichen und unwürdigen Eingangstüren ausgewechselt - oder stehen die etwa auch als "besondere Wiederaufbauleistung" als Teil des Gesamtobjekts unter Denkmalschutz? :augenkrummblau:



      Die Rundbögen schreien förmlich nach einer fächerartigen Gliederung.
      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)
    • So ganz geht der durchschlagende Erfolg der Frankfurter Altstadt wohl doch nicht an der Politik vorbei, denn es gibt ganz neue Töne vom Oberbürgermeister zu einer möglichen Rekonstruktion der Paulskirche im Inneren!

      FR wrote:

      Wie ist denn der bauliche Zustand?
      Es ist zu früh, das genau einzuschätzen. Wir müssen aber entscheiden, ob wir die bauliche Form von 1948 schützen wollen oder aber zur früheren Form zum Beispiel mit einer großen Balustrade wie im 19. Jahrhundert zurückkehren.

      Aber die Römer-Koalition von CDU, SPD und Grünen hat sich klar für die Sanierung in der bescheidenen Form von 1948 entschieden.
      Das respektiere ich natürlich, und die Entscheidung nach dem Zweiten
      Weltkrieg war richtig. Zugleich gab es auch bei der neuen Altstadt eine
      breite Diskussion über die Form der Gestaltung. Ich wünsche mir auch bei
      der Paulskirche eine große Demokratiedebatte, eine Debatte, wie wir mit
      unserem demokratischen und nationalen Erbe umgehen. Bei dieser
      Diskussion wollen sicher auch Bundespräsident und Bundeskanzlerin
      mitreden;
      Quelle: fr.de/frankfurt/peter-feldmann…der-paulskirche-a-1614466

      Bedenkt man, dass der OB zuvor gegen die Altstadt war und nun von sich heraus eine Debatte um eine mögliche Rekonstruktion der Paulskirche eröffnet, so finde ich das einen sehr ermunternden Schritt und es zeigt, dass Menschen durch sichtbare Ergebnisse ihre Haltung durchaus ändern können.

      Drücken wir die Daumen, dass die Debatte Fahrt aufnimmt und dass Frankfurt neben dem Langen Franz vielleicht bald das nächste Highlight in der Altstadt rekonstruiert. Toll wäre es :D
      APH - am Puls der Zeit
    • Vielleicht tritt in Frankfurt ja der gleiche Effekt ein wie in Leipzig. Auch in Leipzig brauchte es nach der Wende einige Zeit, bis man sich den historischen Bauten angenommen hat und dann setzte ein Schneeballeffekt ein. Heute ist es fast undenkbar, dass Fassaden nicht wieder bestuckt werden.

      In Frankfurt sieht man aktuell, wie durch Rekonstruktionen Urbanität und Interesse auch von jungen Leuten an ihrer Stadt zurückkehrt. Wenn man durch die neue Altstadt geht, dann ist es auch eine Altstadt der unter 30-Jährigen. Denn auch die sind hier präsent, fotografieren und interessieren sich für Frankfurt.

      Diese Kraft mitzunehmen für die Paulskirche und über Architektur Menschen auch für die Inhalte dieses bedeutenden Hauses deutscher Geschichte zu erwärmen, das wäre ein riesiger Gewinn.

      Jeder der in den letzten Jahren in der Pauskirche war, der wird verstehen, warum dieser Bau bei keinem Jugendliche und auch bei keinem älteren Menschen Emotionen weckt. Es ist ein toter, ein seelenloser Baukörper. Die Rekonstruktion der Paulskirche wäre ein Beitrag zur Demokratieförderung und zum Demokratieverständnis. Dass man nun auch in der Politik erkennt, welches Potential Rekonstruktionen haben, ist sehr erbaulich. Und ich schließe mich Neußer an. Was wäre es für ein Zeichen, wenn neben der Altstadt, dem Langen Franz, der Paulskirche dann als Krönung das Schauspielhaus hinzu käme. Es wären gleichzeitig alle wesentlichen Epochen der Frankfurter Stadtgeschichte vertreten, sozusagen ein Zeitstrahl im Kleinen. Es möge gelingen! :applaus:
      APH - am Puls der Zeit
    • Apollo wrote:

      Hier sieht man exemplarisch, wie durch das fehlende historische Dach die Proportionen des Baus nicht glücklich aussehen. (...)
      Meinst Du das Dach der Paulskirche, oder das der Kämmerei? Auf dem Bild fehlen ja beide historischen Dächer. :D
      Aber hoffentlich kommen die beide wieder.

      Mit einer Wiederkehr der Balustrade und des hohen Daches, rechne ich allerdings nicht. Da wäre mir das Dach aber lieber. Das ist wichtiger für das Stadtbild.
    • Das können nur Experten vor Ort, also im Auftrag der Stadt, klären. Bei einer Rekonstruktion würde ja nicht nur das Dach komplett erneuert werden, auch müsste das Bodenniveau gesenkt werden, also eine innere Komplettentkernung. Es sei denn, man wolle die Empore einfach in die jetzige Kirche stellen, was aber aufgrund des angehobenen Bodenniveaus zu ganz anderen Proportionen führen würde. Also, das ist eine ganz schwierige Rechnung, die nur Gutachter lösen können.
    • Es tut sich was...

      faz.net wrote:

      Frankfurter Paulskirche:
      Das fehlende Mittelstück

      Frankfurts Oberbürgermeister möchte die sanierungsbedürftige Paulskirche stärker als Zentralort der Demokratie inszenieren. Die Gelegenheit, gleich die nähere Umgebung aufzuwerten, ist günstig.

      Der Oberbürgermeister war vor einigen Tagen beim Bundespräsidenten in Schloss Bellevue. Eine Pressemitteilung aus dem Büro des Stadtoberhaupts informiert über den Besuch. Demnach hat Peter Feldmann seinen SPD-Parteifreund Frank-Walter Steinmeier über die Pläne zur Zukunft der Paulskirche informiert. Vielleicht haben sich die beiden geduzt, wie man das unter Genossen gerne macht. Ob das Staatsoberhaupt etwas gesagt hat und, wenn ja, was, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Eine eigene Mitteilung aus dem Bundespräsidialamt zum Thema gibt es bisher nicht. Weshalb vorerst im Dunkeln bleibt, was Steinmeier von Feldmanns Überlegungen hält.
      [...]
      faz.net/aktuell/rhein-main/fra…ittelstueck-16026338.html
      Die Moderne verleugnet ihre Herkunft, weil sie fürchtet, die Auseinandersetzung mit ihr könnte sie überfordern - oder ihr gar ihre eigene Banalität vor Augen führen. — Dr. Melanie Möller
    • Meister Lampe wrote:

      Was bedeutet das für die Paulskirche? Sind Veränderungen bzw. Rekonstruktionen zu erwarten?
      Wenn Du den von Dir verlinkten Artikel liest, erhältst Du eine Antwort zur aktuellen Situation der Debatte. Zitat:
      Der OB will jetzt nach der Sommerpause in Frankfurt einen „Bürgerdialog“ über die künftige Gestaltung der Paulskirche und des Umfelds beginnen. Die Gelegenheit ist günstig: Das Dach des Denkmals muss ohnehin grundlegend saniert werden. Das wiederum hat in Frankfurt einige auf die Idee gebracht, das Innere der Paulskirche „zurückzubauen“, damit der Charakter der alten Parlamentsbühne wieder deutlich wird.

      Dies wird jedoch von den Stadtvorderen abgelehnt. Der OB sieht die Frage der Architektur eher als zweitrangig an. Allerdings müsse der Charakter des Baus lebendiger werden. Für das geplante „Demokratiezentrum“ sind derzeit drei Varianten im Gespräch, zwei davon außerhalb der Kirche. Diese steht derzeit - unweit vom Römer (Rathaus) gelegen – ziemlich isoliert da.


      Vorbild Hambacher Schloss


      Der im vergangenen Jahr gegründete Verein „Demokratiedenkmal Paulskirche“ kann sich als Lösung einen zeitgemäßen Umbau vorstellen. Vorbild könne das Hambacher Schloss sein, sagt Vorsitzender Georg Wässa, der zugleich bei den Jungen Liberalen engagiert ist.
      Die Idee eines "zeitgemäßen Umbaus" hielte ich übrigens für die Schlechteste. Sie würde weder den historischen Zustand wieder herstellen noch das Denkmal der Wiederaufbau-Epoche der Nachkriegszeit erhalten. Das Ergebnis sähe dann so ähnlich aus: images.app.goo.gl/WpG6TfhS1bUy7Tfy9
    • Ja, genau. Was ist denn "zeitgemäß"? Unsere Zeit ist vielfältig und widersprüchlich. Das waren frühere Zeiten aber auch. Sicher ist aber eines (wie Heimdall schon sagte): Ein "zeitgemäßer Umbau" wäre das Schlechteste, was der Paulskirche passieren könnte. Ich vertraue aber darauf, dass er nicht durchsetzbar wäre. Die Paulskirche besitzt Denkmalwert als Ort der Demokratiebestrebungen von 1848. Eine Rekonstruktion des damaligen Zustandes würde Sinn ergeben. Sie besitzt ebenso Denkmalwert als Zeugnis des demokratischen Neuanfangs nach 1945. Diese Zeitschicht hat den Vorzug, dass sie heute vorhanden ist, also nur bewahrt werden muss.

      Ich selbst kann für mich die Frage, ob die Paulskirche sich in ihrer Gestalt von 1848 oder von 1948 präsentieren sollte, nicht beantworten. Ich muss aber dazu sagen, dass ich persönlich die Paulskirche nie von innen gesehen habe. Generell habe ich großen Respekt vor den Wiederaufbauleistungen der Deutschen - in Ost und West gleichermaßen - in den wirklich schwierigen Jahren nach dem Krieg.

      Normalerweise mische ich mich in Frankfurter Themen nicht ein. Frankfurt am Main ist für mich weit weg. Bei der Paulskirche finde ich jedoch, dass sie alle Deutschen etwas angeht. Es erfüllt mich immer noch mit einem gewissen Stolz, dass in der Paulskirche heute auch die Flaggen, der inzwischen nicht mehr ganz so neuen Bundesländer hängen.


      Frankfurt am Main, Paulskirche (Foto: Flibbertigibbet, 2006, CC-BY-SA-3.0)

      Die Treppe hinaufsteigend sehen wir hier die Flaggen von Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Die sächsische Flagge müsste ausgetauscht werden. Das haben andere vor mir auch schon gesagt, aber man kann es gar nicht oft genug sagen: Die sächsischen Farben sind Weiß und Grün. Hängeflaggen und Knatterflaggen sieht man in der Praxis oft falsch herum, aber in der Paulskirche sind bei den anderen Flaggen die Farben ja richtig angeordnet. Das folgende Bild zeigt, wie es sein muss:


      Dresden, Schlossplatz, die Bundesflagge und die sächsische Landesdienstflagge vor dem Ständehaus
      (Foto: Dirk Vorderstraße, Juni 2009, CC-BY-2.0)
    • „Der OB sieht die Frage der Architektur eher als zweitrangig an. Allerdings müsse der Charakter des Baus lebendiger werden.“

      Dieses bunte Geschwurbel ist unerträglich. „Demokratiezentrum“, das wird wohl eine ähnlich konkrete und durchdachte Sache, wie das „Humboldt-Forum“: sehr viel Gesinnung, sehr wenig Inhalt. Was soll in diesem „Demokratiezentrum“ zu sehen sein? Demokratie bzw. die Interpretation des OB und Konsorten darüber, was Demokratie zu sein hat? Spielt man da Wahlen nach? Oder gäbe es Podiumsdiskussionen, die das ganze politische Spektrum einschließen? Wird es ein Museum zur Geschichte der Demokratie in Deutschland? Oder das „Mahnmal“ Nr. 8‘637‘367?

      Der zweite Begriff ist „lebendig“. Was meint er damit? Dass nur Lebende sich dort aufhalten dürfen, nach dem Motto „Leichen haben keinen Zutritt“? Das ist bei den meisten öffentlichen Gebäuden abseits von Friedhöfen auch der Fall. Dass man lustige Konzerte im Kircheninneren veranstaltet? Dass es eine Cafeteria geben soll oder eine Shishabar? Hier spricht einer blumig daher, ohne irgendetwas zu sagen.

      Nur eines sagt er, und das sehr deutlich: die Architektur dieses nationalen Denkmals samt umliegender Bebauung ist zweitrangig.