10 Jahre Europäische Route der Backsteingotik e.V.

Wir wünschen allen Nutzern ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2021
  • Ich weiß ja nicht, ob es wer von euch schon mitbekommen hat, aber der Europäische Route der Backsteingotik e.V. feiert am kommenden Montag sein zehnjähriges Jubiläum im Pommerschen Landesmuseum in Greifswald. Ich werde beim Empfang anwesend sein und kann euch dann aus erster Hand über die zukünftigen Aktivitäten des Vereins berichten, vorausgesetzt, es wird dann auch ein Blick in die Zukunft getätigt. Ich persönlich wäre für eine Erweiterung in Richtung Baltikum, schließlich sind diese Länder auch schon lange in der EU.

  • na ja, eine äußerst selektive "Selbst)wahrnehmung, die nicht besonders zielführend ist.
    Was ist mit Ingolstadt, Landshut und nicht zuletzt München? Von Breslau (in der Diktion des Vereins Wroclaw) ganz abgehen. Backsteingotik ist mehr als Norddeutschland.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Was ist mit Ingolstadt, Landshut und nicht zuletzt München?

    Wieso? Was ist mit den Städten? Wird ihnen der Beitritt verwehrt?

    98% of everything that is built and designed today is pure shit. There's no sense of design, no respect for humanity or for anything else. Frank Gehry

  • Backsteingotik ist mehr als Norddeutschland.

    Das ist zwar richtig, aber in keiner Region ist der Backstein derart landschafts- und siedlungsprägend wie in der niederdeutschen Tiefebene. Man kann sogar so weit gehen, dass im Hoch- und Spätmittelalter ohne den Backstein kaum eine nennenswerte Baukultur in Norddeutschland entstanden wäre, ganz zu schweigen von der Hanse und den damit florierenden Städten an der Ostsee. Zudem liegen in dieser Gegend (gemeinsam mit Dänemark) die Anfänge der nordalpinen Backsteinarchitektur.


    na ja, eine äußerst selektive "Selbst)wahrnehmung, die nicht besonders zielführend ist.

    Ganz im Gegenteil. Eine solche Route kann und will auch nicht alle Objekte einer Gattung bespielen. Vielmehr erschließt und vernetzt sie für die kulturtouristische Nutzung und Vermarktung ein regionaltypisches Phänomen. Sie vermittelt und bewahrt Kulturgut. Als europäische Route verbindet sie sogar Kernregionen des Backsteins aus verschiedenen Ländern. Insofern ist diese Route und das Projekt durchaus zielführend.

    Kunsthistoriker, Webdesigner und Blogger

    Hat die Website für Stadtbild Deutschland erstellt und war eine Zeit lang als Webmaster für Forum und Website verantwortlich.

  • Eine solche Route kann und will auch nicht alle Objekte einer Gattung bespielen.


    Naja, es sollte eine erkennbare Kernroute geben, aber langfristig sollte es aus meiner Sicht schon Ziel sein, ein möglichst umfassendes Bild darzustellen. Allein schon aus Werbezwecken für die Kernroute.


    Grob vergleichbar vielleicht mit der Tour de France und ihren Gastrouten außerhalb Frankreichs.

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  • Naja, es sollte eine erkennbare Kernroute geben, aber langfristig sollte es aus meiner Sicht schon Ziel sein, ein möglichst umfassendes Bild darzustellen.

    Das kann nicht das Ziel sein. Dabei dürften wir allein auf deutscher Seite auf eine vierstellige Objektanzahl kommen. Mit welcher Zielsetzung sollte das denn geschehen? Das würde das Projekt verwässern und den interessierten Kulturtouristen verschrecken. Hier ist Qualität, nicht Quantität gefragt. Und davon hat die Route viel zu bieten.


    Das umfassende Bild, das du ansprichst, das stellt die Wissenschaft dar. Und die Forschung in diesem Bereich hat in den letzten Jahren auch enorme Fortschritte gemacht. Es spricht ja absolut nichts dagegen (das ist ja auch Sinn einer solchen Vernetzung), dass die Touristiker von den Ergebnissen der Wissenschaft profitieren und diese auch vermitteln, aber ihre Zielausrichtung muss eine andere sein.

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  • Naja, übertreiben muss man ja nicht und jedes Kirchdorf aufnehmen. Aber die Münchner Frauenkirche und die landshuter Kirchen als Backsteingotik zu begreifen und sie einer interessierten Öffentlichkeit als solche darzustellen, wäre schon etwas anderes.
    Und wieviel Backsteingotik ist in verputzen Städten wie Greifswald und Wismar übrig, jenseits der Kirchen, und Stadttore?
    Max. eine handvoll Bürgerhäuser.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
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    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Das würde das Projekt verwässern und den interessierten Kulturtouristen verschrecken.

    Ich kann nicht erkennen, wie das Projekt verwässert werden soll, wenn auch mal eine Veranstaltung in der Münchner Frauenkirche oder in der französischen Kathedrale von Albi stattfindet. Das verschreckt doch keine Kulturtouristen sondern wirbt sie übern Tellerrand hinaus.

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  • Ich kann nicht erkennen, wie das Projekt verwässert werden soll, wenn auch mal eine Veranstaltung in der Münchner Frauenkirche oder in der französischen Kathedrale von Albi stattfindet. Das verschreckt doch keine Kulturtouristen sondern wirbt sie übern Tellerrand hinaus.

    Dann habe ich dich missverstanden. Ich ging davon aus, dass du lückenlos alle Backsteinbauten in eine Kulturroute aufnehmen möchtest. Die europäischen Kulturrouten sind im übrigen recht gut vernetzt und treffen sich gerade in Lucca in der Toskana. Leider schaffte ich es aus beruflichen Gründen nicht, dabei zu sein.


    Und wieviel Backsteingotik ist in verputzen Städten wie Greifswald und Wismar übrig, jenseits der Kirchen, und Stadttore?

    Eine enorme Fülle, auch wenn Lübeck da quantitativ über allem steht.

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  • Am Niederrhein ist der Backstein auch schon immer prägend gewesen. Leider ist dort 1945 sehr Vieles endgültig zerstört worden - was aber nicht heißen will, dass alles zerstört worden ist! Innerhalb Deutschlands kann man vor allem Kalkar, trotz Kriegsschäden, einfach nicht übersehen, auch wenn ein Vergleich mit Lübeck und einigen anderen norddeutschen Städten natürlich nicht ernsthaft möglich ist. Ansonsten würde ich auch einige niederländische Städte (vor allem die Hansestädte an der IJssel) in der "Route" aufnehmen. Und Brügge natürlich (Belgien hat ansonsten, was Backsteingotik betrifft, kaum was zu bieten).

  • Das Vorgängerprojekt stammt aus Mecklenburg-Vorpommern. Der jetzige Verein ist international ausgerichtet, nur leider sind Schweden oder das Baltikum nach vor Jahren ausgeschieden. Dafür ist er in Richtung Brandenburg und Schleswig-Holstein und Niedersachsen expandiert. Die Niederlande würden sich anbieten, da Niedersachsen schon mit von der Partie ist, man müsste aber selbst aktiv werden. Ansonsten bewirbt der Verein nur die baulichen Höhepunkte der Backsteingotik. Mecklenburg-Vorpommern hat allein anderthalbtausend Bauwerke, davon ist nur ein klitzekleiner Bruchteil gelistet ...

  • Belgien hat ansonsten, was Backsteingotik betrifft, kaum was zu bieten.

    Das ist ein Irrtum. Die flämische Küstenregion hat eine Fülle von Backsteinbauten aus gotischer Zeit zu bieten: St.-Bertinus in Popperinge, Liebfrauen in Damme, St.-Walburga und St. Niklaas in Veurne, die Scheune von Ter Doest, Liebfrauen in Lissewege, St.-Jacob in Ypern ... Hinzu kommen außerdem zahlreiche Wohnhäuser.

  • Ja, die kleine Region um Brügge herum (va. Damme und Lissewege) hat auch noch so einiges zu bieten, aber ansonsten gibt es in Belgien doch eher sehr wenig Backsteingotik zu bestaunen, mal von einigen Einzelbauten, wie ein sehr schönes Bürgerhaus an der Naamsestraat in Löwen, abgesehen.