Deutsche Vorschlagliste für Weltkulturerbe

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    • Ich finde, Deutschland sollte keinen neuen Kandidaten für ein UNESCO Weltkulturerbe mehr benennen. Deutschland sollte sich lieber um die bestehenden Unesco Weltkulturerben kümmern und diese optimal fördern. Meiner Meinung nach gibt es eh schon viel zu viele davon. Die Menschen der Welt wissen genau, was wirklich ein deutsches Welterbe ist: Kölner Dom, Schloß Neuschwanstein. Alles andere hat nur regionalen oder höchstens nationalen Rang.
    • Die Schlösser Ludwigs II. sind auf der Welterbeliste längst überfällig,
      Hm, kannst du mir mal sagen, warum in Dtl. ausgerechnet diese drei Schlösser zum Welterbe der MENSCHHEIT gehören sollten? (außer halt daß die halbe Menschheit dort hin rennt?)
      Die Schlösser haben weder einen Alterswert noch sind sie von überragender künstlerischer Bedeutung....
    • Die Entwicklung hat in meinem Bundesland bereits stattgefunden, und nun bleibt nur zu sagen, daß "wir" jetzt mal dran sind. SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz, Romanische Kaiserdome Speyer, Worms und Mainz sind von der Landesregierung hierzu ausersehen; und wenn auch nicht alles von dieser Landesregierung was taugt, das taugt was.
      1816 - Rheinhessen - 2016
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      Sofern nicht anders vermerkt, liegen die Bildrechte meiner Beiträge bei mir.
    • Oktavian wrote:

      Die Schlösser Ludwigs II. sind auf der Welterbeliste längst überfällig,
      Hm, kannst du mir mal sagen, warum in Dtl. ausgerechnet diese drei Schlösser zum Welterbe der MENSCHHEIT gehören sollten? (außer halt daß die halbe Menschheit dort hin rennt?)
      Die Schlösser haben weder einen Alterswert noch sind sie von überragender künstlerischer Bedeutung....


      Warum sind die Pyramiden in Gizeh Weltkulturerbe ? Da rennt auch jeder hin, obwohl dies nur ein völlig banaler Bau ist mit vier Seiten und einer Spitze ! Schloß Neuschwansteins Reiz ist ja vor allem, daß Gesamtkunstwerk aus Landschaft und Architektur. Hier verschmilzt die menschliche Architektur mit der Natur zu einer perfekten Einheit, die man heute fast nirgends mehr sieht.
    • Die bayerischen Königsschlösser Ludwigs gelten allgemein als Kitsch. Als Welterbe wären sie höchstens interessant weil in ihnen die modernste Technik dafür eingesetzt wurde um die Illusion dessen zu erzeugen, was Ludwig II für das echte Mittelalter hielt. Ein empfehlenswerter Beitrag hierzu in der ZDF-Mediathek: Superbauten, Schloss Neuschwanstein.
      Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.
    • Stimme völlig mit Oliver überein und möchte noch ergänzen, daß der Begriff Weltkulturerbe sich nicht allein am "Alterswert" festmacht, den in diesem Forum so manche für das wichtigste Kriterium zu halten scheinen (Damit einher geht auch die verächtliche Betrachtung des Historismus und seiner Kunstwerke, das stört mich hier schon seit längerem). Begreift endlich mal, daß der Wert von Architektur nicht vorrangig am Alter festzumachen ist sondern an der Ästhetik, der baukünstlerischen Qualität.

      Ehrlich, mir geht das hier bei APH zunehmend auf die Nerven, dieser Maßstab, an dem Architektur gemessen wird. Älter heißt nicht immer besser oder kostbarer, wieso soll ich ein schlichtes mittelalterliches Haus höher bewerten als z.B. ein Jugendstilgebäude? Das war über Jahrzehnte die verhängnisvolle Sichtweise der Denkmalpflege, der so viele Bauten aus jüngerer Zeit zum Opfer fielen. Machen wir uns diese Sicht nicht zu eigen sondern betrachten die Architektur hinsichtlich ihrer Originalität und Gestaltung, unabhängig vom Alter.
      In dubio pro reko
    • Warum denn gleich so hart?!

      Wir sind Laien und lassen uns natürlicherweise von unseren persönlichen Vorlieben leiten. Die Profi-Denkmalpfleger sollten frei davon agieren können und entsprechend ein ganzheitliches Urteil fällen. Da fließen dann das Alter, Die Ästhetik sowie die historische Bedeutung in das Urteil ein.
      Für mich ist im Bezug auf das Welterbe interessanterweise Letzteres von Belang. Folglich stehen in meinen Augen der Limes, Aachen, die Hanse-Städte, die Luther-Stätten und das Bauhaus an vorderster Stelle. Auf den Rest könnte ich mehr oder weniger gern verzichten.
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe
    • Ich würde das jetzt auch nicht so harsch sehen. Die Denkmalpfleger sind (leider zum Glück) auch nur Menschen und haben ihre subjektive Meinung - so wie wir und irren, so wie wir. Ich könnte hier Geschichten vom Wiener Bundesdenkmalamt erzählen, da würde es Euch die Haare aufstellen! Ich bin mir sicher, dass der eine oder andere "Laie" hier im Forum, wissensmäßig unsere Denkmalpfleger komplett an die Wand spielen täte. Vielleicht eröffne ich einmal eine Strang "Schildbürgerstreiche aus dem Bundesdenkmalamt"...

      Ansonsten halte ich auch nicht viel von Dogmen und Materialfetischismus. Ein prachtvolles Gründerzeithaus in Leipzig sagt mir persönlich ehrlicherweise auch mehr zu als irgend ein mittelalterliches Steinhaus. Zum Glück hat jeder seine Vorlieben - sonst gäbe es ja auch keinen rekonstruierten Dresdner Neumarkt oder rekonstruierte Gründerzeitfassaden.
      „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)








    • Ich bin da ganz bei Bilderbuch. Wenn man sich die Beiträge von Oliver so anschaut dann komm ich zu dem Schluss, ein wichtiges bauhistorisches Zeugnis misst sich daran wie es von wildfremden Menschen frequentiert wird. Völliger unfug. Neuschwanstein wird doch nicht dadurch bedeutsam, dass Heerscharen von Japanern das Schloss tagtäglich heimsuchen. Eine gotische Kirche ist für mich architektonisch wertvoller als eine Neugotische auch wenn diese noch so monumentaler daherkommt. Ich kann die Neugotische sogar subjektiv schöner finden aber sie ist deswegen doch nicht bauhistorisch wertvoller. Wir reden bei Denkmalen ja zum Glück nicht nur von Optik sondern auch von gebauter Geschichte, der Entwicklung von Konstruktionsformen, Verwendung von Materialien, zeitgenössische Umstände usw.
    • @Volker: nicht aufregen :wink:

      Meinungsverschiedenheiten müssen sein. Das Spektrum an unterschiedlichen Ansichten zu Architekturfragen ist bei den Leuten, die sich beim APH aktiv beteiligen, ja eh relativ beschränkt, da im Grunde Alle hier traditionelle Architektur und Rekonstruktionen gegenüber modernistischer Architektur bevorzugen. Wenn wir jetzt auch noch in Detailfragen alle die gleiche Meinung hätten, wäre es doch ganz langweilig.

      Zum Glück gibt es hier einige Leute wie Oliver, dich und mich, die den Wert des Historismus schätzen und für den letzten Höhepunkt der abendländischen Architekturgeschichte halten. Zum Glück gibt es hier aber auch die gegenteilige Meinung von Leuten, die so "ignorant" sind, und den Romantischen Historismus tatsächlich für "Kitsch" halten ;-)

      Um zum Thema zurückzukommen: warum die Franckesche Stiftung zum Weltkulturerbe gehören soll, ist mir nicht ganz klar. Als kulturelle Institution ist die Stiftung sicherlich etwas besonderes und für unsere heutige Gesellschaft durchaus prägend gewesen. Aber als architektonisches Denkmal kann ich in ihren Gebäuden in Halle wenig Herausragendes erkennen, was diesen Status rechtfertigen würde und was für mich einfach zur Erlangung seines solchen Status dazugehört.

      Selbstverständlich halte auch ich die Königsschlösser von Ludwig II für einen würdigeren Kandidaten für´s Welterbe :-) Die abschätzigen Bemerkungen über den großen Besucherzustrom aus der ganzen Welt kann ich nicht nachvollziehen. Im Gegenteil. Auch wenn die architektonische Bedeutung eines Bauwerks die meisten Touris im Detail meist nicht interessiert, so haben sie doch in der Masse eine Ahnung von dem, was etwas Besonders ist. Genau aus diesem Grund sind beispielsweise in Frankreich das Schloss Versailles und Mont Saint Michel die am meisten besuchten Sehenswürdigkeiten und in Deutschland halt der Kölner Dom und Schloss Neuschwanstein. Deshalb: "Welterbe für Neuschwanstein" ! :wink:
    • Warum die Franckeschen Stiftungen einzigartig sind

      -Frank- wrote:



      Um zum Thema zurückzukommen: warum die Franckesche Stiftung zum Weltkulturerbe gehören soll, ist mir nicht ganz klar. Als kulturelle Institution ist die Stiftung sicherlich etwas besonderes und für unsere heutige Gesellschaft durchaus prägend gewesen. Aber als architektonisches Denkmal kann ich in ihren Gebäuden in Halle wenig Herausragendes erkennen, was diesen Status rechtfertigen würde und was für mich einfach zur Erlangung seines solchen Status dazugehört.



      Der Rang UNESCO-Weltkulturerbe ist ja nicht ausschließlich oder vordergründig eine Denkmalliste. Sondern Welterbestatus erhält die Einrichtung oder der Ort, die einen universellen Wert für die Entwicklung der Menschheit nachweisen können. Ich denke, dass trifft für die Franckeschen Stiftungen zweifellos zu.

      Die Bundesrepublik Deutschland, die als Mitglied der UN/UNESCO diesen Antrag stellen kann, wird in ihrer Begründung zum Weltkulturerbestatus Folgendes anführen:
      Kriterien für die Aufnahme in das UNESCO-Welterbe: Der Kandidat wählt diejenigen aus, die seiner Meinung nach als Begründung zutreffen. Es ist sehr selten vorgekommen, dass ein Kandidat alle Kriterien erfüllt. Über deren Erfüllung entscheidet das Welterbe-Komitee Kursiv der Bezug zu den Franckeschen Stiftungen

      1. Die Güter stellen ein Meisterwerk der menschlichen Schöpferkraft dar.
      Einzigartige christliche Bürgerbewegung aus dem 17. Jahrhundert, die durch Spenden aus aller Welt ein Beispiel sozialer und pädagogischer Zweckarchitektur erschaffen hat und die bis heute in ihrer ursprünglichen Form genutzt wird. Erschaffen ursprünglich ohne staatliche, höfische oder kirchliche Unterstützung.

      2. Die Güter zeigen, für einen Zeitraum oder in einem Kulturgebiet der Erde, einen bedeutenden Schnittpunkt menschlicher Werte in Bezug auf die Entwicklung von Architektur oder Technologie, der Großplastik, des Städtebaus oder der Landschaftsgestaltung auf.
      Der historische Gebäudekomplex, auf einem geschlossenen Areal mitten in der Stadt Halle gelegen, ist bis heute weitgehend erhalten geblieben. Das Lange Haus im oberen Lindenhof ist die größte Fachwerkkonstruktion Europas. Es misst über 110 Meter und bis zu sechs Stockwerke. Quelle: Georg Giersberg: Kinderzentrum statt Waisenhaus, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. Dezember 2010

      3. Die Güter stellen ein einzigartiges oder zumindest außergewöhnliches Zeugnis von einer kulturellen Tradition oder einer bestehenden oder untergegangenen Kultur dar.
      Die Stiftungen sind Ursprung der pietistisch-evangelikalen Prägung der Neuen Welt, vor allem der USA. Hier wurden die Missionare ausgebildet, die das erweckungsgläubige Amerika geprägt haben. Evangelikales Amerika Henry Melchior Mühlenberg als Begründer des amerikanischen Protestantismus

      4. Die Güter stellen ein hervorragendes Beispiel eines Typus von Gebäuden, architektonischen oder technologischen Ensembles oder Landschaften dar, die einen oder mehrere bedeutsame Abschnitte der Geschichte der Menschheit versinnbildlichen.
      siehe Punkt 2

      5. Die Güter stellen ein hervorragendes Beispiel einer überlieferten menschlichen Siedlungsform, Boden- oder Meeresnutzung dar, die für eine oder mehrere bestimmte Kulturen typisch ist, oder der Wechselwirkung zwischen Mensch und Umwelt, insbesondere, wenn diese unter dem Druck unaufhaltsamen Wandels vom Untergang bedroht wird.
      Nicht zutreffend. Kriterium gilt eher für Naturdenkmale

      6. Die Güter sind in unmittelbarer oder erkennbarer Weise mit Ereignissen oder überlieferten Lebensformen, mit Ideen oder Glaubensbekenntnissen oder mit künstlerischen oder literarischen Werken von außergewöhnlicher universeller Bedeutung verknüpft. (Das Komitee einigte sich, dass dieses Kriterium in der Regel nur in Verbindung mit anderen Kriterien angewandt werden sollte.)
      Kriterium ist verknüpft mit Punkt 1. Das historische Waisenhaus mit der Kunst- und Naturalienkammer als ältestem bürgerlichen Museumsraum Deutschlands, das Francke-Kabinett, und die historische Bibliothek der Stiftung mit barockem Kulissenmagazin.

      7. Die Güter weisen überragende Naturerscheinungen oder Gebiete von außergewöhnlicher Naturschönheit und ästhetischer Bedeutung auf.
      Nicht zutreffend. Gilt eher für Güter die sowohl Kultur- als auch Naturdenkmal sind.

      8. Die Güter stellen außergewöhnliche Beispiele der Hauptstufen der Erdgeschichte dar, darunter der Entwicklung des Lebens, wesentlicher im Gang befindlicher geologischer Prozesse bei der Entwicklung von Landschaftsformen oder wesentlicher geomorphologischer oder physiogeografischer Merkmale.
      Nicht zutreffend. Gilt eher für Naturdenkmale.

      9. Die Güter stellen außergewöhnliche Beispiele bedeutender in Gang befindlicher ökologischer und biologischer Prozesse in der Evolution und Entwicklung von Land-, Süßwasser-, Küsten- und Meeres-Ökosystemen sowie Pflanzen- und Tiergemeinschaften dar.
      Nicht zutreffend. Gilt eher für Naturdenkmale.

      10. Die Güter enthalten die für die Insitu-Erhaltung der biologischen Vielfalt auf der Erde bedeutendsten und typischsten Lebensräume, einschließlich solcher, die bedrohte Arten enthalten, welche aus wissenschaftlichen Gründen oder ihrer Erhaltung wegen von außergewöhnlichem universellem Wert sind.
      Nicht zutreffend. Gilt eher für Naturdenkmale.

      Es hat wenig Sinn, Dinge miteinander zu vergleichen, die nicht vergleichbar sind. Vor allem wenn zu stark der Liebhabereigedanke bei einigen APH-Foristen im Vordergrund steht. Staatlich-kirchlich finanzierte Schlösser, Kirchen, Residenzen oder Burgen mit einer privaten christlich-bürgerlichen Weltbewegung zu vergleichen, wäre für Architektur-, Kunst- oder Religionswissenschaftler einfach nur undenkbar. Die barocke Schulstadt in Halle ist in Entstehung, Bedeutung, Ausprägung und Wirkung in der Welt ohne Beispiel. Verglichen mit den bisherigen deutschen Welterbeorten können die Stiftungen allemal mithalten, wenn nicht gar eigene Maßstäbe setzen.

      Luftbild der Franckeschen Stiftungen.
      Das Gesamtensemble der historischen Schulstadt steht seit 1998 auf der deutschen Vorschlagsliste für das UNESCO Weltkulturerbe.
      © Horst Fechner

      The post was edited 7 times, last by Roland ().

    • @Roland: vielen Dank für deine Erläuterungen. Meine sehr subjektiven Kriterien entsprechen sicherlich nicht den offiziellen Anforderungen an die Vergabe des Titels. Und das ist auch gut so, weil Geschmacksfragen, die für mich wichtig sind, bekanntermaßen äußerst strittig sind. Hoffen wir, dass Halle mit der Bewerbung erfolgreich sein wird. DIe Stadt hätte es verdient mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.
    • Ich möchte hier mal klarstellen: Ich lehne Historismus nicht grundätzlich ab, aber es gibt Historismus und es gibt Historismus. Mir gefällt Neo-Renaissance besser als Neo-Barock, Neo-Romanik Besser als Neo-Gotik. Eine nach palladianischen Grundsätzen errichtete Villa gefällt mir besser als Berliner "Sahnetorten"-Architektur, á la Ku-Damm. Werkstein ziehe ich Stuck vor. Ja und? Neuschwanstein ist für mich Kitsch, aber deshalb verabscheue ich es nicht. Für mich ist ein reines Historismus-Gebäude, das im Innern aus Backstein, Stahl, Gips und Stuck besteht halt nur kein Welterbe weil eben weder materiell noch ideell einzigartig.
      Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.
    • Für mich ist Neuschwanstein definitiv Welterbe, da es wohl DAS Idealbild eines romantischen Schlosses ist, weltweit gibt es nichts vergleichbares. Hier gehen die Natur der Berge und die in sie eingebettete Architektur eine einzigartige Symbiose ein. Es ist eines der berühmtesten Wahrzeichen Deutschlands, oder gar Europas, Millionen aus aller Welt besuchen das Schloss, um sich verzaubern zu lassen. Ich finde, ein Bauwerk mit solcher Ausstrahlung und Prominenz kann man gar nicht hoch genug einstufen, allein aus patriotischer Sicht. Ja, es ist Historismus, und zwar in seiner schönsten Form.
      In dubio pro reko
    • Schloss Neuschwanstein ist sicherlich ein absolut unumstrittenes Sightseeing-Highlight - vor allem bei Asiaten und Amerikanern -, aber es als universelles Welterbe zu betrachten, dürfte nicht ausreichen. Bei einer Verknüpfung Natur- und Kulturdenkmal wäre etwas dran, aber gerade Burgen, Kirchen und Schlösser sind ja eben bisher recht häufig auf der Welterbeliste gelandet, was im Umkehrschluss somit die bisherige Qualität des (deutschen) Welterbes in Frage stellt. Aber auf der anderen Seite wird es schwierig, die Einmaligkeit zu belegen bzw. zu hinterfragen, weshalb andere Schlösser und Burgen auf der Liste sind und Neuschwanstein nicht. Aber da spielt Politik eine wichtige Rolle. Seit dem letzten Jahr ist Deutschland der größte Beitragszahler der UNESCO, nachdem die USA wegen Palästina ihre Beitragszahlung ausgesetzt haben, und gleichzeitig haben die Bundesländer das innerdeutsche Vorschlagsrecht und hier wird stark auf Proporz geachtet. Darum sind Stätten Welterbe geworden, die unter genauerer Anwendung der Kriterien nicht universell und einmalig sind.
    • Verstehe, wer das wolle, aber unter diesen Parametern müsste Görlitz schön längst Unesco-Weltkulturerbe sein - ist es aber (noch immer) nicht! Dass Neuschwanstein einzigartig ist, das ist ohnedies klar und von mir aus durchaus welterbewürdig vor allem, wenn man die Bedeutung und Geschichte kennt, die dahinter steht.
      „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)








    • Generell nochmal kurz: Für mich impliziert der Begriff "Welterbe" nicht unbedingt eine globale Einzigartigkeit; sondern vielmehr eine Verpflichtung der Weltgemeinschaft zum Schutz eines besonderen Erbes. Und besonders ist verdammt Vieles auf dieser Welt, deswegen sehe ich die "Gefahr" einer Inflationierung von Welterbe nicht. Hier sollte es nicht primär um touristische Interessen zur Vermarktung gehen, sondern um den Schutz - wobei das eine das andere natürlich befördern kann.


      Nun noch eine kleine Aktualisierung zu meinem Mecklenburg:

      Meine Heimatstadt Neubrandenburg hat die Bemühungen in Richtung Welterbe für seine historischen Wehranlagen / die Stadtmauer samt der 4 erhaltenen backsteingotischen Stadttore zunächst eingestellt. In Beitrag #60 hatte ich über die Pläne berichtet.

      Dafür will Schwerin mit seinem Schloss vorpreschen. In Kombination aller herrlich komponierter Elemente und der grandiosen einmaligen Lage sehe ich die Chance, es als Musterknaben des Historismus auf die Liste zu bringen. Eher gar noch als Neuschwanstein, das zwar bekannter ist, aber qualitativ doch irgendwie deutlich darunter anzusiedeln ist aus meiner Sicht.

      Dazu noch ein schönes (freies) Symbolbild vom Schweriner Schloss, aus luftiger Höhe:


      Quelle: Harald Hoyer, Wikimedia Commons


      Auch das Doberaner Münster hat Welterbe-Ambitionen, zurecht wie ich meine.

      Zudem könnte man die herrliche Bäderarchitektur ins Visier nehmen, die in Mecklenburg im 18. Jahrhundert ihren Anfang nahm, allerdings ist da eine eindeutige Abgrenzung mitunter schwierig.

      The post was edited 4 times, last by erbse ().

    • Für mich ist der Begriff Welterbe dennoch mit einer gewissen weltweiten Einzigartigkeit verbunden. Bei aller Liebe, aber bei den 3 vorgeschlagenen Stätten in MVP kann ich diese Einmaligkeit nicht unbedingt erkennen. Was macht die Stadtmauer von Neubrandenburg einmaliger als die von Nürnberg, Rothenburg oder Nördlingen? Was ist am Doberaner Münster so herrausragend gegenüber anderen Backsteinkirchen des Nordens? Das Schweriner Schloss ist sicher einzigartig, das stimmt. Sinnvoller als dieser immer gleiche Welterbelauf wäre es vielleicht mal eine Stiftung deutsches Erbe zu gründen, die ähnlich wie die Unesco, besonders herausragende Erbestätten in Deutschland auszeichnet und fördert, auch Kulturlandschaften.
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    • Ein Vorschlag von mir, der wahrhaft grenzüberschreitend wäre, wäre "ehemalige Deutsche Bundes- und Reichsfestungen" Die Stätten würden in Deutschland, Luxemburg und Frankreich liegen. Neben dem Aspekt der Völkerverständigung, man könnte hier zeigen, wie die frühere Angst voreinander, die zum Bau der Festungssysteme und letzlich auch zu deren, aus heutiger Sicht sinnloser Zerstörung aufgrund der Bedingungen des Versailler Vertrags führte, auch den "Schönbau" im Festungswesen beleuchten. Wer solche Anlagen kennt, weiss wieviel Wert neben dem praktischen Nutzen auf den ästhetischen Wert bei der Ausgestaltung gelegt wurde. Mir würden in diesem Fall spontan die Festungen Luxemburg, Metz/Thionville, Straßburg, Ulm, Ingolstadt, Koblenz, Germersheim, Mainz einfallen.
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