Das lebendige Berliner Schloss

  • @Pagentorn Ob WII sich da bewusst das mittelalterliche Reisekönigtum zum Vorbild genommen hat? Zumindest bis ins Hochmittelalter hatten die deutschen Könige ja gar keine feste Residenz, sondern zogen mit ihrem Hofstaat von Pfalz zu Pfalz. Was damals Sinn ergab (man konnte für so viele Menschen gar nicht dauerhaft Vorräte an einem Ort anlegen), bedeutete im 19. und 20. Jahrhundert aber eine massive Ressourcenbindung sowohl an Immobilien als auch an Personal. Man kann das Brotgeber nennen, oder auch Verschwendung - je nach Standpunkt. Die innere Einigung des Reiches hat es sicherlich befördert; insofern kann man es als gute Investition betrachten.

  • Lieber UrPotsdamer,

    bei dem historischen Sinn, den S.M. zweifelsohne hatte, mag ihm die Traditionslinie des von den Karolingern, über die Sachsen, Salier, Hohenstaufen, Luxemburger bis hin zu den frühen Habsburgern gepflogenen Reisehofstaats durchaus bewußt gewesen sein. Allerdings wird diese für ihn nicht im Vordergrund gestanden haben. Vielmehr werden die Vorbilder der britischen und russischen Verwandtschaft einflußreicher gewesen sein: London, Windsor, Balmoral, Osborne House, Sandringham bzw. Winterpalast, Zarskoje Selo, Livadia).

  • Neujahrsparole

    Anbei ein kurzer Film mit Originalaufnahmen des Gangs des Kaisers (mit seinen sechs Söhnen) vom Schloß zum Zeughaus anläßlich der Ausgabe der Neujahrsparole für die Berliner Garnison. Leider wurde beim Zusammenschnitt der Szenen der Hin- und Rückweg chronologisch mehrfach durcheinandergewirbelt..

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  • Paroleausgabe 1959

    Die Filme und Bilder der Parolesausgaben (im obigen Fall aus dem Jahre 1912) waren im Volk so allgemein bekannt und verbreitet, daß man sich noch Jahrzehnte später auf diese - sich vor dem Hintergrund des Schlosses abspielende - Zeremonie beziehen konnte, ohne sich dabei umständlich erklären zu müssen. Selbst die Wahl eines anderen örtlichen Kontextes war möglich, wie man an dem folgenden Deckblatt einer anläßlich des zehnjährigen Bestehens der Bundesrepublik herausgegebenen Karikaturensammlung ersehen kann. Konny bei der Paroleausgabe vor dem Kölner Dom. Wer hätte des von ihm gedacht... ? ;)

  • Bevor S.M. sich ins Zeughaus begab, schritt er noch die Front des Kaiser Alexander Garde Grenadier Regiments Nr. 1 ab.

    Das Schloß, die Kommandantur, die Garde und der Kaiser. Ein eindrucksvoll komponiertes Bild !


  • Das lebendige Stadtschloß im Film ( Anno 1914)

    Ein US-Amerikaner (möglicherweise ein Botschaftsangehöriger) filmte im Jahre 1914 Alltagsszenen in Berlin. Dabei kam ihm auch mehrfach das Kgl. Schloß vor die Linse...

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  • Zum 22. 'März

    Ein - leider erneut um einen Tag verspäteter - Gruß.

    Diesmal zum Geburtstag des alten Kaisers (Wilhelm I.) : Choralblasen vom Roten Rathaus am 22. März 1880; mit Blickrichtung Schloßkuppel. Man sieht: Die Berliner feiern Ihren König (es ist nur Schwarz-Weiß geflaggt ) .

  • Aus des Kaisers Stallungen

    An herrschaftlichen Kutschen gab es 12 an der Zahl.

    Staatskarosse, 1781 in Strasbourg gebaut.

    Quote from Pagentorn

    Der teilrestaurierte Krönungswagen in Schloß Paretz.

    Staatskarosse, ein Hochzeitsgeschenk von Kaiser Wilhelm I. an seinen Enkel

    Die Kutsche Friedrichs des Großen, 1701 gebaut für König Friedrich I.

    Der Landauer der Kaiserin

    Schlachtross (?) des Kaisers (oder wie übersetzt man diese Funktionsbezeichnung? Ich kenne mich mit Pferden nicht aus...)

    Des Kaisers Lieblingspferd

    Araberhengst des Kronprinzen - Ruheil - ein Geschenk des türkischen Sultans.

    Das Reitpferd der Kaiserin - Siegfried.

    Kutscher und Stallmeister.

    Abbildungen aus der monatlichen Zeitschrift "The Strand Magazine" UK 1896 (The Palaces and Stables of the German Emperor) und dem Buch "The Emperor of Germany at Home" von Maurice Leudet, London 1898.

    Neben detailierten Angaben zu Farben von Verzierungen an den Kutschen und Uniformen steht da die unglaubliche Zahl von 150 weiteren Kutschen (für Hofstaat, Gepäck etc.) und mehr als 340 Pferde... Kann das sein? Alles im Neuen Marstall?

  • Eine Kutsche hab ich noch gefunden, den offenen Jagdwagen

    Quelle: "Aus dem Marstall des deutschen Kaisers" 1901 von Fedor von Zobeltitz, erhältlich als Faksimile in der Sammlung Berlin Archiv Edition

  • Fackeltanz (muss das geräuchert haben... :schockiert:)

    Fackeltanz im Weißen Saal zur Doppelhochzeit 1878

    (Vermählungen zweier Prinzessinnen des kaiserlichen Hauses, die der Prinzessin Charlotte v. Preußen, der ältesten Tochter des Kronprinzen (später Friedrich III.), mit dem Erbprinzen Bernhard v. Sachsen-Meiningen, so wie die der Prinzessin Elisabeth, der zweitältesten Tochter des Prinzen Friedrich Karl, mit dem Erbgroßherzog August v. Oldenburg)

    aus der brit. Zeitung "The Graphic" vom 2. März 1878

    Eine ausführliche zeitgenössische Beschreibung der Vermählungsfeierlichkeiten findet sich hier. Ein Auszug daraus:

    "...Nach aufgehobener Tafel begann im weißen Saale der Fackeltanz. Nach einer althergebrachten Sitte hält das Brautpaar, unter dem Vortritte der Minister, welche brennende Wachskerzen in Händen tragen, mit jeder einzelnen anwesenden Fürstlichkeit in der Reihenfolge des Ranges derselben einen feierlichen Umzug durch den Saal. Diesmal belief sich die Zahl derer, die den Fackeltanz ausführten, auf einundzwanzig fürstliche Häupter. Unter den Klängen eines rauschenden Festmarsches luden zuerst die beiden neuvermählten Fürstinnen den Kaiser durch eine Verbeugung zum Fackeltanze ein, hierauf folgte die Kaiserin, von den beiden jungen Gatten aufgefordert, sodann hielten die beiden neuvermählten Fürstinnen mit dem Kronprinzen, die Gatten mit der Frau Kronprinzessin ihren Umzug fort, bis die Reihe der anwesenden Fürstlichkeiten beendet war.

    Die Sitte des Fackeltanzes, welche in früheren Jahrhunderten an Höfen sowohl als in bürgerlichen Kreisen stattfand, versinnbildlicht das Licht, welches die Heimstätte der Neuvermählten erhellen, die heilige Flamme des häuslichen Heerdes entzünden soll...."

  • Hatten wir das schon? Banquett im Weißen Saal. Leider nicht sehr groß das Bild. Und sieht nicht sehr üppig aus die Tafel, oder?

    Ich hab noch eine bessere Aufnahme gefunden, diesmal mit Jahreszahl. 1878

    Diese Jahreszahl führte mich zum Berliner Kongress, im Juni/Juli 1878 in Berlin angehalten wurde und bei dem über die Balkankrise verhandelt wurde. Dazu trafen sich Abgeordnete und Bevollmächtigte aus 10 Ländern, die einen Monat lang im Palais Radziwill tagten, auf Einladung von Bismarck, der dort seit 1878 residierte und als Reichskanzler seinen Sitz hatte.

    Zurück zum Weißen Saal im Schloss. Eine zeitgenössische Grafik in der französischen Zeitung "Le Monde illustré" vom 22. Juni 1878 zum Berliner Kongress zeigt das Eintreffen der Bevollmächtigten in Galakutschen am königlichen Schloss sowie interessierte Schaulustige und Wachpersonal davor.


    Quelle: Gallica, gemeinfrei

    Ich denke, Kaiser Wilhelm I. könnte als Staatsoberhaupt des gastgebenden Landes zur Begrüßung zu einem kleinen Bankett mit Umtrunk geladen haben. Deswegen vielleicht die bescheidene Eindeckung der Tische. Oder der Hauptgang kam erst noch. Ohne Foto. :wink:

    Kann natürlich auch für einen ganz anderen Anlass gewesen sein die Tafel... ehrlich gesagt, ich finde die Blumensträusse zu hoch.

  • Nun, wegen der "zu hohen Blumen", so denke ich, könnte dies vielleicht gerade für Diplomaten ein Hinweis auf die Redewendung gewesen sein, etwas diplomatisch "durch die Blume" zu sagen.

    Die auf dem Foto gezeigte Tafel war vielleicht deshalb nicht so überbordend reich gedeckt, weil eben die Arbeit im Mittelpunkt des Berliner Kongresses von 1878 stehen sollte. Im Übrigen war Kaiser Wilhelm I. allerdings auch für seine Sparsamkeit bekannt. Man erzählt von ihm, dass er, wenn er auf Reisen Empfänge geben musste, er aus Sparsamkeit diese auf mittags um zwei Uhr festlegte, weil es dann für ein Mittagessen zu spät und für die Kaffeetafel zu früh gewesen sein. Ob dies allerdings so stimmt, kann ich nicht beurteilen, es wird ja Vieles erfunden und ich selbst war ja nicht zugegen.

  • Im Übrigen war Kaiser Wilhelm I. allerdings auch für seine Sparsamkeit bekannt. Man erzählt von ihm, dass er, wenn er auf Reisen Empfänge geben musste, er aus Sparsamkeit diese auf mittags um zwei Uhr festlegte, weil es dann für ein Mittagessen zu spät und für die Kaffeetafel zu früh gewesen sein.

    Muss ich mir merken! :lachentuerkis:

  • Hat eigentlich jemand mal herausgefunden, wofür dieses orientalische Zelt im Schlüterhof aufgestellt wurde? Hat ein Sultan als Gast dort genächtigt, diente es als Empfangszelt oder fürs Catering? Eine Kutsche passt doch schlecht durch. Lässt sich was aus den Räumen hinter dem Schlüterportal oder dem Flügel ableiten?

    Aufnahme aus der Zeit Kaiser Wilhelms II. oder heißt es Zelt aus der Zeit Kaiser Wilhelms II. und Aufnahme von 1939? Vielleicht für das Schlossmuseum aufgestellt? Egal wie - einen Nutzungszweck zu Willy's Zeiten muss es gehabt haben.

    Quelle: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

  • Ich kann es mir nur so erklären, vom 11.,Oktober - 26.November 1898 unternahm Kaiser Wilhelm ll eine Pilgerreise nach Jerusalem ( übrigens über Thomas Cook gebucht ). Höhepunkt war die Einweihung der Erlöserkirche in Jerusalem am Reformationstag 31.Oktober 1898 in Jerusalem. Außerhalb der Mauern von Jerusalem wurde für den Kaiser und seinen gesamten Tross eine Zeltstadt errichtet. In dieser nächtigte auch der Kaiser. Da das Bild 1939 aufgenommen wurde ist es vielleicht ein Gastgeschenk anlässlich dieser Reise und wurde im Rahmen der damals exestierenden Kunstgewerbeausstellung gezeigt worden.

    Aber vielleicht weiß ein anderer mehr !

    Empfang in Jerusalem


  • Kaiser Wilhelm II. entwarf das Zelt im Schlüterhof 1904 selbst. Es diente als überdachte Vorfahrt.

    Quelle: Geyer, S. 147.

    Handzeichnung des Kaisers auf der Rückseite der Menükarte von der Königlichen Abendtafel am 6. März 1904.

    Quelle: Geyer, S. 147.

    Aufnahme um 1910.

  • Vielleicht im Vorfeld des kaiserlichen Besuchs in Marokko?

    Wer einer Halbwahrheit eine weitere Halbwahrheit hinzufügt, schafft keine ganze Wahrheit, sondern eine ganze Lüge.

  • Uiuiui, da hab ich mich doch ganz schön verschätzt bei den Dimensionen des Schlüterhofs. Das Zelt kam mir so klein vor, dass ich dachte, eine Kutsche würde schlecht da durchpassen.

    Nun hab ich mal einen Größenvergleich angestellt und eine Überlagerung zweier Bilder gemacht. Da sieht man mal, wie klein ein Mensch neben dem Schlüterportal (roter Pfeil) ist.

    Überlagerung von mir

    Originalbilder:

    Quelle: Wikipedia

    Quelle: Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

    Abgesehen davon war mir nicht bekannt, dass der der Willy so gut zeichnen konnte... :lachentuerkis: