Rothenburg ob der Tauber

  • Das Gebäude soll in unmittelbarer Sichtweite gegenüber des Rödertores und der Maueranlagen gebaut werden. Keine 100 m entfernt. In dem eigentlich geschützten Bereich findet man derzeit fast ausschließlich gründerzeitliche Bebauung. Siehe Anhang.

  • Verstehe... Ja, ist auch für mich nicht begreifbar, warum man ausgerechnet hier einen modernen Bau hinstellen muss und warum der so scheußlich aussehen muss. Ein angepasster Bau mit vernüftigem Dach hätte es doch sicher auch getan... :/
    Kann mir denn mal wer erklären, warum es keinen größeren Aufschrei in der Stadt deswegen gibt. Rothenburg will doch auch Weltkulturerbe werden...


    Und mag uns auch einmal wer die Windparks einzeichnen? Sind die tatsächlich so nahe der Stadt und direkt sichtbar?

  • Das geplante Gebäude ist von unfassbarer Banalität. Und das an einem solchen Standort. Man fasst diesen Verfall jeglichen ästhetischen Empfindens nicht oder diese beschränkte Gier, auch endlich eine "normale" BRD-Kleinstadt werden zu wollen. Offenbar wird ihnen die Last der Geschichte und Besonderheit zu viel, und man sieht seine Zukunft darin, sich einem Vorort Bottrops oder dem Industriegebiet Pinnebergs anzunähern.

  • ^ Vielleicht auch eine Reaktion auf diese Geisteshaltung?:

    Was die Stadt braucht, sind nicht Fremde, die keinen Bezug zu der Stadt haben, sondern ihre Ruhe. Die Leute wollen endlich mal unter sich sein, wollen, dass ihre Stadt eine normale Stadt ist und kein Ort, deren erste Funktion darin besteht, besichtigt zu werden.


    Wenn selbst hier im Forum so gedacht wird, verwundert diese Einfalt in Rothenburg doch kein bisschen. :buchlesen:

  • Was die Stadt braucht, sind nicht Fremde, die keinen Bezug zu der Stadt haben, sondern ihre Ruhe. Die Leute wollen endlich mal unter sich sein, wollen, dass ihre Stadt eine normale Stadt ist und kein Ort, deren erste Funktion darin besteht, besichtigt zu werden.

    Ich entschuldige mich im Vorfeld für meinen Sarkasmus, denn wenn die Lage so ist, dann ist es direkt schade, dass Rothenburg nicht heilbronnisiert oder pforzheimisiert wurde, denn dort sind die Leute unter sich und werden nicht durch Besucher belästigt.

    Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

  • Bitte lass es nicht so aussehen, als seien es meine Worte - es sind die von Zeno. ;)


    Unterschwellig schimmert da ja eine gewisse Fremdenangst (Fremdenhass?) durch, ein Signet des Lebens in der Provinz. Nun, Rothenburg ist sicherlich auch im bayrischen Kontext eher Provinz - aber sollte es sich angesichts seiner Stellung so gerieren? Ich meine nicht. Es könnte vielmehr ein Regensburg im Mikroformat sein, das gefiele sicher nicht nur mir deutlich besser. Soziokulturell gesprochen.

  • Ich denke nicht, dass die Rothenburger eine Aversion gegen
    Fremde haben, im Gegenteil. Die meisten sind ja stolz darauf, dass die Leute aus
    aller Welt hier her kommen.



    Was vielen aber sauer aufstößt, ist der unsägliche Weihnachts-, Plüschtier- und Ritterkitsch, der
    Handel und Gastronomie hier maßgeblich prägt (Stichwort Käthe Wohlfahrt) und in dem die Stadt regelrecht
    ersäuft. Ein Overkill des schlechten Geschmacks, der dem Image der Stadt
    schadet, ja diese regelrecht der Lächerlichkeit preisgibt. Das Entstehen eines qualitativ
    hochwertigeren Tourismus wird dadurch verhindert, da Rothenburg als Reiseziel bei
    vielen schlicht als peinlich gilt.



    Ich vermute, aus diesem Grund sind vielen Einheimischen
    "moderne Akzente" bzw. das, was sie dafür halten, willkommen, weil sie
    glauben, so könnte die Stadt sich aus dieser Falle befreien. Sie übersehen dabei
    aber, dass nicht die 'Verpackung' (architektonisches und kulturelles Erbe),
    sondern der Inhalt (uncoole, angestaubte Läden, Cafés und Restaurants usw.) das
    Problem ist.

  • Das Entstehen eines qualitativ
    hochwertigeren Tourismus wird dadurch verhindert, da Rothenburg als Reiseziel bei
    vielen schlicht als peinlich gilt.

    Das gleiche gilt für Neuschwanstein oder Einzelobjekte wie das Niederwalddenkmal einschließlich Rüdesheim. Dabei ist es jammerschade, da Rothenburg wirklich ein mittelalterliches Juwel ist. Die extreme Verkitschung mit ganzjährigem Weihnachtsmarkt und dergleichen ist aber alleine die Schuld der Rothenburger, die sowas zugelassen haben und es immer noch tun, weil man eben jetzt nicht mehr zurück kann, da die Touris das wollen. Warum das gerade in Rothenburg so eskaliert ist, weiss der Himmel. Dinkelsbühl, Goslar, Quedlinburg, die durchaus vergleichbar sind was Bedeutung und Erhaltungszustand und Touri-Hotspot-Qualitäten betrifft, sind da ganz anders. Nicht mal der Heidelberg-Kitsch ist so schlimm.

    Der deutsche Pfad der Tugend ist immer noch der Dienstweg.

  • So ist es. Wobei man mit einem etwas anspruchsvolleren Angebot, auch andere Gäste locken könnte. Erste zarte Ansätze, das Warenangebot etwas aufzufrischen, sieht man derzeit in der Rödergasse...noch sind es nur Idealisten.
    Rothenburg sollte viel stärker noch auf kulturelle Angebote setzen. In Schwäbisch Hall hat man gesehen, wie Kultur (Stichwort Würth) eine ganze Stadt beflügeln kann.
    Darüber hinaus versucht Rothenburg Hochschulstandort zu werden. Auch das meiner Meinung nach ein sehr guter Ansatz. Ich renoviere hier nicht seit zwei Jahren ein altes Haus, um mir dann banale Kistenarchitektur vorsetzen zu lassen :angry: :wink:

  • Das leerstehende Heilig-Geist-Spital wird künftig als Wohnheim für Berufsschüler nutzbar gemacht.


    Quote

    Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) fördert die Fassadeninstandsetzung am Heilig-Geist-Spital in Rothenburg ob der Tauber mit 70.000 Euro. Anlässlich der Förderung überreicht Elisabeth Balk vom Ortskuratorium Fränkische Stadtbaumeister der DSD am 30. Juli 2015 um 15.00 Uhr gemeinsam mit Friedrich Müller von Lotto Bayern bei einem Pressetermin einen symbolischen Fördervertrag an den Oberbürgermeister Walter Hartl. Die Mittel stehen insbesondere für die Natursteinarbeiten an den Fassaden des stattlichen Gebäudes des 16. Jahrhunderts zur Verfügung, die durch eindringende Feuchtigkeit nötig wurden. Durch sehr langen Leerstand und altersbedingt finden sich deutliche Schäden am gesamten Dachwerk, dem aufgehenden Mauerwerk und allen Raumschalen, Fenstern und der Haustechnik.


    Der sogenannte Neubau in Rothenburg ob der Tauber entstand 1574-78 als neues Hauptgebäude für das seit dem 13. Jahrhundert auf dem heutigen Areal entstandene Spital. Parallel zur Spitalkirche angeordnet bildet der Neubau das bauliche Herzstück des nach der Reformation systematisch ausgebauten Spitals und dominiert mit seinem mächtigen, von Pilastern gegliederten Giebel eindrucksvoll den südlichen Teil der Spitalgasse. [...]


    Hilfe für das Heilig-Geist-Spital - Deutsche Stiftung Denkmalschutz



    Bildquelle: Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Schabe

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Etwas nackt wirkt die nach Befund weiß gestrichene Ratstrinkstube. Das liegt sicher auch daran, dass außer dem Zifferblatt kaum farbige Elemente etwa in Form von Klappläden eine angenehmes Gegengewicht bilden so wie es in der Schweiz bei dieser Farbwahl an historischen Gebäuden üblich ist. Spontan erinnert der zum Marktplatz ausgerichtete Giebel in dieser Farbfassung an Gebäude aus dem Schwäbischen. Wären wenigstens die übrigen, steinernen Elemente wie jene der Fenstergewände im Erdgeschoss vom Grau verschont geblieben, könnte ich mich damit anfreunden.


    Mal abgesehen von der Ratstrinkstube, die Fensterversprossung der Gebäude links davon im zweiten und dritten Obergeschoss sind unzureichend und werden qualitativ einer mittelalterlichen Idealstadt nicht unbedingt gerecht. Solch eine Versprossung wirkt kitschig.


    Jeder, der sich die Fähigkeit erhält Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.
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    Edited once, last by zeitlos ().

  • Beim inzwischen abgebrochenen Gebäude handelte es sich um die ehemalige Metzgerei Albig zwischen Hotel und Gasthof Rappen.


    Die frei werdende Fläche dient der Erweiterung des Hotel Rappen, welches, auch links auf Zenos Bild zu erkennen, mit seinen Plastikfenstern anschließt (http://exp.cdn-hotels.com/hote…/3062130/3062130_23_z.jpg).


    Rechts vom abgebrochenen Gebäude befindet sich der Gasthof Rappen (http://media-cdn.tripadvisor.c…c6/62/bb/hotel-rappen.jpg, https://media.holidaycheck.com…/images/41/1156586100.jpg).


    Hier die Artikel mit Ansicht und Visualisierung des Erweiterungbaus:
    http://www.nordbayern.de/regio…=Um90aGVuYnVyZyBvLmQuVC4=
    http://www.nordbayern.de/regio…d-jetzt-konkret-1.4228990


    Ich kann nur hoffen, dass diese formal fast harmlose, aber eben doch lieblose Gestaltung des Mittelgebäudes tatsächlich Brüstungen im Erdgeschoss erhält wie es die jüngere Nordansicht im Gegensatz zur Visualisierung zeigt. Ein gravierender Fehler die Fensterversprossung betreffend, den ich bereits bei den Marktplatzgebäude in vorigem Beitrag moniert hatte, wird just hier in den oberen Geschossen vermutlich sogar unbewusst übernommen, weil es inzwischen schlicht Usus ist. Das hat man in Rothenburg wie andernorts in Bayern einreißen lassen und bekommt es nicht mehr in den Griff! Ergebnis sind diese halbblebigen, kitschigen Fensterlösungen. Ich gehe davon aus, dass hierbei wie beim angrenzenden Hotel Rappen Kunststoff zum Einsatz kommt. Dass Fensterläden dem Neubau nur gut täten wie beim rechten Gasthof augenscheinlich zu sehen ist, sei ergänzend erwähnt.


    Angesichts der wirtschaftlich guten Aufstellung des Rappen, der Auslastungsquote und Erweiterungen, sollten weitere Gestaltungsdetails im Sinne des Ortsbildes selbstverständlich sein und einkalkuliert werden können. Hingegen spricht insbesondere der peinlich prominente Verbindungsbau zwischen Hotel Rappen und Neubau jene provinziell-modernistische Sprache, in der Feingefühl für den Genius loci bereits verloren ist. Die städtisch vorgeschriebenen Gestaltungskriterien werden bestenfalls zähneknirschend in Kauf genommen. Vom guten Ruf der alten Stadt zehren wollen, aber eben nur widerwillig und wenn es nichts extra kostet zu Gunsten ihres Erscheinungsbildes einen Beitrag leisten.


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  • Kritisiert ist schnell.
    Konstruktive Verbesserungsvorschläge auf Grundlage der bisherigen Planung veranschaulichen wie es besser zu machen wäre:



    Festzuhalten bleibt: Eine noch so verträgliche Neubau-Lösung relativiert den Abbruch des Vorgängergebäudes aus dem 17.Jahrhundert aus meiner Sicht nicht.


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  • Interessanter Artikel aus dem Jahr 2009, der sich kritisch mit unserem Umgang der Altstädte auseinandersetzt.
    Rothenburg o.d.T., die mittelalterliche Stadt in der Bundesrepublik, nimmt dabei einen Schwerpunkt ein.



    Quote

    Nie sahen unsere Altstädte so proper aus wie heute. Und doch sind viele gefährdet: Kommerz, Tourismus und Musealisierung drohen die einen zu sterilisieren. Den anderen fehlen Bewohner und Geld für die nötige Pflege. | Harald Bodenschatz, Johannes Geisenhof


    Quote

    Die in den 70er-Jahren geschmiedete Generation der Liebhaber der Altstädte verlässt langsam die Bühne von Politik und Fachwelt. Die neuen Generationen haben die Konflikte der 70er-Jahre nicht mehr erlebt. Die postindustriellen Altstädte, mit denen sie aufgewachsen sind, sind meist umfassend erneuert worden. Sie sind für sie selbstverständlich und oft kein Gegenstand besonderer Liebe mehr. Das mussten auch die Institutionen der Denkmalpflege erfahren – sie wurden zum Teil empfindlich geschwächt. Zugleich sind die Altstädte harten neuen Herausforderungen ausgesetzt. Der Abschied von der Industriegesellschaft stellt auch die Altstädte auf die Prüfbank der Zukunftsfähigkeit. Zwar haben sie sich im Umkreis der Großstädte oft stabilisiert – dank einer neuen Einwohnerschaft, die das Besondere, Einzigartige, Historische liebt und pflegt. Doch zugleich geraten isolierte Altstädte im räumlichen Abseits in eine gefährliche Spirale von Abwanderung und Desinvestition – nicht nur in Ostdeutschland, sondern auch in Teilen Hessens, Niedersachsens und Bayerns.


    Quote

    Altstädte blühen weder, noch verfallen sie, wir lassen sie blühen und verfallen. Durch unsere politischen und alltäglichen Entscheidungen. Sicher: Architektur und Städtebau können großräumige globale und nationale Entwicklungen nicht aufhalten. Sie können aber entscheidend dazu beitragen, ob eine prosperierende Altstadt unerträglich überformt oder mit Augenmaß weiterentwickelt wird und ob eine Altstadt im Abseits der Entwicklungsstränge wenigstens überwintern kann. Zentraler, strenger Maßstab für die Altstadtpolitik muss sein: Wird durch die geplanten Projekte die Altstadt in ihrer besonderen Eigenart langfristig erhalten? Oder dienen die Projekte nur kurzfristigen Effekten, Moden, Bereicherungen? Die Liebe zur Altstadt dient in erster Linie uns selbst, in zweiter Linie aber auch unseren Nachkommen. Die Altstadt haben wir über Jahrhunderte ererbt, wir schulden den künftigen Generationen, dieses Erbe weiterzugeben.


    Quelle: http://dabonline.de/2009/04/01/zu-sehr-geliebt/


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  • Auf den Seiten von http://www.rothenburg-unterm-hakenkreuz.de veröffentlichte Wolf Stegemann am 19. Januar 2014 folgenden Artikel:

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    Wiederaufbau: Gekonnte Kopie des Mittelalters und perfektes Disneyland. Begeistert sind nicht nur Touristen, auch Gastwirte, Hoteliers und der Stadtkämmerer


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    „Wegsaniert wurden die stillen Winkel in der Stadt zwischen Schrannenplatz und Kummereck, in und außerhalb der Spitalbastei und in der Klingenschütt, die wild wuchernden Gärten in den ehemaligen Wallanlagen, die damals verschlossenen Türme, in die hineinzukommen es für Jungen früher kein Halten gab. Wegsaniert wurde all das, was die Stadt für die Einwohner liebens- und lebenswert machte. Nichts ist übrig geblieben von der natürlichen Schönheit, die von Dichtern besungen und von Malern im Bild festgehalten wurde. Ganz Rothenburg ist eine Sehenswürdigkeit – auch der Vermarktung. Wer hier das Spiel nicht mitmacht, verliert. Das macht die Stadt trotz ihrer winkeligen Gassen, geduckter Häuser und ihres holprigen Pflasters steril und abweisend, hüllt sie ein in einen Hauch von Disneyland.“


    Quelle: http://www.rothenburg-unterm-h…s-und-der-stadtkaemmerer/


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  • Das halte ich für übertrieben. Gut, vielleicht gibt's in der Tat etwas zu wenig schöne Gartenanlagen und wirkliche Geschäfte dort, aber ansonsten ist die Stadt (allerdings nur die Altstadt, denn knapp draussen wird's gleich ziemlich gruselig) immer noch der Hammer, vor allem morgens früh und abends spät. Und dabei ist die Stadt mir (bis auf einige Bauten der Wiederaufbauzeit) auch nicht als steril in erinnerung geblieben; etwa Maastricht ist vor etwa 10-20 Jahren viel gründlicher saniert worden, was diese Stadt hier und da wirklich kaputgemacht hat...

  • Die dicke Sparkassenaufschrift ist ja wohl mehr als störend. Ich dachte immer, so etwas gäbe es in R.o.T nicht. Sie ist zumindest höchst unmittelalterlich.