Berlin - Marien- und Heiliggeistviertel zwischen Fernsehturm und Spree

  • Nein, nein. Das ist schon die Marienkirche. Das Bild zeigt aber nur in der linken Hälfte das ehem. Marienviertel. Quer verläuft die ehem. Jüdenstraße.


    Die rechte Seite ist schon nicht mehr Marienviertel und in der Mitte die heutige Liebknechtstraße, alles schon im Wilhelminismus zerstört.


    Links vorne die Baustelle der neuen Markthallen.

    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • Die linke Außenkante des Marienviertels - und damit ist mein Fragezeichen verschwunden.

    Aber die dort gezeigten Gebäude sind zu nahe an der Kiche als dass sie der Stadtbahn weichen mussten.

  • Hier nochmal die Bilder: 1. Foto Nikolaikirche, 2. Foto Marienkirche


    Ja, das schöne, pittoreske alte Berlin wurde schon im Kaiserreich plattgemacht. Schade! Die kleinen Häuser an beiden Kirchen gefallen mir mehr als pompöse Gründerzeitpaläste. Und nur diese biedermeierlich kleinen Häuser wären eine maßstabsgerechte Bebauung für das unmittelbare Umfeld der Marienkirche, die ja eine große mittelalterliche Stadtkirche war.


    Allein an den beiden Kirchen Marienkirche und Nikolaikirche können wir heute noch ablesen, dass Berlin im Mittelalter eine bedeutende und mächtige Stadt war - vergleichbar etwa mit Stendal oder Brandenburg.

  • Nein, nein. Das ist schon die Marienkirche. Das Bild zeigt aber nur in der linken Hälfte das ehem. Marienviertel. Quer verläuft die ehem. Jüdenstraße.


    Die rechte Seite ist schon nicht mehr Marienviertel und in der Mitte die heutige Liebknechtstraße, alles schon im Wilhelminismus zerstört.

    1. Quer verläuft wohl eher die Neue Friedrichstraße - wir sehen die Kirche von Nordosten.

    2. Die Kaiser-Wilhelm-Straße (vormals in etwa Papenstraße) bildete doch nicht die Grenze des Marienviertels. Die Kirche stand relativ zentral in ihrem Sprengel. In der nachfolgenden Abbildung das Gebiet 1 c, die Grenze des Marienviertels nach Norden und Osten bildete die mittelalterliche Stadtmauer, später Stadtbahn.



    Quelle und größere Version: BMA_Stadtviertel_Stadtkern_Berlin.jpg (2039×1836) (wikimedia.org)

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Es ist richtig, das Kaiserreich war auch nicht zimperlich mit der Altstadt. Man schämte sich für die Altstadt.

    Das Alte Rathaus verschwand wie Vieles auch im 19.Jahrhundert. Aber trotzdem Kirche auf dem Tablett mag ich auch nicht haben, und die Riegel am Roten Rathaus und der Karl Liebknecht Straße sollten beerdigt werden. Mir wäre die Portallösung zwischen Schloss und Marienkirche sehr Recht und auf der grünen Wiese eine urbane Struktur, mit dem Marienkirchplatz. Er ist übrigens schon gepflastert worden.

  • Die Neue Friedrichstraße ist die Verlängerung der Jüdenstraße gewesen, insofern ist das nur eine Namensfrage. Die Papenstraße (wegen des Amtssitzes des päpstlichen Nuntius so genannt) wurde im Kaiserreich abgebrochen und erst als Kaiser-Wilhelm-, dann als Liebknechtstraße ausgebaut. Die heutige Straße ist deutlich breiter als die Papenstraße.


    Zur Kaiserzeit ist mit der Durchlegung der Kaiser-Wilhelm-Straße etwa die Hälfte der Fassung des Neumarktes abgebrochen worden. Der Bereich nördlich der Papen/Kaiser-Wilhelm/Liebknechtstraße gehört zum Heilig-Geist-Viertel, nicht zurm Marienviertel. Die Heilig-Geist-Kapelle steht ja noch als Teil der Universität.


    Man muß sich schon intensiver mit der Sache befassen als ein paar Fassaden zu sehen.:

    https://upload.wikimedia.org/w…aube-Plan_Berlin_1910.jpg

    https://www.amazon.de/Mitte-Mo…lin&qid=1606345116&sr=8-4

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    Richard David Precht

  • Deinen letzten Satz kommentiere ich mal lieber nicht.

    Jedenfalls bist Du in natura sympathischer als virtuell - immerhin besser als umgekehrt.


    Die Neue Friedrichstraße ist die Verlängerung der Jüdenstraße gewesen, insofern ist das nur eine Namensfrage.

    WC = Wohl caum.

    Die Papenstraße (wegen des Amtssitzes des päpstlichen Nuntius so genannt) wurde im Kaiserreich abgebrochen und erst als Kaiser-Wilhelm-, dann als Liebknechtstraße ausgebaut. Die heutige Straße ist deutlich breiter als die Papenstraße.

    Ja, und?

    Der Bereich nördlich der Papen/Kaiser-Wilhelm/Liebknechtstraße gehört zum Heilig-Geist-Viertel, nicht zurm Marienviertel.

    Eben das ist nicht der Fall. Die Grenze zum Heilige-Geist-Viertel ist die Spandauer Straße, der nordöstlich anschließende Bereich ist Marienviertel - deswegen hatte ich die erläuternde Karte ja eingefügt.


    Daher nochmals zur Schwartz'schen Aufnahme.

    30785-fff1013ab1bdd6652059cb2abc456aa7-jpg


    Das Bild wird in diesem Eintrag der Kreuzung Papenstraße/Klosterstraße zugeordnet. Dann wäre die Neue Friedrichstraße direkt im Rücken des Fotografen.


    Auf der 1910er-Karte müsste das dann hier zu verorten sein:

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    (Immanuel Kant)

  • So eine gute Karte, und davor die ganzen Fotos - da wird für mich die Vergangenheit Berlins "anfassbar". Danke!

    _______________________________________
    Gutmensch = Gut gemeint, nicht zuende gedacht, schlecht gemacht

  • Das ist der wunderschöne Straube-Plan, herrlich vor allem in der Farbstellung.


    Trotz aller Namensstreitigkeiten sind wir - glaube ich - einig, daß es bei dem einen Foto des Marienviertels auch nicht ein einziger Wiederaufbaukandidat dabei ist. Hier ist alles überbaut und daß sich hier mittelfristig etwas ändert ist kaum denkbar.


    Das ist es, was ich meine: für die "große Leere" des MEF und des RF gibt es momentan weder eine überzeugende Wiederaufbauidee noch herausragende Bauten, die eine Rekonstruktion faszinierend machten, noch eine überzeugende Nutzungsidee, wie beim Humboldtforum. Da ist es doch, was - verbunden mit den politischen Mehrheitsverhältnissen - hier eine Änderung der Verhältnisse so gut wie ausgeschlosse machen.


    Das sieht man ja schon am Umgang der Stadt mit dem Lutherdenkmal und dem Geburtshaus Moses Mendelsohns an der Spandauer Straße.Alles wird der großen Freifläche angepasst und jede Veränedrung verhindert, die wieder Stadt in die große Leere brächte. Deshalb ist es klug sich damit anzufreunden, daß östlich der Spree das historische Berlin verloren ist und auch auf absehbare Zeit nicht in Ansätzen wiederkommt.

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    Richard David Precht

  • Ich denke,man kann sich verabschieden von der Hoffnung das in Berlin irgendwelche Rekos über das Schloss hinaus noch Zukünftig folgen werden.Was hat man den in den letzten 30 Jahren alles so Vollrekonstruiert (Fassade) in Berlin?!Mir persönlich fällt nicht viel ein:/???Ach ja,Komandantenhaus,das Schloss auf dem modernen Tablet,nur die Platzgestaltung Schinkelplatz,und irgendwann mal vielleicht die Bauakademie?????Das wars.

  • ^ Das Kommandantenhaus ist auch nur eine Teilreko - die Rückseite ist modern. Das war aber noch und dem Bausenator Jürgen Klemann (CDU), 1996-99. Die Bauakademie kommt selbst in der Verantwortung eines CSU-Bau- und Heimatministers im Bund nicht in trockene Tücher. Man darf noch die Wiederherstellung des Lustgartens nicht vergessen, der ehem. Aufmarschplatz der Nazis, den den Sozialisten auch ganz gut gepasst hat und das Hotel Adlon, das leider nur eine Mittelklasse-Adaption an das Original ist. Sonst gibts nur Kleinkram.


    Die Rückseite der Kommandantur:


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    Richard David Precht

  • Die Hoffassde des Palazzo Farnene, die Aldo Rossi zitiert hat, war schon 1997 und ist auch keine Reko sondern ein historisches Zitat.

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    Richard David Precht

  • Am Charlottenburger Savognyplatz ist 2007 noch ein hübsches Stromhäuschen von 1926 vollrekonstruiert worden.


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    Richard David Precht

  • Und Charlottenburg hatte es unter dem CDU-Baustadtrat Gröhler vor zehn Jahren geschafft die beiden Kandelaber des Charlottenburger Tores zu rekonstruieren. Leider hat es für die Attikafiguren des Tores nicht gereicht.


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    Richard David Precht

  • Und - ehrlichgesagt - waren der Pariser Platz und der Zietenplatz auch eine Großtat des ehm. Landesgartenkonservators v. Krosigk. Heute würden die Statuen der preußischen Genrale des Siebenjährigen Krieges nicht mehr neu aufgestellt werden. Das klappt ja an der Neuen Wache auch nicht mehr - die Genrale dort bleiben versteckt im Gebüsch.


    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • Und - ehrlichgesagt - waren der Pariser Platz und der Zietenplatz auch eine Großtat des ehm. Landesgartenkonservators v. Krosigk. Heute würden die Statuen der preußischen Genrale des Siebenjährigen Krieges nicht mehr neu aufgestellt werden. Das klappt ja an der Neuen Wache auch nicht mehr - die Genrale dort bleiben versteckt im Gebüsch.

    Man hat es geschafft sie ins Gebüsch gegenüber der Neuen Wache zu stellen, aber die linke Regierung hat es das ganze Jahr (!) 2020 geschafft die Kisten der Winterverkleidung NICHT abzunehmen. Damit sind auch sie nicht mehr sichtbar.

  • Ach ja, hier mal ein kurzes Filmchen:



    Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden.

    Horst Seehofer

  • Es ist mir unverständlich,das die drei Standbilder Preußischer Generäle immer noch da stehen wo man sie zu DDR Zeiten aufgestellt hat.Sie gehören eigentlich an die Stelle wo die beiden Generäle der Neuen Wache jetzt stehen.Und die wiederum gehören historisch gesehen links und rechts neben die Neue Wache .Ist anscheinend Politisch wiedereinmal nicht gewollt wie so vieles.:kopfschuetteln: