Berlin - Marien- und Heiliggeistviertel zwischen Fernsehturm und Spree

Wir wünschen allen Nutzern ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2021
  • In Wien gibt es den Karl-Marx-Hof, der 1927 bis 1933 unter dem sozialdemokratischen Bürgermeister Karl Seitz errichtet wurde. Dieser bekannteste Wiener Gemeindebau wurde nach einem Intermezzo 1953 erneut nach Karl Marx benannt.


    In Neukölln gibt es die 1947 so benannte Karl-Marx-Straße. Das ist im alten Westberlin (amerikanischer Sektor).

  • In den sechs ostdeutschen Ländern gehört die DDR aber nunmal zur Geschichte. Und in den Lebensgeschichten und Erinnerungen der ostdeutschen Familien kommt sie nun einmal vor. Dass dies bei einigen Wessis auf völliges Unverständnis stößt, das kennen wir schon. Schade, ich hätte gedacht, dass wir im 30. Jahr der Deutschen Einheit weiter wären.

    Die einen sagen "Nicht alles war schlecht in der DDR". Ich sage "Nicht alles war schlecht, trotz der DDR". An diesem Staat selbst gibt es nichts zu verklären. Eigentlich sollte das 30 Jahre danach Konsens sein.

    In dubio pro reko


    Die Deutschen sind ein Volk, das auf die Regierung hört. Die Franzosen sind ein Volk, auf das die Regierung hört.

  • Einmal abgesehen von der ideologischen Diskussion finde ich das Marx-Engels-Denkmal nicht unbedingt künstlerisch gelungen. Es wirkt plump, einfallslos, fast unbeholfen in der Darstellung der Personen. Individuelle Charakterzüge, gar Gefühlsqualitäten wurden vom Künstler kaum herausgearbeitet. Berlin hat so viel bessere, ausdrucksstärkere Denkmäler an weniger herausgehobenen Orten zu bieten.

    Marx und Engels stehen meines Erachtens nicht persönlich für Verbrechen. Ihr Wunsch war es doch vermutlich durchaus, eine unterm Strich bessere Welt zu erreichen. Dass dies vorläufig gescheitert ist, muss doch nicht dazu führen, sie als Personen der Geschichte zu verdammen. Das Hauptproblem dieses konkreten Denkmals ist in meinen Augen seine mindere künstlerische Qualität.

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Wer eine vermeintlich bessere, gerechtere Gesellschaft mit Hilfe / auf dem Weg von ...

    … schaffen will, hat den Boden der Demokratie, Menschenrechte und Freiheit völlig verlassen. Der Fisch stinkt vom Kopfe her, und der Kopf heißt Karl Marx. Er hat den roten Diktatoren und Massenmördern des 20. Jahrhunderts den Boden bereitet. Und auch die Tatsache, dass alle einst und gegenwärtig dem roten Lager angehörenden Staaten sich bisher als „sozialistische“ Staaten bezeichneten verdeutlicht, dass die „Diktatur des Proletariats“ eben kein Übergangszustand zu einer gerechten Gesellschaft war, sondern als zwangsläufiger Dauerzustand dem System inhärent ist. Denn die böse Bourgeoisie, Klassenfeinde und Imperialisten waren ja in der DDR oder der UdSSR nicht totzukriegen, sie schlummerten ständig im Untergrund, bereit für eine Konterrevolution, weshalb obgrikeitssstaatliche Erziehung, Überwachung, Wegsprerren, verweigerte Reisefreiheit etc. unumgänglich waren. Vermutlich hat Marx das alles tatsächlich nicht so gewollt, aber er hat den geistigen Nährboden und die ideologische Rechtfertigung dafür geliefert. Und insofern bleibt der Kommunismus für mich eine verbrecherische Ideologie, die genauso geächtet gehört wie der Nationalsozialismus.

  • Selbst wenn man Marx gute Motive unterstellte, würde man feststellen, dass er der Meinung war, der Zweck heiligt die Mittel. Dass dies zu Mao, Stalin und anderen Exzessen geführt hat, sollte uns heute eine ausdrückliche Mahnung sein, angesichts vergleichbarer Sichtweisen aus dem grün-linken Lager: Gewalt ist gerechtfertigt, wenn es gegen die Feinde geht.


    Man schaue nach bei der Gewalt von "Ende Gelände" im Hambacher Forst, bei Gewaltaufrufen gegen Polizisten oder den G20-Übergriffen in Hamburg, bei denen es den führenden Köpfen von Grünen und Linken allesamt nicht gelingen wollte, sich von den Protagonisten zu distanzieren.


    In all diesen Fällen geht es nicht darum, wer Recht hat oder nicht - sondern welche Mittel man in der Auseinandersetzung wählt. In diesem Zusammenhang bin ich jederzeit für ein "Marx-Engels-Lenin-Stalin-Mao Tse-Tung-Kim Il-Sung-Che Guevara-Fidel Castro"-MAHNMAL. Zwischen Schloss und Alex wäre ja genug Platz...

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    Gutmensch = Gut gemeint, nicht zuende gedacht, schlecht gemacht

  • In all diesen Fällen geht es nicht darum, wer Recht hat oder nicht - sondern welche Mittel man in der Auseinandersetzung wählt.

    Woraus resultieren diese Mittel?


    Niemand von uns kann wohl sozialistische Ziele wie soziale Gerechtigkeit, allgemeinen Wohlstand oder das Ende der Ausbeutung ablehnen. Dagegen sind die Ziele der Nazis und aller Faschisten für jeden vernünftigen Menschen eindeutig zu verwerfen: Rassismus, vor allem als Antisemitismus, Krieg als notwendiges Mittel der Politik, die eigene Nation als die beste und zur Herrschaft berufene, Ablehnung der Demokratie und der Menschenrechte.


    Dennoch gleichen die aus dem Sozialismus und dem Faschismus entstandenen Diktaturen einander sehr.


    Beide Systeme führen unweigerlich zur Diktatur. Beim Faschismus ist das unmittelbar einzusehen. Beim Marxismus angesichts der zunächst durchweg positiven Endziele keineswegs.

    Es ist die besondere Sicht auf den Menschen, die Karl Marx leitet und die dem Marxismus zugrunde liegt: die Menschheit wird als Gruppierungen von Menschenmassen gesehen: strukturiert in Klassen und Zugehörigkeit zu Klassen, deren historischer Werdegang und ihre notwendige Zukunft für Marx erkennbar und absehbar sind.


    Der Mensch als Individuum kommt bei Marx in seiner gesamten Revolutionstheorie nicht vor, damit auch nicht das Recht auf Eigentum oder Glück oder individuelles Streben nach beidem. Das Ziel auf dem Weg zum Sozialismus ist die „Expropriation der Expropriateure“ - die Enteignung der Ausbeuter. Ausbeuter sei jeder, der Produktionsmittel besitzt und sich dafür die Arbeitskraft der Proletarier kaufe. Dabei blickt Marx nicht auf die individuelle Situation weder des Arbeiters noch des Unternehmers. Engels erhebt nun zudem die Theorien von Marx zur ewigen Wahrheit: Wahrheitsbesitz ist aber eine der wichtigsten Grundlagen jeder Diktatur: „Die Partei hat immer Recht“.


    Die Expropriation der Expropriateure gelingt, wie in diesem Strang bereits festgestellt, aber nur in einer Diktatur: der des Proletariats: Dazu braucht es nach Lenin Berufsrevolutionäre, wie er es sagt und verwirklicht - damit aber wird aus Revolution zwangsläufig Diktatur. Jetzt kommen die Systeme des Sozialismus und des Faschismus zur Deckung: Du bist nichts, dein Volk ist alles, formulierten die Nazis und setzten damit das Individuum auf Null: Die Zufriedenheit der Massen ist für jeden Diktator nur interessant für die Machterhaltung.


    Zur Erreichung der sozialistischen Ziele werden individuelle Bedürfnisse nur geduldet, wenn sie dem großen Ziel nicht im Wege stehen. Privatinteressen sind von vornherein suspekt. Um des Zieles Willen wird tief in den Lebensalltag eingegriffen, die Individualrechte staatlich verplant, Intimsphären nicht respektiert; die Staatsgewalt ist im Besitz des Diktators oder der Partei - keine Gewaltenteilung, Pluralismus von Weltanschauungen nicht toleriert, die Menschenrechte werden „zurückgestellt“. Dabei wären sie ja das eigentliche große Ziel: „erkämpft das Menschenrecht!“


    Die Diktatoren des Faschismus und Diktaturen des Sozialismus weisen daher dieselben Merkmale auf - die Rechte des Individuums, die Marx ja nicht in seine Theorien mit einbezieht, werden den Zielen des Sozialismus unterworfen, keine Reisefreiheit, keine Bildungs- und Berufsfreiheit usw. Und wie das bei Diktaturen zwangsläufig kommt, verselbstständigen sie sich weiter: Aus der Diktatur des Proletariats wird die Diktatur der Partei und aus der Diktatur der Partei die Diktatur des Diktators (Stalin, Kim Jong-un ...), Personenkult, keine freien Wahlen, Anwendung von Gewalt, die Liste kann fortgesetzt und weltweit besichtigt werden.

    Alles prüfe der Mensch, sagen die Himmlischen,

    Daß er, kräftig genährt, danken für Alles lern‘,

    Und verstehe die Freiheit,


    Aufzubrechen, wohin er will.


    Hölderlin

  • Lieber Bentele,


    vielen Dank für diesen differenzierten, wohlbedachten und sprachlich neutral gehaltenen Beitrag. Eine solch prägnante Zusammenfassung wünsche ich mir öfter in den doch häufig sehr aufgeheizten Diskussionen, in welchen die Diskutanten meist den Überblick, die Objektivität und die Konsensfähigkeit verlieren.

    Deine Zusammenfassung könnte gerne auch in Lehrbüchern stehen. Toll! :smile:

  • Eigentlich wollte ich nichts zu dieser Diskussion beitragen, weil sie zu sehr ins off-topic führt. Aber ich möchte doch mal ein paar Überlegungen zu den angeblich guten oder bösen Zielen von Kommunismus vs. NS oder Faschismus hinzupusten. Einfach, um mal das Weiterdenken etwas anzuregen bzw. um ein paar Gewissheiten aus intellektuellen Gesichtspunkten ein bisschen ins Wackeln zu bringen.


    1. Soziale Gerechtigkeit als positives Ziel.... Die Frage ist, was denn "gerecht" ist? Die Krankenschwester sagt: "Ich arbeite 8 Stunden hart, der Chefarzt arbeitet auch 8 Stunden. Also ist ein gleicher Lohn für uns gerecht." Der Chefarzt sagt: "Ich habe lange studiert. Betten machen und Verbände wechseln kann ich auch. Aber operieren kann die Krankenschwester nicht. Da habe ich eine ganz andere Verantwortung. Also ist es gerecht, wenn ich deutlich mehr verdiene." Der seit Geburt Ganzkörper-Gelähmte sagt: "Ich will genau so viel verdienen, denn ich kann für meine Behinderung ja nichts. Gleicher Lohn auch für mich wäre also gerecht."

    Ich will damit sagen, dass jede Rede von "sozialer Gerechtigkeit" letztlich willkührlich ist. Und populistisch aufgrund der Unterstützung/Wählerstimmen, die sich damit versprochen wird.


    Demokratie und Menschenrechte wurden/werden zudem zwar von den Kommunisten offiziell im Munde geführt, aber real verachtet. Sie setzen z.B. die "Volksdemokratie" gegen die "bürgerliche Demokratie". Es geht letztlich um die Neuerschaffung bzw. erstmalige irdische Realisierung des "Garten Eden", das Ende der Geschichte durch die Rückkehr zur Zeit von Adam und Eva. Das geht aber nur durch harten Zwang und viele Widersprüche, da die Menschen ja mit der Menschwerdung aus diesem idyllischen Konzept von "Natur" ausgebrochen sind.


    2. Rassismus als negatives Ziel... Auch Rassismus und Sozialdarwinismus haben ja in der Weltsicht derjenigen, die ihnen anhängen, eine Basis in einer Ethik. Demnach findet (Weiter-)Entwicklung der Menschheit nur durch quasi natürlichen Wettbewerb und Ausleseverfahren statt. Eine kommunistische Weltgesellschaft, so sie denn je Realität würde, würde nicht nur zu einem Zwangssystem führen. Sie würde aus Sicht eines Sozialdarwinisten die menschlichen Entwicklungspotenziale beschneiden. Sie würde also nicht nur aus einer Naturlandschaft einen kurz geschorenen englischen Rasen machen. Sie würde sogar zu einer Degeneration/Rückentwicklung führen. Das heißt, überall, wo Sattheit dem Kampf, der Askese, dem wilden Drang Platz macht, kommt es nach dieser Auffassung zwangsläufig zu Verfallserscheinungen. Die Leute werden dicker, sie werden dümmer, sie werden hässlicher, nachlässiger, unkreativer, das Niveau sinkt auf allen Ebenen. Dies sei bereits die zwangsläufige Entwicklung der Moderne, die sich von der Natur entfremdet hat. Die Kommunisten würden diese negative Entwicklung nur vorantreiben wollen.

    Verbindet sich der Sozialdarwinismus mit dem Rassengedanken, dann sieht er die Rassen in einem Wettkampf, bei der die kulturell höher stehende Rasse dazu berufen ist, die Herrschaft/Führungsrolle zu übernehmen, da sie die Mission hat, die Menschheit auf eine höhere Ebene zu geleiten. (Der Kapitalismus kann als eine solche Art sozialdarwinistische Insel interpretiert werden. Sie ist aber in unserer Gesellschaft auf die Wirtschaft beschränkt, wo sie sich als sehr effektiv erwiesen hat, während andere Gebiete der Gesellschaft längst dem marxistischen Denken überlassen wurden.) Schlechteres Erbgut würde demnach an der Ausbreitung gehindert. Auf das die Menschen fortan schöner, klüger, kreativer sind. Was natürlich logischerweise zu Unterdrückung und Zwangsmaßnahmen gegenüber denjenigen führt, die als "degeneriert" oder gar "schädlich" identifiziert werden.


    Wohlgemerkt, nicht meine Position, sondern nur eine Erklärung für ein solches sozialdarwinistisch/rassistisches Denken. Und es soll zeigen, dass eine solche Position durchaus auch einen irgendwie "ethischen" Anspruch hat, auch wenn sich dieser uns heute nicht auf den ersten Blick erschließt.

  • Die einen sagen "Nicht alles war schlecht in der DDR". Ich sage "Nicht alles war schlecht, trotz der DDR". An diesem Staat selbst gibt es nichts zu verklären. Eigentlich sollte das 30 Jahre danach Konsens sein.

    Was soll man denn mit solchen Plattheiten anfangen? Ich finde das eine befremdliche Reaktion auf meine bewusst offen und nicht affirmativ formulierte Äußerung. Du sagst also, aha. Ein Stuttgarter! Wer könnte die DDR auch besser beurteilen als ein Stuttgarter? Die Likes, die du dafür erhalten hast, stammen, soweit ich das beurteilen kann, alle von Wessis. Das finde ich bezeichnend.


    Ich schrieb übrigens: "Lebensgeschichten und Erinnerungen der ostdeutschen Familien". Interessant, dass der Wessi da den Holzhammer hervorholt. Wobei ich betonen möchte, dass es auch andere Wessis gibt. Solche, mit denen man sich als Ossi gut verständigen kann, weil sie offen sind für andere und die deutsche Sprache wirklich verstehen. "In der DDR" ist eine Ortsangabe und kein politisches Bekenntnis.


    Ostdeutsche Politiker äußern sich übrigens häufig so wie der brandenburgische Ministerpräsident Dietmar Woidke beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober dieses Jahres:

    Unter dem Motto "Wir miteinander" war Brandenburg Gastgeber, weil das Land derzeit den Vorsitz des Bundesrats inne hat. Ministerpräsident Dietmar Woidke rief beim Festakt dazu auf, Ostdeutschland auch als Vorbild zu sehen. "Vom Osten kann man viel lernen", so der SPD-Politiker. "Eine selbstbewusste Frauenpolitik, Betriebskindergärten oder Polikliniken als Gesundheitszentren sind nur einige wenige Beispiele." Für eine neue gesamtdeutsche Generation sei das normaler Lebensstandard. "Wir älteren Ostdeutschen sind mittlerweile souverän genug, einfach stolz darauf zu sein."

    Jetzt frage ich mich, wie es die von Woidke genannten Dinge trotz der DDR gegeben haben soll.


    Es gibt übrigens Studien, die besagen, dass sich das ostdeutsche Eigenbewusstsein stärker auf Erfahrungen nach der Wende (vor allem aus den 90er Jahren) stützt als auf Erfahrungen aus der DDR-Zeit.

  • Rastrelli

    Ich glaube du hast Königsbau einfach nur missverstanden. Kein vernünftiger Mensch stellt die Lebensleistungen der Ostdeutschen in Frage, die trotz permanenter Mangelwirtschaft, geistiger Gängelung, Überwachung und Eingesperrtsein (also trotz DDR) Großartiges geleistet haben und sich ihre geistigen Freiräume von den roten Bonzen nicht nehmen ließen (übrigens bis heute nicht, was viele Wessis dann als "rechts sein" diffamieren). Darum dreht sich hier die Diskussion, um sonst nichts.

    Die von dir gestellten positiven Errungenschaften wie Polikliniken stellt heute auch niemand mehr in Frage, wobei man aber auch einige DDR-Mythen wie die von den angeblich voll gleichberechtigten Frauen nicht unkritisch übernehmen sollte (ich empfehle dazu einen Aufsatz von Hubertus Knabe). Die Kindergarten-Dichte war zwar tatsächlich wesentlich höher als im Westen, dafür waren diese aber auch die reinsten ideologischen Kaderschmieden, deren primäres Ziel es war, schon die Kleinsten zu mustergültigen sozialistischen Untertanten zu formen. Für Herrn Woidke sind diese vielen "Schattenseiten" vermutlich nicht mehr so erwähnenswert, für mich aber schon.

  • Dies ist eine Aufnahme des themengegenständlichen Ortes vom 20. September dieses Jahres.

    Wenn das mal wieder fertig ist, wird es wieder ein Alleinstellungsmerkmal Berlins sein; hierhin wird sicher auch der Genosse Bundespräsident seine internationalen Gäste führen.

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Wenn das mal wieder fertig ist, wird es wieder ein Alleinstellungsmerkmal Berlins sein; hierhin wird sicher auch der Genosse Bundespräsident seine internationalen Gäste führen.

    Oder zumindest ihre Hunde.

  • Die von dir gestellten positiven Errungenschaften wie Polikliniken stellt heute auch niemand mehr in Frage, wobei man aber auch einige DDR-Mythen wie die von den angeblich voll gleichberechtigten Frauen nicht unkritisch übernehmen sollte (ich empfehle dazu einen Aufsatz von Hubertus Knabe). Die Kindergarten-Dichte war zwar tatsächlich wesentlich höher als im Westen, dafür waren diese aber auch die reinsten ideologischen Kaderschmieden, deren primäres Ziel es war, schon die Kleinsten zu mustergültigen sozialistischen Untertanten zu formen. Für Herrn Woidke sind diese vielen "Schattenseiten" vermutlich nicht mehr so erwähnenswert, für mich aber schon.

    Ja, klar. Du bist eben auch einer von jenen Wessis, die glauben, in Bezug auf die DDR alles besser zu wissen. Hubertus Knabe ist übrigens auch Wessi und in der Fachwelt durchaus umstritten.


    Dietmar Woidke ist ein Ossi. Auf die Idee, dass die Ostdeutschen die Lebensrealität, den tatsächlichen Alltag in der DDR vielleicht besser kennen als ein Wessi, kommst du nicht. Ebensowenig auf den Gedanken, dass man nicht in jedem Satz mit DDR-Bezug das Regime und das politische System umfassend verurteilen kann.


    Nun habe ich also gelernt, dass ich ein "geschmiedeter Kader" bin. Wusste ich vorher gar nicht.

  • Lieber Rastrelli ,

    ich finde, daß einem interessierten und motivierten "Wessi" durchaus zuzubilligen ist, die Gegebenheiten im real existierenden Sozialismus zu erkennen und zu bewerten.

    Pauschal gesagt, ist mir ein verantwortungsvoller, tiefsinniger und basisdemokratischer Wessi lieber, als ein machtgieriger, verklärender und "vergesslicher" Ossi.

    Auffällig ist die oft unpassend heftige Reaktion einer bestimmten Gruppe der Forumer auf Kritik und Beurteilung der Verhältnisse in der DDR. Zu dieser Gruppe zähle ich auch Sie.

  • Ja, klar. Du bist eben auch einer von jenen Wessis, die glauben, in Bezug auf die DDR alles besser zu wissen. Hubertus Knabe ist übrigens auch Wessi und in der Fachwelt durchaus umstritten.

    Nun ja, mit solcher Polemik trägst du wohl kaum zu einer sachlichen Diskussion hier bei. Und ja, von DDR-Apologeten brauche ich tatsächlich keinerlei Nachhilfe.

    Was Hubertus Knabe angeht: "Umstritten" ist Herr Knabe eigentlich nur bei den SED-Nachfolgern und ihren Seilschaften. Wie erst vor wenigen Tagen bekannt wurde, hat der Berliner Kultursenator Klaus Lederer von den SED-Nachfolgern offenbar über lange Zeit versucht, Hubertus Knabe als Leiter der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen rauszumobben, was ihm schließlich auch mit höchst fadenscheinigen Begründungen gelang. Herr Knabe hat eben in mancher Wunde sehr tief gebohrt und sich Feinde im SED-Milieu gemacht.

    Da Rastrelli aber meint, dass Hubertus Knabe "umstritten" sei, empfehle ich allen Lesern hier den Blog von Hubertus Knabe, dann kann sich ja jeder selber ein Bild machen.

  • "Eine selbstbewusste Frauenpolitik, Betriebskindergärten oder Polikliniken als Gesundheitszentren sind nur einige wenige Beispiele."


    Na Hawed'Ehre, Rastrelli, wieder mal was vom Feisten. Was soll das jetzt sein? Nachhilfekursus in Marxismus-Leninismus oder soll man Agitprop dazu sagen?

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Ganz ehrlich, ich finde es nicht verkehrt in der DDR sozialisiert worden zu sein, mit Mangel umzugehen, Wertschätzung des Alltäglichen, der Mutter zu helfen den Müll runterzutragen. Ich hatte mehrmals Partner, die ihre Kindheit und Jugend in der DDR verbrachten, der Unterschied war enorm und sehr positiv!

    Ich bemesse Systeme nur noch, wie umverteilt wird. Wer bekommt Privilegien für was? Und welche Mittel wendet man an, um diese Privilegien durchzusetzen? Da dürfen wir nicht nur mit den Fingern auf die DDR zeigen. Bis in den 90er Jahre herrschte in Bayern - was die Verbeamtung betrifft - eine Vetternwirtschaft sondergleichen. In den 60ern war es sogar möglich Richter ohne Prädikatsexamen zu werden, wenn der Papa bereits eine Schlüsselfunktion inne hatte (und das sage ich als Franz-Josef-Strauß-Fan). Allerdings konnten sich auch einfache Arbeiter ein Häusschen + Urlaub leisten und man freute sich auf eine Rente, kostenlose Zahnspangen und Brillen, etc. Außerdem gab es keine Strafen wenn man die Regierung kritisierte.

    Heutzutage wird global umverteilt. Beispielsweise ein UN-Manager in Goma kam 2013 auf ein Jahresumsatz auf eine halbe Million US-Dollar und verdiente damit mehr als der amerikanische Präsident. Das wundert mich nicht, dass Mitarbeiter von Hilfsorganisationen zum obersten einen Prozent in Afrika gehören. (Quelle: Alex Perry)

  • Ein bisschen erinnert mich die DDR-Diskussion an die NS-Diskussion nach 1968. Die Erlebnisgeneration schwindet, eine nachwachsende Generation (und Auswärtige) bewerten die Situation ohne das eigene Erleben.


    Ich habe mich noch mit Zeitzeugen unterhalten, die die hiesige Darstellung der NS-Zeit als reines Zerrbild bewertet haben. Einer sagte mir, wenn er z.B. die Gestalten sehe, die heute als "Neonazis" präsentiert würden, er keinerlei Ähnlichkeit mit den historischen Parteimitgliedern erkenne. Solche Gestalten wären damals niemals in die Partei aufgenommen worden, sagte er mir. Ein anderer sagte mir, dass man - vorausgesetzt man war kein Jude oder betrieb keine kommunistische Agitation - damals z.B. ein ganz normales bürgerliches Leben führen konnte, so wie heute. Aber schon die Filmproduktionen liefern oft ein ganz bestimmtes Bild durch düstere Farben, düstere Musik, hölzern agierende Schauspieler, die nicht selten Psychopathen darstellen.


    Nun, beide Seiten haben Recht und Unrecht zugleich. Diejenigen, die es nicht erlebt haben, neigen zur kritischen Sicht, aber auch zur pauschalen Anklage. Diejenigen, die es erlebt haben, verfügen über Detailkenntnisse, neigen aber bisweilen auch zur Verklärung.

  • - vorausgesetzt man war kein Jude oder betrieb keine kommunistische Agitation -

    ...und vorausgesetzt, es war einem egal, was mit Juden und Kommunisten geschah. Mein Vater ist Jahrgang 1936, er hat immerhin neun der zwölf Jahre miterlebt, und er erinnert sich gut an viele Dinge: was man tun muss, wenn die Gestapo klingelt - dass man im Restaurant immer mit dem Rücken zur Wand sitzt, um beobachten zu können, wer zuhört - was man der Polizei sagt, wenn die fragt, welche Erkennungsmelodie das Radio hat. All das hat für mich mit einem bürgerlichen Leben nicht so viel zu tun. Und meine Familie war eigentlich unpolitisch/monarchisch gesinnt.

    Aber klar, wenn man nicht zu viele Fragen stellt und nicht so genau hinschaut, dann kann es auch in der Diktatur ganz gemütlich sein...

  • All das dürfte in der DDR nicht viel anders gewesen sein. Und die meisten Leute schauen auch heute nicht so genau hin und stellen nicht zu viele Fragen.


    Das mit dem Rücken zur Wand, um beobachten zu können, nicht nur wer zuhört (das macht fast jeder instinktiv, den ich kenne, wenn es um politische Themen geht), sondern auch wer hereinkommt, praktiziere ich häufig heute ebenso. Ich schaue instinktiv ganz genau, wer durch die Tür kommt. Man kann ja auch zufällig Opfer werden, wenn man z.B. mit der "falschen" Person am Tisch sitzt.


    Ich kenne zwei Leute, die bei Angriffen von "Antifas" in Restaurants teils schwer verletzt worden. Der Eine war mal Mitglied der "Republikaner" und die Tat ereignete ich in den 90er Jahren. Er kam nur knapp mit dem Leben davon. Und über die Täterszene wird von der Politik die schützende Hand gehalten. Aber das ist ein Thema, dass uns weit ins off-topic führt.