Berlin - Marien- und Heiliggeistviertel zwischen Fernsehturm und Spree

Im neuen Jahr bittet der Vorstand euch, frühzeitig nach neuen Bauprojektplänen in eurer Stadt Ausschau zu halten. Wo lässt sich durch traditionelle Architektur oder Rekonstruktionen euer Stadtbild verbessern? Teilt uns eure Ideen mit! Je eher wir mit Ideen an die Öffentlichkeit gehen, umso höher sind unsere Chancen, dass die Ideen von den Verantwortlichen ernstgenommen werden!
  • Warum? Projekte in der Nähe stimmen doch durchaus hoffnungsfroh, Kronprinzengärten, Klostergärten... Und bis es im Kern der Altstadt mit Bebauung losgehen kann, ist die aktuelle Lüscher-Generation längst weg vom Fenster.



    "erbse", ich will gar nicht bestreiten, dass die Möglichkeit besteht, dass in 20, 30 Jahren eine neue Generation von Stadtplanern und Architekten das Areal im Stil der Kronprinzengärten oder Klostergärten bebaut. Meine Skepsis war aber, dass es vielen Befürwortern einer Bebauung des Areals ja nicht darum geht, das Gebiet unbedingt mit irgendwelchen neo-neoklassizistischen oder postmodernen Apartmenthäusern zuzubauen, um auf diese Weise weitere "Urbanität" zu schaffen. Viele sprechen ja in dieser Diskussion von der "Altstadt". Ob allerdings mit einer Bebauung im Stil des Neo-Neoklassizismus das entsprechende Altstadtfeeling aufkommt, wage ich zu bezweifeln. Dazu müssten schon ein paar Rekonstruktionen und die alte Parzellenstruktur her. Es käme also bestenfalls ein sicherlich sehr begrüßenswertes und angenehmes, aber letztlich austauschbares Quartier heraus. Ich hätte damit keine großen Probleme, aber viele derjenigen, die sich eine "Altstadt" erhoffen (und deshalb für die Bebauung plädieren) dürften bitter enttäuscht werden.

  • Ich denke jeder Mitdiskutant hier ist sich einigermaßen bewusst, was auf diesen Parzellen einst stand und was möglich wäre.
    Es geht erst in zweiter Linie um die Architektur, oberste Priorität hat die Wiedererweckung dieses Stadtraumes. Das kann ein Park einfach nicht leisten. Dann kann man es auch zunächst mal so wie jetzt lassen, vielleicht mit etwas regelmäßigerer Pflege.

  • [...] dass in 20, 30 Jahren eine neue Generation von Stadtplanern und Architekten das Areal im Stil der Kronprinzengärten oder Klostergärten bebaut.


    Ich bezweifle auch, daß das überhaupt wünschenswert wäre. Als Ergänzung bestehender Altbauensembles finde ich diese Beispiele gut. Aber ein komplettes Viertel in diesem Stil würde auf mich sehr künstlich wirken. Für ein neues Wohnviertel ist das schon okay. Aber für einen so zentralen Bereich der Innenstadt müßte der traditionalistische Stil schon noch etwas reifen und verfeinert werden. Vor allem aber fehlt es ihm noch an Routine. Selbst wenn man sich um Abwechslung bemüht wie im Falle der Kronprinzengärten, wirkt das Resultat leider immer noch etwas gestelzt.

  • Solange die Wohnungssituation so ist wie sie ist ist das natürlich völliger Mumpitz. Da wird überhaupt kein Wohngebäude abgerissen. Insofern stellt sich auch die Frage nach der Architektur einer Neubebauung nicht.

    Berlin ist noch meilenweit entfernt von der Situation wie in Hamburg, Stuttgart, Frankfurt, München, etc... und es geht ja einmalig um einige hundert Wohnungen die abgerissen werden müssen während in Berlin 10.000 Wohnungen pro Jahr gebaut werden.
    => Die paar Wohnungen können also nicht als Ausrede dafür herhalten diesen Schandfleck in der Mitte Berlins länger als notwendig ertragen zu müssen.
    Abgesehen davon würden ja auch wieder neue Wohnungen dort gebaut werden.

  • Gibt es denn eine gute Dokumentation des Vorkriegsbestandes, der die Phantasie anregt? Ich hatte immer den Eindruck, dass das Marienviertel zwar recht nett aber eben auch nicht außergewöhnlich war und vielleicht ein wenig zu kleinbacken und durchschnittlich für eine Großstadt. Wir haben ja nicht hier repräsentative Renaissancepracht oder Fachwerkträume, sondern Durchschnitt, der in wirklich jeder ostdeutschen Kleinstadt stehen könnte. Eine kleinteilige Bebauung wäre sicherlich wünschenswert zur Wiedererlangung eines urbanen Raumes, und Überwindung des solitären Charakters der Kirche, aber meines Erachtens ist viel Raum für Architektur. Wenn überhaupt reicht vollkommen die Wiedererlangung einiger Gassen, eines Stadtbildes.

  • Gibt es denn eine gute Dokumentation des Vorkriegsbestandes, der die Phantasie anregt? Ich hatte immer den Eindruck, dass das Marienviertel zwar recht nett aber eben auch nicht außergewöhnlich war und vielleicht ein wenig zu kleinbacken und durchschnittlich für eine Großstadt. Wir haben ja nicht hier repräsentative Renaissancepracht oder Fachwerkträume, sondern Durchschnitt, der in wirklich jeder ostdeutschen Kleinstadt stehen könnte. Eine kleinteilige Bebauung wäre sicherlich wünschenswert zur Wiedererlangung eines urbanen Raumes, und Überwindung des solitären Charakters der Kirche, aber meines Erachtens ist viel Raum für Architektur. Wenn überhaupt reicht vollkommen die Wiedererlangung einiger Gassen, eines Stadtbildes.

    Das Problem ist der aktuelle Zustand der für eine große Hauptstadt im Zentrum in keinster Weise zu vertreten ist! Es kann so nicht bleiben wie es ist ... Lösungen gibt es viele und es gibt nicht nur ein schwarz oder weiss ...

  • Gibt es denn eine gute Dokumentation des Vorkriegsbestandes, der die Phantasie anregt?


    Die umfangreichste groß bebilderte Darstellung ist das Buch http://Altstadt von Hans Stimmann. Unverzichtbar, weil tiefergehend, auch http://Der Umbau Alt-Berlins zum modernen Stadtzentrum von Benedikt Goebel. Die abwertenten Attribute kleinbacken, durchschnittlich aber "recht nett" lasse ich mal so stehen. Das ändert sich sicher nach der Lektüre. Last - but not least - http://Die Stadt Berlin in der Druckgrafik.


    Falls zu teuer: steht alles im Lesesaal des Zentrum für Berlin-Studien der ZLB an der Breiten Straße - oder Fernleihe!


    Da beim Dialogprozess keine Bilder des Alten Berlins gezeigt werden durften (nicht ein einziges!) ist die bildliche Vermittlung sicher am wichtigsten.


    Neuer Markt:



    (C) akg images


    Moderationshinweis (Aedificium): Lieber Konstantindegeer, wärest Du so nett die von Dir angegebenen Links auch mit den passenden Webseiten zu verknüpfen? Vielen Dank

    „Ärzte können ihre Fehler begraben, aber ein Architekt kann seinen Kun­den nur raten, Efeu zu pflanzen.“
    George Sand

  • "Die Berliner wünschen sich...", spricht dieser Korte.


    Dann hört man, dass sich "80 interessierte Berliner" an dieser Ideenwerkstatt beteiligt haben.


    Ich wusste gar nicht, dass Berlin nur über 80 Einwohner verfügt.


    Jedenfalls kein Wunder, dass da einige einen Aufmarschplatz für Demos wünschen (auch für eine AfD-Demo?). Ich denke mal, dass da mehrheitlich eine bestimmte Klientel zusammengesessen hat. Da sind mir die Fremden noch lieber, die den Platz lassen wollen, wie er ist.

  • Also wenn sich 80 berliner Bürger treffen und die dann mehrheitlich zu dem Schluss kommen, man benötige einen Aufmarschplatz vor dem Roten Rathaus, dann kann man nur sagen: Respekt! :daumenoben:


    oder hier waren wohl keine oder wenige beteiligt, die sich wirklich für Stadtgestaltung oder Architektur interessieren.


    Auch wenn das Gebiet um die Marienkirche städtebaulich wirklich nicht optimal ist und abgesehen von einer ziemlich bezuglos herumstehenden (künstlerisch hochwertigen) Kirche nichts an das ehemalige Zentrum einer Stadt erinnert, muss ich doch Heimdall zustimmen: Hier ist es besser erst einmal nichts zu verändern. Die Grünanlage ist besser als alles was zum jetztigen Zeitpunkt kommen kann.

  • Parallel zum "völlig ergebnisoffenen" (Regula Lüscher) Bürgerdialog über das Rathaus- und MEF, der im Winter 2015/16 abgeschlossen sein soll, ist die Umgestaltung des Rathausforums in vollem Gange. Die Diskussion wird dazu genutzt um - selbstverständlich ohne Ausschreibung und/oder Wettbewerb - Fakten zu schaffen.


    1. An der Ecke Spandauer und Karl-Liebknecht-Straße ist das Denkmal für Moses Mendelssohn entstanden. Das Denkmal nach einer Idee von Micha Ullman (der auch schon die leere Bibliothek auf dem Opern- bzw. Bebelplatz geschaffen hat) liegt hier optisch die Fassade des ehem. Wohnhauses Mendelssohn' waagerecht im Pflaster; bei Regel soll sich das Wasser in den Fensterhöhlen sammeln. Ob das gelungen ist mag jeder selbst beurteilen. Das Denkmal ist nicht am historischen Ort geschaffen worden (der läge weiter südlich und halb unter der heutigen Spandauer Straße) sondern als Platz der städtebaulich wichtige Eckpunkt gewählt worden. Über eine Bebauung (mit welcher Architektur oder Nutzung auch immer) bracht man nun nicht mehr nachzudenken.


    2. Der ehem. Marienkirchhof, also das unmittelbare Umfeld der Marienkirche wird massiv umgestaltet. Im ersten, fertiggestellten Teil ist sichtbar, dass die ehemligen Hausgrundrisse rund um den Kirchhof nun nicht - wie ursprünglich geplant - mit Cortenstahlbändern markiert wurden sondern mit Klinkern. Zudem wechselt die Farbe des Granitpflasters. Mit der Umgestaltung wird eine - wie sagte man zu DDR-Zeiten - Traditionsinsel gebildet, auf der die Marienkirche etwas mehr Luft hat um zur Geltung zu kommen. In die ehemaligen Hausgrundstücke haben die Freiflächenplaner flugs Bäume gepflanzt. Das Konzept zur Umgestaltung ist ohne Ausschreibung und Wettbewerb in der Direktvergabe an die Planer Monsigny-Levin gegangen. Die Diskussion um eine Wiederbebauung ist wohl hiermit auch hier de facto erledigt.


    Zusamengefasst fällt es mir angesichts dieser Veränderungen schwer daran zu glauben, dass das Bürgerdialog-Verfahren - zumindest für das Rathausforum - ernst gemeint war.







    „Ärzte können ihre Fehler begraben, aber ein Architekt kann seinen Kun­den nur raten, Efeu zu pflanzen.“
    George Sand

  • KdG: Es widerstreitet dann wohl die Wiederherstellung des Neuen Marktes mit Öffnung nach Norden (à la GHB u. a.) gegen die vage Idee des Rathausforums mit Öffnung nach Süden? Ein paar gepflanzte Bäume sollte da jedoch keine unverbrüchlichen Umstände setzen dürfen.


    Weitere Bilder von St. Marien, ihrem städtebaulichen Umfeld (Bilder sind ca. 4 Wochen alt) und dessen Umgestaltung.








    Weiter recht befindet sich übrigens ein Schild "Geschützte Grünanlage" :augenrollengruen:

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • [color=#000000]KdG: Es widerstreitet dann wohl die Wiederherstellung des Neuen Marktes mit Öffnung nach Norden (à la GHB u. a.) gegen die vage Idee des Rathausforums mit Öffnung nach Süden? Ein paar gepflanzte Bäume sollte da jedoch keine unverbrüchlichen Umstände setzen dürfen.


    Ein Denkmal für den berühmtesten jüdischen Mitbürger Berlins jedoch schon. Und wenn Du innerhalb der Bindungsfrist von 15 Jahren die Bäume, die mit Europamitteln finanziert sind, wieder umlegst darfst Du die Förderung zurückzahlen.

    „Ärzte können ihre Fehler begraben, aber ein Architekt kann seinen Kun­den nur raten, Efeu zu pflanzen.“
    George Sand

  • 15 Jahre sind eine gute Zeit. Bis dahin ist das Architekturbewusstsein für diesen Stadtraum womöglich weit genug gereift. Das verschafft Luft zum atmen.


    Aber was geschieht nun eigentlich mit dem Lutherdenkmal? Kommt es an seinen historischen Standort zurück? Es sollte doch auch der originale Sockel in vereinfachter Form wiederhergestellt werden? Noch steht es ja verloren neben der Kirche.

  • Ist doch schon (mit deiner Beteiligung) erörtert und beantwortet worden:
    Alt-Berlin und Marienviertel


    Hier noch eine Aufnahme aus dem Berliner Landesarchiv, welches leider auch gemeinfreie, digitalisierte Fotografien nicht herunterladen lässt. Eine dreist-anmaßende Albernheit einer steuerfinanzierten Institution!
    Man muss sich daher ein wenig zu helfen wissen.

    Fotograf: Waldemar Titzenthaler, @Landesarchiv Berlin: gemeinfrei(!), 'public domain' (!), uneingeschränkt verwendbar (!), frei von Rechten Dritter (!)

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Die von Regula ins Leben gerufene Größte Diskussion aller Zeiten (GröDaZ) hat bisher - ach wie verwunderlich - zu keinem brauchbaren Ergebnis geführt. :blah:


    Quote

    Für Senatsbaudirektorin Regula Lüscher ist sie ein Erfolg. Der Historiker Bendedikt Goebel bezeichnet sie als Farce: Die Stadtdebatte „Alte Mitte – neue Liebe?“ zur Zukunft des Stadtraums zwischen Spree und Fernsehturm. Rund 60 000 Menschen habe man begeistern können, online mitzudiskutieren, schwärmte Lüscher.
    (...) Zur Halbzeit der Debatte hat man, wie berichtet, 15 zum Teil widersprüchliche Thesen entwickelt, die nun in der zweiten Runde – wieder (...) diskutiert werden sollen. (...) Bisher ist noch nichts Konkretes herausgekommen. Der Knackpunkt ist immer noch heftig umstritten. Es geht dabei darum, ob alles mehr oder weniger beim Alten bleibt, ob es eine Bebauung nach historischem Vorbild gibt, oder ob es zu einer Teilbebauung vor allem um die Marienkirche kommt.


    Quote

    Einen breiten Konsens gibt es nach Lüschers Angaben bisher bei der These, dass die Mitte ein „Ort für Alle“ sein müsse...

    Toll Frau Regula, da sind wir ja schon mal einen ganz entscheidenden Schritt weiter gekommen... baby2000:)


    Alles weitere hier >> http://www.tagesspiegel.de/ber…er-bewahren/12282522.html


    Die o.g. nun zu diskutierenden "15 Thesen" können hier eingesehen werden.
    .

    Edited once, last by Maecenas ().

  • Laut 'Insider-Informationen' aus dem DAF ist eine Mehrheit der Diskutanten gegen eine Wiederbebauung / Rekonstruktion des Marienviertels. :kopfschuetteln: Regula wird's recht sein, die öde Honecker-Brache wird Bestand haben. :kopfwand:
    (Link zum >> DAF)

  • Nachdem nun die südliche Hälfte der Massnahme der Fertigstellung entgegengeht, hat man mit der Freilegung, Untersuchung und Kartierung der Fundamente vor dem Eingang der Kirche begonnen. Der Zugang erfolgt nun offenbar über einen Nebeneingang....




    billdervonmir,gemeinfrei

    Dem bald wieder aufgebauten Berlin stehen goldene Zeiten bevor .....

  • Super. Danke für die Bilder!


    Keine 2 Meter Abstand zwischen KIrche und der Bebauung.


    Mein Tipp: nach Kartierung werden die Funde entsorgt.

    „Ärzte können ihre Fehler begraben, aber ein Architekt kann seinen Kun­den nur raten, Efeu zu pflanzen.“
    George Sand