Berlin - Marien- und Heiliggeistviertel - Rathausforum, Marx-Engels-Forum

  • Meinst du die Idee vom ADAC mit dem Tunnel usw.? Das wurde vom Senat doch gleich abgewimmelt. Und auch sonst glaube ich nicht, dass man diese Hauptverkehrsstraße für den Individualverkehr schließen wird/will/kann, wenngleich die Straße wohl verschmälert wird. Das würde auch ohne Brunnen zu eng werden...

  • Nee, kein Tunnel - einfach eine Verkehrsumleitung. Ist auch mittlerweile 11 Jahre her. Wenn ich den Plan noch zuhause wiederfinde (allen Papierkram rund ums Berliner Schloß hebe ich ja auf, aber leider nicht geordnet, sondern verstreut), dann scanne ich's mal ein.

  • siehe hierzu die pressemitteilung der senatsverwaltung für stadtentwicklung vom 6. april:

    "Pressebox
    Verkehrskonzept für Berlins neue Kulturmitte vorgestellt

    06.04.09
    Im Rahmen einer Pressekonferenz stellte heute die Senatorin für Stadtentwicklung, Ingeborg Junge-Reyer, das Verkehrskonzept für den Bereich „Museumsinsel, Humboldt-Forum und Schloßplatz“ vor.

    Der Neubau des Humboldt-Forums, die Veränderungen auf der Museumsinsel, die Neugestaltungen des städtischen Raumes im Umfeld dieser Kulturbauten sowie der zu erwartende Besucherzustrom erfordern dieses Verkehrskonzept. Insbesondere der Zuwachs an Reisebus-Verkehr muss zukünftig intelligent geregelt werden.

    Senatorin Junge-Reyer: „Die Museumsinsel und das Humboldt-Forum werden eine Einheit bilden, die in kultureller und touristischer Hinsicht das Zentrum Berlins sein wird. Berlinerinnen und Berliner sowie Touristen aus aller Welt werden in die Museen und in das neue Forum strömen, der Zuwachs an Gästen wird erheblich sein. Viele von ihnen werden das Weltkulturerbe und das Humboldt-Forum mit dem Reisebus besuchen, zusätzlich werden tausende Fußgänger mehr erwartet. Zugleich muss die Achse „Unter den Linden – Karl-Liebknecht-Straße“ als Ost-West-Verbindung erhalten bleiben. Eine Sperrung dieser wichtigen Straße, auf der auch in Zukunft ca. 30. – 35.000 Kfz pro Tag fahren werden, würde zu einem Verkehrschaos am Schloßplatz und in der Rathausstraße führen. Deshalb haben wir eine Lösung erarbeitet, in der Fußgänger und Radfahrer erheblich mehr Raum erhalten und die Querung der Straße vereinfacht wird, jedoch ohne die Ost-West-Achse zu unterbrechen.“

    Die erwartete Verkehrsentwicklung lässt sich folgendermaßen beschreiben: Während der städtische Durchgangsverkehr über die Museumsinsel leicht abnehmen wird, ist ein erheblicher Zuwachs des auf Museumsinsel und Humboldt-Forum gerichteten Verkehrs durch Touristen zu erwarten. Nach Fertigstellung des Humboldt-Forums rechnen Museumsfachleute mit einer Verdoppelung der Besucherzahl von heute ca. 8.400 pro Tag auf ca. 17.000 pro Tag. Der größte Teil dieser Besucher (rund 70 %) wird voraussichtlich mit dem ÖPNV, zu Fuß und mit dem Fahrrad zur Museumsinsel kommen. Rund 25 % der Besucher werden vermutlich Reisebusse nutzen.

    Die Verkehrsinfrastruktur im Bereich der Museumsinsel wird den gesamten Verkehr gut bewältigen können. Zu der bisher schon sehr guten ÖPNV-Erschließung (S-Bahn und Linienbusse) wird ab ca. 2017 die U 5 mit dem U-Bahnhof „Humboldt-Forum“ hinzukommen. Das Gerüst des Hauptstraßennetzes wird nach dem Konzept des Senates beibehalten, weil weiterhin ein sehr erheblicher überörtlicher Ost-West-Verkehr zu bewältigen ist. Die in die Diskussion gebrachte Unterbrechung der Karl-Liebknecht-Straße im Bereich des Lustgartens und die Umleitung des Hauptverkehrsstromes über Schloßplatz und Rathausstraße wurde unter verkehrstechnischen und städtebaulichen Gesichtspunkten geprüft.

    Ergebnis ist, dass der Vorteil einer ungestörten Verbindung zwischen der Nordfassade des Humboldt-Forums und Lustgarten mit einer ganzen Reihe so gravierender Nachteile erkauft würde, dass eine Umsetzung dieser alternativen Überlegung nicht in Betracht kommt. Auch bei einer Beibehaltung der Karl-Liebknecht-Straße zwischen Lustgarten und Humboldt-Forum kann für eine ausreichende Querbarkeit der Straße und eine städtebaulich einheitliche Platzgestalt gesorgt werden. Die genaue Gestaltung dieser neuen Fußgängerverbindung zwischen Lustgarten und Humboldt-Forum wird in einem städtebaulichen Wettbewerb ermittelt.

    Für den nichtmotorisierten Verkehr (Radfahrer und Fußgänger) sieht das Verkehrskonzept ein deutlich vergrößertes Flächenangebot vor. Bodestraße und ein Teil der Straße Am Lustgarten werden für den allgemeinen Verkehr gesperrt.

    Ein besonderer Schwerpunkt des Konzeptes ist der Umgang mit dem Reisebusverkehr. Da künftig mit mehr als 100 Reisebussen pro Tag zu rechnen ist, die Gäste zur Museumsinsel und zum Humboldt-Forum bringen und wieder abholen werden, muss die Zu- und Abfahrt organisiert werden. Dabei muss verhindert werden, dass überall parkende Busse sowie Parksuchverkehr den Verkehr und das Stadtbild beeinträchtigen. Nach Untersuchung verschiedener grundsätzlicher Alternativen einschließlich der Prüfung vergleichbarer Fälle in London, Wien und Paris wurde dem sogenannten „Terminal-Konzept“ der Vorzug gegeben. Nach diesem Konzept fahren die Busse unmittelbar bis zum Ziel, setzen die Besucher dort ab und nehmen dann eine vorübergehende Warteposition an dezentralen Busparkplätzen ein, die im Umfeld der Museumsinsel liegen. Um dies zu organisieren, bedarf es einer telematischen Unterstützung. Moderne Kommunikationstechnologie kommt zum Einsatz, um die Busse für einen bestimmten Zeitpunkt der Zufahrt anzumelden, die Zu- und Ausfahrt zu überwachen und über aktuell freie Parkplätze für Busse zu informieren.

    Für die Museumsinsel ist ein Terminalbereich für zwei Busse in der Bodestraße und ein „Überlaufbereich“ in der Straße Am Lustgarten vorgesehen. Außerhalb des Terminals sind Haltepunkte zum Ein- und Aussteigen Am Kupfergraben und Am Lustgarten vorgesehen. Für den Bereich des Humboldt-Forums sind drei Haltepositionen nahe der Rathausstraße geplant; die konkrete Ausgestaltung wird noch erarbeitet. Das telematikunterstützte Busleitsystem könnte ab 2011 in Betrieb gehen."

  • Sehr schade.

    Quote

    Auch bei einer Beibehaltung der Karl-Liebknecht-Straße zwischen Lustgarten und Humboldt-Forum kann für eine ausreichende Querbarkeit der Straße und eine städtebaulich einheitliche Platzgestalt gesorgt werden. Die genaue Gestaltung dieser neuen Fußgängerverbindung zwischen Lustgarten und Humboldt-Forum wird in einem städtebaulichen Wettbewerb ermittelt.

    Aber was verbirgt sich hinter diesem allgemein gehaltenen Blabla? Eine Unterführung? Und wohl hoffentlich keine Fußgängerbrücke... :augenrollen:

  • Goldig! :D

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    [...] Das sieht Wilfried Kuehn vom Büro Kuehn Malvezzi gänzlich anders. Die Gewinner des Sonderpreises im Wettbewerb zum Bau des Humboldt-Forums plädieren dafür, am Marx-Engels-Forum gar nichts zu ändern. Falls dort gebaut werde, dränge sich jedoch eine „heilende Lösung“ auf: Die Rekonstruktion des Palasts der Republik auf dem Marx-Engels-Forum. „Dies ist aus mehreren Gründen richtig, denn nicht nur kann dadurch endlich ein zentraler Ort für die geplante Berliner Kunsthalle gefunden werden, sondern es kann der mit dem Schlossbau angetretene Beweis vollendet werden, dass sich Rekonstruktionen vordemokratischer Staatsarchitekturen in Berlin am besten für zeitgenössische Museen eignen“, so Wilfried Kuehn. „Wo stünde ein asbestfreier Palast der Republik besser als bei Marx und Engels?“ so der Architekt.


    http://www.morgenpost.de/berlin/article…r_aufbauen.html

    Der seinerzeitige Entwurf von Kühn/Malvezzi zum Stadtschloss enthält ja für die Gestaltung des Inneren durchaus etwas Brauchbares.
    Die Rekonstruktion findet auf einmal ganz neue (Völker-)Freunde - obgleich Herr Kühn sich natürlich gerade köstlich amüsiert...

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Scheint ein richtiger Komiker zu sein, der seine Pläne für kuehn hält - ich halte sie für albern.

    Aber das hier klingt doch interessant:

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    Der Architekten- und Ingenieur-Verein (AIV) zu Berlin unterstützt die Forderung des Regierenden Bürgermeisters, den historischen Altstadtkern Berlins wieder herzustellen. „Nichts hat so viele Emotionen geweckt wie die Möglichkeit, in der Mitte der Stadt das Schloss wieder aufbauen zu können. Die Sehnsucht nach einem dazugehörigen historischen Zentrum, das man mit Leben füllen kann, ist offenbar groß. Darauf muss die Stadtentwicklung reagieren“, sagt der AIV-Vorsitzende Manfred Semmer.
    Der Verein will sich aktiv um die Neugestaltung des ehemaligen Altstadtkerns bemühen und hat das gesamte Areal in den Mittelpunkt des renommierten Schinkel-Wettbewerbes für 2010 gestellt. „Damit ist die junge Planergeneration der Architekten und Ingenieure aufgefordert, sich mit einer Neubebauung am historischen Ort zu beschäftigen“, so Semmer. Das Wettbewerbsgebiet umfasst das gesamte Areal von der Spreepromenade über das Marx-Engels-Forum bis zum Bahnhof Alexanderplatz.
    Als Planungsgrundlage soll der städtebauliche Grundriss mit den Straßenzügen und den alten Gebäudekanten von 1940 dienen. „Das war der zuletzt dokumentierte Originalzustand des Marienviertels vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg.“ Mitte September folgt die Auslobung des Wettbewerbs.

    Und das kommt von Architekten und Ingenieuren? Oder meinen die modernistische Kuben auf historischem Grundriß?

  • Endlich mal eine gute Idee. Es wird auch wirklich Zeit, dass diese Brache wieder wie ein richtiges Stadtzentrum aussieht.

  • Von mir aus kann man den PdR wieder auf dem MEF aufbauen. Als Gebäude fand ich den nicht so schlimm. Und vielleicht, wenn am anderen Ufer was modernes steht, ist man eher dazu bereit, die Ostfassade originalgetreu zu rekonstruieren. Wär interessant zu wissen, ob man dann auch mit Disneyland gegenargumentiert :).

  • Um diesen absurden und ohnehin nur als Provokation gemeinten Quatsch noch eine Spur weiter zu führen: Soll er doch den "Palast der Republik" rekonstruieren, wenn er dafür Spender findet, aber zum Wasser hin mit der rekonstruierten Ostfassade des Schlosses. Das wäre doch mal eine interessante Verquerung. Ein Schloß mit moderner Wasserfassade, ein "Palast" mit historischer Wasserfassade. Von der Ostgalerie des Schlosses schaut man dann auf die eigene Ostfassade. Spannungs- und kontrastreicher ginge es nicht mehr. Aber, mehr braucht man dazu nicht zu sagen. Der "Palast" wird nicht wiederkehren, außer in den hämischen Phantasien einiger Ostalgiker und frustierter Architekten. Diskussion also überflüssig. Gegen eine Wiederherstellung des Marienviertels sei nichts gesagt, wenn es aber zu Ergebnissen einer "kritischen Rekonstruktion" wie in der Kasseler Unterneustadt führen sollte, plädiere ich für eine Beibehaltung der Freifläche.

  • Quote

    Von der Ostgalerie des Schlosses schaut man dann auf die eigene Ostfassade.

    Ja, das ist in der Tat ziemlich "geil"... :gg:

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    Gegen eine Wiederherstellung des Marienviertels sei nichts gesagt, wenn es aber zu Ergebnissen einer "kritischen Rekonstruktion" wie in der Kasseler Unterneustadt führen sollte, plädiere ich für eine Beibehaltung der Freifläche.

    Ja, genau dieser Stadtteil kam mir spontan als abschreckendes Beispiel auch in den Sinn. So könnte dann das Spreeufer aussehen - nein danke... :?

  • Quote from "Benni"

    Das Marienviertel ist mir nich ganz so interessant, weil es ja bestimmt eh nur wieder Standardinvestorenarchitektur wird...


    Es bleibt zu hoffen, dass den Mächtigen klar ist, an welchem Ort man hier zu bauen gedenkt: dem zentralsten Kern der Stadt! Standardinvestorenschrott wäre hier unverzeihlich, gefragt wäre eine Lösung wie am Neumarkt in Dresden oder besser.

    Quote

    Von mir aus kann man den PdR wieder auf dem MEF aufbauen.


    Der PdR, obwohl im Rahmen seiner Zeit gar nicht einmal schlecht, ist für eine Altstadtfläche gänzlich ungeeignet. Im Bereich des ehemaligen Altberlins ist kein Platz für irgendwelche Spielereien. Vielmehr sollte sich Berlin möglichst schnell von den Plattenbauriegeln zwischen Grunerstraße und Rathausstraße und denen nördlich der Karl-Liebknecht-Straße verabschieden und endlich eine würdevolle Bebauung des gesamten Areals in die Wege leiten. Ähnliches gilt für die Spreeinsel südlich des Schlossplatzes. Das und nichts anderes wäre die Hauptaufgabe der Berliner Baupolitik der nächsten Jahrzehnte. Solange sich hier nichts bewegt, ist Berlin nicht würdig, Hauptstadt Deutschlands zu sein.

    "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
    Arthur Schopenhauer

  • Möchte nochmal auf einen Artikel in der BZ vom 25.4.2009 verweisen :

    Quote

    Die große Leere

    Was macht man mit einer weiten, zugigen Fläche, auf der einst die Berliner Altstadt stand und heute nur noch Marx und Engels residieren? Ein Beitrag zur Debatte

    Nikolaus Bernau

    Die Knie von Marx und Engels sind blank gerieben von den Berührungen durch die Touristen. So wie der Fuß jener Statue des Apostels Petrus im Petersdom zu Rom, der schon mehrmals ersetzt werden musste, weil die Gläubigen ihn regelrecht abscheuerten. Das soll Glück bringen. Der Spottname "Säulenheilige des Sozialismus" erhält aus einer solchen Sicht eine ganz neue Bedeutung.

    .....

    Siehe link:

    http://www.berlinonline.de/berliner-zeitu…0001/index.html

    "Europa wurde von den Bürgern erbaut und von den Proleten zerstört."
    - Sándor Márai

  • A propos Marx-Engels-Forum: Das hier habe ich unweit des Vatikan (Häuser links) gefunden, als ich vor zwei Wochen in Rom war.

    Da seht ihr mal, was für ein bedeutendes Baudenkmal das MEF ist ;).

  • Die Umfrage laeuft immer noch. Gestern abend sahen die Dinge besser aus; es sind seitdem viele "Nein" Stimmen dazugekommen (jetzt ueber 40%).

    Etwa eine Stunde spaeter: Jetzt wieder unter 40%.

    Weitere Stunden spaeter: Noch weiter unter 40%.

  • Es ist halt auch die Frage nach dem "Wie". Schlecht aufgebaute Städte, bei denen man Brachflächen bevorzugen würde, gibt es zuhauf, eigentlich in 95% der Fälle.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Die Plattformnachwuchsarchitekten, die der Ostalgie aufzusitzen scheinen, argumentieren erwartungsgemäß gegensätzlich. Der Vollständigkeit halber setze ich es hier mal rein...

    U-Boot erreicht Marx-Engels-Forum!

    Kaum war der polarisierende Senatsbaudirektor Hans Stimman aus Lübeck pensioniert und
    sein Amt mit einer dialog-orientierten Baslerin neu besetzt, erhielt ein geistiger Verwandter
    aus Oberhausen eine ähnliche Machtfülle wie er und heißt André Schmitz, Staatssekretär
    des Regierenden Bürgermeisters. Zunächst hinter den Kulissen agierend, tritt der de facto
    Kultursenator der Stadt Berlin in letzter Zeit immer selbstbewusster ins Rampenlicht der
    Öffentlichkeit. Regelmäßig blitzen nun seine persönlichen Meinungen zur Rekonstruktion der
    Bauakademie, der Staatsoper und nun zur „Rekonstruktion der Rückseite“ des geplanten
    Schlossneubaus (dem heutigen Marx-Engels-Forum), im medialen Donner des ungewöhnlich
    warmen Frühlings 2009 auf.

    „Das Herz der Stadt“ möchte er auf den anschließenden Freiflächen bis hin zum Roten
    Rathaus rekonstruktiv schlagen sehen und eine „bürgerliche Wiederbebauung“ rund um die
    St. Marien-Kirche, soll Geld in die klammen Kassen von Berlin spülen. Die
    denkmalgeschützte Kirche befindet sich an der Karl-Liebknecht-Straße am Fuße des
    Fernsehturms und steht als Solitär im ehemals dicht bebauten Marienviertel. Tausende von
    Passanten zwischen Hackeschem Markt und Alexander Platz überqueren an dieser Stelle
    heute den reich belebten Platz rund um den Neptunbrunnen und stören sich kein bisschen
    an der Großzügigkeit des Freiraums und daran, dass Neptun mit Hofstaat, Putten und
    Meeresgetier ursprünglich vor dem historischen Schloss sein stilistisches Unwesen trieb.

    „Nach Ansicht vieler Fachleute weist der bestehende, großzügige Freiraum hingegen
    wichtige städtebauliche Qualitäten auf, die gezielt als großstädtisches Zentrum weiter
    entwickelt werden sollten“, schrieb unlängst der „Rat für Stadtentwicklung“ und wendet sich
    damit gegen ein voreiliges Entwickeln von renditeträchtigen Flächen an diesem Ort.

    Überhaupt bekommt man den Eindruck, dass es Hans Stimmann und André Schmitz nicht
    nur um die Besetzung der Mitte mit der bürgerlichen und zahlungskräftigen Klientel
    ihresgleichen geht, sondern auch um das systematische Beseitigen der ostmodernen
    Stadtplanung an dieser Stelle. Erst ging es dem Alexanderplatz an den Kragen, mit einem
    „Masterplan“ des Backstein-Architekten Hans Kollhoff. Danach wurde der Platz in einzelne,
    vermarktbare B-Pläne zerschnitten. Die unsägliche Shopping-Erlebniswelt „Alexa“ war unter
    anderem die Folge und gewann dafür 2007 den Plattformpreis für die fragwürdigste
    Architektur Berlins. Mit dem Bau von „Saturn“, der unlängst eröffnete, gerieten die frisch
    sanierten Ikonen der Ostmoderne - das „Haus des Lehrers“ und das Kongresszentrum bcc –
    in eine hinterhofartige Randlage am Alexanderplatz. In der Zwischenzeit wurde der Palast
    der Republik am Schlossplatz geschliffen...

    Haben wir nicht genügend andere Freiflächen in Berlin, auf die man sich stürzen könnte?
    Zum Beispiel rund um den neuen Hauptbahnhof, oder direkt nördlich davon, auf dem
    riesigen Entwicklungsgebiet Heidestrasse?

    Nun wird der geplante U-Bahnbau der Linie U5 vorgeschoben, der die notwendige
    Verbindung vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor herstellen soll. Auch archäologische
    Grabungen sind am Marx-Engels-Forum geplant, 150 schöne Bäume sollen dort noch bis
    Ende April gefällt werden. Das Marx-Engels-Denkmal muss an die nordwestliche Ecke des
    Forums umziehen, es soll eine riesige Baustelleneinrichtung für das Neubauschloss dort
    geben. Weitere U-Boote in Form von geschichtspolitischen Umdeutungen könnten bald die
    Konsequenz daraus sein.

    http://www.plattformnachwuchsarchitekten.de/pdf/090424eU-Boot.pdf\r
    http://www.plattformnachwuchsarchitekte ... U-Boot.pdf
    http://www.plattformnachwuchsarchitekten.de/pdf/080715eMitten-im-Schussfeld.pdf\r
    http://www.plattformnachwuchsarchitekte ... ssfeld.pdf
    http://www.plattformnachwuchsarchitekten.de/pdf/pfna-Rueckkehr-des-Neptunbrunnens-080331.pdf\r
    http://www.plattformnachwuchsarchitekte ... 080331.pdf
    http://www.plattformnachwuchsarchitekten.de/plattformpreis-2007.html\r
    http://www.plattformnachwuchsarchitekte ... -2007.html
    http://www.plattformnachwuchsarchitekten.de\r
    http://www.plattformnachwuchsarchitekten.de

  • Quote

    Nach Ansicht vieler Fachleute weist der bestehende, großzügige Freiraum hingegen
    wichtige städtebauliche Qualitäten auf, die gezielt als großstädtisches Zentrum weiter
    entwickelt werden sollten“, schrieb unlängst der „Rat für Stadtentwicklung“

    Ja, eine öde Grünfläche, flankiert von einem riesigen Plattenbauriegel hat unvorstellbare städtebauliche Qualitäten.

    Quote

    Erst ging es dem Alexanderplatz an den Kragen, mit einem
    „Masterplan“ des Backstein-Architekten Hans Kollhoff. Danach wurde der Platz in einzelne,
    vermarktbare B-Pläne zerschnitten. Die unsägliche Shopping-Erlebniswelt „Alexa“ war unter
    anderem die Folge und gewann dafür 2007 den Plattformpreis für die fragwürdigste
    Architektur Berlins. Mit dem Bau von „Saturn“, der unlängst eröffnete, gerieten die frisch
    sanierten Ikonen der Ostmoderne - das „Haus des Lehrers“ und das Kongresszentrum bcc – in eine hinterhofartige Randlage am Alexanderplatz.

    Daß es dem Alexanderplatz bereits zu DDR-Zeiten "an den Kragen" ging - mit großflächigem Abriss erhaltener Vorkriegsbauten, was den zuvor begrünten Platz auf die doppelte Größe erweiterte und in eine Betonwüste verwandelte - das verschweigt man lieber...