Neuer Marstall am Schlossplatz

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    • Neuer Marstall am Schlossplatz

      Angesichts der weit fortgeschrittenen Wiederherstellung der Schlossfassaden wäre es eigentlich dringend an der Zeit, über eine bauliche "Verschönerung" bzw. "Re-Barockisierung" der Fassaden des Neuen Marstalls nachzudenken. Ich weiß, dass dieses Ansinnen bei dem derzeitigen links-ideologischen Senat selbstverständlich keinerlei Realisierungschancen hat, ein Senat, der starrsinnig die Rückkehr des Neptunbrunnens blockiert und den Schlossplatz zukünftig als großen, grau-steinernen Busparkplatz begreift.
      Der 1901 von Ernst von Ihne vollendete neobarocke Neue Marstall orientiere sich in seinen Proportionen und Formensprache an den gegenüberliegenden Fassaden des Schlosses von Andreas Schlüter, die nach dem Krieg vorgenommene "Abschmückung" des Baus hat m.E. die ursprünglich harmonische Fassade zu stark entstellt und lässt sie daher heute monotoner, schwerer und letztlich trist gegenüber dem Ursprungszustand wirken.

      Früher:

      zeno.org/Ansichtskarten/M/Berl…rstall,+Breitestra%C3%9Fe

      Heute:

      Von Jörg Zägel - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=10207938
      .
    • Is ja 'n Ding. Das wird dann wohl vermutlich in den 1950ern passiert sein, da es sehr unauffällig und genau dem historischen Stil entsprechend gemacht ist? (In den Potsdam-Threads waren vor ein paar Tagen Beispiele vom Wiederaufbau historischer Gebäude in den 1950ern, ganz originalgetreu, die hatten die gleiche Qualität; später schwenkte auch die DDR zum "Modernismus" oder Würfelbau um).
      Weiß jemand, wie das Gebäude zu DDR-Zeiten genutzt wurde, so daß man es anbaute?
    • Wie ist eigentlich der Stand beim Marstall? Man hatte ja schon vor einigen Jahren von Mauerwerksrissen u.ä. durch den Bau der Rathausbrücke gehört (Link). Saniert werden muss der Bau wohl ohnehin, da wäre die Fassadenrekonstruktion an betroffenen Stellen nur konsequent! :daumenoben:
    • Wichtig wäre bei der Sanierung auch den Tympanon zu ergänzen. Der ist nach der Sprengung des Schlosses 1950 heruntergenommen worden, da er seinen Bezugspunkt verloren hatte.

      Eine Nachfrage beim Landesdenkmalamt vor ca. 10 Jahren hat ergeben, dass dort der Dreiecksgiebel "nicht mehr auffindbar" sei.
      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft
    • Herr Herrmann wrote:

      Der Marstall sieht sehr kahl aus.Die Schlossplatzseite des Marstalls wurde in den 50ern stark vereinfacht wiederhergestellt.Verzicht auf die dekorativen Zutaten(den Portikus und Figuren)
      Es fehlen vor allem de Tympanon und die Attikafiguren. Der Tympanon war in den 1970er Jahren noch im Depot der Denkmalpflege - man müsste man im Steinkeller der Denkmalpflege suchen...

      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft
    • @Konstantin

      Wo liegt das ganze Zeug eigentlich und mal eine vielleicht etwas dumme Frage. Gibt es nicht Inventarlisten oder so etwas? Wenn Deutsche eins können dann ist es doch ordnen und alles fein säuberlich notieren. Es kann mir doch keiner erzählen, dass man man Tonnen an Steinen irgendwo rum liegen hat und keiner hat das dokumentiert.
      Wenn man bedenkt dass auch die ganze Denkmalskirche des Berliner Doms auch noch irgendwo rum liegt, dann hätte man allein rund ums Schloss schon wieder zwei weitere Reko-Projekte.
      APH - am Puls der Zeit
    • Wir hatten in den 2000er Jahren mal beim Landesdenkmalamt gefragt - großes Fragezeichen. Dabei ist der Giebel noch in den 1980er Jahren in Inventarlisten verzeichnet und es ist gesichert, dass er den WK2 überlebt hat.

      Es liegt viel in den Depots: Keller des Stadthauses ("Steinkeller"), Nationaldenkmal auf dem Kreuzberg usw. Da darf aber nicht jeder rein. Einfach mal dem LDA schreiben...

      Der Giebel wäre das wichtigste - mit Relief natürlich...

      1944/5 mit eingehaustem Neptunbrunnen und ausgebranntem Eckhaus



      1951 wurde schon kräftig saniert

      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft
    • Konstantindegeer wrote:

      Wir hatten in den 2000er Jahren mal beim Landesdenkmalamt gefragt - großes Fragezeichen. Dabei ist der Giebel noch in den 1980er Jahren in Inventarlisten verzeichnet und es ist gesichert, dass er den WK2 überlebt hat.
      Also das ist wirklich unfassbar und geradezu skandalös dass solche Dinge offenbar noch nach der Wiedervereinigung einfach so "verschwunden" sind. :gehtsnoch: :kopfwand:
    • Der Vergleich dieses Bildes mit dem letzten Ruinenbild gleich oben offenbart dasselbe Steinproblem wie beim Schloss. Die Bresche in der Fassade auf dem Ruinenbild ist offensichtlich mit einem gelblicheren Stein aufgefüllt worden. Hier würde ich aber dieses "Missgeschick" gelten lassen, indem es auf subtilere Weise zeigt, wo ergänzt worden ist. Aber beim Schloss sieht es leider wirklich nach einem wilden Durcheinander ohne Plan aus.



      @ Moderation:
      Die letzten sieben Beiträge bitte nach Neuer Marstall am Schlossplatz verschieben.
    • Schlagt mich tot, aber mir gefällt die jetzige klassizierende Gestaltung besser als die neobarocke Fassung. Insofern könnte ich auf Tympanon und Attikafiguren verzichten. Zur Wasserseite gibt es ja noch einen Dreiecksgiebel mit Figuren, der auch erhaltenswert ist. Austauschen würde ich aber das Karl-Liebknecht-Relief gegen den historischen Brunnen. Das Relief könnte ins Museum oder Depot. Aber das ist momentan wohl in Berlin nicht politisch durchsetzbar.
    • An der Wiederaufbaugeschichte des Marstall kommen sämtliche Widersprüche und Richtungswechsel der frühen Aufbauphase der DDR zum Ausdruck: Alleine, dass er neben dem Dom überlebt und mit viel Aufwand wieder aufgebaut wurden, aber zeitgleich das Schloss, ohne welches die beiden Gebäude kaum einen eigentlichen Existenzsinn haben, gesprengt wurde, ist an Widersprüchlichkeit und Absurdität kaum zu überbiete; ähnlich dem Potsdamer Stadtschloss, dasselbst abgegangen, die Nikolaikirche aber nicht nur nicht abgerissen sondern vorzüglich, teuer und mit großem Auwand wiederaufgebaut wurde. Durch den sozialistischen Bildersturm gegen das bauliche Herz der Monarchie schienen die Beiwerke wohl unschädlich gemacht, sinnentleert und damit "entgiftet". Dort entsteht dann kleiner (doch stets bedrohter) Raum, zweierlei anderen Richtungen der Wideraufbaupolitik Raum zu geben: Den Traditionalisten, die mit aufrichtiger und bildungsbürgerlich Untermauerter Liebe zur Kunst das altdeutsche Erbe als Identität in die neue DDR mit hinüberretten wollen (gleichwohl traumatisiert sind vom Ikonoklasma, das völlig ohne Not über dieses Land raffte) und dann eben jenen, die erschreckend viel Sympathie für jenen Kunstmord hegten, aber gleichzeitig in ihrer kleinkarierten Piefigkeit (oh das Spießbürgertum, es steckt tief in der Seele manch traurig-verblendeter DDR-Biographie) jede Moderne scheuten (Feiglinge! Adornos Häkeldeckchen lassen grüßen) und sich irgendwo zwischen biderlichen Heimatstil retten oder sich, gerührt von ihrem eigenen Pathos in der architektonisch stalin-hitlerischen Großmacht einer Stalin-Allee selbst krönen. Erstere, die Traditionalisten sind es, warum der Marstall wohl so hochwertigen Wideraufbau erfahren hat, ja sogar noch im selben Stil erweitert wurde. Letztere sind es, die den Tympanon und die Skulpturen hinunterreißen, um den Marstall mit aller Gewalt zu einem, zum ihren, monumentalen Neoklassizismus umdichten und jeder Seele geraubt als Torso in den Olymp des Gigantismus verfrachten.
      "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski
    • "Kaoru", gibt es denn Belege dafür, dass das DDR-Ergebnis des Umbaus des Marstalls das Kompromiss-Resultat zweier gegensätzlicher Kräfte der frühen DDR war?

      Ich will nicht missverstanden werden. Natürlich hätte ich den Giebel und die Figuren nicht abgerissen, da sie ja offenbar den Krieg überstanden haben. Heute aber gefällt mir eben die klassizierende Fassung persönlich besser. Das ist mein Geschmack, dazu muss ich stehen. Ich mag den Klassizismus nun einmal häufig lieber als den Barock. Kleinkariert-piefig finde ich ihn nicht, sondern durchaus zu Berlin als preußisch-deutscher Hauptstadt passend. Das richtig kleinkariert-piefige Element in der DDR kam doch dann eigentlich erst ein wenig später (und viel zu früh) mit der DDR-Moderne a la Palast der Republik und FDGB-Erholungsheim.
    • Worüber ich mich immer wundere: Man hat den Neuen Marstall nach dem Krieg leicht vergrößert. Die Fassade zur Breiten Straße hin wies nur drei Fensterachsen auf:



      Jetzt weist sie fünf Achsen auf:


      Bildquelle: Wikipedia

      Einerseits hat man ganz offensichtlich ein Problem mit historischer Substanz, reißt sie ab oder verstümmelt sie zur Unkenntlichkeit, aber an anderer Stelle macht man sich gleichzeitig die Mühe und den Aufwand und ergänzt zwei Fensterachsen, und das mit großer Sorfalt, als wäre das Gebäude nie anders gebaut worden.