Abriss und andere GUTE Meldungen in Kurzfassung

  • Unser Forum besteht - leider aus oft berechtigter Sorge um die Entwicklung der Stadtlandschaft - in weiten Teilen aus Befürchtungen, Kämpfen gegen Windmühlen, Schwelgen in Erinnerungen und Hoffnungen auf eine vermeintlich bessere Zukunft.


    Unabhängig von der Ideologie möchte ich gerne diesen Strang eröffnen, der in Kurzfassung die positiven Veränderungen zeigt - nämlich den Abriss von Bausubstanz, der hier wohl keiner eine Träne nachweinen wird. Wenn die Moderatoren dies nicht wünschen, so kann ich das folgende Beispiel natürlich gerne im Berlin-Forum neu posten, ansonsten würde ich mich freuen, wenn wir hier auch einen neuen Thread hätten, den man sich gut gelaunt anschauen kann. :)


    In der Lietzenburger Straße in Berlin-Wilmersdorf wird in den kommenden Wochen das Gebäude mit der Hausnummer 105 abgerissen. Die Neuplanung ist wohl noch nicht bekannt, eingerahmt von einem Gründerzeitbau und einem angepassten Neubau ist es aber so oder so ein Segen, wenn das Bestandsgebäude ersetzt wird. Die zurückgesetzte Fassade des Klotzes deutet zudem darauf hin, dass hier einst eine Verbreiterung der Lietzenburger Straße angestrebt war, dem noch viel mehr Gebäude und Stadtstruktur hätten zum Opfer fallen müssen - es müsste sich dabei um die geplante westliche Verlängerung der projektierten Südtangente A106 gehandelt haben, da auch das gegenüberliegende Gebäude im selben Winkel rückversetzt errichtet wurde.


    Abriss Lietzenburger Str. 105


    (c) eigene Aufnahme letzte Woche

  • Das Thema gefällt mir. :daumenoben: Gerne werde ich hier immer wieder reinschauen. Beseitigte Bausünden wirken auf mich euphorisierend.


    "Abriss-Junkie"? 8)


    Gerne mehr zu diesem Thema, besonders wenn es Bausünden der letzten 20 Jahre trifft!

    Ich bin sicher kein Verfechter der "Traditionelle um jeden Preis", aber ich bin gegen die "Trostlosigkeit und Langeweile im zeitgenössischen Bauen". dto.

  • Auch Bonn ist ja jetzt um eine Bausünde ärmer. Und tschüss:



    Es folgt vielleicht ein 100 Meter Hochhaus von den Kölner Architekten JSWD. Mal schauen was das wird. An Stellen wie diesen bin ich Hochhäusern durchaus zugeneigt.

    98% of everything that is built and designed today is pure shit. There's no sense of design, no respect for humanity or for anything else. Frank Gehry

  • Abriss Lietzenburger Str. 105


    (c) eigene Aufnahme letzte Woche

    Geht es Euch auch so? Als ich dieses Bild von diesem Bunker sah, dachte ich, dass es sich hierbei um einen gerade erst fertig gestellten Neubau handelt! Wenn das Ding heute so neu gebaut werden würde, wäre ich mir sicher, dass es 2018 einen Architekturpreis bekommen würde :-)))

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Das ging mir genau so. Ich dachte zuerst, dass sei der Neubau an der Stelle eines abgerissenen Hauses.


    Mich wundert, dass sich nicht umgehend Peter Cachola Schmal vom Deutschen Architekturmuseum für den Erhalt eingesetzt hat. Vermutlich hat er zu spät davon Wind bekommen. :zwinkern:

  • Das ist gehüpft wie gesprungen. Man kann nur darauf hoffen, dass ihnen nach dem Abriss das Geld für den Neubau ausgeht.

  • Der Neubau ist wesentlich schlechter. Der ist brutal! Der Altbau war nicht brutal, er gehörte nur einer Stilrichtung an, der nach dem unverputzten Beton benannt ist. Im Gegensatz zu dem bisherigen Gebäude erscheint der Nachfolgebau in seiner unförmigen Gestalt als menschenverachtend. So etwas zu bauen, das ist brutal!

  • Also ich mags lieber geschwungen als kantig. Insofern in meinen Augen eine relative Verbesserung, wenn auch keine in unserem forumseigenen Sinn.

  • Abrisse von solchen Gebäuden sind nicht immer positiv, immerhin werden sie abgerissen, damit etwas Neues entstehen kann, etwas noch Schrecklicheres vielleicht. Es ist somit nicht der Abriss selbst, der etwas Negatives darstellt, sondern die eventuell verlorene Möglichkeit, an der Stelle etwas Qualitatives zu errichten und das Grundstück für die nächsten Jahrzehnte zu "blockieren". Man sollte auch solchen Abrissen skeptisch gegenüber sein – auch wenn der Abriss der Gebäude selbst einen freut – und ein paar Schritte weiter denken, und sich die Frage stellen, was wird hier als nächstes entstehen. Nur so eine kleine Reflexion meinerseits. :)


    PS: In Wien haben wir gerade ein solches Problem. Ein 60er-Jahre Klotz soll abgerissen werden … damit derselbe Betonklotz, doppelt so hoch, neu errichtet werden kann. Der Fall hat viel Widerstand zu spüren bekommen, aber eben nicht wegen dem alten Klotz, sondern dem Bauplatz selbst. Wen das Thema interessiert, der oder die google einfach "Heumarkt Turm". ;)

  • In Zweibrücken soll das ehemalige Evangelische Krankenhaus in der Himmelsbergstraße abgerissen werden.


    SWR



    (Foto: Moschel / Die Rheinpfalz)

  • In Berlin-Charlottenburg hat die GESOBAU (ein städtisches Wohnungsbauunternehmen, wohlgemerkt) ein Eckhaus in der

    Regensburger Str. 25a / Ecke Grainauer Str. 17 mehr oder weniger originalgetreu wiederaufgebaut, wenn auch leider die Fassade nicht wiederhergestellt:


    https://www.gesobau.de/neubau/…grainauer-strasse-17.html


    Scrollt dafür unten in der Bildergalerie einfach durch, das Haus ist fast fertig.


    Ich finde das aus folgenden Gründen sensationell:


    1. Eine Rekonstruktion in Berlin, noch dazu eine, die hier bisher unbekannt war (?),
    2. ein profanes gründerzeitliches Mietshaus, von dem nur noch eine Achse stand,
    3. durch ein städtisches Wohnungsbauunternehmen, nicht einen privaten Akteur,
    4. im Durchschnitt für unter 10m² pro Quadratmeter für Charlottenburg sehr günstig.


    So sah es übrigens vorher aus:


    https://www.google.de/maps/sea….66h,39.65t/data=!3m1!1e3