Bremen - Wiederherstellungen/Renovierungen Bremer Häuser

  • Und weiter:






    Ein Original:



    und eine mäßige Neuinterpretation. Das ist sehr schwierig, diese alten Türen nachzubauen, wegen Einbruchsicherheit und Isolierung sind die Neubauten meist wesentlich klobiger und weniger elegant:



    Prachtvolle Weichholztüren, ich liebe die Wärme des Holzes:


  • und weiter:



    Oben sieht man gut die Zwischentür, die ebenfalls immer sehr kunstvoll und individuell gebaut wurde.





    Nochmal die farbige Zwischenkriegszeit:



    Kleines Eckgeschäft:



    Zwei klassische Bremer Haustüren:




    Nochmal Original und simplifizierter Nachbau:




    Das war es erstmal. Man könnte noch hunderte Bilder von diesen grandios variablen Haustüren machen...

  • Hallo zusammen,


    ich bin neu in diesem Forum und wohne selbst in einem Altbremerhaus, welches wir im letzten Jahr umfangreich renoviert haben. Ich habe selbst Architektur studiert und finde eure Beiträge sehr spannend. Nach der Renovierung sind jetzt noch ein paar Kleinigkeiten zu machen, wo ich mich gerne an den historischen Vorbildern oritieren würde. Besteht hier die Möglichkeit diesbezüglich Fragen zu stellen? Oder gäbe es dafür einen anderen Bereich im Forum, den ich noch nicht gefunden habe?

  • Herzlich willkommen Hansolol! Fragen kannste hier auf jeden Fall, ein bisschen Expertise hat sich hier auch angesammelt, wobei zumindest ich weder Architekt bin noch bauhistorisch besonders bewandert. Bin mehr so der beobachtende, visuelle Typ...



    An diesem schönen Haus in der Verdiener Straße haben nun Entrümpelungsarbeiten begonnen, ich hoffe, bald Erfreuliches berichten zu können.

  • Hallo Heinzer,


    meine Frage bezieht sich auf den Vorgarten. Wir haben hier zum einen Wasser unter der Eingangstreppe (das Problem trat ungünstigerweise ein paar Monate nach Ende der Renovierung auf) und wir haben die ziemlich hässliche Dachpappe auf dem Vorbau neben dem Eingangsbereich, wofür ich eine andere Lösung suche. Weiß jemand welche Materialien früher in diesen Bereichen im Vorgarten genommen wurden?

  • Wasser unter der Eingangstreppe ist ja ein Klassiker bei den Häusern, leider. Das ist so eine Art Sollbruchstelle gewesen. Was genau meinst Du mit Vorbau neben dem Eingangsbereich, den Erker? Da gab es glaub ich massig Lösungen, je nach Bauzeit und Größe/Tiefe, von ganz normalen Dachziegeln bis hin zu so einer Art Bleischürze/Bleidach. Manchmal findet man auch in der eigenen Straße bei Häusern der gleichen Erbauungszeit noch ältere Varianten aus der Erbauungszeit, an denen man sich orientieren kann. So will ich das eigentlich auch mit unserem Gartenzaun machen, wenn wir mal wieder ein wenig Geld überhaben, da zwei der Nachbarn noch das Original haben.

  • Hallo Heinzer,


    nein, nicht der Erker, sondern das Flachdach des Vorbaus vom Souterain. Dort wo man drauf guckt, wenn man den Eingang betritt.

  • Ah, okay! Ja, das ist eine interessante Spielart des Bremer Hauses, sozusagen Vorbau, aber kein Wintergarten. Die Wintergärten (die auch oft auf diesem Souterrainvorsprung gebaut sind) hatten ja fast alle Zementfliesen auf dem Boden, aber bei dieser Variante weiß ich es tatsächlich auch nicht. So viele Häuser dieser Machart sind mir gar nicht bekannt, auch wenn ich sie durchaus kenne, allgemein meine ich, dass die im Ortsteil Fesenfeld recht häufig sind.


    Zur Treppe: Diese Marmordinger sind natürlich noch eine der "verträglicheren" Formen der Modernisierung einer Haustreppe, auch wenn ihnen jetzt so ein bisschen der Glanz eines seit den 1980er Jahren unrenovierten 3-Sternehotels anhaftet. Normalerweise waren diese Treppen aus Sandstein und so werden sie heute auch wiederhergestellt, wenngleich das ganze natürlich nicht ganz billig ist. Alternativ geht auch ein Beton in Sandsteinoptik. Die späteren Häuser ab etwa 1910 vielleicht hatten dann auch schon häufig Beton.

  • Ja, das war mir tatsächlich nicht bewusst, dass diese Ausführung nicht oft gebaut wurde. und was den Sandstein angeht: ich tippe mal eher auf ein kleines quadratisches Format, richtig? Wurde der gleiche Belag wohl auch für die Zuwegung im Vorgarten verwendet? Ich habe hier in der Nachbarschaft auch schon häufiger solche Fliesen gesehen, die man heute wohl als Retro Fliese vermarkten würde. Also solche die man gerne im Windfang verlegt hat, nur dann eben für den Aussenbereich.


    Diese Bitumenbahn auf dem Flachdach findet sich tatsächlich auch bei den Nachbarn wieder. Mit den Jahren wird es immer unansehnlicher.

  • Hat sich in diesem Zusammenhang auch schon jemand mit dem Thema Farbe beschäftigt? Wie und in welchen Farben wurde früher gestrichen und welche Art Farbe wurde genommen. Wir haben etwas unbedarft einfach Dispersionsfarbe genommen und sind mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Leider wurden damals auch wohl sehr viele Klinker einfach über gestrichen, beheben lässt sich sowas wohl nicht mehr schätze ich.

  • Hier sieht man mal diesen originalen Zementfliesenboden auf dem Treppenpodest:



    So etwas macht z.B. die Firma VIA heute in ähnlicher Qualität, wobei das offiziell niemals für eine Außennutzung zugelassen ist. Darunter die originale Treppe. Sandstein nutzt ja stark ab, die originalen Sandsteintreppen haben häufig schon tiefe Gruben im Bereich der Hauptnutzung, also meistens in der Mitte, so dass ich hier z.B. auf das Material Beton tippen würde, bin mir aber nicht sicher und auch alles andere als ein Experte, wie gesagt. Sandsteinfliesen kenne ich eigentlich nicht von den Treppen, das waren ganze Blöcke.


    Zur Fassade: Wenn diese kleinen Spaltriemchen an der Fassade, die bei den Häusern häufig entweder rötlich, orange-gelblich oder eierschalenfarben ausgeführt wurden (gibt aber auch glänzend grüne oder blaue Exemplare), überstrichen wurden, ist das natürlich ärgerlich, denn das ist in der Tat nur sehr schwer bis gar nicht rückgängig zu machen. Müsste man mal mit einem Maler sprechen, ob es da etwas zum Abmachen gibt. Manche Besitzer entscheiden sich dann für einen Anstrich dieser Bereiche in der (vermuteten) Originalfarbe, hat aber natürlich wie jeder Anstrich den Nachteil, dass er erneuert und gepflegt werden muss.


    Viele Bremer Häuser hatten original ehrlich gesagt gar keinen Anstrich, so wirkt es jedenfalls auf vielen alten Fotos. Diejenigen ohne Zierklinker waren einfach hellgrau-beige, in der Farbe des Putzes. Allerdings kann das auch zumindest tlw. der Effekt von Schwarz-Weiß-Bildern sein. Wenn sie angestrichen waren, wohl meist in hellen erdigen Tönen...

  • Hansolol


    Als Außenfliesen nimm am Besten historische Steinzeugfliesen! Auf keinen Fall Zementmosaikfliesen, da diese nicht 100 % frostsicher sind!


    Ich habe meine Balkone auch mit den klassischen weiß-schwarzen Steinzeigfliesen (dichtgebrannter Scherben!) verlegen lassen! Diese Fliesen gibt es zu Hauff bei diversen Händlern zu kaufen - sicher auch bei einem auf antike Baustoffe spezialisierten Händler bei Dir in der Nähe!


    Als Farbe für die Gusseisen- bzw sonstigen Metallteile verwende am besten die Metallschutz- Kunstschmiedelack der Fa. Albrecht (schwarz matt), da diese wunderbar deckt und extrem matt ist und am Besten mit den historischen Metallbauteilen harmoniert! Wenn es creme-weiß werden soll, dann erkundige Dich lieber bei einem auf Lacke spezialisierten Händler.


    Hier ein Foto von meinen Steinzeugfliesen im Außenbereich:


    (eigenes, leider schlechtes Foto, aber Du erkennst trotzdem die Fliesen recht gut, die ich meine)

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Vielen Dank für die Infos! Was meinst Du sind diese Fliesen, exilwiener?




    Aus meiner Sicht sind die original, aber natürlich etwas in die Jahre gekommen.

  • Heinzer


    Diese Fliesen schauen auch schön aus! Ob sie alte Originale sind, kann ich vom Foto allein leider nicht erkennen. Könnte schon sein. Die Bruchstellen sind auf Punktbelastung zurückzuführen. Frostschäden (eher flächige Abplatzungen) sehen anders aus, weshalb es schon Steinzeugfliesen sein könnten. Wenn das Maß der Umrandungsfliesen ca 17 x 17 cm ist, dann sind es wahrscheinlich originale Fliesen. Wenn 20 x20 cm wäre ich mir aber nimmermehr sicher, ob das dann nicht nachgemachte Zementmosaikfliesen wären. Nimm einmal eine Fliese heraus und schaue einmal auf die Seitenkante oder auf die Unterseite und schicke ein Foto, aber lass Dich besser nicht dabei erwischen ;-)...

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)


  • Wie viel so eine Bank und ein Briefkasten kaputt machen können... Das Fliesenmuster haben wir jedenfalls im Souterrain, habe ich auch schon häufiger gesehen. Und so als Streifen der auf die Eingangstreppe läuft finde ich das auch sehr schön.


    Danke jedenfalls für die Inspirationen, auch an dich Exilwiener. Ich muss mich da mal schlau machen, wie sich das technisch umsetzen lässt. Beonders beschäftigt mich im Moment ja dieses Vordach mit dem Bitumenbelag..

    Gab es damals auch schon Holzbelege für Balkone?

  • Eine mögliche Antwort auf Deine Frage zum Vordach könnte übrigens sein: Das war schon immer Teerpappe:


    150 Jahre Dachpappe


    Abgesehen vielleicht von einer Blei- oder Zinkbedeckung wäre das aus meiner Sicht die wahrscheinlichste Alternative für Deinen Vorbau.


  • Hach!


    (wie beschämend das Nachbargebäude für dessen Eigentümer nun wirken muss, insbesondere da die Altbremerhäuser ja oft einen Zwilling hatten. Die metallenen Verblendungen beim Balkon und weiter oben sind aber merkwürdig oder?)

  • Wirklich sehr schön geworden. Mit der Verblendung gebe ich dir recht. Sieht nach verzinktem Stahlblech aus. Das hätte in Fassadenfarbe lackiert werden müssen. Ähnlich wie das Fallrohr und die Regenrinne an der Traufe.


    Ist das zufällig im Viertel? Ich meine ich bin dort mal vorbei gelaufen...