Bremen - Wiederherstellungen/Renovierungen Bremer Häuser

  • Mal wieder zwei Beobachtungen meinerseits.


    Einmal Außer der Schleifmühle unweit der ehemaligen Musikbibliothek. Hier hatte ich schon - angesichts der Entwicklungen weiter westlich - mit dem Schlimmsten gerechnet. Anscheinend wird das Haus wurden aber nur die Fenster ausgetauscht.



    Und in der Römerstraße (oder war es die Wielandstraße) im Viddel hat jemand glaube ich die alten Fensterproportionen wiederhergestellt?


  • Aber leider wieder diese hässlichen, umweltunfreundlichen Plastikfenster...vor allem in Westdeutschland verschandelt dieser Plastikmüll ganze Straßenzüge alter Gründerzeitensembles und dann wunder sich manche Bewohner, weshalb sie innen Schimmel bekommen...

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Hallo zusammen,


    ich bin neu in diesem Forum und wohne selbst in einem Altbremerhaus, welches wir im letzten Jahr umfangreich renoviert haben. Ich habe selbst Architektur studiert und finde eure Beiträge sehr spannend. Nach der Renovierung sind jetzt noch ein paar Kleinigkeiten zu machen, wo ich mich gerne an den historischen Vorbildern oritieren würde. Besteht hier die Möglichkeit diesbezüglich Fragen zu stellen? Oder gäbe es dafür einen anderen Bereich im Forum, den ich noch nicht gefunden habe?

  • Hallo Heinzer,


    meine Frage bezieht sich auf den Vorgarten. Wir haben hier zum einen Wasser unter der Eingangstreppe (das Problem trat ungünstigerweise ein paar Monate nach Ende der Renovierung auf) und wir haben die ziemlich hässliche Dachpappe auf dem Vorbau neben dem Eingangsbereich, wofür ich eine andere Lösung suche. Weiß jemand welche Materialien früher in diesen Bereichen im Vorgarten genommen wurden?

  • Hallo Heinzer,


    nein, nicht der Erker, sondern das Flachdach des Vorbaus vom Souterain. Dort wo man drauf guckt, wenn man den Eingang betritt.

  • Ah, okay! Ja, das ist eine interessante Spielart des Bremer Hauses, sozusagen Vorbau, aber kein Wintergarten. Die Wintergärten (die auch oft auf diesem Souterrainvorsprung gebaut sind) hatten ja fast alle Zementfliesen auf dem Boden, aber bei dieser Variante weiß ich es tatsächlich auch nicht. So viele Häuser dieser Machart sind mir gar nicht bekannt, auch wenn ich sie durchaus kenne, allgemein meine ich, dass die im Ortsteil Fesenfeld recht häufig sind.


    Zur Treppe: Diese Marmordinger sind natürlich noch eine der "verträglicheren" Formen der Modernisierung einer Haustreppe, auch wenn ihnen jetzt so ein bisschen der Glanz eines seit den 1980er Jahren unrenovierten 3-Sternehotels anhaftet. Normalerweise waren diese Treppen aus Sandstein und so werden sie heute auch wiederhergestellt, wenngleich das ganze natürlich nicht ganz billig ist. Alternativ geht auch ein Beton in Sandsteinoptik. Die späteren Häuser ab etwa 1910 vielleicht hatten dann auch schon häufig Beton.

  • Ja, das war mir tatsächlich nicht bewusst, dass diese Ausführung nicht oft gebaut wurde. und was den Sandstein angeht: ich tippe mal eher auf ein kleines quadratisches Format, richtig? Wurde der gleiche Belag wohl auch für die Zuwegung im Vorgarten verwendet? Ich habe hier in der Nachbarschaft auch schon häufiger solche Fliesen gesehen, die man heute wohl als Retro Fliese vermarkten würde. Also solche die man gerne im Windfang verlegt hat, nur dann eben für den Aussenbereich.


    Diese Bitumenbahn auf dem Flachdach findet sich tatsächlich auch bei den Nachbarn wieder. Mit den Jahren wird es immer unansehnlicher.

  • Hat sich in diesem Zusammenhang auch schon jemand mit dem Thema Farbe beschäftigt? Wie und in welchen Farben wurde früher gestrichen und welche Art Farbe wurde genommen. Wir haben etwas unbedarft einfach Dispersionsfarbe genommen und sind mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Leider wurden damals auch wohl sehr viele Klinker einfach über gestrichen, beheben lässt sich sowas wohl nicht mehr schätze ich.

  • Hansolol


    Als Außenfliesen nimm am Besten historische Steinzeugfliesen! Auf keinen Fall Zementmosaikfliesen, da diese nicht 100 % frostsicher sind!


    Ich habe meine Balkone auch mit den klassischen weiß-schwarzen Steinzeigfliesen (dichtgebrannter Scherben!) verlegen lassen! Diese Fliesen gibt es zu Hauff bei diversen Händlern zu kaufen - sicher auch bei einem auf antike Baustoffe spezialisierten Händler bei Dir in der Nähe!


    Als Farbe für die Gusseisen- bzw sonstigen Metallteile verwende am besten die Metallschutz- Kunstschmiedelack der Fa. Albrecht (schwarz matt), da diese wunderbar deckt und extrem matt ist und am Besten mit den historischen Metallbauteilen harmoniert! Wenn es creme-weiß werden soll, dann erkundige Dich lieber bei einem auf Lacke spezialisierten Händler.


    Hier ein Foto von meinen Steinzeugfliesen im Außenbereich:


    (eigenes, leider schlechtes Foto, aber Du erkennst trotzdem die Fliesen recht gut, die ich meine)

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • Heinzer


    Diese Fliesen schauen auch schön aus! Ob sie alte Originale sind, kann ich vom Foto allein leider nicht erkennen. Könnte schon sein. Die Bruchstellen sind auf Punktbelastung zurückzuführen. Frostschäden (eher flächige Abplatzungen) sehen anders aus, weshalb es schon Steinzeugfliesen sein könnten. Wenn das Maß der Umrandungsfliesen ca 17 x 17 cm ist, dann sind es wahrscheinlich originale Fliesen. Wenn 20 x20 cm wäre ich mir aber nimmermehr sicher, ob das dann nicht nachgemachte Zementmosaikfliesen wären. Nimm einmal eine Fliese heraus und schaue einmal auf die Seitenkante oder auf die Unterseite und schicke ein Foto, aber lass Dich besser nicht dabei erwischen ;-)...

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)


  • Wie viel so eine Bank und ein Briefkasten kaputt machen können... Das Fliesenmuster haben wir jedenfalls im Souterrain, habe ich auch schon häufiger gesehen. Und so als Streifen der auf die Eingangstreppe läuft finde ich das auch sehr schön.


    Danke jedenfalls für die Inspirationen, auch an dich Exilwiener. Ich muss mich da mal schlau machen, wie sich das technisch umsetzen lässt. Beonders beschäftigt mich im Moment ja dieses Vordach mit dem Bitumenbelag..

    Gab es damals auch schon Holzbelege für Balkone?


  • Hach!


    (wie beschämend das Nachbargebäude für dessen Eigentümer nun wirken muss, insbesondere da die Altbremerhäuser ja oft einen Zwilling hatten. Die metallenen Verblendungen beim Balkon und weiter oben sind aber merkwürdig oder?)

  • Wirklich sehr schön geworden. Mit der Verblendung gebe ich dir recht. Sieht nach verzinktem Stahlblech aus. Das hätte in Fassadenfarbe lackiert werden müssen. Ähnlich wie das Fallrohr und die Regenrinne an der Traufe.


    Ist das zufällig im Viertel? Ich meine ich bin dort mal vorbei gelaufen...

  • Das sieht bei Streetview tatsächlich wahnsinnig verwahrlost aus. Dort sieht man auch, dass es zur Straße am Hochparterre noch einen Balkon gegeben hat. Daher rührt wohl auch das bodentiefe Fenster.

  • Wo die Dachentwässerung langläuft, ist hier beinahe genauso offensichtlich. wie wenn man es ganz offen zur Schau gestellt hätte. Das Gruseligste bleiben die Fenster, die man durch das Entfernen der Laibungen sogar noch verschlimmert hat. Ganz ganz schlimme Sanierung. <X

    "We live in the dreamtime-Nothing seems to last. Can you really plan a future, when you no longer have a past." Dead Can Dance - Amnesia

  • Das hier ist auch so eine merkwürdige Sanierung. Teilweise sind neue Verzierungen angebracht worden, teilweise ist es verschlimmbessert worden. Das Rundfester direkt unter dem Dach ist anscheinend nur noch Ornamentik. Das Hochparterre soll durch den quer verlaufenden weißen Streifen Struktur erhalten. Überhaupt sind dort ganz viele kleine Veränderungen.



    Hier der vorherige Zustand: https://www.google.com/maps/@5…tm9zkA!2e0!7i13312!8i6656

  • Das schlimmste für mich sind diese primitiven Plastikfenster! Wenn alle westdeutschen Haushalte oder Eigentümer ihre Altbauten von diesem Drecksschrottfenstern befreien würden, dann würde es auch im Westen schlagartig überall besser ausschauen.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)