Architektur in Belletristik

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Architektur in Belletristik

      Architektonische Beschreibungen bzw Beschreibungen von Städten und Bauwerken sind in der Belletristik erstaunlich selten. Während der Film sehr gerne schöne Landschaften oder Ortschaften als Kulissen auskostet, ja man zuweilen den Eindruck hat, dass es mehr auf die Kulissen denn auf den eigentlichen Film gehalt ankäme, ist ein derartiges Phänomen in der erzählenden Literatur kaum zu beobachten. Wenn schon, sind es Landschaften, bzw Natursehenswürdigkeiten, die mitunter auch titelgebend sind (Der Hochwald, Die Wasserfälle von Slunj).
      Hier ein berühmter Fall, der allerdings ein fiktives (oder unbekanntes) Bauwerk zum Gegenstand hat.

      Franz Kafka schrieb:

      Im ganzen entsprach das Schloß, wie es sich hier von der Ferne zeigte, K.s Erwartungen. Es war weder eine alte Ritterburg noch ein neuer Prunkbau, sondern eine ausgedehnte Anlage, die aus wenigen zweistöckigen, aber aus vielen eng aneinander stehenden niedrigen Bauten bestand; hätte man nicht gewußt, daß es ein Schloß sei, hätte man es für ein Städtchen halten können. Nur einen Turm sah K., ob er zu einem Wohngebäude oder einer Kirche gehörte, war nicht zu erkennen. Schwärme von Krähen umkreisten ihn.

      Die Augen auf das Schloß gerichtet, ging K. weiter, nichts sonst kümmerte ihn. Aber im Näherkommen enttäuschte ihn das Schloß, es war doch nur ein recht elendes Städtchen, aus Dorfhäusern zusammengetragen, ausgezeichnet nur dadurch, daß vielleicht alles aus Stein gebaut war; aber der Anstrich war längst abgefallen, und der Stein schien abzubröckeln. Flüchtig erinnerte sich K. an sein Heimatstädtchen; es stand diesem angeblichen Schlosse kaum nach. Wäre es K. nur auf die Besichtigung angekommen, dann wäre es schade um die lange Wanderschaft gewesen und er hätte vernünftiger gehandelt, wieder einmal die alte Heimat zu besuchen, wo er schon so lange nicht gewesen war. Und er verglich in Gedanken den Kirchturm der Heimat mit dem Turm dort oben. Jener Turm, bestimmt, ohne Zögern geradewegs nach oben sich verjüngend, breitdachig, abschließend mit roten Ziegeln, ein irdisches Gebäude – was können wir anderes bauen? – aber mit höherem Ziel als die niedrige Häusermenge und mit klarerem Ausdruck, als ihn der trübe Werktag hat. Der Turm hier oben – es war der einzig sichtbare -, der Turm eines Wohnhauses, wie es sich jetzt zeigte, vielleicht des Hauptschlosses, war ein einförmiger Rundbau, zum Teil gnädig von Efeu verdeckt, mit kleinen Fenstern, die jetzt in der Sonne aufstrahlten – etwas Irrsinniges hatte das -, und einem söllerartigen Abschluß, dessen Mauerzinnen unsicher, unregelmäßig, brüchig, wie von ängstlicher oder nachlässiger Kinderhand gezeichnet, sich in den blauen Himmel zackten. Es war, wie wenn ein trübseliger Hausbewohner, der gerechterweise im entlegensten Zimmer des Hauses sich hätte eingesperrt halten sollen, das Dach durchbrochen und sich erhoben hätte, um sich der Welt zu zeigen.
      Welches Bauwerk kann mit "dem Schloss" gemeint sein?
      Der Hradschin? Dagegen spricht das großstädtische Umfeld. Manche tippen auf das Arwa-Schloss in der Slowakei, das Kafka gekannt haben musste. Allerdings will ich mir die Umgebung des Schlosses "böhmischer" vorstellen, also weniger gebirgig.
      Eine interessantere Deutung ist Schloss Střela bei Strakonitz.
      google.at/search?q=strela+stra…igB#imgrc=h7FgAQtZkNl9MM:

      Aber im Grunde muss man an die klassischen Böhmischen Beispiele denken, an Sternberg, Namiescht /O, Nachod und an viele andere.
      Wer sagt allerdings, dass das Schloss unbedingt in Böhmen liegen muss?
      Wäre Schloss Ernstbrunn über Dörfles, das Eichendorff als "unordentlich durcheinanergebaut" beschrieb, nicht ebenso prototypisch? Für mich überhaupt ein heißer Tipp: Schloss Raabs an der Thaya.
      Burg Bertholdstein
      google.at/search?q=bertholdste…ygC#imgrc=C9GyNDgGAHqAmM:
      die filmische Vorlage von 1968 wäre mir ansonsten bis heute unbekannt.
      Burg Clam ist grundsätzlich gut gelegen, aber wohl zu ritterlich und malerisch.
      Hochosterwitz wäre einerseits ideal (schwere Erreichbarkeit), ist andererseits zu sehr mit sich selbst identifiziert, als dass etwas anderes darstellen könnte.
      Reichsdeutsche Möglichkeiten gibt es natürlich auch, aber es ist nicht so leicht.
      Weesenstein ist eine Spur zu prunkvoll, Heiligenberg sogar zu viel, Torgau liegt auf keinem Berg, Colditz passt ebenso wenig wie Krumau in Böhmen, besser wäre Rochsburg, allerdings hätte ich da auch Bedenken. Augustusburg kommt wohl auch nicht in Betracht.
      Harburg bei Nördlingen ist wieder zu pittoresk.
      Denkbar wäre Fürstenstein bei Waldenburg.
      Na ja, für ein Nicht-objekt wäre hier schon viel geschrieben.

      Nächstens widmen wir uns einem real bestehenden Bauwerk, das für einen berühmten österr. Roman titelgebend geworden ist: Die Strudlhofstiege
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Kafka war 1911 dienstlich längere Zeit in Friedland und er beschreibt das Schloss in seinem Tagebuch:
      "Das Schloß in Friedland. Die vielen Möglichkeiten, es zu sehen: aus der Ebene, von einer Brücke aus, aus dem Park, zwischen entlaubten Bäumen, aus dem Wald zwischen großen Tannen durch. Das überraschend übereinander gebaute Schloß, das sich wenn man in den Hof tritt lange nicht ordnet da der dunkle Epheu, die grauschwarze Mauer, der weiße Schnee, das schieferfarbene Abhänge überziehende Eis die Mannigfaltigkeit vergrößert. Das Schloß ist eben nicht auf einem breiten Gipfel aufgebaut, sondern der ziemlich spitze Gipfel ist umbaut. Ich gieng unter fortwährendem Rutschen einen Fahrweg hinauf, während der Kastellan, mit dem ich weiter oben zusammentraf, über zwei Treppen leicht hinaufkam. Überall Epheu. Von einem spitz vorspringenden Plätzchen großer Ausblick. Eine Treppe an der Mauer hört in halber Höhe nutzlos auf. Die Ketten der Zugbrücke hängen vernachlässigt an den Haken herab."
    • Tübinger:
      Nun, Friedland würde unter die "klassischen" Schlösser Böhmens fallen, wie die von mir genannten Sternberg etc. Das sind riesige, monumentale Anlagen, fast kleine Städte auf bewaldeten Anhöhen, die von den Talorten nur auf umständlichen, gewundenen Wegen erreichbar sind. Ich denke, dass "das Schloss" typischerweise nur in Böhmen entstehen konnte, ev. auch im benachbarten Österreich. Wir haben etliche Orte, die nach dem drüberliegenden Schloss benannt sind, ja mit diesem identifiziert werden - Rosenburg, Greillenstein - wie alle Orte auf -stein, Clam uva. Aber die böhmischen Schlösser sind das Großartigste, Monumentalste.
      Friedland käme mit dem einen, dominanten Turm auch gut hin. Aber der Turm ist andererseits ZU dominant und kaum mit einem Kirchturm zu verwechseln. Kafka hatte sicher unscheinbarere Beispiele im Kopf. Ich denke, das Bertholdstein wirklich optimal war.
      Mirov, Vöttau (vor der Flutung des Talortes), Nizbor:
      google.at/search?q=nizbor&biw=…0.8#imgrc=unqNWn-LvV709M:
      wären weitere gute Beispiele.
      In NÖ noch Fronsburg (leider etwas zu mickrig):
      de.wikipedia.org/wiki/Schloss_…999_Fronsburg_IMG0055.jpg
      Wildberg bei Messern (leider ohne TurmI:
      google.at/search?q=Wildberg+me…MVM#imgrc=P27jFkfrDG2W_M:

      Etliche Beispiele gäbe noch es in der Steiermark.

      @Kaoru
      Anna Seghers ist mir leider nur dem Namen nach bekannt.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Mir fällt noch eine Stelle der österreichischen Literatur ein, in der Burg und Stadt durcheinandergehen, und zwar Stifters Beschreibung von Burghausen in einem Brief an seine Frau im Jahr 1861:

      "Es war ganz heiter und kalt. Nach 12 Uhr sah ich die Stadt Burghausen vor mir. Eine seltsame Stadt. Lange, altertümliche, festungsartige Mauerwerke, hie und da ein viereckiger Turm, ein runder Turm, am linken Ende ein altes Schloß, von einer Kirche nur sehr wenig Kapellenartiges mit einem kapellenartigen Türmchen. Nun, es wird doch in diesen Mauern eine Unterkunft zu finden sein, dachte ich. Sie lagen gerade vor mir. Da machte der Weg eine Wendung nach rechts, dann wieder eine nach links, dann stand eine Tafel, auf der zu lesen war, daß der Radschuh eingelegt werden müsse. Der Kutscher legte nicht nur den Radschuh ein, sondern bremste auch noch die zwei Hinterräder. Wirklich begann der Weg sanft abwärts zu gehen.

      Da sah ich ein neues Wunder. Auf dem Felde stand eine Kuppel, wie sie sonst auf großen Türmen sind, mit einem tüchtigen Turmkreuze, als wäre ein Kathedralturm bis auf die Kuppel in die Erde gesunken. Die Straße fing jetzt an steiler abwärts zu gehen. Plötzlich löste sich das Rätsel. Wir kamen ein wenig vorwärts, und zu unsern Füßen lag eine Schlucht und in derselben die Stadt. Was ich früher gesehen hatte, war das alte Schloß und die alte Festung gewesen, die auf einer langen Bergzunge in allerlei Gebäuden oberhalb der Stadt hinging. Jetzt sah ich allerdings eine große Kirche und einen großen Turm, auf dem die Kuppel statt auf dem Felde saß."
    • Ein weiterer Roman, in welchem viele interessante Architekturbeschreibungen vorkommen (Saint-Benoît-sur-Loire, Paris-Saint-Denis, Reims):
      Jean Raspail: Sire
      de.wikipedia.org/wiki/Sire_(Roman)

      Ein weiterer Roman dieses Autors, in dem Avignon vorkommt:
      Der Ring des Fischers
      kathnews.de/der-ring-des-fischers
      Beide Romane sind aber nix für ausgesprochene liberale Zeitgenossen sowie Nicht- bzw deuterovatikanische (Pseudo-)Katholiken.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von ursus carpaticus ()

    • fsspx.at/de/news-events/news/b…re-dame-moschee-ist-33354

      In diesem Buch steht die Kathedrale Notre Dame de Paris im Mittelpunkt und wird daher notwendigerweise auch irgendwann beschrieben. Natürlich geht es nicht primär um Architektur, aber eben auch ein bisschen, auch um Philosophie, wie mit einem Kulturdenkmal wie Notre Dame umzugehen ist, ob es zB uU sündhaft sei, die Kathedrale in die Luft zu sprengen.
      Auch dieser Roman dürfte polarisieren. Eines steht fest: er ist ungemein spannend, spannender als alles andere, was ich zu diesem Thema gelesen habe. Man kann ihn fast nicht aus der Hand nehmen. Das ist bei diesem Genre eine Seltenheit.
      Für alle ernsthaften Katholiken und solche, die es werden wollen, sehr zu empfehlen. Ob Paris-Freunde damit eine große Freude haben werden, scheint mir hingegen nicht ganz aufgelegt zu sein.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Mir gefällt die "Film"- resp. Bühnenmusik besser als das literarische Original:

      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Seltsam, was man so alles findet, wenn man etwas zum barocken Dresden stöbert:

      amazon.de/Tanten-Adjutanten-ge…die+Tanten+des+adjutanten

      Ein interessantes Cover. (Offensichtliche) Bösmenschen haben manchmal dann doch ästhetischen Geschmack und geben sich nicht die Blöße, wie manch niedere deutschnationale Existenz, bei der Verwendung einer Schwabacher Fraktur inflationär mit "langen s" um sich zu schmeißen. Aber es scheint der Inhaltsangabe nach ohnehin eher paneuropäisch zuzugehen. Beim Titel musste ich assoziativ und spontan an eine recht abstrakte und allgemeine Verballhornung einer Marie von Ebner-Eschenbach denken, deren Gutmenschentum sich leider auch ab und an literarisch in Banalität entlädt. Aber weibliche Barmherzigkeit und ihr Land Mähren wird wohl nicht der Schlüssel des Werkes sein, oder doch?

      Nur, wie kommt mensch von allerlei kruden Verschwörungstheorien ala Houellebecq, irgendwo zwischen Realpoltik, verabscheuter Dystopie und heimlicher Sehnsucht, zum Dresdner Palais de Saxe? Mich interessiert die Verbindung, nicht nur aus sozio-antrhopologischem Interesse an den literarische Ergüssen mancher Kreise, weiß jemand mehr oder hat jemand das Buch gar gelesen? Ich zögere noch sehr, mir das Buch zu kaufen, wer weiß, an welche Kreuzritter und Reconquisten das Geld dann wandert.

      Nun, genug politisiert, eh auch dieser eigentlich schöne Strang in Auerbachs Folterkeller wandert.
      "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski
    • "Die Tanten des Adjutanten"

      antaios.de/buecher-anderer-ver…palais-de-saxe-zu-dresden

      Zitat aus der Präsentation:
      Das zweite Mordopfer steht zum ersten in denkbar krassem Wider­spruch: ein restaurationsbesessener Architekt mit ominösen au­stra­lischen Wurzeln (nach außen hin ein Vater, der sich zu Tode säuft), der sich zunächst in linker und mittler­weile in rechter Bohème herumtreibt. Seine Passion für Dresden umkreist nicht nur den 13. Fe­bruar 1945, sie zeigt auch die biographische Ver­quickung aller Irrlehren des 20. Jahrhunderts.

      Es geht in dem Buch wohl auch um Architekturgeschichte, und die Geschichte scheint sich, wie schon der Titel nahelegt, auch um die Rekonstruktion des Dresdner Neumarkt-Areals zu drehen.
    • Verzeiht, aber mir kommt das eher so vor, als ob unser lieber Ursus dieses Buch geschrieben hätte...

      Ich mein, schaut Euch das mal an: Autor "Jurek Haslhofer" (is eh ein Pseudonym, so heißt doch keiner...), mit dieser schrägen, sehr glaubwürdigen Vita:
      arnshaugk.de/?autor=Haslhofer,%20Jurek (Cage's 4′33″ für Orchester arrangiert, hahahaha!!!!)

      und diesem verklausulierten, scheinbar widersprüchlichen, aber dabei tief ironischen und die gesamte Gesellschaft attackierenden Interview:
      das-lindenblatt.de/frei/?back=…%20Adjutanten&text=tanten

      Die weiteren "Indizien", die mich stutzig werden lassen, spare ich mir... aber wahrscheinlich täusche ich mich auch überhaupt ganz gewaltig und das ist alles nur eine blöde Einbildung von mir :lachen: aber so ein ausnehmend hintergründiges, brillant erdachtes und süffisant geschriebenes Konstrukt würde ich unserem guten Ursus durchaus zutrauen :D
      Bitte verzeih lieber Ursus, nix für ungut cheers:)
    • Leonhard schrieb:

      aber so ein ausnehmend hintergründiges, brillant erdachtes und süffisant geschriebenes Konstrukt würde ich unserem guten Ursus durchaus zutrauen

      Ein Indiz könnte der Name "Franz Lechner" sein :)

      Buchbeschreibung auf Amazon schrieb:

      Auch ein Systemkonformist wie der Wiener Staatsanwalt Franz Lechner ist zuweilen nicht gegen die Erfahrung gefeit, daß Übereifrigkeit schadet
      Es gibt da jemanden im Forum, der als E-Mail "Alexander Franz Lechner" (sicherlich ein Pseudonym) verwendet :)

      Kaoru schrieb:

      wie manch niedere deutschnationale Existenz, bei der Verwendung einer Schwabacher Fraktur inflationär mit "langen s" um sich zu schmeißen
      Interessanterweise werden gebrochene Schriften immer mit der NS-Zeit gleichgesetzt, dabei wurden die gebrochenen Schriften ja 1941 im sogenannten Normalschrifterlaß abgeschafft - offiziell begründet mit der (schon damals überwiegend als Nonsens betrachteten) Aussage, dies seien "Schwabacher Judenlettern".

      Der eigentliche Grund war jedoch, daß ein geeintes Europa unter deutscher Führung die Zukunft sei, dem stünde jedoch die schwer leserliche Schrift entgegen...

      Hier ein wenig Hintergrundinformationen, übrigens erschien auch die als Aushängeschild und für das Ausland konzipierte Zeitung Das Reich in Antiqua und hatte ein ganz ähnliches Erscheinungsbild wie heutige Zeitungen.
    • saudadegostosa schrieb:

      Ein Indiz könnte der Name "Franz Lechner" sein :)

      saudadegostosa schrieb:

      Es gibt da jemanden im Forum, der als E-Mail "Alexander Franz Lechner" (sicherlich ein Pseudonym) verwendet :)
      Ich wollte eigentlich vermeiden, das anzusprechen, weil wir in einem öffentlichen Forum sind und das zu sehr ins Private geht... ich hoffe, Ursus ist uns nicht böse. Ich bereue es fast, diesen Gedanken überhaupt ausgesprochen zu haben, nur war er eben viel zu naheliegend...
      Wer das verlinkte Interview durchliest, kommt allerdings nicht umhin, eine große Nähe zu Ursus' hier des öfteren geäußerten Gedanken festzustellen, alleine schon was die Vermengung der aus verschiedenen Bereichen stammenden Themen betrifft, ebenso die etwas enigmatische und allusive Gedankenführung und Ausdruckweise. Das mit dem Namen ist natürlich eine besonders pikante Sache...
      Aber jetzt genug von meiner Seite, wenn Ursus tatsächlich der Autor sein sollte, wird er es uns sicher mitteilen, es ist ja schließlich keine Schande, ein Buch geschrieben zu haben, im Gegenteil :)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Leonhard ()

    • Es ist ja interessant, was es hier für Ursologen gibt (ich dachte, ich wäre der einzige in diesem Sinne: amazon.de/Jenseits-Böse-John-Tyerman-Williams/dp/3455111343). Nicht nur die hier ausgewiesenen, sondern auch Kaoru hat sich entsprechender Anspielungen nicht enthalten können. Wenngleich diese subtiler ausgefallen sind (man beachte etwa das erzursianische "Bösmenschen").
      Man könnte an dieser Stelle natürlich sehr wohl einwenden, dass "Franz Lechner" ein Allerweltsname ist und darüber hinaus nicht mit "Alexander" beginnt. Man könnte vorbringen, dass ein Bösmensch wie ich sich doch niemals einen slawischen Vornamen verpassen würde, was auch nicht zur angeblich teutschnationalen Fraktur passt. Man könnte auch einwenden, dass man sehr wohl Jurek Haslhofer heißen kann (ich für meinen Teil heiße weit eher so als "Franz Lechner"). Man kann also vieles sagen, was dagegen spricht, überhaupt wenn man das Buch ... äh inhaltlich ganz gut kennt, sagen wir so.
      Aber dieser Umstand selbst spräche eigentlich bereits für das Gegenteil.
      Kurzum, meine Lage scheint einigermaßen vertrackt zu sein, wie ich 's auch dreh und wende, alles kann gegen mich verwendet werden.
      Aber es zeigt, wie tückisch das Internetz ist. Das hier ist natürlich harmlos, wie Freund Leonhard mitteilt, geht es doch wahrlich um keine Schande. Aber ein guter Freund von mir ist wegen dem blöden Twitter in eine ganz blöde Bredouille gekommen, die sogar medial ziemlich ausgeschlachtet worden ist.
      Unterm Strich bleibt mir nur noch, eine Verkaufsempfehlung auszusprechen. Im Buch geht es tatsächlich nebst vielem anderen um den Dresdner Neumarkt. Man wird wohl keine ähnliche literarische Aufarbeitung finden. Natürlich geht es auch im viel anderes, aber auch darum. Finanziell wärs mir ja ziemlich wurscht, denn das ist kein BoD oder ein Pseudoverlag, wo das verlegerische Risiko den Autoren trifft. Aber es freut mich, wenn sich die Leute für .... den Dresdner Neumarkt interessieren.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)
    • Na, ich für meinen Teil bin kein Ursologe, sondern eher ein "Ursista" und außerdem vielleicht auch ned ganz deppad, zweiteres aber nur a kleins bisserl.
      Was meinen Ursismo betrifft, so muss ich sagen, das du, lieber Ursus, zwar manchmal sehr starken und mitunter schwer verdaulichen Tobak servierst, aber nichtsdestotrotz einfach eine viel zu gebildete und geistreiche Erscheinung bist, als dass man deine Beiträge nicht mit dem größten Interesse verfolgen möchte - jedenfalls schreibst du trotz aller Kontroversialität hier oft die fundiertesten und auch unterhaltsamsten Beiträge :) von daher fällt einem nach einiger Zeit halt auch ein gewisses Muster (oder soll ich sagen Logik?) im Dickicht deiner vielen kryptischen Bemerkungen auf, welches man an anderer Stelle dann sozusagen als gedanklichen Fussabdruck wiedererkennt...
      Ob ich das Buch lesen werde, kann ich allerdings noch nicht versprechen, ich halte nicht so viel davon, mir die Welt so schlimm vorführen zu lassen, wie sie ist, sondern halte es eher mit Karl Kraus, der geschrieben hat:

      "Ich hatte die traurigen Folgen einer normalen Lebensweise, mit der ich es eine Zeitlang versuchte, nur bald an Leib und Geist zu spüren bekommen und beschloß, noch einmal, ehe es zu spät wäre, ein unvernünftiges Leben zu beginnen. Nun sehe ich die Welt wieder mit jenen umflorten Blicken, die einem nicht nur über die Wirklichkeit der irdischen Übel hinweghelfen, sondern denen ich auch manch eine übertriebene Vorstellung von den möglichen Lebensfreuden vedanke. Das gesunde Prinzip einer verkehrten Lebensweise innerhalb einer verkehrten Weltordnung hat sich an mir in jedem Betracht bewährt. Auch ich brachte einmal das Kunststück zuwege, mit der Sonne aufzustehen und mit ihr schlafen zu gehen. Aber die unerträgliche Objektivität, mit der sie alle meine Mitbürger ohne Ansehen der Person bescheint, allen Mißwachs und alle Häßlichkeit, entspricht nicht jedermanns Geschmack, und wer sich beizeiten vor der Gefahr retten kann, mit klaren Augen in den Tag dieser Erde zu sehen, der handelt klug, und er erlebt die Freude, darob von jenen gemieden zu werden, die er meidet. (...) Die Welt ist häßlicher geworden, seit sie sich täglich in einem Spiegel sieht, darum wollen wir mit dem Spiegelbild vorlieb nehmen und auf die Betrachtung des Originals verzichten. Es ist erhebend, den Glauben an eine Wirklichkeit zu verlieren, die so aussieht, wie sie in den Zeitungen beschrieben wird. Wer den halben Tag verschläft, hat das halbe Leben gewonnen."
    • Es ist nicht so, dass ich Freundin Kaoru den Kauf raten würde (dh natürlich tu ich das, denn auch sie, gerade sie, der man ja einen über das Linkentum hinausgehenden Weitblick nun wahrlich nicht absprechen kann, und die originelle Gedankenkengänge und gute Formulierungskunst zu schätzen scheint - angesichts #13 ist man ja geradezu versucht, sie als Co-Autorin zu gewinnen - kann von dieser Lektüre nur profitieren; ich muss aber seriöserweise festhalten, keine bei Nichtgefallen-Geld-zurück-Garantie abgeben zu können), aber DAS hier ist ganz sicher nicht mein Element:
      die Welt so schlimm vorführen zu lassen, wie sie ist
      Ich würde sagen, das ist eher Sache einer linken Sicht, die mich auch bei berechtigten Anliegen der Linken, wie der Schilderung unbestreitbarer sozialer Missstände -- zT auch bei eindeutig nichtlinken Autoren wie zB Peter Rosegger, der hinsichtlich seines überaus tristen Sozialrealismus ziemlich verkannt wird - nicht eben zur Lektüre anspornt.

      Zugegeben, Weltmeister im positiven Denken bin ich, äh ist Jurek H. nicht, und auch die bisherigen Rezensionen bei amazon scheinen eher "schwarz" zu sehen.
      Ich zitiere hier aber als authentische Quelle aus dem (in Erzählform gehaltenen) Inhaltsverzeichnis (in seiner ursprünglichen Form, den letzten Klammerausdruck hat der Verlag dem Jurek mit Recht nicht durchgehen lassen):



      Jurek H. schrieb:

      Ein kritischer Leser könnte indes, überhaupt nach derLektüre des Fünften Kapitels (Seite…) , auch die Glaubwürdigkeit unserer Zeugenin Zweifel ziehen, wofür sich immerhin das eine oder andere Indiz finden ließe.Man sollte indes nicht ganz so weit gehen und die Sache völlig auf die leichteSchulter nehmen. Platon hat dies so formuliert: Lerne zuzuhören, und du wirstauch von denjenigen deinen Nutzen ziehen, die dummes Zeug reden.

      Wie auch immer, im letzten Kapitel hat sich der Pulverdampfverzogen, und am Schluß wird womöglich sogar geheiratet (angeblich schauen sichburgenländische, ostfriesische etc Frauen nur aufgrund dieser Erwartungshaltungpornographische Filme an).

      Ich mag lieber Bücher, die zum Lachen statt zum Weinen animieren. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Aber auch der Verlagsprospekt, der eher auf die "dunkle Karte" setzt, arnshaugk.de/haslhofer/
      räumt ein, dass am Schluss


      arnshaugk Verlag schrieb:

      gleichwohl am Schluß ein Fünkchen Hoffnung aufglimmt.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)