Quartier VI - Blobel (im Bau)

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    • Oktavian schrieb:

      Dach: Stell dir dort, wo beim Hummel (=Bothen original) das Dach beginnt, 'nen Einschnitt mit 'ner neuerfundenen Balustrade vor. Darüber zurückgesetzt noch einmal ein kleines Geschoss drauf mit hinzuerfundenem Dekor und dann erst das Dach mit Belvederebalustrade.
      Und ich dachte Frankenstein's Werk von weiter oben wäre übel. Warum macht man sowas? Wie kann man so eine Vorlage haben und trotzdem meinen man könnte es besser machen?
      Ist eine detailgetreue Rekonstruktion denn so schwer?
    • Oktavian schrieb:

      EG und Karyatidengeschoss (=1.OG bei Bothen) zu einer riesigen EG-Halle verschmolzen, die aber nieriger ist als die beiden urspgl. Geschosse zusammen. Alle übrigen Obergeschosse gestreckt.

      Dach: Stell dir dort, wo beim Hummel (=Bothen original) das Dach beginnt, 'nen Einschnitt mit 'ner neuerfundenen Balustrade vor. Darüber zurückgesetzt noch einmal ein kleines Geschoss drauf mit hinzuerfundenem Dekor und dann erst das Dach mit Belvederebalustrade.
      Hört sich nicht gerade nach einer dem Nutzungswunsch und dem Gebot der Wirtschaftlichkeit geschuldeten Änderung an, sondern so, als habe da jemand auf Teufel kaum raus möglichst viele Abweichungen vom historischen Vorbild produzieren, aber das Ganze dann trotzdem "irgendwie historisch" aussehen lassen wollen.

      Günter Blobel hat vor Jahren mal in einem Interview erzählt, diverse Unternehmen würden heute mit einem Verfahren arbeiten, das er entwickelt habe. "Hätte ich mir das damals patentieren lassen, hätte ich heute so viel Geld, dass ich ganz Dresden wieder aufbauen könnte".

      Aber wie sähe das dann wohl aus? :/
    • Hm, Ansichtssache: Den meisten hier, in DD und wohl auch in der GHND wirds gefallen. Es hat halt einfach nur nicht mehr sehr viel mit dem zu tun, was dort mal stand und was einmal das eigentliche Anliegen war, nämlich eine authentisch verbürgte Reko des wertvollen historischen Bestandes (und der Bothen war wertvoll) ergänzt mit ganz zurückhaltender moderner Architektur, die das ergänz (ok - das hat am NM nicht überall, aber - ich stehe dazu! - doch meistens gut geklappt).

      Wie gesagt: Die Rekogegner werden nur so aufheulen vor Schadenfreude.

      So und von jetzt an halte ichs wie in Bachs Kaffeekantate: "Schweiget stille - plaudert nicht"
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
      Dresden ist eine besondere Stadt, aber hier sind leider viele, die alles versuchen, etwas Mittelmäßiges daraus zu machen (M. Roth)
    • Oktavian schrieb:


      Wie gesagt: Die Rekogegner werden nur so aufheulen vor Schadenfreude.
      Deshalb bin ich auch froh, dass man in Berlin das neue Schloß zwar munter mit kleinen Gemeinheiten verhunzt, aber wenigstens alle barocken Teile historisch verbürgt und nichts pseudo-barockes dazuerfunden (Stichwort Braunfels) und nichts ahistorisch zurechtgestutzt (Palais Thurn und Taxis, Ffm) wurde.
    • Ich denke, den Bärendienst an den Reko-Befürwortern hat man schon mit der aktuellen Version des Chiappo erwiesen. Dazu braucht es kein neuerfundenes Bothen (deine Schilderungen, Oktavian, sind wahrlich erschröckend).

      Keine Ahnung, wie man das bewerten soll. Am Ende ist es ein allein recht ästhetischer Bau, der ob der Vorlage und des Umfeldes einfach untergehen muss?! Es wird jedenfalls heiss in der Debatte.

      Vielleicht, wenn alle Messen an den Projekten, die demnächst definitiv kommen werden, gelesen sind, wird man aus allem Dastehendem messen und Urteilen können, was funktioniert und was nicht. Der NM ist jedenfalls exemplarisch eine Lehrstunde in Architekturgeschichte, -sprache, -bildung, -kunst, -pragmatismus, -konsens, -grauen und -entzücken. Wie wohl Dresden insgesamt.

      Und wenn man dann gelernt hat - auf allen Seiten, dann gilt es alles zu bündeln: für das Hotel Stadt Rom.
    • RobBerg schrieb:

      Ich denke, den Bärendienst an den Reko-Befürwortern hat man schon mit der aktuellen Version des Chiappo erwiesen. Dazu braucht es kein neuerfundenes Bothen (deine Schilderungen, Oktavian, sind wahrlich erschröckend).
      Der Kompromiss beim Chiapponeschen Haus ist nicht ansatzweise mit dem zu vergleichen, was Prof. Blobel bauen will. Angesichts der Alternative, einem völlig öden zeitgenössichem Entwurf, war dieser Kompromiss ganz im Sinne der GHND und alles andere als ein Bärendienst. Was Prof. Blobel allerdings vor hat, das ist am Neumarkt beispiellos. Es ist keine Paraphrase wie das Hotel de Saxe, es ist im Grunde eine Bothen-Verballhornung. Die GHND fordert seit Jahren die Rekonstruktion des Bothenbaus. Auch wenn Prof. Blobel völlig zu Recht Ehrenmitglied ist für seine Verdienste in der Vergangenheit, die GHND hat sich keinerlei Gehör verschaffen können während der Planungsphase und somit NICHTS mit dieser Verballhornung zu tun.
    • Hier scheinen einige schon so viel und alles im Detail zu wissen. Und dennoch ist nichts bisher öffentlich.
      Da fragt man sich, welche Spiele da gespielt werden?! (Und es is schon echt unfair all jenen gegenüber, die sich all die Jahre für das Projekt so aufgeopfert haben)

      Alle Argumentation zu Bothen ist eigentlich hinfällig, weil mindestens die Hälfte der Teilnehmer nicht mal weiß, wie das zu behandelnde Thema eigentlich aussieht.
    • Das Ganze ist einmal mehr eine Frage des Willens zur Transparenz. Allgemein scheint am Neumarkt schon lange ein Problem damit geherrscht zu haben - mit Hinweis auf die Entscheidungen der Gestaltungskomission und von Investoren, der Missachtung der (rechtlich unverbindlichen) Gestaltungssatzung und dergleichen weiter.
      Blobel veröffentlicht anscheinend seine Pläne deshalb nicht, weil er harte Kritik befürchtet - vor wem, sei dahingestellt. So wie es im Moment ausschaut, sowohl von der Gesellschaft Historischer Neumarkt, als auch von der Gestaltungskomission oder besser allen Gegnern der Rekonstruktion. Sollte Blobel tatsächlich einen Fantasia-Bau schaffen, eine über die Paraphrase hinausgehende Interpretation des Bothen-Hauses unter Missachtung aller Ehrfurcht vor dem historisch Gewachsenen, wäre dies jedenfalls eine vertane Chance, mehr noch, etwas vollkommen Überflüssiges.
      Letztlich wird wohl überall im Quartier VI gestreckt, gestaucht, aufgestockt oder abgeschnitten, je nach Belieben des Investors oder der Willkür der Stadtplanung. Das ist angesichts der Bedeutung des Quartiers in städtebaulicher (und architektonischer) Sicht für den Neumarkt und die gesamte Altstadt sehr traurig.
    • Heimdall schrieb:

      Irgendwann wird er der Öffentlichkeit ohnehin zeigen müssen, was er vorhat.
      Muss er eigentlich nicht. Er braucht eine Baugenehmigung, und wenn er die hat, kann er anfangen zu bauen. An der Baustelle muss ein Baustellenschild aufgestellt werden, das verschiedene Angaben enthalten muss, aber nur Text - eine Zeichnung, Grafik o.ä. ist nicht erforderlich. Zum Vermarkten der Mietflächen ist es zwar üblich, eine Außenansicht zu zeigen, aber er würde Wohnungen, Büroflächen oder was auch immer er da reinpacken will, bestimmt auch allein anhand der Lage, der Grundrisse, Ausstattungsbeschreibung an den Mann bringen. Vielleicht will er das Gebäude aber auch für eigene Zwecke nutzen, dann entfiele die Vermarktung ohnehin. Theoretisch kann Blobel also bauen, ohne dass irgendeine Simulation an die Öffentlichkeit gelangt, und wir können nur am Bauzaun stehen und gucken, was da so langsam hochgezogen wird und hinter Planen verschwindet - bis irgendwann die Gerüste fallen und das Ergebnis zum Vorschein kommt.
    • djoerg schrieb:

      Aber spätestens dann muss sich Blobel - wie jeder andere Bauherr auch - der Diskussion der Öffentlichkeit stellen.
      Auch das muss er eigentlich nicht. Niemand muss sich für die Architektur eines baurechtlich genehmigten Neubaus öffentlich rechtfertigen. Blobel könnte das alles auch einfach in den USA aussitzen.

      Bei Wikipedia heißt es übrigens:

      Blobel setzt sich auch sehr für den Erhalt der Dresdner Elbwiesen und die originalgetreue Rekonstruktion des Neumarkts ein. ?(
    • Quartier VI

      sz-online.de/nachrichten/fast-…3618167.html?desktop=true

      Die SZ hat heute die Neuinterpretation des Au Petit Bazar von Blobel veröffentlicht.
      Wie man schon hörte EG und 1.OG sind verbunden und gesamt niedriger.
      Dafür die Etagen darüber gestreckt. Darüber ein Staffelgeschoss mit Brüstungen und viel Schnörkel. Auch die Fensterachse welche den Au petit bazar mit der restlichen Fassade am Neumarkt verbindet ist komplett neu gestaltet.

      Seht selbst:

      Quelle Visualisierung: Arte4D
    • Dort passt ja nun wirklich gar nichts mehr.
      Allein die Fassadengestaltung wirkt überaus unbeholfen, wie man es von Architekten, die im Entwerfen historistischer Gebäude gemeinhin unerfahren sein dürften, wohl auch nicht anders erwarten kann. Im Zusammenspiel mit der Fassade der USD wird dann das gesamte Dilemma offenbar: hier entsteht ganz großer Mist, über den sich jeder "Modernist" totlachen wird. Ein Trauerspiel und noch dazu eine furchbare Niederlage für die GHND, die sich im Kampf für den Neumarkt alle Ehren erworben hat und nun zusehen muss, wie ein Ehrenmitglied derartiges zu bauen gedenkt.
      Wahrscheinlich hat die Stadt recht daran getan, dem Quartier VI einen "Platanenhain" vorlagern zu wollen. Dann muss man das Elend immerhin nicht mehr sehen.
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe
    • @Bilderbuch:
      Danke - endlich, endlich sprichts mal einer aus! cclap:)

      Es gab ja angeblich "historismusfeindliche" Leute hier, die in dieser Hinsicht immer warnten, warnten und nochmals warnten, aber das waren ja die ewigen "Puristen".

      Das Bild gibt leider noch gar nicht das gesamte Dilemma wieder - "so" ginge es ja irgendwie sogar noch.
      Aber das mit Abstand Schlimmste ist das Dach bzw. das, was sich auf demselben befindet.

      Aber ich wollte hier ja eigentlich für immer die Klappe halten... Wie heißts doch im Standesamt: "Der rede jetzt oder er schweige bis an sein Lebensende..." :weinenstroemen:
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
      Dresden ist eine besondere Stadt, aber hier sind leider viele, die alles versuchen, etwas Mittelmäßiges daraus zu machen (M. Roth)
    • Das Problem an dem Entwurf besteht nun leider darin, dass er keinen Proteststurm auslösen und damit zu 100% auch umgesetzt wird. Bei einem schlechten modernistischen Entwurf hätte man da noch Hoffnung haben können, wie z.B. das Palais Riesch eindrucksvoll beweist.
      Wahre Baukunst ist immer objektiv und Ausdruck der inneren Struktur der Epoche, aus der sie wächst. Ludwig Mies van der Rohe
    • Schade! Vorallem, dass er das erste Obergeschoss so ins Lächerliche gekürzt hat, zertört komplett das Gleichgewicht...
      Das ist wirklich ein gefundenes Fressen für die Modernisten, die sich dann mit ihrem "Disneyland" Argument bestätigt fühlen. Gab es innerhalb der GHND keine Widerstand? Immerhin musste der Verein doch von der Visualisierung vorher schon gewusst haben oder?

      PS: weiß jemand, ob der Innenhof des Dinglingerhauses mit den wunderschönen Arkaden und vorallem der prächtige barocke Brunnen auch so realisiert wird wie in der Visualisierung von Arstempano?
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Fachwerkliebhaber ()

    • Fachwerkliebhaber schrieb:

      PS: weiß jemand, ob der Innenhof des Dinglingerhauses mit den wunderschönen Arkaden und vorallem der prächtige barocke Brunnen auch so realisiert wird wie in der Visualisierung von Arstempano
      Grünes Licht!
      Hannover ist eine mittelmäßige Stadt, aber dort sind viele, die sich große Mühe geben, etwas Besonderes daraus zu machen.
      Dresden ist eine besondere Stadt, aber hier sind leider viele, die alles versuchen, etwas Mittelmäßiges daraus zu machen (M. Roth)