Abrechnung mit dem Städtebau der Wiederaufbaujahre

  • Das ist geradezu abartig, dass nach so jemandem ein regionaler Architekturpreis in Deutschland verliehen wird.


    Ich wusste, dass Erich Mendelsohn bei diesem "deutschen Dorf" beteiligt war.


    Das US-Korps erstellte 1943 mit Technikern der Standard Oil Development Company auf dem Testgelände Dugway Proving Ground in Utah das sogenannte German Village (Deutsches Dorf), einen realistischen Nachbau deutscher Mietskasernen, um die Wirkung von Brandbomben auf diese Bauform zu testen.


    Unter den Experten, die Planungen und Informationen für die Bauten und deren Ausstattungen lieferten, waren auch die deutschen Architekten und Ingenieure Erich Mendelsohn, Konrad Wachsmann, Paul Zucker, Hans Knoll und Georg Hartmüller [..]


    1943 testete das US-Militär im German-Japanese Village Brandbomben und chemische Kampfstoffe ...


    Im Grunde handelt es sich hier um eine unsägliche Verhöhnung, ähnlich wie die Verleihung des Karlspreises an Winston Churchill im Jahre 1955.




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    P.S.: bez. chemische Kampfstoffe verweise ich auf einen SPIEGEL-Artikel aus dem Jahr 1988


    "Wenn wir die ehemalige Schönheit der Stadt mit der heutigen Gemeinheit verrechnen, kommen wir, so die Bilanz, aufs direkteste in den Schwachsinn." (E.H.)

  • Es ist schon pervers aus kranken Gehirnen menschlicher Kreaturen in Betracht zu ziehen, Giftgas gegen eine zivile Bevölkerung einzusetzen, egal von welcher Seite.

  • eines Organisators des Bombenkrieges

    Ist nicht auch denkbar, dass das Militär einfach ehemalige Deutsche Fachleute für ihr Projekt angeheuert haben und ein emigrierter jüdischer Architekt da die beste Wahl war?

  • Ist nicht auch denkbar, dass das Militär einfach ehemalige Deutsche Fachleute für ihr Projekt angeheuert haben und ein emigrierter jüdischer Architekt da die beste Wahl war?

    Darum geht es doch gar nicht. Es geht darum, dass der Architekt sich aktiv daran beteiligt hat, herauszufinden, wie man Bombenangriffe so "optimieren" kann, dass dabei möglichst viele Zivilisten getötet werden.

  • Darum geht es doch gar nicht. Es geht darum, dass der Architekt sich aktiv daran beteiligt hat, herauszufinden, wie man Bombenangriffe so "optimieren" kann, dass dabei möglichst viele Zivilisten getötet werden.

    Ich finde schon, dass das relevant ist, weil es genau den Unterschied herausarbeiten möglich macht zwischen tatsächlicher Verantwortung und damit einer Mittäterschaft im deutschen Verständnis oder einfacher Kollaboration. Das hieße sonst, wenn es nur um die Frage ginge, ob Jemand aktiv beigetragen hat, dass auch alle Metallarbeiter im 3. Reich beispielsweise nicht mehr gesellschaftlich ehrwürdig, weil aktiv beteiligt, wären, maximal viel und gute Wehrgüter zu bauen und damit möglichst viele (gerade im Ostfeldzug Zivilisten) zu töten. Er dürfte wohl kaum mehr sich zu schulden kommen hat lassen, als dass er den Amerikanern deutsches Bauwissen vorführte. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass ein Architekt sich entscheidend in die Wahl geeigneter Kriegsmethoden eingebracht hat. Die Amerikaner haben dann aus diesem Wissen ihre Schlüsse gezogen und entsprechende Entscheidungen getroffen.


    Aber ich stimme vollkommen zu, dass schon allein der Zweck dieses German Village höchst unmenschlich, ja barbarisch war und damit dieser Wachsmann mindestens ahnen konnte, was es militärisch bedeuten könnte. Es zeigt auch, dass die Amerikaner, wie die Briten aktiv die Zerstörung der Altstädte betrieben.

  • Der Städtebau der Wiederaufbaujahre - ein Beispiel aus Mainz - hier wollte Marcel Lods, ein Schüler von Le Corbusier die gesamte Neustadt abreißen und durch 100 Meter lange Hochhaus-Scheibenhäuser ersetzen. Zum Glück machte die Mainzer Bevölkerung da nicht mit...


    siehe auch http://www.landesmuseum-mainz.…/plaene-zum-wiederaufbau/

    MODERNExit: Mehr Altstadt wagen!