Historische Autobahnbauten

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    • Historische Autobahnbauten

      Ich hatte schon länger vor, einen Themenstrang zu Relikten der ersten Autobahnen aus den 1930er Jahren zu eröffnen. Nachdem ich eigentlich nur eine kurze Notiz im Thread "Sonstige Meldungen aus Westfalen" gepostet hatte, ist dieser immer weiter ausgeartet, so dass ich mit den Überresten historischer Autobahnbauwerke in Westfalen das Thema beginne.

      Der Bau der Reichsautobahnen wird im Allgemeinen häufig mit Adolf Hitler in Verbindung gesetzt, der mit großer Inszenierung im Grunde nur bestehende Pläne aus der Weimarer Republik umsetzte. Zum Zeitpunkt der Machtübernahme war Deutschlands erste Autobahn, die heutige A555 zwischen Köln und Bonn bereits ein Jahr in Betrieb und auch das erste Teilstücke der heutigen A3 zwischen Köln und Düsseldorf bei Opladen eröffnet. Die AVUS in Berlin sowie die Autostrada dei Laghi sind sogar noch älter. Die großen Strecken wurden jedoch ab 1933 bis zum Ausbruch des zweiten Weltkriegs erbaut.
      Was mich persönlich besonders fasziniert ist der damalige Wille, die Autofahrt zu einem Erlebnis zu machen und die Autobahn dafür der Landschaft folgen zu lassen. Insbesondere bei den heute noch recht ursprünglichen Abschnitten der A8 von München nach Salzburg oder von Ulm nach Stuttgart kann man dies heute noch nachvollziehen. Generell fahre ich sehr gerne die alten Strecken, insbesondere wenn es etwas gebirgig ist, so auch die A7 zwischen Göttingen und Bad Hersfeld, die erheblich kurviger ist als der jüngere Abschnitt südlich von Bad Hersfeld. Auch freue ich mich immer, historische Brücken oder Autobahnbauten zu erspähen. Doch leider sinkt die Zahl der erhaltenen Bauwerke immer weiter. Jüngst im Oktober letzten Jahres wurde z.B. die Brücke "Rotes Steigle" über die A8 gesprengt. Da zwischenzeitlich viel mit modernen Betonbaustoffen experimentiert wurde, sind viele historische Brücken auch gar nicht als solche zu erkennen, eher noch die meist später gebauten Natursteinviadukte. Besonders schade ist es zudem um sehr markante Bauwerke wie das "Thüringer Tor" bei Eisenberg, die 1994 gesprengt und durch eine Betonbogenbrücke ersetzt wurde.

      Wie gesagt... der westfälische Teil der heutigen A2 besitzt auch heute noch einige Relikte der frühen Autobahnzeit. Dies sind u.a.:
      - die Überreste der geplanten aber nie realisierten Strecke 77
      - die ehemaligen Tankstellengebäude der Raststätte Rhynern
      - die Überführung des Caldenhofer Wegs über die A2 in Hamm
      - die ehemalige Überführung des Weg Hesseler in Beckum
      - die Autobahnmeisterei in Oelde (inkl. kleinem Museum)
      - die drei historischen Viadukte Talbrücke Exter, Talbrücke Steinegge und Talbrücke Finnebach
      - die Weservorlandbrücken bei Bad Oeynhausen

      Zudem sind eine Vielzahl von Unterführungen nicht neugebaut sondern nur verbreitert worden, so dass an mindestens einer Seite noch die Bruchsteinmauerverblendung sichtbar ist. Teilweise wurde diese auch der Verbreiterung vorgeblendet.
      Erst kürzlich hatte ich Gewissheit bzgl. der Tankstelle Gütersloh (aufgrund dieses Artikels in Der Glocke). Die Gebäude sehen eher nach den 60ern aus, jedoch ähnelt die Bauform sehr stark der kürzlich abgerissenen Tankstellengebäude an der A2 in Recklinghausen (Stuckenbusch/Hohenhorst), die definitiv noch aus den 30ern stammten und ich mir nicht erklären kann, warum sie nicht denkmalgeschützt waren. Ich hatte immer die Vermutung, dass die beiden Gebäude aus Gütersloh genauso alt waren. In Fahrtrichtung Bielefeld steht hier zudem auch ein Holzschuppen der Autobahnmeisterei, der evtl. auch aus den 30er Jahren stammt. Aus meiner Sicht wäre hier Denkmalschutz erforderlich, auch wenn es ein paar km westlich in Rhynern bereits eine denkmalgeschützte ehemalige Autobahntankstelle gibt. Im Gegensatz zur Rhynerner Tankstelle steht aber in Recklinghausen vmtl. ein Typenbau.
      Nicht ganz sicher bin ich mir bei der Raststätte Vellern bei Oelde. In der Frühzeit gab es dort die vielbachtete Gaststätte Vellerner Mühle
      in einer Windmühle. Ob das heutige Gebäude bereits in den 30ern oder
      erst in den 50ern gebaut wurde, weiß ich leider nicht. Auf diesem Bild aus den 1950er Jahren sind sowohl Mühle als auch das heutige Gebäude zu sehen. Des weiteren gibt es noch ein paar Infos auf dieser englischsprachigen Seite.
      Ich würde mich aber freuen, wenn es irgendwann einmal restauriert wird
      und nicht durch einen 08/15-Neubau der Tank&Rast ersetzt wird.
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • Toller Beitrag! Die Leute damals haben schon gewußt Emotionen zu wecken und gekonnt zu inszenieren.

      Dieser Anblick ist selbst 70 Jahre danach noch imposant...irgendwie bewegt dieses Bild...die ehemalige Autobahn in Ostpreussen in Richtung Königsberg...

      s-media-cache-ak0.pinimg.com/2…8ea6c1acde36c56da2886.jpg

      bunker-nrw.de/php/userpix/147_rab2_1.jpg
      "Lieber Gott, schütze uns vor Dreck und Schmutz,
      vor Feuer, Krieg und Denkmalschutz!"
    • Momentan wird am Berliner Ring das Autobahnkreuz Zehlendorf umgebaut, wobei die Autobahnbrücke aus dem Jahr 1940 ersetzt wird. Ein Bild der alten Brücke findet sich auf der Seite bauwerk-reichsautobahn.de.
      Auf Seiten der Stadt Berlin gibt es eine Visualisierung des Neubaus. Immerhin wurde mit der mittleren Stützenreihe und der allgemeinen Form wenigstens ein bisschen Bezug auf den Vorgängerbau genommen. Die schönen Natursteinverkleidungen der Widerlager werden leider wohl nicht wiederkommen.

      Weitere historische Brückenbauten, die derzeit durch Neubauten ersetzt werden, sind die Eisenbahnbrücken unweit der Raststätte Michendorf (Artikel auf PNN). In diesem Fall haben die neuen Brücken, wie so häufig, leider überhaupt keine Ähnlichkeit mehr mit den Vorgängerbauwerken. Die Raststätte selbst wurde schon 2008 abgerissen, eine von wenigen, die bis dahin überlebt haben.


      Da demnächst wohl auch die A8 zwischen Rosenheim und Salzburg ausgebaut wird, der wohl letzte größere Autobahnabschnitt in Deutschland, der sich noch (bis auf den Bodenbelag) weitgehend im Originalzustand befindet, wird sicherlich auch einigen bis heute erhaltenen Kunstbauwerken den Garaus machen. 2012 wurde ja schon die Talbrücke Bergen ersetzt, die mit Baujahr 1936 wohl noch eine der ältesten Autobahnbrücken gewesen ist, wesentlich jünger und filigraner als die Natursteinbrücken, die später gebaut wurden, als Beton und Stahl Mangelware wurden. Der Neubau hat leider auch keine Ähnlichkeit mit der alten Brücke. Jetzt existiert nur noch die wesentlich kleinere Atzlbachtalbrücke - die Frage ist, wie lange noch?


      Ich habe ja durchaus Verständnis dafür, alte Brücken, die der Verkehrslast nicht mehr entsprechen, zu ersetzen - aber bei solch baugeschichtlich wichtigen Brücken fände ich es wirklich angebracht, die Neubauten in gleicher Form zu errichten.
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      Karl Kraus (1874-1936)
    • Schade, beides sind aus meiner Sicht sehr reizvolle Strecken, da man als Autofahrer ein kleines bisschen gefordert ist und vor allem weil man einiges von der Landschaft sieht.

      Der Albaufstieg mit seinen Brücken und Tunneln ist doch aber denkmalgeschützt?
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      Karl Kraus (1874-1936)
    • Es scheint, als wolle man eine der beiden Rampen (wenn ich mich recht erinnere, Fahrtrichtung Stuttgart) als Landstraße weiternutzen und die Andere als Straßenbauwerk aufgeben, d.h. die Trasse renaturieren (was dabei mit den Brückenbauwerken passiert, weiß ich nicht).

      Dennoch wird es diese Brücke vermutlich nicht mehr lange geben.

      Eigene Aufnahme

      Korrektur: Der neue Streckenverlauf des Albaufstiegs wird diese Brücke scheinbar nicht betreffen.
    • Folgende Brücken werden den Ausbau der Enztalquerung (scheinbar kein Brückenneubau) nicht überleben:





      Dasselbe gilt für die alte Straßen- sowie die Eisenbahnbrücke in der Talsohle, beides Stahlbrücken der gleichen Epoche.

      Bei der letzten Brücke auf westlicher Seite bin ich mir nicht hundertprozentig sicher, ob sie fallen wird, aber angesichts dessen, dass die Spannweite nicht einmal 4 Spuren + Standstreifen, von 6 Spuren nach dem Ausbau ganz zu schweigen, ermöglicht, ist ein Abriss sehr wahrscheinlich.

      Es handelt sich um dieses Bauwerk:

      Auch in diesem Fall eigene Aufnahmen

      Update: Laut aktueller Planung werden alle drei Brücken fallen, ebenso die gleich alte Eisenbahnbrücke, die Brücke über die B10 im Tal und jene über die Enz.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Mündener ()