Gerichtsgebäude in Berlin

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    • Gerichtsgebäude in Berlin

      Wisst ihr, welche architektonischen Schätze es unter den Berliner Gerichtsgebäuden gibt? Und diese Gebäude sind überwiegend frei zugänglich, nur für Fotografien benötigt man die Erlaubnis des jeweiligen Gerichtspräsidenten.

      Vielleicht kann ich die Berliner unter euch animieren, diese Schätze hier zu sammeln und zu veröffentlichen.

      Starten möchte ich mit dem Amtsgericht in Weißensee (heute Dienstgebäude des Amtsgerichts Pankow/Weißensee). Es ist mir sehr ans Herz gewachsen, weil ich im Winter 2014/15 meine ersten Sporen als Rechtsreferendar dort verdient habe. Das Gebäude ist sicher ein Juwel unter den deutschen Gerichtsgebäuden. Man mag gar nicht glauben, dass es aus der Feder von Thoemer und Mönnich stammt, die Berlin auch die großen Justizpaläste (Kammergericht, Kriminalgericht, Amtsgericht Wedding etc.) beschert haben. Im Stil der Neorenaissance erweckt es einen fast intimen Eindruck. Es ist zu den Öffnungszeiten frei zugänglich und anders als die meisten Berliner Gerichtsgebäude auch relativ übersichtlich (Parkstraße 71, 13086 Berlin-Weißensee).

      Die Fotos entstanden überwiegend im Juni 2015 und mit Genehmigung der Präsidentin. Der Sicherheitsbeauftrage freute sich so sehr über mein Interesse, dass er mich in den Speicher und bis aufs Dach führte.



      (Hinweis an die Moderation: Ich habe keinen vergleichbaren Strang gefunden. Sollte es trotzdem schon einen geben, bitte verschieben!)
      "Die Qualität städtischen Bauens resultiert aus einer Generationen währenden, kollektiven Leistung." Hans Kollhoff

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    • Da sehen wir kurz die Treppenhalle des Kammergerichts (für Nichtberliner: So heißt traditionell unser Oberlandesgericht). Im Kammergericht ist so wenig los, dass es häufiger mal für Dreharbeiten verwendet wird (jüngste Beispiele: "Schuld nach Ferdinand von Schierach" und "Die Stadt und die Macht", jeweils 2015). Die meisten Berliner wissen nicht mal, wo das Kammergericht liegt, geschweige denn, dass sie drin waren (dabei ist auch dieses Gebäude über eine Besucherschleuse mit Metalldetektor ohne Angabe von Gründen frei zugänglich!) Die noch viel imposantere Halle des Kriminalgerichts (ebenfalls frei zugänglich) ist demgegenüber viel seltener zu sehen, dort gibts nämlich praktisch nie Film- oder Fotogenehmigungen, aus Sicherheitsgründen. Im beiden Gebäuden würde ich auch gerne mal fotografieren, hatte bislang aber die Erlaubnis nicht...
      "Die Qualität städtischen Bauens resultiert aus einer Generationen währenden, kollektiven Leistung." Hans Kollhoff
    • Vermutlich gar keine. Das dient in erster Linie dem Schutz der Prozessbeteiligten, die vor den Räumen warten und aufgrund der Terminzettel an den Türen teilweise namentlich identifizierbar sind. Aus diesem Grund sind Foto- und Filmaufnahmen in Gerichten halt generell verboten, selbst wenn man sich nur für die architektonischen Details interessiert. Was man immer machen kann, ist einen Wachtmeister zu fragen, ob man mal kurz die Eingangshalle knipsen darf... ohne Erfolgsgarantie, versteht sich.
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    • Ludolf wrote:



      Amtsgericht Moabit Turmstraße
      Kleine Klugscheißerei von mir: Das ist das Amtsgericht Tiergarten bzw. Landgericht Berlin (beide Gerichte nutzen das Gebäude), das reine Gebäude wiederum heißt "Kriminalgericht", wobei es keine Justizeinrichtung dieses Namens gibt. Ein "Amtsgericht Moabit" gibt es nicht. ;)

      Ansonsten: DANKE, großartige Fotos! :thumbup:
      "Die Qualität städtischen Bauens resultiert aus einer Generationen währenden, kollektiven Leistung." Hans Kollhoff
    • Danke für die Korrektur. :D #

      p.s.: wie geht das mit der Fotogalerie? Ansonsten würde ich die Bilder einzeln posten, wenns ok ist. :)

      Amtsgericht Wedding



      Der neogotische Bau von Rudolf Mönnich und Paul Thoemer wurde 1906 fertig gestellt. Der Bau wurde im Krieg mäßig stark getroffen und teilweise wieder aufgebaut. Der Hauptturm allerdings blieb verloren. Reichsadler und Hakenkreuz wurden 1933 angebracht, das Hakenkreuz verschwand nach 1945, doch der Reichsadler kront immernoch, was ungewöhnlich ist und in dieser Form wohl auch nicht mehr oft in Deutschland zu sehen ist. Dies mag wohl auch mit ein Grund dafür gewesen sein, dass die Statue der Justitia 1988 Vandalismus zum Opfer fiel und förmlich vom Balkon gestoßen wurde und 2006 durch eine Rekonstruktion ersetzt werden musste.









































      Inzwischen mit neuem Anstrich...





      Fotos ©Ludolf

    • Nochmals danke!!! Wieder tolle Fotos. Bei den Justizpalästen von Thoemer und Mönnich (hier insbesondere das AG Wedding nach der Renovierung) fällt mir immer wieder auf, dass es trotz der historisierenden Zutaten rein nach Fassadenrythmus und Gliederung durchaus moderne, klar gegliederte Gebäude sind. Die Werksteine und Stuckelemente folgen der Struktur der Gebäude, bestimmen die Silhouette, nehmen ihr teilweise die Strenge, ordnen ihr aber nicht die Funktion unter. Es bleiben Funktionsbauten mit klar erkennbaren Teilen. Sehr angenehm: Zum Austarieren der großen, massigen Gebäudekörper arbeiten die Architekten mit hohen Dächern, Giebeln und Türmen, die die Gebäudemasse austarieren und die Gebäude nach oben logisch abschließen, dabei zugleich Raum für spätere Ausbauten und Erweiterungen lassen. So wirken diese Gebäude immer proportioniert. Davon könnte sich die zeitgenössische Architektur so viel abschauen... :|

      Ich finde ja, die preußische Gerichtsarchitektur erfährt ohnehin viel zu wenig Würdigung...

      Postet weiter, Leute!
      "Die Qualität städtischen Bauens resultiert aus einer Generationen währenden, kollektiven Leistung." Hans Kollhoff
    • Ludolf wrote:

      ehemaliges Reichskriegsgericht - Witzlebenstraße






      Fotos ©Ludolf
      Der fast schon idyllisch anmutende Seitenflügel zum Lietzensee mit seiner Terrasse und seinen Balkons und nicht zuletzt dem Garten ist übrigens die ehemalige Präsidentenwohnung, die bei einem Gericht auf Reichsebene selbstverständlich standesgemäß ausfiel...
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    • Ja, in Berlin gibt es noch eine Vielzahl imposanter, sehr gut erhaltener Gerichtsgebäude und das in allen möglichen Stilen: Neoromanik, Neogotik, Neorenaissance, Neobarock, Jugendstil etc.
      Am beeindruckendsten ist wahrscheinlich das Kriminalgericht in Moabit, dass Ludi hier auch schon kurz vorgestellt hat. Eines der größten Gerichtsgebäude Europas und zum Glück sehr gut erhalten, außen wie innen.
      Ich würde mich sehr freuen, wenn Ludi uns auch von Inneren etwas beisteuern könnte, denn für alle die es nicht wissen, auch im Inneren ist der Bau ein barocker Palast, besonders das gewaltige Treppenhaus mit seinen verschachtelten Treppenläufen, massiver Steinverkleidung und monumentalen Statuen. Viel eindrucksvoller geht es eigentlich gar nicht mehr.
      Schade, dass der Zwilling des Gebäudes, das Landgericht Mitte, das mehr im schwungvollen Jugendstil gehalten ist, nicht so gut durch Krieg und Teilung kam.
    • Historische Bilder des Amtsgerichts Berlin Lichtenberg erbaut 1904-1906 am Wagnerplatz ab 1935 umbenannt in Roedeliusplatz nach Adalbert Roedelius dem ersten Gemeindevorstand des Amtsbezirk Berlin Lichtenberg. Den heutigen Roedeliusplatz prägen die 61 m hohen Zwillingstürme der St. Antonius & St. Shenoudakirche. Architekt war Ludwig von Tiedemann, Baumeister war Robert Leibnitz. Hinter dem Amtsgerichts die JVA Berlin für Frauen. Am Wagnerplatz ( Roedeliusplatz ) endete die Flachbahnlinie 90 vom U-Bahnhof Warschauer Brücke kommend. Sie wurde 1944 kriegsbedingt eingestellt.

      1906 Gesamtansicht Wagnerplatz im Hintergrund die St.Antonius&St.Shenoudakirche


      1906 Aussenansicht Amtsgericht Lichtenberg


      1906 Treppenhaus Amtsgericht


      1906 Treppenhaus


      1906 Gerichtssaal


      2008 Ansicht St.Antonius & St. Shenoudakirche


      1932 Endhaltestelle Flachbahn Strecke 90 am U-Bahnhof Warschauer Brücke


      1908 Flachbahnwagen der Linie 90 auf der Warschauer Brücke
    • Eiserner Pirat wrote:



      1906 Treppenhaus Amtsgericht


      1906 Treppenhaus

      Danke für das Teilen der Fotos! Das Gebäude ist im Inneren im Wesentlichen erhalten. Leider ist die Ausmalung verloren. Die Treppenhalle ist jetzt komplett weiß gestrichen und wirkt kalt und abweisend. Immerhin existieren die beiden Laternen auf der Brüstung noch. Auch der Turm, der für die Austarierung der Fassade und deren Proportionen eigentlich sehr wichtig wäre, ist leider nicht mehr vorhanden.

      Externer Link: So sieht die Treppenhalle jetzt aus...
      "Die Qualität städtischen Bauens resultiert aus einer Generationen währenden, kollektiven Leistung." Hans Kollhoff