Sonstige Meldungen aus Berlin

  • Man könnte aber auch sagen, dass der zweite Schlüssel die Anerkennung der Grenzen des Wachstums ist.

    So lange z.B. der Bundestag immer mehr aufgebläht wird, zieht das einen immer größeren Rattenschwanz an Mitarbeitern und Beamten nach sich, die alle auf den Wohnungsmarkt drängen. So lange z.B. jeder Kunsthochschüler unbedingt in den Hotspot Berlin drängt, um sich dort gegenseitig auf die Füße zu treten, statt eine Existenz in Pforzheim, Kaiserslautern oder Düsseldorf aufzubauen, wird es dort enger. Die wollen ja auch alle möglichst im Szene-Kiez wohnen, nicht in Marzahn oder Heiligensee. Von all den willkommenen Menschen aus der viel bunteren Welt mal ganz abgesehen.

    Klar, bauen, bauen, immer mehr, scheint die einzige Lösung. Und einer, der zu Wachstumsgrenzen mahnt, gilt bestenfalls als Querulant. Eigentlich ist das aber ein Paradoxon in Zeiten, die Klimaschutz, Energieeinsparung, Verzicht in Fernsehsendungen und auf Transparenten durch die Straßen tragen.

  • Umgekehrt ist es aber leider auch ein Paradoxon, davon auszugehen, dass wir in einem schrumpfenden Land auch nur annähernd die notwendigen Ressourcen hätten, unsere Baudenkmale zu erhalten, flächige Rekonstruktionen zu ermöglichen oder massenhaften Verfall und Abriss von Altbauten zu verhindern. Italien zeigt, wo für uns die Reise hingeht, mit flächig "aufgegebenen" Dörfern und ersten Städten im Süden, die mehr oder minder Leerstand und Verfall anheimfallen. Das ist alles okay so und wird ja ohnehin kommen angesichts des sich auch global andeutenden Schrumpfungsprozesses, aber managbar ist es allemale besser aus einer Position der relativen demografischen Gesundheit und wirtschaftlichen Stärke heraus.


    So hat jede Seite ihre inneren Widersprüche. Ich sage: Ohne Zuzug und Bevölkerungswachstum hätte sich Deutschland den Aufbau Ost inkl. der herrlich sanierten Städte dort gar nicht leisten können. Es ist ja so schon schwer genug, Menschen für die ganzen sanierten Wohnungen zu finden, wenn es sich nicht gerade um Leipzig oder Dresden handelt. Auch Altstädte würden ohne einen gewissen Druck auf dem Wohnungsmarkt in vielen Teilen kaum erhaltbar sein. Ich glaube, das Wohnen in einem Fachwerkhaus aus dem 16 Jhdt. wird hier von vielen Sofaexperten im Komfort etwas überschätzt. Zumindest sind die Investitionssummen groß, die nötig sind, um aus solchen Häusern im heutigen Sinne lebenswerte Wohnstätten zu machen. Und das investiert in einem Schrumpfungs- und Abwanderungsumfeld niemand.


    Da muss man Liebhaber sein, oder eben Zuzug junger Menschen (Studenten, Auszubildende etc. ) haben, die als Lebensabschnitt Lust auf so was haben. Ich habe selbst mal in einem wirklich alten Fachwerkhaus in der Göttinger Altstadt gewohnt, das war als WG und mit Studentenleben ganz nett, aber Zimmergrößen und Deckenhöhen kämen für geschätzt 95% der Forumsteilnehmer niemals in Frage. Die Alternative ist eben ein rein musealer Erhalt von Traditionsinseln ohne richtige Funktion über das Ästhetische hinaus.


    Also: beides muss sich ergänzen, wir brauchen andere Anreize, um die Innenentwicklung unserer Städte zu stärken statt des äußeren Wucherns, wir werden in vielen Wachstumszentren auf Sicht weiterhin Wohnungen brauchen (selbst Tokio wächst noch, obwohl Japan mit Rekordgeschwindigkeit schrumpft) UND wir müssen uns auf Zeiten der Schrumpfung einstellen. Die Widersprüche wirken da auf mich manchmal konstruiert.


    Nur ein totalitärer Staat könnte Zuzug in seine Hauptstadt verhindern, ich wüsste auch nicht, warum man das nicht wollen sollte, klingt ein bisschen wie die hier so scharf kritisierten grünen Bezirksbausenatoren, die Wachstum auch um jeden Preis torpedieren wollen. Deutschland bekommt das mit seinem föderalen Modell insgesamt mal wieder noch viel besser hin als viele unserer Nachbarn.

  • Bei dem Vorhaben, die Wohnungsunternehmen zu enteignen, geht es vor allem um die Höhe der Mieten. Was daraus wird, ist völlig offen. Es gab auch schon einen Volksentscheid, in dem beschlossen wurde, den Flughafen Tegel weiterzubetreiben.

  • @"Heinzer", ich habe keine Zeit und Lust auf ein weitere Wachstumsdiskussion. Meine Position habe ich klar gemacht. Ein Schrumpfen kann etwas gesteuert werden, so dass eine Ansiedlung in alten Ortskernen gefördert, der Abriss von Suburbs/ Vorortsiedlungen (eigentlich doch Dein Aversions-Objekt, wenn ich mich richtig erinnere) finanziell unterstützt werden. Damit kann ein Teil der historischen Substanz gerettet werden. Der andere Teil in den von Wegzug befallenen Dörfern verfällt ja heute schon. Und mit "totalitärer Staat" hat das gar nichts zu tun. Wenn keine Wohnung gebaut wird, ist keine Wohnung da. Dann kann der Zuzug unter der Brücke schlafen oder sich eben einen anderen Ort für den Hinzug suchen.

  • Die wollen ja auch alle möglichst im Szene-Kiez wohnen, nicht in Marzahn oder Heiligensee.

    Als junger Mensch oder jemand, der wirklich etwas bewegen will, ist es nunmal teils schwer erträglich in der deutschen Provinz oder den Randgebieten der Metropolen.

    Des Pudels Kern ist doch, dass solche Szene-Kieze seit dem modernistischen Städtebau kaum noch neu dazugekommen sind. Sodass logischerweise irgendwann alle zu voll sind. Wenn kein neues Angebot an attraktiven, durchmischten und kleinteiligen urbanen Blockrandvierteln geschaffen wird, kann auch die Nachfrage nicht bedient werden.

  • Die selbe Frage treibt auch mich als Eigentümer um, UrPotsdamer.
    Wo machen sie dann Stopp? Den Sozialismus in seinem Lauf...

    Wobei ich auch jeden verstehen kann, der eine starke Abneigung gegen Vonovia, Deutsche Wohnen usw. hat.
    Die haben teils wirklich schäbige Praktiken. Machen höchstens das Nötigste an den Häusern, bauen und sanieren sehr billig, dafür jeden Cent Marge rauspressen, ständig mutig die Miete erhöhen, schlechter Service... Ziemlich üble Vereine.