Sonstige berlinische Meldungen

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    Die Abstimmung für das Gebäude des Jahres 2018 ist geöffnet! Abstimmungsende ist am 15. November 2018. Bitte gebt bis dahin Eure Stimme ab.

    • Reise nach Berlin 1882

      Habe im Netz diesen interessanten Link entdeckt:
      diegeschichteberlins.de/geschi…/reisenachberlin1882.html

      Besonders weh tun folgende Passagen:

      Nach Besichtigung der National-Galerie wird die Börse mit ihrem unbeschreiblichen Gewimmel und Gesumme besichtigt. Nachdem hierauf im Schlossrestaurant an der Schlossfreiheit bei Fritz Rösch zu Mittag gespeist worden ist, gehen wir "die Linden" entlang durch das Brandenburger Thor, auf welchem der Siegeswagen sieht, zur Siegessäule. Über 247 Stufen gelangt man dort hinauf und genießt von der Höhe ein prächtiges Panorama, doch muss sich Onkel Albert - da er nicht hinauszusehen wagt - den Fernblick auf Stadtbahn, Lehrter Bahnhof, Generalstabsgebäude etc. versagen. Von hier aus wird dann der Lehrter Bahnhof, in dessen Nähe das Kroll'sche Etablissement liegt, besichtigt, dann in dem Kurfürsten-Keller eine (genauer drei) Weiße getrunken und nach Besichtigung des Conzerthauses "Bilse"[4] in demselben Local bei 1/4 Ltr. Münchener Bier zu Abend gegessen.


      Nach einem Spaziergang durch die Wilhelmstraße, wo die Ministerien, Palais Borsig, Marterkasten, Wilhelmplatz mit den Denkmälern der Generale #Friedrichs des Großen, Hotel Kaiserhof etc. liegen, wird - da es des Hofballes wegen nicht gestattet ist, das Schloss zu besichtigen - das Hohenzollern-Museum im Schloss Monbijou besichtigt. Es sei hier neben zahlreichen Reminiscenzen aus der Hohenzollernzeit die Drehbank Peters des Großen erwähnt. Von hier aus wird dann nochmals ein Abstecher zur Börse gemacht und dann im Börsen-Restaurant zu Mittag gegessen.

      Danach übernimmt der neugebackene Bauführer Oberschulte[6] die Führung in Castan's Panoptikum in der Kaiser-Passage. Bei dessen Besichtigung stellt sich heraus, dass lebende Wesen und Wachsfiguren unwillkürlich verwechselt werden. Der Berliner Congress[7] hat hier eine vorzügliche Darstellung gefunden; ferner sind noch zu erwähnen: sterbender Turko, Cameliendame, Todtenmasken, Napoleons Krönungswagen, die Hohenzollern von Friedrich 1. bis jetzt usw. Alsdann wird nach Beschaffung von Billets zum Abeordnetenhaus und Stärkung in den Reichshallen mit einem Glas Bier die Oper "Carmen" (mit der Primadonna Tagliana als Carmen) im Königlichen Opernhaus gesehen. Zum Schluss wird in den Academischen Bierhallen ein Abendimbiss eingenommen.


      In "sehkrankem" Zustand von Onkel August werden Billets zum Wallner-Theater gekauft und danach das Königliche #Schloss besichtigt. Hier sind besonders zu bemerken: der "Saal der empfangenden Schlossgarde", die beiden "Rothen Säle", der "Ritter-Saal", der "Schwarze-Adler-Saal", die Gemälde-Galerien, der "Weiße Saal" und die Schlosskapelle. Das Schloss zeigt u.a. den Kronleuchter, unter dem Luther in Worms stand. Auf dem Schlosshofe sieht man das Standbild "Der Kampf des Ritters Georg mit dem Drachen". Nachdem alsdann in großartigem Umfang Einkäufe gemacht werden, folgt nach dem Mittagessen eine Ruhepause in der Wohnung. Zum Abschluss des Tages wird im Wallner-Theater der "jour fixe" angehört und anschließend auf der Wohnung ein Abendimbiss eingenommen.
    • Historiengemälde kehrt ins Rote Rathaus zurück

      "Der Berliner Kongreß von 1878" - ein großformatiges Gemälde von Anton von Werner (1843-1915) - kehrt nach 60 Jahren wieder an seinen angestammten Platz im Festsaal des Roten Rathauses in Mitte zurück. [...]Das Werk des in Frankfurt an der Oder geborenen Historienmalers Anton von Werner zeigt die abschließende Sitzung des Berliner Kongresses der fünf damaligen europäischen Großmächte mit der Türkei von 1878 in der Reichskanzlei. Es sind 26 Staatsmänner zu erkennen. Unter anderen Reichskanzler Otto von Bismarck beim Handschlag mit dem russischen Repräsentanten Peter Graf Schuwalow, den britische Premier Benjamin Disraeli sowie den österreichischen Außenminister Graf Gyula Andrássy.[...]"
      Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
      Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.
    • Die Seite ist mir vor langer Zeit schon aufgefallen, finde das Projekt sehr, sehr schön. Bin sowieso der Meinung, dass man die gesamte Wilhelmstraße + Wilhelmplatz rekonstruieren muss, aber es gibt immer noch Leute, die sowas für ideologisch nicht vertretbar halten. Ich sage, es ist ideologisch nicht vertretbar, wenn man die Neue Reichskanzlei oder so rekonstruiert, aber die preußischen Bauten? Warum nicht, sind sicher schöner als alles, was neu entstehen würde.
      Wie teuer sind eigentlich die Plattenbau-Wohnungen an der Wilhelmstraße?
    • Die späte Heimkehr des Feldhauptmanns ins Schloß Charlottenburg

      " Einem Krimi gleicht die Geschichte von der Rückkehr des seit 1945 verschollenen Gemäldes "Der Niederländische Feldhauptmann mit seinem Sohn" von Heinrich Loewenstein (1806-1841) nach Berlin. Das Bild - über Chemnitz, die Sowjetunion und Dresden in die Hauptstadt zurückgelangt - hängt jetzt wieder in seinem Originalrahmen in der ehemaligen Wohnung Friedrich Wilhelm III. (1797-1840) im Neuen Flügel des Schloß Charlottenburg.
      "Wir öffnen diese sechs Räume jetzt für das Publikum", präsentierte Hartmut Dorgerloh, Generaldirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg[...]"
      Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
      Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.
    • Streit um Stadthaus-Statuen: Richter setzt Termin

      es wird jetzt tatsächlich ein adenauer-denkmal in berlin geben. das wird auch zeit. erfreulicherweise ist es realistisch und scheint gut auszusehen. leider aber etwas klein. bezeichnenderweise eine "private" stiftung.

      Erinnerung an Adenauer
      Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
      Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
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    • Zwei Artikel zum zehnjährigen Jubiläum des Berliner Landesdenkmalamtes:


      welt.de/data/2005/04/26/710145.html



      berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/442472.html

      Konservator kontra Abreiß-Lust


      Überall in Deutschland wird die staatliche Denkmalpflege von Politikern, die einen Sündenbock für eigene Unfähigkeit suchen, als Investitionshemmer bezeichnet. Auch hört man immer öfter, der Schutz alter Häuser sei zwar ein nettes Sahnehäubchen, aber in Zeiten öffentlicher Geldknappheit will man sich das nicht mehr leisten. Entsprechend hart wird auch das Berliner Landesdenkmalamt von der Sparpolitik gezaust: Als es am 24. April 1995 gegründet wurde - heute Nachmittag feiern der Berliner Landeskonservators Jörg Haspel und seine Kollegen mit einem öffentlichen Kolloquium den zehnten Geburtstag - arbeiteten etwa 70 Menschen für das Landesamt. Jetzt sind noch 40,5 Stellen geblieben, 2006 sollen es 36 sein. Je nach Zählart müssen sie bis zu 20 000 Denkmalnummern betreuen.

      Abgesehen davon ist der Job des Landeskonservators auch aus anderen Gründen von ungewöhnlicher Härte. Denn in Berlin will man seit jeher die Vergangenheit so schnell wie möglich abstreifen und neu anfangen. Selbst der Plan, die Schlossfassaden wieder herzustellen, passt in dies kulturhistorische Muster: Schließlich muss dafür der Palast der Republik abgerissen werden, zweifellos denkmalwürdig als der Ort, an dem die deutsche Einheit beschlossen wurde. Alte Häuser und Gärten, vorgeschichtliche Fundstellen, aufgelassene Friedhöfe, gar Nazi-Bunker oder Nachkriegsarchitekturen stehen in Berlin schnell zur Disposition, wenn ein Investor oder eine neue Idee winkt.

      Statt aber fruchtlos zu klagen, versucht Haspel seit dem Amtsantritt [...], seine Schutz-Ziele mit den Planungsvorstellungen der vorgesetzten Bau- und Umweltsenatoren zu verbinden. So betonte er zu Zeiten des grünlich angehauchten SPD-Bausenators Peter Strieder, dass alte Häuser nicht nur kulturellen Wert haben, sondern auch ökologischen: Jeder verbaute Stein ist gebundene Energie, ein Abriss immer auch Material- und Energieverschwendung. Und neuerdings weist er Strieders sozial engagierte Nachfolgerin Junge-Reyer darauf hin, dass eine Stadt mit sichtbarer Geschichte junge Leute, also künftige Steuerzahler auf Dauer an einen Ort binden kann.

      Weil Haspel mit architektenschwarzem Anzug, schwerer Aktentasche und leisem Redeton fast professoral auftritt, wird er oft unterschätzt. Politiker etwa übersehen meist die Gründung des Vereins "Denk mal an Berlin", den weit überregionalen Erfolg des mit der Bewag ausgelobten Studentenwettbewerbs für den Umgang mit alten Industriebauten, das gesellschaftliche Massenereignis, das der Tag des offenen Denkmals geworden ist. Und von seinen Fachkollegen wird Haspel oft vorgeworfen, er sei zu nachgiebig, etwa wenn er den Umbau des Olympiastadions verteidigt als Möglichkeit, den Bau für die Zukunft zu retten. Tatsächlich hat er Niederlagen wie den Abriss des Ahornblatts einstecken müssen, die andere zum Rückzug in die ruhige Universität gedrängt hätten. Andererseits klagen Berliner Politiker gerne, die Denkmalpflege sei nicht flexibel genug. Die Scheide ist schmal, auf der der Landeskonservator balanciert.
    • WamS: Plädoyer für eine urbane Offensive

      Welthauptstadt der Architektur

      Meistersammlung der Moderne: Berlins Stadtlandschaft ist einzigartig. Niemand nutzt allerdings das Potential. Plädoyer für eine urbane Offensive in zehn Punkten

      von Ulf Poschardt


      Berlin funktioniert weniger als eine Stadt, denn als eine Art Themenpark Deutschland. Die wichtigsten Zuwachsraten gibt es im Tourismus: Berlin ist eine durch die Geschichte gestaltete, begehbare Kulisse der Soap-Opera "Deutschland im 20. Jahrhundert".

      Zuletzt eindrucksvoll bestätigt wurde dies am 8. Mai. Als das internationale Kunstpublikum, von den besten Galerien angelockt, sich nicht entscheiden konnten, was spannender, absurder und zeitgenössischer war: das Programm der Avantgarde-Galerien oder die politischen Verwerfungen zwischen Autonomen und Nazis, Liberalen und Gewerkschaften, dazwischen Polizei und BGS, Hubschrauber in der Luft, Fernsehkameras überall.

      Mit dem Tourismus ist viel Geld zu verdienen. Amerikaner, Spanier und Österreicher bringen jenes Geld mit, das unser politisches System den Menschen genommen und verteilt hat. Deswegen macht es Sinn, die Kulisse unserer Geschichte und Identität wieder aufzubauen und zu restaurieren, wo immer dies geht. Außerdem entwickelt sich in der Auseinandersetzung mit der steinernen Geschichte auch deutsche Identität.

      Es ist die Architektur Berlins - die Meisterwerke wie die Ruinen, die Brachen und Todesstreifen, die utopischen Entwürfe wie die reaktionären Mahnmale - die Berlin besonders macht. Keine Stadt der Welt verkörpert so sehr die Geschichte des 20. Jahrhunderts wie Berlin: seine schönste Augenblicke wie seine barbarischsten Momente. In wenigen Jahrzehnten haben Kaiserreich, bürgerliche Demokratie, Faschismus wie Kommunismus Spuren hinterlassen.

      "Berlin ist viele Städte", erklärte einst der Architekt und Senatsbaudirektor Werner Düttmann.

      Doch die Stadt Berlin hat noch immer nicht verstanden, welchen Schatz sie in dieser Diversität hat. Im Gegenteil: Berlin, Ost wie West, war bis in die 80er Jahre berühmt dafür, wie mit dem Erbe umgegangen wurde: rücksichtslos, ignorant, provinziell. Berlin als Welthauptstadt der Architektur ist ein Projekt, das den Trend zur Zerstörung stoppt und umkehrt. Als junge Stadt wirkt dieses Projekt weniger historisierend als visionär. Berlin als "versunkenes Atlantis der Moderne", wie der amerikanische Urbanist Mike Davis es nannte, sollte wieder auftauchen.

      Ein 10-Punkte-Programm könnte dies herbeiführen:


      I. In das kommunizierte Image Berlins muß neben Kultur, Wissenschaft und Politik die Idee der "Welthauptstadt der Architektur" eingeschrieben werden. Was auch immer die Stadt unternimmt und plant, die Architektur und ihre Anliegen bekommen eine besondere Aufmerksamkeit. Die Stadt muß sich in der Gänze und Komplexität zur Architektur bekennen. Wo immer es möglich ist, werden bei Großprojekten, Architekten um Rat und Tat gebeten. Wo immer sich die Stadt in der Welt präsentiert, muß die Architektur in den Vordergrund rücken. Die Architektur soll im Selbstmarketing der Stadt unübersehbar werden.

      II. Die Förderung anspruchsvoller Architektur darf nicht auf die repräsentative historische Mitte der Stadt beschränkt bleiben, sondern muß bei jedem Kindergarten in der Vorstadt mitbedacht werden. Alle regionalen und lokalen Entscheidungsebenen, die mit Bau und Städteplanung zu tun haben, müssen für Fragen "guter Architektur" sensibilisiert werden.

      Das Projekt muß unter der direkten Schirmherrschaft des Regierenden Bürgermeisters stehen. Eine ressortübergreifende Arbeitsgruppe muß alle Anliegen bündeln und entscheiden. Die Task Force soll, unter starker Beteilung der vielen hervorragenden Berliner Architekten, stets die anspruchsvollste Lösung anstreben.

      III. Berlin muß als Laboratorium wie Konservatorium der Moderne wiederauferstehen. Schinkel war modern vor seiner Zeit. Mit Muthesius und Mies van der Rohe beginnt die Moderne in der Architektur - vor allem in Berlin. Der Reichtum an Bauten der klassischen Avantgarde muß gepflegt und - wo verschüttet - wieder hergerichtet werden. Hinzu kommt eine beispiellose Versammlung prägnanter Bauten der Nachkriegsmoderne, exemplarisch im Hansa-Viertel im Westen und am Alexanderplatz im Osten. Berlin war im 20. Jahrhundert traditionell avantgardistisch. Dies sollte es im 21. Jahrhundert bleiben, ohne die Barbarei des 20. Jahrhunderts, die alles entfernte, was störte: Es scheint dies die einzig Konstante aller Regime gewesen zu sein. Gleichzeitig war diese Haltung auch Ausweis absoluter Modernität. Die Stadt war und ist Parvenü unter den Hauptstädten Europas.

      Dies war sie schon im 18. Jahrhundert, seit der Deutschen Einheit 1990 ist sie es mehr denn je. Die Stadt besitzt keine romanischen Kirchen, keine gotischen Kathedralen - bis in das 17. Jahrhundert hinein war Berlin nur ein Kaff. Da die Tradition fehlte, baute man in die Zukunft, eine Tradition, auf die aufzubauen sich lohnt.

      IV. Berlin muß beim Kulturtourismus die Architektur als ein Angebot herausstreichen. Dazu müssen die bauhistorisch bedeutenden Denkmäler und Meisterwerke besser erkennbar werden. Architekturpfade sollten eingerichtet werden. Die Erfolge des Tages des Offenen Denkmals zeigen, wie interessiert nicht nur Touristen, sondern auch Einheimische sind.

      V. Der Denkmalschutz muß dort schärfer greifen, wo besondere Qualitäten in der Nachkriegszeit zerstört wurden. Beispiele: Muthesius an der Rehwiese, Mies am Schlachtensee, Egon Eiermann am Nikolassee etc. Auch radikale Maßnahmen wie den Abriß von Anbauten (vgl. Mies) oder in den Garten gesetzten Wohnriegeln (Muthesius) müssen angedacht werden. Berlin muß seine Schmuckstücke wie Juwelen behandeln und nicht wie Schrott.

      VI. Die Rekonstruktion der historischen Mitte muß forciert werden: sowohl mit dem Wiederaufbau des Stadtschlosses wie mit dem der Schinkelschen Bauakademie. Gleichzeitig müssen in einem jährlichen Architekturwettbewerb auch soziale Wohnungsbauten, Umbauten von Reihen- und Einfamilienhäusern, innovative Bürogebäude ausgewählt werden. Berlin baut eine Ehrenhalle der Architektur - vielleicht sogar als Teil der Schinkelschen Bauakademie.

      VII. Die Baukultur muß popularisiert werden. Professoren und Studenten, Architekten und ihre Arbeitskreise müssen in die Stadtviertel gehen und für anspruchsvolle Architektur werben. Insbesondere dort, wo Bürger (potentielle) Bauträger sind. Sowohl bei der Berlin-Biennale als auch beim Design-Mai müssen Projekte gestartet werden - von Reinickendorf bis Zehlendorf, von Spandau bis zum Müggelsee. Schon in Schulen und Kindergärten muß Baukultur und Architekturverständnis gelehrt werden. Die Berliner müssen lernen, stolz auf ihre Architektur zu sein. Dazu muß auch kulturfernen Schichten die Bedeutung des Städtebaus für die Lebensqualität beigebracht werden.

      VIII. Alle Interessierten sollten sich in einem Netzwerk für Baukultur zusammenschließen, der als bürgerschaftliches Engagement die Aktivitäten der Task Force der Stadt unterstützt. Ein breites Netz von Sponsoren, Mäzenen, aber auch ökonomisch Interessierten wie LBS [...], Immobilienfonds und BDA sollte geknüpft werden. Die Stiftung Baukultur könnte Partner werden.

      IX. Schlechte Architektur muss gebrandmarkt werden. Die schlechtesten Bauten des Jahres werden ebenfalls gekürt. Verschandler wertvoller Bausubstanz werden öffentlich angeprangert. Auf einer Homepage für die schlechtesten Häuser Berlins, dort allerdings sogleich mit Skizzen und Ideen versehen, wie sie umgebaut oder gerettet werden kann.

      X. Berlin soll als jene Stadt in der Welt gelten, in der Architektur am breitesten als Volkskultur verankert ist und die am stärksten um eine hochqualitative Erscheinung ringt. Analog zu dem in Bayern erfolgreichen "Unser Dorf soll schöner werden" kann über "Unser Berlin soll schöner werden" Zusammenhalt und gemeinsame Identität wachsen. Die Zerrissenheit der Stadt wird durch das Netz großartiger Architektur geeint.
      Quelle: wams.de/data/2005/05/15/718594.html?s=3

      Was haltet ihr davon? Ein Teil klingt zwar gut (Punkt VI), aber insgesamt würde hier wohl mehr modernistische Architektur gefördert werden.
    • Die Gefahr sehe ich bei dem Artikel eigentlich nicht, weiß aber auch, dass moderne Architektur an sich wohl nicht mehr zu vermeiden ist - Punktuell kann sie ja auch sogar wirken, die Zeit der 70er-Klötze ist zum Glück überall vorbei - Da finde ich z.B. alles am Pariser Platz ansprechender als Häuser der damaligen Zeit.

      Weiß jemand was über den Autoren der Welt am Sonntag? Solch ein Programm wäre wirklich eine Perspektive für die Stadt, obwohl die Umsetzung wohl mit finanziellen Bedenken abgelehnt werden würde.
      Gut gefällt mir auch, dass Ulf Poschardt selbst in die Vorstädte geht und die dort oft sehr, sehr einfache (kurz: billige) Architektur kritisiert und verändern möchte.

      Man muss wirklich an die "kulturfernen Schichten" (schöner Begriff :zwinkern: ) rangehen, es enttäuscht mich immer wieder in Gesprächen mit Mitmenschen, wie wenig sie Architektur wertschätzen und selbst bei den eigenen Häusern nicht begreifen, wie verwerflich teilweise gearbeitet wurde. Einig sind sich trotzdem alle, wenn sie alte Stadtkerne einer Plattenburg wie Marzahn vorziehen - Dort muss man ansetzen.

      Grüße
    • Promenieren mit Museumsblick

      Der Monbijoupark in Mitte wird ansehnlicher: An der Spree sollen bis Ende 2006 neue Wege und Uferterrassen entstehen

      Ein Nackter steht am Ufer und beschimpft die Leute auf den vorbeituckernden Fahrgastschiffen. Fast nebenan wird für die geplante Fernsehserie „Fünf Sterne“ gedreht, ein Teil der Grünfläche ist abgesperrt. In der Strandbar Mitte werden die ersten Cocktails ausgeschenkt. Auch Dienstagvormittag hat der Monbijoupark gegenüber der Museumsinsel seinen Unterhaltungswert. Aber als Vis-à-vis des Weltkulturerbes könnte er noch mehr fürs Auge bieten. Das verspricht jetzt die landeseigene Grün-Berlin-Gesellschaft. Sie möchte den Park verschönern, nun vor allem im ersten Bauabschnitt eine ansehnliche Uferpromenade anlegen – alles in allem für knapp drei Millionen Euro. Ende 2006 soll alles fertig sein, und deshalb ist seit auch ein erster kleiner Bauzaun am Ufer zu sehen. Spaziergänger können zwar schon am Ufer wandeln, aber auf einem mehr oder weniger verwilderten Weg und unter der beschmierten S-Bahnunterführung entlang. Die neue Promenade wird nach Auskunft des zuständigen Grün-Planers Hans Göhler „großstädtisch“ wirken, eingefasst mit Natursteinen. Ferner wird es Terrassen an der Spree geben, aber auch grüne Böschungen.

      Die Unterführung rückt in helleres Licht. Der Monbijoupark selbst, wichtiges Erholungsgebiet und Bindeglied zwischen Hackeschem Markt und Museumsinsel, wird zum „qualifizierten Park“. Mit besseren, hier und da begradigten Wegen. Sie erhalten einen neuen Belag, es gibt eine neue Beleuchtung, eine Bewässerung mit Spreewasser und einen neuen Eingang an der Monbijou- Ecke Oranienburger Straße. „Wir gestalten nicht um“, versichert Göhler. Es seien zwar im Vorfeld einige Bäume gefällt worden, es kämen aber 20 neue hinzu. Das Kinderbad im Park bleibt unbehelligt. „Und der Strandbar verbauen wir nicht ihren Ort.“

      Die Planung stammt vom Landschaftsarchitekturbüro „Lützow 7“.Die Mittel zur – wie es offiziell heißt – „Geländeerschließung Hackescher Markt – Museumsinsel“ werden zu 90 Prozent aus Bundes- und EU-Mitteln bereitgestellt. Ideen für einen schöneren Park am Ufer gab es schon vor mehr als zehn Jahren. Die Planung scheiterte an Protesten, weil die Erhaltung des Kinderbades nicht gesichert schien. Das Gelände war früher bebaut: mit dem Schloss Monbijou, aber auch mit dem Haus des Zirkus Krone. Auch damals hatte das Ufer Unterhaltungswert.C. v. L.

      Tagesspiegel vom 13. Juli 2005
    • Einkaufsstraßen im Wettbewerb: Friedrichstraße wird zu römischem Boulevard

      "Die Friedrichstraße soll als luxuriöse Flanier- und Einkaufsmeile für elf Tage zu einem römischen Boulevard umgestaltet - Vorbild ist Roms Via Condotti"

      ich lach mich tot, die via condotti in berlin. so schön das klingt, ich kann mir nicht vorstellen, dass dabei irgendwas rauskommt.
      will man etwa poster vor die kisten hängen, damit man das berliner elend nicht sieht?
      leute, leute, hättet ihr in der friedrichstraße anständig gebaut, dann müsstet ihr sie jetzt nicht maskieren...
      Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
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      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.
    • "Der Brückenneubau passt sich in seinem äußeren Erscheinungsbild und Abmessungen weitgehend dem alten historischen Bauwerk an, lediglich der beim alten Bauwerk vorhandene Mittelpfeiler muss auf Forderung des Wasser- und Schifffahrtsamtes entfallen."

      Wenn der fehlende Pfeiler die einzige Einschränkung ist, könnte ich damit leben. Aber mal abwarten...
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    • @Anti

      Ja, ich hoffe auch, dass es keine "Neuinterpretationen" der schönen Laternen geben wird oder sowas in der Art.

      Ob auch die Wasserbecken, die auf Grund der Wasserspeierschlangen und den Löchern im Stein einst an den Laternensockeln zu vermuten waren, montiert werden? Oder vielleicht langfristig sogar Friedrich III.?! Wenn man auch auf Initiative einer Stiftung die beiden Generäle vom Wilhelmplatz wiederaufgestellt hat, dann müsste das doch eigentlich auch möglich sein, oder?
    • ich denke schon, dass es möglich ist, ich weiß aber nicht so recht, wo man im moment die engagierten leute und das geld für den friedrich herbekommen soll. ist aber auch kein problem, die museumsinsel soll ja erst 2019 fertig sein...
      dass die wasserbehälter gleich zu beginn kommen, glaube ich leider nicht.
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