Umfeld Berliner Schloss - Allgemeines

  • Das ist eben die zeitgeistige Degradierung sämtlicher öffentlicher Flächen zu beliebigen "Event-Spaces", in Schönbrunn stürmen die Leute schon seit 08. November den "Weihnachtsmarkt" (in Österreich bereits "links-woke"* für Christkindlmarkt), in meiner Kindheit Anfang der 2000er war es wohl immer so rund um den 19/20. November. Es wird alles etwas überstrapazierter und aufdringlicher.

    * Ich halte in Anbetracht der Dresden "VERKEHRS MUSEUM" Debatte den klassischen Begriff für dieses Phänomen, nämlich "Zeitgeist" / "Vereinnahmung durch Zeitgeist" für passender. Konkret definiert in meinen Augen, die oft überflüssige Übertragung aktueller Geschmäcker auf etwas, dessen ursprünglich intendierte Wahrnehmung dadurch entwertet oder banalisiert wird.

  • Ja, aber wie willst das überhaupt vermeiden? "Christkindl/Weihnachts/X-mas/Wintermärkte abschaffen? Wär wohl auch nicht das Wahre.

    Der Trend zur Verflachung ist auch in anderen Bereichen nicht aufzuhalten.

  • Also soweit ich weiss hiess nur den "Haupt-Weihnachtsmarkt" der Stadt Wien, das erst seit 1975 am Rathaus sein endgültiges Zuhause gefunden hat, offiziell Christkindlmarkt, um den von anderen solche Märkte abzugrenzen in Wien. Sowie den "Altwiener Christkindlmarkt" am alten Standort Freyung.

    Und dies erst seit Ende des 19. Jahrhunderts.... Davor hiess es "Nikolo-, Weihnachts- und Krippenmarkt".

    Andere Märkte der Stadt wurden alternativ "Adventmärkte" oder "Weihnachtsmärkte" genannt, auch den Markt am Schloss Schönbrunn.

    Als ich 2005-2006 in Wien residierte, hiess der schönbrünner Adventmarkt bereits "Weihnachtsmarkt", und den begriff "Adventmarkt" war bereits 2006 von der Webseite der Stadt Wien verschwunden. Und dies in einer Zeit wo "Woke" nur ein Begriff für sättiges asiatisches Essen war.:tongue:

  • Ich finde an "Weihnachtsmarkt" auch nichts Anstößiges. Vielleicht fürchten manche in unseren Breiten den Vorstoß des Weihnachtsmannes zulasten des Christkindes?

    Das richtige Wort wäre natürlich Adventmarkt, aber die Adventzeit hat es sowieso schwer, als solche wahrgenommen zu werden.

    Wobei ich ein Fan der Adventzeit bin. Ich mag auch die spezifischen Adventlieder, die erfreulicherweise anders als die (natürlich gleichfalls schönen) Weihnachtslieder keiner Kommerzialisierung unterliegen.

  • Und nebenbei, kleine wiener Besonderheit die ich sehr mochte: vom 27 bis zum 31. wird den Christkindlmarkt zum "Neujahrsmarkt", es wird verkleinert, und nur noch Sachen zum Thema "guten Rutsch" im neuen Jahr verkauft, sowie alles rund um Thema "Schwein". Das "It-Produkt" in meiner Zeit waren Schweine-Hüter die damals fast jeder Sylvester trug.:thumbup:

  • (...) Wir haben unser Fassadenteil gefunden! biggrin:)

    Da hätte ich mal eine private Frage an die APH-Mitglieder aus Berlin. Und zwar war meine Schwester vor 2 Jahren im Humboldt-Forum. Meine Spendensteine hat sie im System gefunden. Allerdings hatte ich einer Freundin einen Teilstein zum Geburtstag geschenkt. Ihr Name war damals nicht im System zu finden. Ein Mitarbeiter im Humboldt-Forum hatte meiner Schwester erzählt, daß man es noch nicht geschafft hätte, alle Spender einzutragen.

    Mich würde interessieren, ob der Name meiner Freundin inzwischen zu finden ist. Kommt vielleicht einer von euch demnächst ins Stadtschloss und könnte das für mich testen? Ich habe leider in der nächsten Zeit keinen Besuch in Berlin geplant.

    Danke im Voraus!

  • Ein Weihnachtsmarkt vor historischer Kulisse! Was an den meister Orten ein wirklicher Genuss ist, wird hier wieder schlechtgeredet. So mancher scheint sich nicht wohl zu fühlen, wenn er nicht wieder eine Verschwörung gegen Schlüter wittern kann. Wie kann man die barocken Fasaden der Schlosses mt einem profanen Weihnachtsmarkt entwerten?

    Schau dir mal die Reaktionen auf den Post von Treverer an. Mehr Zustimmung geht kaum.

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    Gutmensch = Gut gemeint, nicht zuende gedacht, schlecht gemacht

  • Das wusste ich gar nicht. Das ist aber enttäuschend. Das war eines der schicksten, neuen Restaurants in Berlin und wirkte richtig edel.

    Ja, hier sind Anspruch und Wirklichkeit 2 Welten. Mir gefällt es nicht, dass die bekanntere Bar/Restauration mit gutem Angebot für faire Preise im Sommer bereits um 19 Uhr schließt! Das geht gar nicht. Diese Einrichtung sollte erst um 15 Uhr öffnen und bis 22 Uhr Angebot haben. Das Restaurant Wilhelm hingegen hat erstens den falschen Namen - Berolina wäre besser. Dann sollte es ab 12 Uhr öffnen und bis 19 Uhr durchgehend warme Küche bieten. Man kennt es auch nicht - wo ist das Marketing dafür? Erst für teuer Geld planen und bauen und dann wieder die Luft rauslassen? Vollversager diese Humboldt-Typen.

  • Die städtebauliche Reparatur des Berliner Stadtbildes als Gesamt-Ensemble im Bereich des Schloßplatzes macht Fortschritte, obwohl der Prozess bis heute aufgrund von ideologisch bedingten Streitereien und politischen, historischen, ästhetischen und künstlerischen Unterstellungen oft mühsam war. Das erreichte (Zwischen-) Ergebnis leidet so bis heute unter erheblichen, vermeidbaren Mängeln.

    Fakt ist, dass von der Senatsbaudirektion und dem Landesdenkmalamt die Wiederherstellung von Zuständen der Vorkriegszeit rund um den rekonstruierten Schlossbau verhindert und die Sichtbarmachung nur von Zeitschichten der Nachkriegszeit oder moderne Lösungen vorrangig durchgesetzt werden. Dabei gibt es in Berlin unzählige bauliche Zeitzeugen der Nachkriegszeit und nur wenige (reparierte) Zeitzeugen der Vorkriegszeit. Der nach brutaler Sprengung des ehemaligen Barockschlosses als Hybrid wiedererstandene Schlossbau ist ein fast durchweg begrüßter positiver Fall. Der (südliche) Schloßplatz wurde zunächst karg minimalistisch modern erstellt (bloß keine Rückbesinnung!) Jetzt besinnt man sich: Bepflanzung wäre besser aus Klimagründen (bloß nicht wegen der Ästhetik), moderner Brunnen und Wasser wäre besser (bloß nicht wegen der Ästhetik, das würde den Neptunbrunnen erzwingen). Am Lustgarten wurde als einziges Artefakt ein kopiertes indisches Sanchi-Tor gestellt. (bloß nicht die originalen Rossebändiger, bloß keine Rückbesinnung, keine Harmonie mit Portal IV).

    Die Entscheider haben nicht beachtet, dass damals beide Versetzungen von Neptunbrunnen und Rossebändi-gern an ihre zweitrangigen Standorte keine am Ort künstlerisch und städtebaulich gelungenen Gestaltungen der DDR-Nachkriegszeit waren, sondern notgedrungene Diaspora-Lösungen aufgrund der zuvor zerstörten perfekten Umrahmungen. Vermeidbare Mängel kommen heraus, wenn die Sichtbarmachung von Zeitschichten nicht über eine lange Zeit in Verbindung mit städtebaulicher Ästhetik bewertet wird, sondern kurzfristig, kurzsichtig und mit ideologischen Scheuklappen.

    Ergänzung: ... und auf die große Anlagenfläche zwischen Fernsehturm, großen modernen mit Neonreklame geschmückten Bauten und moderner HF-Ostfassade könnte ein großartiger, "zeitgemäß" moderner Brunnen, vielleicht mit weit sichtbarem Fontainenspiel geschaffen werden, aber da muss ein für den Ort zu kleiner, stilfremder Barockbrunnen als sichtbare "Zeitschicht" für spielende Kinder festgehalten werden.

  • Am Sonntag war ich in der Schlossinformation ( Touristinformation). Dort hat mir ein Mitarbeiter mitgeteilt, daß die Arbeiten an der Verschaukelungswippe vor 14 Tagen wieder fortgesetzt wurden, die endgültige Fertigstellung ist für Frühjahr 2026 geplant. Offenbar sind jetzt 4,5 Mio € an die Firma geflossen, zur Fertigstellung. :daumenunten:

  • Deutschlandfunk hat sich ebenfalls mit dem Denkmal- für Einheit und Freiheit in einem kurzen Artikel befasst und die Aussagen die „Eisener Pirat“ gegenüber geäußert worden sind scheinen zu stimmen.

    "Spiegel"-Bericht - Einheitsdenkmal verzögert sich offenbar weiter - und wird teurer
    Das geplante Einheitsdenkmal in der Nähe des Berliner Stadtschlosses wird nach einem Medienbericht teurer und verzögert sich weiter.
    www.deutschlandfunk.de

    (Quelle: Spiegel/Deutschlandfunk, 28.11.2024)

  • Der am Gendarmenmarkt (wenn er auch wieder dort eröffnet), der am Breitscheidplatz, der in der Altstadt Spandau. Um nur einige zu nennen :biggrin:.

  • Ich habe hier ein Video zum Weihnachtsmarkt am Berliner Schloss/Humboldt gefunden! Ich finde, dass er sich dort gut macht! :smile:
    https://www.youtube.com/watch?v=sqbxLrScAsU

    Er macht sich hervorragend dort. :)
    Es ist gut, dass Berlin nun einen dritten (neben Gendarmenmarkt/Bebelsplatz und Charlottenburger Schloss) Weihnachtsmarkt vor beeindruckend schöner historischer Kulisse bekommen hat. Viele der anderen Weihnachtsmärkte der Stadt sind vor grausigen Kulissen (Alexanderplatz, Breitscheidplatz, Potsdamer Platz...) und wirken mehr wie Kirmes.
    Innerhalb des letzten Jahrzehnts haben Weihnachtsmärkte es in nahezu alle größeren europäischen Städte geschafft. Deutschland und Österreich (und ein paar weitere Länder/Regionen, die diese Tradition hatten) haben diese nicht mehr als Alleinstellungsmerkmal. Es wird in den Social Media (wie auf Youtube) auch enorm viel Werbung für alle diese Weihnachtsmärkte gemacht, und die aller schönsten, was bedeutet auch die vor den schönsten Kulissen, bekommen die meiste Aufmerksamkeit, was sich wiederum auf den Tourismus ausschlägt. Deutschlands Städte dürfen da nicht das Rennen gegen schöne Newcomer verlieren.

    Und bevor jetzt wieder einer kommt mit: Mehr Tourismus brauchen wir nicht!
    Doch brauchen wir, so fern er nicht ausufert. Aber das Problem zeigt sich bei Deutschland noch lange nicht. Deutsche Städte können sich sehr glücklich schätzen, wenn sie mehr zahlungskräftige, internationale Touristen anziehen.