Umfeld Berliner Schloss - Allgemeines

  • Jedenfalls erstaunlich, wie sich die Gegend immer weiter in eine gute Richtung entwickelt.

    Wenn ich da noch an den riesigen Parkplatz mit Stasi-Überwachung denke ...

    und heute: Sanierte Staatsbibliothek, sanierte Staatsoper, Schlossneubau, saniertes Zeughaus, U-Bahn

    Schupmänner, bald Blumenrabatten und neue Lindenbäume ...

    Und der hässliche Block des DDR Außenministeriums ist verschwunden, der Bau dominierte allein schon durch seine Höhe die Gegend. Dafür kam das Kommandantenhaus wieder.

  • Die ganzen Aufreger sind aber noch Pillepalle. Seid nur froh, dass sie bislang noch nicht auf Idee kamen, irgendeinen Künstler-Heini durch Steuergeldausschüttung zu beauftragen, auf das Dach des Aufzugsschachts (oder gleich in den Schlüterhof) zweidimensionale Pappkulissen von Sanssouci zu setzen oder an die Fassade einen Schriftzug a la "Ceci n'est pas un chateau" zu schrauben.

    Schreib es lieber nicht so laut, solche Ideen werden noch früh genug kommen.

    Und sie werden den Schlossplatz oder Schlüterhof mit Kunstdingsbums bereichern wollen, dass man sich wünschte, wären es doch bloß Pappkulissen von Sanssouci.


    I.Ü. haben es die Potsdamer geschafft, alle Seiten zu rekonstruieren und mussten nicht die Moderne oder den neuen Inhalt so brutal nach außen zeigen. Im Vergleich zu der Ostfassade in Berlin ist der Schriftzug "Ceci n'est pas un chateau" wirklich Pillepalle, geradezu lieblich.

  • Es wurde hundertmal gesagt, und es muss wieder gesagt werden:


    Das neue, steinerne, schmucklose Umfeld des neuen Berliner Schlossbaus haben wir bekanntlich der Senatsbaudirektorin Regula Lüscher zu verdanken. Frau Lüscher (Studium an der ETH Zürich) steht für Stadtgestaltung, orientiert am Bauhaus und dem Neuen Bauen in der Mitte des 20. Jhds. Sie lehnt historische Bezüge zu Bautraditionen und Kontextualisierung zum Stadtbild vor dem 2. WK sowie Rekonstruktionen grundsätzlich ab. Sie setzte für das Humboldt Forum eine minimalistisch reduzierte Gestaltung des Umfeldes durch, die auf historische Elemente (Neptunbrunnen, Skulpturen, Terrassen, Rossebändiger) völlig verzichtet. Das Schloss solle als „Projekt des 21. Jhds erkennbar gemacht werden und ausreichend Parkflächen für Reisebusse aufweisen“ (Quelle Wikepedia).


    Meine Erklärung dazu: In der Schweiz gibt es keine traumatisierten und bis zum Identitätsverlust zerstörten Städte wie in Deutschland (wo nach dem Krieg zudem alte, zerstörte und beschädigte Leitbauten der Vorkriegszeit auch noch nach „Vorbildern“ der US-Autostadt bzw. der neuen sozialistischen Stadt gnadenlos entsorgt oder "zeitgemäß" optisch modernisiert, d.h. vereinfacht, „entschmückt“ und begradigt wurden). Jetzt wo versucht wird, verlorene und geschädigte Stadtbilder, Ensembles und bedeutsame Plätze wenigstens durch Rekonstruktionen bedeutungsvoller Leitbauten wieder zu gewinnen, lehnt sie das kategorisch ab. Sogar die mögliche Rückführung erhaltener, hochwertiger Kunstwerke an ihre ursprünglichen, wesentlich ausdrucksstärkeren Standorte innerhalb stimmiger Ensembles verhindert sie ausdrücklich, so als wären das alles kitschige Elemente von „Freilichtmuseen“. Indem sie „an prominenten Orten" neue, „zeitgemäße Zeitschichten“ hinzufügen und sichtbar machen will, zerstört sie bewusst tiefer liegende, ältere Zeitschichten aus dem historischen und kunstgeschichtlichen Gedächtnis der Stadt. Dabei wird sie unterstützt durch Kultursenator Klaus Lederer und die Berliner Linke. Auch das Landesdenkmalamt zeigt sich blind gegenüber der Entstehungs- und Bedeutungsgeschichte der Kunstwerke, die ihre volle Wirkung nur am Kulminationspunkt im Zentrum der Stadt wieder voll erreichen könnten. In diesen Haltungen sehe ich einen großen Verlust an wertvollen, zeitlos-ästhetischen Eindrücken im Stadtraum. Deutlich wird eine betrübliche Geschichtsvergessenheit und Arroganz verantwortlicher Amtsträger gegenüber der Kunst- und Kulturgeschichte sowie der Städtebau- und Architekturgeschichte Berlins.

  • Bauaesthet Ich habe das alles so noch nicht mitbekommen, daher ist es gut, dass man Sachen immer mal wieder aufgreift. Dafür kann ich umso unvorbelasteter sagen, dass das Ergebnis nicht toll ist. Dass es nicht gestaltet wirkt, von menschenfreundlich ganz zu schweigen. Kein Wunder, dass man auch im Schloss Thread gerade wieder eine Fassadenbegrünung angesprochen hat. Auf dieser Ostseite mit der verloreren einen Weide ist die Sterilität geradezu beispielhaft exerziert.

  • Chamfort

    Die verlorene Weide sehe ich genauso wie Sie als beispielhaft exerzierte Sterilität.


    Frau Lüscher sieht das als Teil der Ostseite allerdings ganz anders. Zitat:

    "Als romantisches Element erinnert eine Bank mit Trauerweide an das ehemalige Spreegärtchen." Quelle: Beitrag im Berliner Extrablatt Nr. 94

    Ich kann ihr Verständnis von Romantik und von einem romantischen Ort nicht teilen.

  • Wenn man beide Situationen direkt miteinander vergleicht, also das historische Spreegärtchen und die heutige Trauerweide mit Bänkchen, klingt dieses Zitat von Frau Lüscher sogar fast schon zynisch...

  • An der bewusst lieblosen Schlossumfeldgestaltung einschl.neue Schinkelplatzbebauung sieht man,das die Verantwortlichen im Senat für Bauen keine Schlossbefürworter sind.Wenn das fertige Schloss von der nun verbitterten Gegnerschaft Zähneknirschend so hingenommen wird ,dann aber muss doch noch wenigstens dessen Umfeld demonstrativ unpassend Modern gestaltet werden.

  • Auch die Bebauung im Umfeld um die Friedrichswerdersche Kirche ist katastrophal. Über die Fortschritte beim Wiederaufbau der Bauakademie möchte ich ganz schweigen.

  • Also katastrophal finde ich die Bebauung nicht unbedingt. Es sind auch schöne Gassen mit interessanten Durchblicken entstanden.

    Allerdings im Hinblick auf die Fassadengestaltungen und den Zustand der Bauakademie bin ich voll bei Dir.


    Ich rege jetzt nochmals an das Staatsratsgebäude zu planieren, die alte Straßenführung wiederherzustellen, und den Marstall in den Ursprungszustand zu versetzen.

    Es würde ein wunderbares Viertel entstehen.

  • Ich rege jetzt nochmals an das Staatsratsgebäude zu planieren, die alte Straßenführung wiederherzustellen, und den Marstall in den Ursprungszustand zu versetzen.

    Es würde ein wunderbares Viertel entstehen.

    Der Marstall sollte natürlich wieder seinen Ursprungszustand erhalten.


    Nur das Staatsratsgebäude ist - wenn auch architektonisch kein wirkliches Schmuckstück - ein historisch bedeutendes Gebäude. und nicht nur wegen des alten Schlossportals. Es ist bedeutsam für die Geschichte der DDR, die Wendejahre, das Bundeskanzleramt hatte dort seinen Sitz. Es sollte erhalten bleiben.

  • Der Marstall sollte natürlich wieder seinen Ursprungszustand erhalten.

    Ich weiß, dass ich da nur eine Einzelmeinung vertrete. Aber mir persönlich gefällt die heutige reduzierte, "klassizistische" Form des Marstalls besser als der Ursprungszustand mit Dreiecksgiebel und Figuren. Ich habe aber gegen eine Wiederherstellung nichts einzuwenden, so lange es nicht Energien bindet, die ich bei wichtigeren Projekten als nötig erachte (Bauakademie, Molkenmarkt, Schloss-Innenräume, eventuell mal Apothekerflügel).

  • Es sollte alles wiederaufgebaut werden. Apothekerflügel, Marstall Bauakademie...pp, da sind wir uns einig. Hoffentlich geht ein Ruck durch die Bevölkerung und die Regierenden!!


    Meine Beobachtungen vor Ort sind da sehr positiv. Viele Besucher sind positiv beeindruckt !

  • Nochmal kurz, auf die Relikte der sogenannten DDR kann ich gut und gerne verzichten !!! Sei es das Staatsratsgebäude, das Rechenzentrum in Potsdam, usw

  • Nochmal kurz, auf die Relikte der sogenannten DDR kann ich gut und gerne verzichten !!! Sei es das Staatsratsgebäude, das Rechenzentrum in Potsdam, usw

    Ästhetisch geht mir das genauso. Allerdings heißt "Denkmalschutz" ja nicht notwendigerweise, dass hier etwas Tolles geschützt wird. Es heißt vielmehr "Denk' mal!". Deshalb steht ja auch beispielsweise die Kongresshalle des Reichsparteitagsgeländes in Nürnberg unter Denkmalschutz, ohne dass dies eine Unterstützung der Erbauer darstellen möchte.


    Und genau so, wie Schulklassen nach Nürnberg fahren und dort den guten Gedanken des "Nie wieder!" plastisch untermalt bekommen, sollten die Menschen mit den Zeugnissen des zweitdunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte umgehen.

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    Gutmensch = Gut gemeint, nicht zuende gedacht, schlecht gemacht

  • Die Weide trauert demonstrativ und vor sich hin und verdeckt die schöne Aussicht.

    Ich mach mir eher um die schöne Aussicht auf den Lustgarten durch die Birken an der Nordseite Gedanken.


    Es wäre sogar gut, wenn die Weide nicht allein bliebe. Von mir aus könnten gerne Weiden entlang der gesamten Ostfassade gepflanzt werden.

  • Hier ist eine kleine Auswahl von Neubauten, wohl nach Meinung der Schlossgegner rückwärtsgewandte Nachbauten aus feudalen Zeiten, Fälschungen, Imitate, Disneyland-Pappmaschee-Kulissen? Wären an den vielen sehr prominenten Plätzen Europas nicht moderne Bauten, z. B. minimalistisch im Bauhaus-Stil, oder provozierende Solitäre von Modearchitekten auch mitten in alten Ensembles viel interessanter, damit zeitgemäße Schichten erkennbar werden?

    Berlin: Berliner Schloss, Charlottenburger Schloss, Kommandantur, Kronprinzenpalais, Deutscher + Französischer Dom, …. Potsdam: Stadtschloss, Garnisonkirche. Dresden: Zwinger, Taschenberg-Palais, Frauenkirche, Neumarkt, Residenzschloss. Frankfurt: Römerberg-Fassaden, Goethehaus. Hamburg: St. Michaelskirche, Hildesheim: Knochenhaueramts-Haus. Köln: Kirche Groß-St. Martin. München: Residenz.

    Belgien: Kathedrale Dijksmulde, Tuchmacherhalle Ypern. Bosnien: Brücke von Mostar. Frankreich: Kathedrale Orleans. Griechenland: Erechtheion Athen. Italien: Campanile Venedig, Oper Venedig, Monte Casino- Lettland: Schwarzhäupter-Haus Riga. Litauen: Großfürstliches Schloss Vilnius. Polen: Altstadt Breslau, Königsschloss Warschau, Stadtzentrum Danzig. Russland: Erlöserkathedrale Moskau. Spanien: Altstadt Toledo.

    Ukraine: Michaelskloster Kiew, …


    Sollten wir nicht froh sein über die nach furchtbaren Zerstörungen kunstvoll wieder geschaffene Erinnerungskultur in ganz Europa?