Umfeld Berliner Schloss - Allgemeines

  • Es geht [...[ um die gesetzliche Vorschrift. Nach der AV Stellplätze des Berliner Senats müssen selbstverständlich bei öffentlichen Gebäuden Fahrradstellplätze errichtet werden:

    Quelle: § 2.3. der AV des Berliner Senats, zuletzt geändert am 15. Juli 2020

    Ich schreibe jetzt diesen Beitrag als überzeugter Velofahrer, und ich habe zeitlebens noch nie ein Auto besessen. Ich lebe in einer Berg- und Talstadt.


    Dieser Regulierungswahn ist eben schon eine spezielle Krankheit Deutschlands... In meiner Stadt (und ich glaube praktisch überall in der Schweiz) wurde mit der neuen Bauordnung von 1980 sogar die Stellplatzpflicht für Autos aufgehoben. Aber nein, in Berlin (und in ganz Deutschland ähnlich) muss jetzt zwingend dieses Gesetz angewendet werden, weil es nun mal besteht. Was glaubt ihr, wieviel Prozent der Bewohner Berlins werden jemals das Humboldt-Forum besuchen gehen? *) Und wieviele davon mit dem Fahrrad? Somit ist doch diese vorgeschriebene Rechnung ein völliger Irrsinn! Genau wie die maximal zulässige Krümmung einer Gurke in der EU. Klar werden diese Veloabstellplätze auch für Besuche in der Nachbarschaft benutzt werden können.


    Ich empfinde es irgendwie als Trotzreaktion der Stadt Berlin gegenüber dem "ungeliebten neuen Schloss"! Ist es wirklich nötig, dass ausgerechnet an der Südwestecke, beim Zusammentreffen von zwei wichtigen Fassaden, ein Störfaktor platziert werden muss? Kann Velofahrern nicht zugemutet werden, ein paar Schritte weiter zu Fuss zu gehen?


    *) Vergleich mit der Stiftsbibliothek St. Gallen (Weltkulturerbe seit 1983!): Nur etwa 10% der Stadtbevölkerung haben jeweils einmal im Leben die Stiftsbibliothek besucht; Tendenz sinkend. Wieviele mit dem Fahrrad?

  • Ich denke, mein Vorredner Riegel hat durchaus recht, wie absurd rechtliche Vorschriften sein können!

    Langsam merke ich aber auch, wie stark doch der Sinn für Ästhetik unter uns Menschen durch Werbung und „Mainstream“ manipulierbar, aber auch im guten Sinne wandelbar ist. Es gab eine Zeit, als riesige Autobahnkreuzungen in drei Ebenen mit verknoteten 8 oder 10-spurigen Straßen (Beispiel USA, L.A.) sehr eindrucksvoll und fortschrittlich wirkten. Auch galten in Deutschland autogerechte Städte mit breiten, zerstörerischen Schneisen durch die Stadtzentren einst als Vorzeigemuster. Inzwischen haben bei zunehmendem Bedarf Fahrradspuren und Fahrrad-Abstellplätze immer mehr Akzeptanz gewonnen. Der Blick des sensibel wahrnehmenden Fußgängers fällt immer ungnädiger auf Straßen, die eng an eng mit Prestige-Karossen und SUWs befahren und deren Ränder lückenlos zugeparkt werden. So gewöhnen wir uns mit zunehmend gnädigem Verständnis an die Ästhetik von Fahrrad-Parkbügeln mit angeketteten Drahteseln. In dem Maße werden wir diese „Mobilitätsobjekte“ sogar an prominenten Stellen des Schlossplatzes nicht als störend, sondern als tolerierbar, oder gar als schmückend empfinden. Oder nicht?

  • Das mag jetzt keine populäre Meinung sein, aber ich persönlich lande bei der Bewertung all dieser Punkte irgendwo zwischen den Extremen.


    Weder mag ich breite Straßenschneisen dicht an urbanen Zentren vorbei, noch mag ich es, wenn jemand daraus Fußgängerzonen macht und dann erwartet, dass die Waren von A nach B gebeamt werden können. Ich fahre gerne Fahrrad, aber dies auch von 80-jährigen, Behinderten und Schwangeren zu erwarten, weil das Auto ja böse ist, ist mit mir nicht zu machen. Und, ja, als langjähriger Logistiker kann ich auch genormten, geraden Gurken etwas abgewinnen, da die mögliche höhere Verpackungsdichte die Anzahl der Lkw-Fahrten reduziert.


    Und deshalb kann ich auch mit den Fahrradständern vor dem Schloss leben - solange sie nicht doch noch postmodern überdacht werden oder so...

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    Gutmensch = Gut gemeint, nicht zuende gedacht, schlecht gemacht

  • Warum hat man die Fahrradständer eigentlich nicht vor dem ehem. Staatsratsgebäude errichtet?

    Nimm das Recht weg, was ist der Staat dann noch anderes als eine große Räuberbande? (Augustinus von Hippo)

  • Lieber Seinsheim,


    eine großartige Idee von dir. Die Fahrradständer hätten ja wirklich vor dem Staatsratgebäude sehr gut gepasst, denn "Radfahrer" dürften dort schon viele beschäftigt gewesen sein.

  • Warum hat man die Fahrradständer eigentlich nicht vor dem ehem. Staatsratsgebäude errichtet?

    Die Frage hat Konstantindegeer ja schon beantwortet.


    (Man muss auch nicht aus allem ein Politikum machen!)

  • Ich fahre gerne Fahrrad, aber dies auch von 80-jährigen, Behinderten und Schwangeren zu erwarten, weil das Auto ja böse ist, ist mit mir nicht zu machen.

    Erwartet dass denn ernsthaft jemand?


    Bei den "autofrei"-Projekten, die mir bekannt sind (in meiner Heimatstadt Hamburg), sind Menschen mit Einschränkungen sowie Warenanlieferungen und Handwerker stets ausgenommen.

  • Die Frage hat Konstantindegeer ja schon beantwortet.


    (Man muss auch nicht aus allem ein Politikum machen!)

    Ich glaube, Du hast eben ein Politikum daraus gemacht. Ich habe nur vorgeschlagen, die Fahrradständer dort zu montieren, wo sie weniger stören.... ~:-[]

    Nimm das Recht weg, was ist der Staat dann noch anderes als eine große Räuberbande? (Augustinus von Hippo)

  • Besteht die lange klotzige Sitzbank denn wenigstens aus Naturstein? Oder aus liebreizendem Beton??

  • Nicht mehr lange, und man wird denken, das Schloss war nie weg! cclap:)

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  • lange klotzige Sitzbank

    Die (egal ob aus Naturstein oder Beton) finde ich wesentlich störender als die Fahrradständer.


    Aber offensichtlich ist eine Überwachung mit Kameras geplant. Wird viel im Forum beruhigen. (Dürfte an so einem Ort aber wahrscheinlich wirklich notwendig sein)

  • Warum hat man die Fahrradständer eigentlich nicht vor dem ehem. Staatsratsgebäude errichtet?

    Weil das kein Neubau ist und deshalb der Ist-Zustand Bestandsschutz geniesst. Die Alte Nationalgalerie und das Pergamon-Museum haben auch keine.


    Da das Humboldtforum nicht nur Museum sondern auch Kongreoßzentrum ist glaube ich aber schon, daß Fahrradstellplätze nötig sind und sehe darin auch kein Problem.

    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • Ich könnte mir vorstellen, der gute Seinsheim meinte: "Warum hat man die für das Humboldtforum vorgeschriebenenFahrradständer eigentlich nicht vor dem ehem. Staatsratsgebäude errichtet?"


    Dann wäre der Vorschrift entsprochen gewesen, der Schlossplatz wäre für eine zukünftige Gestaltung frei geblieben, und zugleich hätte man die Radständer auch als Staatsradständer für das Abstellen von Staatsrädern vor dem Staatsradgebäude gebrauchen können.

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  • Ich halte die Fahradständer am Schloß auch für arg mißglückt. Da hätte es mit Sicherheit ansehnlichere Möglichkeiten gegeben.


    Hier hätte man beim U Bahnbau gleich einen unterirdischen Raum für die Radl mit berücksichtigen können.

  • Hier hätte man beim U Bahnbau gleich einen unterirdischen Raum für die Radl mit berücksichtigen können.

    Das ist aus meiner Sicht als Radfahrer keine wirklich ernsthafte Alternative zu ebenerdigen Abstellmöglichkeiten und würde wohl auch nicht den einschlägigen Berliner Bauvorschriften entsprechen auf die Konstantindegeer ja bereits mehrfach hingewiesen hat.


    https://www.stadtentwicklung.b…/bauen/AVStellplaetze.pdf

  • Besteht die lange klotzige Sitzbank denn wenigstens aus Naturstein? Oder aus liebreizendem Beton??

    Sieht wie Granit aus.

    Nimm das Recht weg, was ist der Staat dann noch anderes als eine große Räuberbande? (Augustinus von Hippo)