Umfeld Berliner Schloss - Allgemeines

  • Die Senatsplanung von 2013 ist eine absolute Katastrophe - und auch der Umfeldplan des Büro BBZ zeigt nicht nur eine einzige Trauerweide - es ist ein ganzes Trauerspiel. Die Bäume am Spreekanal sind viel zu hoch und verdecken das HF, als wolle man es verstecken. Die Spreeseite wird von Rampen beherrscht, wo Terrassen zum Verweilen sein sollten. Wieso nimmt man nicht Bezug zum Ort auf und legt Terrassen mit unterschiedlichen Höhen an, die die Grundrisse und Gebäudeteile der früheren Schloss-Ostseite aufnehmen und erlebbar machen.
    Auch sollten sich die Planer endlich von der Exerzierplatz-Gestaltung des Lustgartens verabschieden und mehr Grün planen. Inzwischen wohnen in dieser Gegend wieder wesentlich mehr Menschen als noch vor einigen Jahren - da wäre eine Park- und Gartengestaltung, die auch der Erholung der Bevölkerung und nicht nur der Rast von Touristen dient, mehr als wünschenswert. So könnte die Schlossterrasse die Gartengestaltung des 19. Jahrhunderts darstellen und das Parterre davor die Zeit des Barock sowie der Renaissance (hier befand sich schließlich auch einmal der Küchengarten des Schlosses im 17. Jahrhundert). Die Straße wird auf eine Fahrradstraße und Fußweg reduziert und wir erhalten ein einmaliges Zeugnis der Gartengestaltung mehrerer Epochen in der Mitte Berlins mit hohem Erholungswert für alle.
    Auf der Schlossplatzseite muss wieder ein Brunnen errichtet werden. Wenn nicht der Neptunbrunnen (und es gibt kein sinnvolles Argument dagegen - außer politische Verbohrtheit auf Grund von Unkenntnis) so dann wenigstens ein Bassin mit Fontaine, damit dieser große Steinplatz im Sommer nicht zu einer unerträglichen Sauna mutiert. Und die auf dem Platz im Entwurf abgestellten Autos sollen doch wohl nicht einen Parkplatz für Touristenbusse andeuten?! Ist die Planung aus den 60er Jahren?

  • An all dem wird sich aber so schnell nichts ändern, nicht mit diesem Senat. Da bekommt Berlin vom Bund eine großartiges neues Schloss samt sanierter Museumsinsel auf dem Silbertablett serviert, und der Senat hat nichts Besseres zu tun als eine öde Stadtbrache aus der Ära Honecker zum städtebaulichen Heiligtum (Denkmalschutz) zu erklären. Von der eigentlich unabdingbaren Versetzung des Neptunbrunnes ganz zu schweigen.
    Es ist ganz klar: Wer zukünftig die Spree Richtung Osten überquert oder vom HuFo dorthin blick kriegt einen Schock und wird sich angewidert zurück orientieren. Es wäre jetzt, kurz vor der Fertigstellung des HuFo dringend an der Zeit, sich um eine touristisch ansprechende, städtebaulich sinnvolle Gestaltung des Marx-Engels-Forums zu bemühen. Dazu gehört sicherlich auch eine Teilbebauung mit kleineren Shops, Restaurants etc.. Ein ungepflegter Gammelpark jedenfalls, in dessen Mitte sich ein Denkmal der rauschebärtigen Erfinder eines gescheiterten Gesellschaftsmodells befindet, und dem sich vielfach zwielichtige Gestalten rumtreiben (Marx-Engels Forum mal bei Google-News eingeben...) sollte wohl kaum Berlins Beitrag zur Entwicklung des Schlossumfelds sein. :kopfschuetteln:


    Der Blick vom HuFo nach Osten, Regulas städtebaulicher Beitrag zum Schlossumfeld:

    Von Gerd Danigel , gerddanigel.de. - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=53748065

    „Die Freiheitsliebe ist bei den Deutschen nicht entwickelt“ (Madame de Stael)

    „Die Frage ist nicht, was wir dürfen, sondern was wir mit uns machen lassen“ (Nena)

  • Ich denke, dass man Seitens der Stiftung jetzt versuchen wird, Duplikate ans Schlossumfeld zu setzen, wenn man die Originale nicht rausrücken will. Herr von Boddien hat so etwas in Bezug auf den Neptunbrunnen ja schon angedeutet. Die große Frage ist aber, ob man im Senat dann nicht wieder einen Grund findet, dies abzulehnen.
    Ich denke, man wird den Neptunbrunnen und die Rossebändiger durchaus durch private Spender finanzieren können, so sachbezogene Spenden haben immer gezogen, nur was bringt es, wenn das Geschenk niemand annehmen will. Bisher hat man es ja damit begründet, dass man die Originale an den jeweiligen Standorten behalten möchte und man deswegen keinen Umzug zum Schloss will.
    Wenn sich jetzt Spender finden, die es Duplikat bezahlen, bin ich mal gespannt, was man sich im Senat dann einfallen lässt. Berlin ist echt die einzige Stadt, die völlig pleite ist, aber trotzdem noch die Arroganz aufbringt, so weitreichende Geschenke wie durch den Bund abzulehnen, das muss man auch erst mal bringen :lachentuerkis:

    APH - am Puls der Zeit

  • Erst einmal:
    Was für ein olles Bild hat man denn da für die Visualisierung genommen? Das ist doch mindestens 30 Jahre alt.


    Ehrlich gesagt, gibt es für mich persönlich sehr viel Schlimmeres als eine großzügige Parkanlage an dieser Stelle, wenn diese ansprechend gestaltet und gepflegt ist. Da sie ja komplett erneuert wird, gehe ich mal davon aus.
    Ich war auch immer der Meinung der Fernsehturm braucht Freiraum zum Atmen und die Sichtachse vom Frernsehturm zu Schloss finde ich persönlich sogar recht anprechend, ja, eindrucksvoll.
    Ich bin allgemein für den Rückgewinn des alten Stadtgrundrisses und Nachverdichtung der Stadt, aber irgendwie nicht hier.
    Außerdem wage ich zu bezweifeln, dass was auch immer man dort hinbauen würde, tatsächlich zur Aufhübschung der Gegend beitragen würde, zumindest nicht im Moment. Die Ostfassade des HFs wird da auch keine große Inspiration dafür liefern.
    Mir graust es schon jetzt vor dem, was man in einigen Jahren um das Alte Stadthaus errichten wird. Wobei ich dort auf jeden Fall für einen Rückgewinn von Bebauung bin.

  • @ Treverer: Das Bild oben ist von 1986. Die Bäume sind inzwischen deutlich größer, das ist der einzige Unterschied. Ansonsten dieselbe Katastrophe.


    Ich denke, dass man Seitens der Stiftung jetzt versuchen wird, Duplikate ans Schlossumfeld zu setzen, wenn man die Originale nicht rausrücken will. Herr von Boddien hat so etwas in Bezug auf den Neptunbrunnen ja schon angedeutet.

    biggrin:)
    Na das wäre ja mal eine Idee! Aber schon ein wenig skurril. Immerhin wurde der Neptunbrunnen im "Phantasialand" bei Brühl ja schon einmal nachgebaut, wenn auch ein wenig kitschig wirkend:

    lBy David Jafra from Toulouse, France - Phantasialand Unnamed Shot #19Uploaded by Trockennasenaffe, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14898676

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  • Was für ein olles Bild hat man denn da für die Visualisierung genommen? Das ist doch mindestens 30 Jahre alt.

    In diesem Zustand steht es aber unter Denkmalschutz. Und dieser Zustand zu rekonstruieren hat sich die BVG als Bauherrin des U55-Tunnels verpflichtet

    „Kreativität entsteht nicht durch Überfluß sondern durch Mangel.“
    Richard David Precht

  • Wie schnell sich das mit dem Denkmalschutz erledigen kann sieht man ja gerade an den Ku´Damm-Bühnen. Die Art wie in Berlin mit Denkmalschutz umgegangen wird ist wirklich schlimm. Im Fall des M-E-Forums und des Nikolaiviertels lässt es dann aber doch hoffen.
    Was das Nikolaiviertel anbelangt hat die Plattenbauten nach "hanseatischer Art" nicht mal der Architekt Stahn gemocht - das hat er mir 1989 bei einem Besuch bei ihm zu Hause gesagt. War eben ein Kompromiss - eine richtige Rekonstruktion wäre zu teuer geworden und war von Honecker auch nicht gewünscht. Mehr so ein bisschen "Berliner Allerlei". Und da die kapitalistischen Briten und Amerikaner die Altstadt zerbombten, konnte man auch zeigen, was die bösen Kapitalisten zertört hatten. Das man dabei mal eben selbst abgerissene Gebäude rekonstruierte, wenn auch 500 Meter vom ursprünglichen Standort, war egal und diente der Geschichtsklitterung.
    Sollte man Duplikate der Roßbändiger und des Neptunbrunnens anfertigen müssen, weil die Originale für die jeweiligen Standorte so wichtig sind (wie könnte man sich nur den Kleistpark ohne die Roßbändiger vorstellen - undenkbar! Sind sie doch ein Identifikationsmerkmal für alle Schöneberger! p.s. falls diese davon schon mal gehört haben), so würden diese Duplikate in Kontinuität mit der Gerichtslaube im Nikolaiviertel stehen. Eine Duplizierung wäre daher sicherlich kein Problem und das Ergebnis würde wahrscheinlich bald schon unter Denkmalschutz gestellt.

  • Ich finde Duplikate auch nicht schlimm. Sowas gibt gleich verschiedenen Orten einen Bezug zum Berliner Schloss und diese kuriosen Dinge gehören irgendwie auch zu Berlin dazu.


    Bevor der Streit um den Neptunbrunnen eskaliert, lieber eine Kopie. Und als Kompromiss dafür dann durhsetzen, dass die Lustgartenterrassen wiederkommen dürfen! ;)

  • Dies ist die historische Stadtmitte und keine Freizeitanlage. Hier muss irgendwann gebaut werden (aber erst nach Lüscher), sonst fehlt der Stadt ihre Keimzelle. Was architektonisch das Schloss, ist städtebaulich dieses Areal.


    (Hinweis: Dies ist die persönliche Meinung des Autors)

    In dubio pro reko

  • Die Freiflächen sind das beste an der Berliner Mitte, was es gibt. Man hat Platz für Freizeit und Erholung, die beliebten Weihnachtsmärkte und gesundheitsfördernd ist das Grün allemal. Deshalb bloß keine Bebauung, sondern Aufwertung der Parkanlagen. Dort stehen noch viel zu wenig Pflanzen. Das gleiche gilt eben auch für die Planung des Umfeldes des Humboldt-Forums.

  • Vorerst kannst du dich da entspannt zurücklehnen Goldstein. Aber ich bin überzeugt, früher oder später kommt eine Bebauung der historischen Mitte, so wie es über viele Jahrhunderte bis zu den unseligen DDR-Zeiten war.


    Im Übrigen finde ich, dass wir bei SD dem Verein Historische Mitte e.V. mit seinen Bemühungen nicht in den Rücken fallen sollten. Damit will ich natürlich niemandem seine persönliche Meinung zu dem Thema absprechen, aber
    ich hoffe doch dass es eine "offizielle" Position von SD hierzu gibt, welche die bauliche Historie und Bedeutung dieses Ortes würdigt.

    In dubio pro reko

  • Ich denke auch, dass Berlin von einem genug hat, nämlich Grünflächen, da muss man sich also keine Sorgen machen. Ich plädiere seit jeher für eine Bebauung des Rathausforums, nur bitte nicht unter den aktuellen Entscheidungsträgern, ich fürchte, die werden schon den Molkenmarkt völlig versauen, da muss man denen nicht auch noch das Forum anvertrauen. Man sollte warten, bis der Zeitgeist für eine Rekonstruktion eines Kerninnenstadtquartiers auch in Berlin angekommen ist. Leider leider hatte Berlin nur nicht diese herausragenden Einzelbauten, wie sie in Potsdam, Dresden oder auch Frankfurt zu finden waren. Ich glaube das macht es sowohl am Molkenmarkt, am Rathausforum und auch auf der Fischerinsel so schwierig, weil an sich wenn überhaupt nur das Ensemble in Berllin eine Rekonstruktion rechtfertigen würde, nicht aber der kunsthistorische Wert eines einzelnen Baus.
    Und leider waren die meisten Berliner Altstadthäuser sehr einfach und sehr klein, bei den Baulandpreisen baut heute keiner mehr ein Gebäude mit 3 Stockwerken. Somit müsste das schon ein staatliches Projekt werden oder man müsste das Bauland sehr günstig abgeben und Berlin ist auch politisch sehr schwierig, es würde eine Herkulesaufgabe, so ein Projekt durch zu bringen.

    APH - am Puls der Zeit

  • Eine Bebauung ist nicht grundsätzlich etwas, dass zur Verbesserung beitragen muss. Im Gegenteil.


    Die historische Mitte erstreckt sich auch über den Molkenmarkt und das Klosterviertel.
    Hier gilt es viele Dinge zu verbessern, dass die Architekten sich dieses Ortes würdig erweisen müssen.
    Sollte das dann wirklich gelingen, wäre das ein Novum in Berlin. Übrigens völlig unabhängig von den Entscheidungsträgern.

  • Die Kurfürstendamm-Bühnen standen nicht unter Denkmalschutz!

    Oh - sorry, dann hatte ich da eine falsche Info. Als Beispiel der Theaterkultur am Kurfürstendamm sollte man dies aber dann schleunigst nachholen. Sie sind mindestens genauso bedeutend für unsere Stadtkultur wie die Plattenbauten des Nikolai-Viertel!

  • Ich als geborenes DDR- Kind kenne nur den Freiraum vom Fernsehturm zum Marx- Engels- Forum so, wie er jetzt besteht. Und ich denke, die allermeisten hier im Forum kennen ihn auch nicht anders. Warum soll dieser wieder so eng bebaut werden wie vor 1945? Hinterhöfe, kaum Licht in den Strassen, Höfen, Häusern... Die Architektur rund um den Fernsehturm atmet den damaligen Zeitgeist der 60/70iger Jahre. Muß diese Architektur nun ebenso verschwinden, wie so manch anderes DDR- Produkt(Ahornblatt, PdR usw). Er hat sich in Laufe der Zeit zur kleinen grünen Lunge entwickelt, mit seinen Springbrunnen und dem vielen Grün. Auch den Neptunbrunnen würde ich nicht umsetzen, er passt irgendwie dorthin, ist ein Anziehungspunkt geworden. Warum nicht eine Kopie ans Humboldforum? Passt dieser Brunnen denn überhaupt dort in das heutige Strassenbild, das sich doch sehr von dem vor dem Krieg unterscheidet? Das ist meine persönliche Meinung, bitte verteufelt nicht alles, was die DDR erschuf! Es war nicht alles gut, aber auch nicht alles schlecht.

    In der Architektur muß sich ausdrücken, was eine Stadt zu sagen hat.
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten

  • kaffeesachse, du kannst noch so viele Plädoyers für das M-E-F halten, ich werde der DDR nie verzeihen was sie aus der historischen Mitte Berlins gemacht hat, denn deren Struktur war vor dem ideologischen Kahlschlag noch vorhanden.
    Und "ich kenne es nicht anders" ist ein nachvollziehbares, aber recht dröges Argument angesichts der Bedeutung des Ortes.

    In dubio pro reko

  • Ich finde Duplikate auch nicht schlimm. Sowas gibt gleich verschiedenen Orten einen Bezug zum Berliner Schloss und diese kuriosen Dinge gehören irgendwie auch zu Berlin dazu.


    Bevor der Streit um den Neptunbrunnen eskaliert, lieber eine Kopie. Und als Kompromiss dafür dann durhsetzen, dass die Lustgartenterrassen wiederkommen dürfen! ;)

    Dann aber die Originale mit ihrer eingeprägten Aura der Geschichte ans Schloß und Kopien auf die jetzigen Standorte!

  • Ich als geborenes DDR- Kind kenne nur den Freiraum vom Fernsehturm zum Marx- Engels- Forum so, wie er jetzt besteht. Und ich denke, die allermeisten hier im Forum kennen ihn auch nicht anders. Warum soll dieser wieder so eng bebaut werden wie vor 1945? Hinterhöfe, kaum Licht in den Strassen, Höfen, Häusern... Die Architektur rund um den Fernsehturm atmet den damaligen Zeitgeist der 60/70iger Jahre. Muß diese Architektur nun ebenso verschwinden, wie so manch anderes DDR- Produkt(Ahornblatt, PdR usw).

    Ich könnte mir einen breiten grünen Steg über die Spree vorstellen. Was an dieser Simcitybebauung schlecht gelöst, ist die Spreeseite. Eine grüne Magistrale, die ins nirgendwo führt. Ausserdem stimmt dieTraufhöhe der Häuser nicht. Das rote Rathaus muss man auch nicht gerade verstecken. Was soll das Gelbe sein? Tennisplätze?