Berliner Stadtschloss - Umfeld (Schlossplatz, Schlossfreiheit, Lustgarten & Spreeufer)

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      Ich denke es wäre, den Gedanken meines Vorschreibers weitergedacht, zweckmäßiger, die Wippe nicht verächtlich zu machen und verhindern zu wollen, sondern voranzutreiben, dass sie einfach an zig anderen Stellen in Berlin besser aufgehoben wäre, beispielsweise vor dem Reichstag, was dem Acker vor dem Parlament ganz sicher alles andere als schaden würde, oder gar am Alexanderplatz?

      Immerhin ist zu bedenken, dass die Mittel für die Kolonnaden ja bereits (kurzzeitig) freigegeben wurden, soweit ich mich erinnere. Es wäre also sehr wohl eine bedeutende Lobby dafür existent. Aber eben nicht in Opposition zur Wippe. Der Blamage, das Ding überhaupt nicht zu bauen, gibt sich von den Beteiligten niemand hin. Aber möglicherweise geht beim Standort was...

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      Heimat wrote:

      Und denke es wäre, den Gedanken meines Vorschreibers weitergedacht, zweckmäßiger, die Wippe nicht verächtlich zu machen und verhindern zu wollen, sondern voranzutreiben, dass sie einfach an zig anderen Stellen in Berlin besser aufgehoben wäre, beispielsweise vor dem Reichstag,
      Der Vorschlag ist gut und sinnvoll, wird aber von unserer politischen Elite mehrheitlich nicht gewollt. Die Variante vor dem Reichstag ist nicht zur hier im Forum, sondern auch in den Medien intensiv thematisiert worden, aber letzten Endes an Frau Grütters, Herrn Thierse und den anderen verbissenen Verfechtern des Standorts vor dem Schloss gescheitert.

      P.S. Ich erinnere daran dass Fotomontagen, die die Wippe vor dem Reichstag zeigen auch hier im Forum zu sehen waren (von Wikipedia eingebettet). Der Architekt der Wippe, Johannes Milla, hat daraufhin Stadtbild Deutschland verklagt, was wiederum dazu geführt hat, dass dieses Forum für Wochen abgeschaltet war. Man sieht also mit welcher Unerbittlichkeit diese Clique für 'ihren' Standort vor dem Schloss kämpft. Nur gegen die Fledermäuse sind sie bisher noch nicht angekommen. ;)
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      Meister Lampe wrote:

      Der Tagesspiegel hat sich in seiner Ausgabe vom 04.11.2019 mit der Errichtung des Denkmal für Einheit und Freiheit in der Berliner Mitte in einem Artikel befasst. Die geplante Eröffnung zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung ist gefährdet. Fledermäuse haben den Denkmalsockel nicht wie erhofft verlassen.
      Die Fledermäuse sollten ein Denkmal erhalten.
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      Ja, die Rossebändiger! Ich war schon oft in Berlin, aber ich war noch nie im Kleistpark. Wirklich ein gutes Versteck!

      In Sankt Petersburg habe ich die Rossebändiger gleich bei meinem ersten Besuch gesehen.

      St. Petersburg, Newski-Prospekt, Anitschkow-Brücke, die Rossebändiger Nr. 1 und 2
      (Foto: prepsster, September 2010, CC-BY-SA-3.0)

      Sie stehen dort auf der Anitschkow-Brücke, die den Newski-Prospekt über die Fontanka führt, also im Stadtzentrum. Sie sind dort anders aufgestellt als einst die Figuren vor dem Berliner Schloss. Die Männer zur Fahrbahn, die Pferde nach außen. Die Petersburger Exemplare oben sind die Erstgüsse. Sie stehen seit 1841 am westlichen Ende der Brücke. Am östlichen Ende wurden zunächst Wiederholungen der beiden ersten Gruppen in Gips aufgestellt, die mit Bronzefarbe angestrichen wurden und später durch Bronzegüsse ersetzt werden sollten. Als diese 1842 frisch aus der Gießerei kamen, schenkte Zar Nikolaus I. sie König Friedrich Wilhelm IV. So kamen sie nach Berlin. 1844 wurden die nur in Gips ausgeführten östlichen Rossebändiger dann durch Bronzegüsse ersetzt. Nikolaus ließ sie jedoch schon zwei Jahre später wieder von der Brücke nehmen, weil er ein Geschenk für den König beider Sizilien brauchte. Danach wurden noch jeweils drei Bronzegüsse der beiden östlichen Gruppen hergestellt, die Schlosskomplexe innerhalb Russlands schmücken sollten - Peterhof, Strelna, Kusminki. Von diesen sind nur die Rossebändiger in Kusminki erhalten. Bis 1851 schuf der Bildhauer Peter Clodt von Jürgensburg für das östliche Brückenende dann zwei gänzlich neue Gruppen. Die blieben auch auf der Brücke stehen und wurden nicht mehr verschenkt.

      Petersburg, Anitschkow-Brücke und Belosselski-Beloserski-Palast, Darstellung von Joseph-Maria Charlemagne-Baudet, etwa 1850-1860

      Die Figuren in Neapel sind ebenfalls prominent platziert. Sie flankieren das Tor zum Palazzo Reale.

      Neapel, Rossebändiger am Tor des Palazzo Reale (Foto: Luigi Versaggi, 2005, CC-BY-SA-2.5)

      Berlin, Rossebändiger Nr. 1 vor dem Kammergericht im Kleistpark (Foto: Manfred Brückels, 2009, CC-BY-SA-3.0)

      Petersburg, Rossebändiger Nr. 1 auf der Anitschkow-Brücke (Foto: Alex "Florstein" Fedorov, August 2015, FAL)


      Berlin, Rossebändiger Nr. 2 vor dem Kammergericht im Kleistpark (Foto: Marek Sliwecki, April 2017, CC-BY-SA-4.0)


      Petersburg, Rossebändiger Nr. 2 auf der Anitschkow-Brücke (Foto: Наталья Филатова, Juni 2010, CC-BY-3.0)


      Petersburg, Rossebändiger Nr. 3 auf der Anitschkow-Brücke (Foto: Наталья Филатова, Juni 2010, CC-BY-3.0)

      Petersburg, Rossebändiger Nr. 4 auf der Anitschkow-Brücke (Foto: Sergey Tsyganov, Oktober 2014, CC-BY-SA-4.0)

      Diese vier Rossebändigergruppen gehören zu den bekanntesten Bronzeplastiken in der an hochkarätigen Kunstwerken so reichen Stadt Petersburg. Würde man ihre Gegenstücke in Berlin vor dem Schloss aufstellen, so wäre dies ein schönes Zeichen der deutsch-russischen Freundschaft, von der übrigens auch das Geländer der Anitschkow-Brücke zeugt. Es enstand nach Entwürfen von Karl Friedrich Schinkel - eine Gegengabe Friedrich Wilhelms IV. - und findet sich so ähnlich auch an der Berliner Schlossbrücke. In Berlin sind die Mischwesen mit menschlichem Oberkörper aber männlichen Geschlechts - Tritonen -, in Petersburg sind sie weiblich - Nereiden.

      Petersburg, Detail des Geländers der Anitschkow-Brücke, Nereiden (Foto: Sergey Tsyganov, Oktober 2012, CC-BY-SA-4.0)

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      Hier noch das männliche Gegenstück zum oben gezeigten Geländer der Anitschkow-Brücke.

      Berlin, Detail des Geländers der Schlossbrücke, Tritonen (Foto: Achim Buehl, Dezember 2017, CC-BY-SA-4.0)

      An beiden Brücken wechseln sich Wasserrösser mit halb menschlichen Wesen ab.

      Petersburg, Detail des Geländers der Anitschkow-Brücke, Wasserrösser (Foto: Sergey Tsyganov, Oktober 2012, CC-BY-SA-4.0)


      Berlin, Detail des Geländers der Schlossbrücke, Wasserrösser (Foto: Lienhard Schulz, 2005, CC-BY-SA-3.0)

      Spätestens jetzt fällt uns ein weiterer Unterschied zwischen den Geländern der beiden Brücken auf. In Petersburg sind die Schwänze der Fabelwesen geschuppt, in Berlin sind sie glatt. Auch die Mäanderrahmungen sind nicht völlig gleich.


      Petersburg, Detail des Geländers der Anitschkow-Brücke, Delfin (Foto: Anastasia Galyamicheva, März 2019, CC-BY-SA-4.0)

      In Berlin dient der Delfin ebenfalls als Bindeglied zwischen den größeren Feldern. Er ist hier aber ganz anders gestaltet.


      Berlin, Geländerfeld von der Schlossbrücke mit Delfin, aufgestellt neben der Brücke im Lustgarten
      (Foto: Angela Monika Arnold, 2008, CC-BY-SA-3.0)

      Und noch ein interessantes Detail unterscheidet die beiden Brückengeländer voneinander: Die Tritonen drehen in Berlin dem Wasser den Rücken zu. In Petersburg zeigen die Nereiden nach beiden Seiten - also auch zum Wasser hin - Brust und Gesicht. Die Behauptung, die man zum Beispiel bei Wikipedia lesen kann, beide Brücken hätten das gleiche Geländer, stimmt also nicht. Es handelt sich vielmehr um ähnliche Gestaltungen nach Entwürfen von Schinkel. Das Material ist in beiden Fällen Eisenguss. Zudem haben beide Brücken drei Bögen. Die Anitschkow-Brücke wirkt jedoch eleganter.

      Petersburg, die Anitschkow-Brücke über die Fontanka von Süden (Foto: Alex "Florstein" Fedorov, August 2015, FAL)

      Berlin, die Schlossbrücke über den Spreekanal von Süden, vor dem Wiederaufbau des Neuen Museums und der Errichtung der James-Simon-Galerie (Foto: Dieter Brügmann, 2005, CC-BY-SA-3.0)

      Zar Nikolaus I. war mit der Schwester Friedrich Wilhelms IV. verheiratet. Vor ihrer Heirat hieß sie Charlotte. Nach ihrem Übertritt zum russisch-orthodoxen Glauben Alexandra Fjodorowna. Unweit vom Berliner Schloss erinnert auch der Alexanderplatz - benannt nach Zar Alexander I. - an das seit den napoleonischen Kriegen bestehende preußisch-russische Bündnis.

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      Ganz großartige Dokumentation über die diversen Exemplare der Rosselenker.

      Vielen Dank dafür Rastrelli !

      Der von Ihnen geschilderte Geschenkaustausch zwischen den Romanows und den Hohenzollern erinnert an den späteren, ganz ähnlich gelagerten Vorgang, als Kaiser Wilhelm II. zur Verstärkung der Freundschaftsbande mit den USA eine Replik der Statue Friedrichs des Großen aus der Siegesallee (von der eine weitere Ausgabe übrigens auf der Plantage hinter der Garnisonkirche stand) dem amerikanischen Volk schenkte. Präsident Theodore Roosevelt ließ das Kunstwerk vor dem National War College in Washington D.C. aufstellen. Nach diversen Ab- und Aufbauten des Denkmals im Zuge der Irrungen und Wirrungen des 20. Jahrhunderts befindet es sich heute auf dem Areal der Carlisle Barracks in Pennsylvania.

      Hier ein 'Link'
      pennlive.com/editorials/2010/0…r_what_frederick_the.html

      Das Gegengeschenk vom amerikanischen Volk und Congress in Form einer Doublette des in der Hauptstadt der USA aufgestellten Steuben-Denkmals, ist den Potsdamern heute ja wieder sehr gut bekannt, steht es doch in der Grünanlage nördlich des Marstalls.
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      Ich kann mich nur wundern, wie kann man sich verweigern, die Rossebaendiger wieder an ihrem alten Standort wieder zurück kehren zu lassen. Das würde auch die entstehende Steinwüste auflockern. Aber es gibt in der Politik Menschen ( Politiker ? ) die wollen mit aller Macht das verhindern, genauso wie mit der Verschauckelungswippe die vor der historischen Fassade absolut nicht hinpasst. Ein Umdenken würde ihr Ego zerplatzen lassen ! :daumenunten:

      Ich liebe Fledermäuse :)
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      Ja, es ist nicht zu verstehen. Vor allem, wenn man weiß, welche Bedeutung Peter Clodt von Jürgensburg in der russischen Kunstgeschichte hat und wie viele Menschen seine Werke in Petersburg kennen.

      Hier noch zwei Fotos der Berliner Rossebändiger:


      Berlin, Heinrich-von-Kleist-Park, Rossebändiger Nr. 2 (Foto: OTFW, Mai 2015, CC-BY-SA-3.0)

      An der Plinthe ist eine Inschrift zu erkennen. Sie besagt, dass Imperator Nikolaus I. dieses in "Petropolis" gemachte Werk im Jahr 1842 geschenkt hat. Wer den lateinischen Text selbst lesen will - über den Bildlink lässt sich das Foto stark vergrößern. An der Plinthe der anderen Gruppe steht entsprechend, dass König Friedrich Wilhelm IV. dieses Werk im Jahr 1844 aufstellen ließ. Diese Inschriften beziehen sich auf die Aufstellung vor dem Schloss. Dort waren die beiden Rossebändiger im Vergleich zur Aufstellung in Petersburg vertauscht.


      Berlin, Heinrich-von-Kleist-Park, Rossebändiger Nr. 1 (Foto: OTFW, Mai 2015, CC-BY-SA-3.0)

      Vor dem Schloss standen die Rossebändiger im Dialog mit den Figurengruppen auf den Wangen der großen Freitreppe des Alten Museums. Dem Rossebändiger Nr. 2 stand die Amazone zu Pferde im Kampf mit einem Panther von August Kiß gegenüber.

      Berlin, Altes Museum, Amazone zu Pferde von August Kiß (Foto: Christian Benseler, Oktober 2013, CC-BY-2.0)

      Dem Rossebändiger Nr. 1 antwortete der Löwenkämpfer von Albert Wolff.


      Berlin, Altes Museum, Löwenkämpfer von Albert Wolff (Foto: Ajepbah, Juli 2015, CC-BY-SA-3.0)

      Die Amazone entstand praktisch zur gleichen Zeit wie die beiden Rossebändiger und wurde 1842 vor dem Alten Museum aufgestellt. Der Löwenkämpfer geht auf einen Entwurf von Christian Daniel Rauch zurück. Er wurde von Albert Wolff ausgeführt und 1861 aufgestellt. Beide Gruppen haben - wie die Rossebändiger - das Ringen des Menschen um die Beherrschung des Tieres zum Thema. Sie sind aber bewegter und malerischer als die mehr dem klassischen Ideal verpflichteten Rossebändiger und tragen damit charakteristische Züge der Berliner Bildhauerschule. Die Rossebändiger wirkten hingegen noch lange in der russischen Bildhauerkunst nach.

      Ich möchte hier noch die Rossebändiger in Kusminki vorstellen.

      Moskau, Landsitz Kusminki / Кузьминки, die Rossebändiger Nr. 1 und 2 vor dem Musikpavillon des Pferdehofes / Konny dwor (Foto: Digr, Juli 2017, CC-BY-SA-4.0)

      Kusminki nahe Moskau war der Landsitz der Familie Golizyn. Die Rossebändiger wurden passenderweise vor dem Pferdehof aufgestellt. Zu diesem gehört neben Stallungen und Reitplatz auch ein Musikpavillon, der die charakteristischen Eigenheiten des russischen Klassizismus zeigt. Der Pavillon wurde 1823 fertiggestellt, die Rossebändiger wohl 1846 davor platziert. Sie stehen hier wie auf der Anitschkow-Brücke und somit andersherum als einst vor dem Berliner Schloss. Sie flankieren hier aber in ähnlicher Weise eine Eingangssituation.

      Moskau, Landsitz Kusminki, die Rossebändiger vor dem Musikpavillon des Pferdehofes (Foto: Digr, Juli 2017, CC-BY-SA-4.0)

      In der Seitenansicht wird deutlich, dass die Aufstellung in Berlin - etwas weiter vom Gebäude weggerückt - günstiger war. Die Gruppen müssen ihren Bewegungsdrang nach allen Seiten ausleben können und sollten daher nicht zu dicht vor einer Wand stehen.

      Moskau, Landsitz Kusminki, Rossebändiger Nr. 1 (Foto: Digr, Juli 2017, CC-BY-SA-4.0)


      Moskau, Landsitz Kusminki, Rossebändiger Nr. 2 (Foto: Digr, Juli 2017, CC-BY-SA-4.0)

      Peter Clodt war nicht nur ein hervorragender Bildhauer, sondern auch Bronzegießer - eine Verbindung, die selten ist. Ihm gelangen meisterliche Güsse seiner Rossebändiger. Ein Hauptwerk der Gießkunst ist das Reiterdenkmal Nikolaus' I. Das Pferd steht nur auf den Hinterbeinen, nicht einmal der Schwanz berührt den Boden.

      Petersburg, Isaaksplatz, Denkmal für Nikolaus I. (Foto: Витольд Муратов, August 2009, CC-BY-SA-3.0)

      Clodt schuf das Reiterdenkmal in den Jahren 1856-1859. Am Sockel befinden sich vier allegorische Frauenfiguren von Robert Salemann. Eine von ihnen, wohl "der Glaube", trägt die Züge der Kaiserinwitwe Alexandra Fjodorowna - der Schwester Friedrich Wilhelms IV., dessen Reiterdenkmal vor der Alten Nationalgalerie in Berlin steht.


      Petersburg, Isaaksplatz, Denkmal für Nikolaus I., allegorische Frauenfigur "der Glaube" mit den Zügen der Kaiserinwitwe Alexandra Fjodorowna, von Robert Salemann (Foto: georgij9500, September 2009, CC-BY-SA-3.0)

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      Weitere Bilder der Rossebändiger hier im Forum an dieser und jener Stelle.

      Rastrelli wrote:

      Ein Hauptwerk der Gießkunst ist das Reiterdenkmal Nikolaus' I. Das Pferd steht nur auf den Hinterbeinen, nicht einmal der Schwanz berührt den Boden.
      War es nicht Andreas Schlüter, der ein Pferd mit nur zwei Beinen auf dem Boden erstmalig bei seinem Großen Kurfürsten zustande brachte?

      ---

      Eine weitere Pferdefigur, welche m. E. die meisterlichste und lebendigste Detailausformung bei einem Eisenguss-Pferd beinhaltet, ist St. Georg als Drachentöter (August Kiss, 1855) aus dem Großen Schloßhof, heute am Spreeufer des Nikolaiviertels.







      Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
      (Immanuel Kant)

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      Leider können wir von einem historisierenden Schlossumfeld bis auf Weiteres nur träumen. Die Berliner Zeitung gibt die Position des Senats, journalistisch reichlich unbedarft und unkritisch, folgendermaßen wieder:

      Berliner Zeitung wrote:

      ... Nach bisherigem Stand soll die Umgebung des Humboldt Forums relativ nüchtern gehalten werden, um nicht der teuer bezahlten Barock-Fassade die Schau zu stehlen.
      Aha, dann haben bis 1950 die Rossebändiger und der Neptunbrunnen den Schlossfassaden offenbar die Schau gestohlen. Komisch nur dass das damals kein Mensch so empfunden hat ...
      :gehtsnoch: :gehtsnoch:
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      Diese Scheinargumentation "die Schau stehlen" ist so unsinnig. Rossebändiger und Neptunbrunnen (sprich: eine adäquate Schlossumfeldgestaltung) vervollständigen gerade erst die Barockfassade, da sie mit ihr in Beziehung treten. Die damaligen Architekten haben solche Ensembles zu gestalten nämlich tatsächlich noch vermocht. :kopfschuetteln:
      „Sollt ich einmal fallen nieder, so erbauet mich doch wieder!“ (Inschrift am Schwarzhäupterhaus in Riga)

      Nach Baden-Baden habe ich ohnedies immer eine Art Sehnsucht.
      Johannes Brahms (1833-1897)
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      Mantikor wrote:

      War es nicht Andreas Schlüter, der ein Pferd mit nur zwei Beinen auf dem Boden erstmalig bei seinem Großen Kurfürsten zustande brachte?
      ---

      Eine weitere Pferdefigur, welche m. E. die meisterlichste und lebendigste Detailausformung bei einem Eisenguss-Pferd beinhaltet, ist St.Georg als Drachentöter (August Kiss, 1855) aus dem Großen Schloßhof, heute am Spreeufer des Nikolaiviertels.
      Der Drachentöter von August Kiß ist aus Bronze. In Eisenguss wäre das technisch gar nicht machbar gewesen.

      Schlüters Denkmal des Großen Kurfürsten ist ein klassisches Reiterstandbild mit schreitendem Pferd und drei Aufsetzpunkten. Bei dieser Gangart berühren zwar nur zwei Hufe gleichzeitig den Boden, aber ein Hinterhuf ist nur geringfügig angehoben und der Abstand zum Boden wird durch eine Stützkonstruktion überbrückt. Das Pferd steht damit doch sicher auf drei Beinen. Bei dem berühmten Ehernen Reiter in Petersburg von 1782 stellt sich das Pferd zwar auf die Hinterbeine, aber über den langen Schweif und die vom Reiter niedergehaltene Schlange ergeben sich am Ende der Plastik weitere Aufsetzpunkte.

      Praktisch zeitgleich zum Reiterstandbild Nikolaus' I. schuf in Wien Anton Dominik Fernkorn das Reiterstandbild des Erzherzogs Carl. Es wurde 1860 auf dem Heldenplatz enthüllt. Hier hat die Bronzegruppe, wie in Petersburg, tatsächlich nur zwei Aufsetzpunkte über die Hinterbeine des Pferdes. Das stellt sich steiler auf als beim Petersburger Denkmal. Dadurch und durch die starke Bewegtheit der Reiterfigur erscheinen die Massen mit Blick auf die Standsicherheit des Denkmals besser austariert als in Petersburg. Die beiden Denkmäler in Wien und Petersburg sind die frühesten Beispiele für große, in Erz gegossene Reiterstandbilder mit nur zwei Aufsetzpunkten. Im direkten Vergleich mit Wien fällt beim Nikolausdenkmal wieder die verhaltene Bewegtheit auf, welche die Arbeiten von Peter Clodt kennzeichnet.

      Übrigens waren neben Clodt auch Fernkorn und August Kiß selbst als Erzgießer tätig. Künstlerische Meisterschaft war in ihrem Metier ohne handwerkliche Meisterschaft nicht denkbar.

      Beim Drachentöter von Kiß und bei Schlüters Kurfürstendenkmal bin ich dafür, sie an ihren derzeitigen Standorten zu belassen. Sie stehen dort in einem passenden Umfeld und können von vielen Menschen gesehen werden. Die Berliner Rossebändiger gehören aber zurück an den Lustgarten. Ikonografisch passen sie nicht zu einem Gerichtsgebäude. Und überlegen wir mal, welche Präsenz sie in verschiedenen Medien haben (Tourismuswerbung, Postkarten, Reiseführer, Fernsehdokus usw.). Doch gar keine. Die Rossebändiger werden in Berlin wirklich versteckt. Anders kann man es nicht nennen.

      Im historischen Zentrum Petersburgs - Weltkulturerbe - finden wir zahllose schöne Hausfassaden und Paläste aus dem 18. und 19. Jahrhundert, viele Denkmäler, schöne Brücken, Uferstraßen, kunstvoll gestaltete Zäune und Laternen, viele Skulpturen im öffentlichen Raum. Keiner stiehlt dort dem andern die Schau, vielmehr steigert sich alles zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk.

      Berlin sollte sich ein Beispiel an Dresden nehmen. Dort hat man vor einigen Jahren das Denkmal für König Friedrich August den Gerechten aus seinem "Versteck" beim Japanischen Palais geholt und auf den Schlossplatz versetzt. Der Platz, der schon schön war, ist noch schöner geworden, und viele Menschen können sich nun an dem Denkmal erfreuen.

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