Berliner Stadtschloss - Umfeld (Schlossplatz, Schlossfreiheit, Lustgarten & Spreeufer)

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    • Seinsheim wrote:

      Der Begriff "Museumsinsel" entstand m. W. erst, nachdem das DDR-Regime das Schloss mit der Hofapotheke gesprengt hatte, um den verbliebenen städtebaulichen Torso durch eine entsprechende Namensgebung zum Normalfall zu deklarieren.
      Das stimmt nicht. Laut Wikipedia begann sich der Name Museumsinsel ab den 1870er Jahren durchzusetzen. Und ich kann auch eine Primärquelle angeben, die zeigt, dass es den Namen "Museumsinsel" schon gab, als das Schloss noch stand. Meyers Lexikon, 7. Auflage, Band 2 von 1925. Dort wird im Artikel "Berlin" die Stadtanlage beschrieben. Nach Schloss, Dom und Lustgarten wird dort erwähnt: "die Nordspitze der alten Insel Kölln als Museumsinsel mit Altem Museum ..." (es folgt die Aufzählung der anderen Museen der Museumsinsel).

      Weiter heißt es dann in dem Lexikonartikel, dass der Straßenzug Schlossbrücke - Unter den Linden vom Schloss wegführt (nicht von der Spreeinsel).

      Seinsheim wrote:

      Auch die Dom und Museen verbindende Denkmalkirche fehlt noch.
      Die Denkmalkirche hatte eine Funktion innerhalb des Domes, der die Grablege des preußischen Königshauses war. Die Denkmalkirche diente aber nicht als Verbindung zwischen Dom und Museen. Sie ragte in nördlicher Richtung nur wenig über die zum Lustgarten gelegene Domvorhalle hinaus.

      Das Fehlen des Apothekerflügels bietet den Vorteil, dass wir von der Karl-Liebknecht-Straße kommend die barocke Lustgartenfassade in Schrägsicht sehen können. Früher konnte man in Schrägsicht von Nordosten höchstens eines der beiden Lustgartenportale sehen. Für die Wirkung der prächtigen Barockfassade ist die heutige Situation besser. Im Übrigen ist geplant, die Lage des Apothekerflügels durch Bäume anzudeuten.

      Humboldt Forum und Museumsinsel bilden keine planerische Einheit. Für die Museumsinsel gibt es den Masterplan Museumsinsel. Die Bauzuständigkeit liegt hier - auch für die Freiflächen - bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK). Für den Bau und den Betrieb des Schlosses ist die "Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss" (SHF) mit einem eigenen Generalintendanten zuständig. Die Gestaltung der Freiflächen rund um das Schloss fällt in die Zuständigkeit des Landes Berlin. Für den Unterhalt des Lustgartens ist ebenfalls das Land Berlin verantwortlich. Der Berliner Dom befindet sich in kirchlicher Trägerschaft. Die Verkehrsplanung liegt in kommunaler Zuständigkeit.

      Die Staatlichen Museen zu Berlin bespielen nur einen Teil des Hufos, nämlich die Ausstellungsbereiche des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst. Nur bezogen auf diesen Teil ist das Hufo als inhaltliche Ergänzung zur Museumsinsel zu verstehen. Im Hufo gibt es aber auch andere Akteure. Die Humboldt Forum Kultur GmbH wird mit einem beachtlichen Etat ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm organisieren. Das Hufo ist nicht einfach ein weiteres Museum, sondern ein großes Kulturzentrum. Man darf gespannt sein, wie sich das konkret entwickeln wird.

      Das nächstgelegene große Museum ist übrigens das Deutsche Historische Museum. Das Zeughaus steht historisch in engem Zusammenhang mit dem Schloss. Im Umkreis des Schlosses gibt es weitere kulturelle Einrichtungen ...

      Es geht nicht darum, das Schloss zu isolieren. Ich war neulich vor Ort, habe es umrundet. Das Schloss ist großartig. Selbst mit der Baustelleneinrichtung drumherum wirkt es nicht isoliert. Es steht wie selbstverständlich da. Man sieht, dass es genau da hingehört. Es wirkt, als sei es nie weg gewesen. Die Freiflächengestaltung drumherum kann besser oder schlechter ausfallen. Wir werden sehen. Aber sie wird dem Schloss selbst nicht wirklich etwas anhaben können. Mir scheint, dass einige von euch da etwas zu ängstlich sind.

      The post was edited 1 time, last by Rastrelli ().

    • Danke für die nützliche Recherche zum Begriff "Museumsinsel".

      Dennoch sehe ich manches anders:

      Der Lustgarten ist nach NO hin kein geschlossener Raum mehr, was er ursprünglich immer war und eigentlich auch wieder werden müsste. Diesem Mangel werden auch einige Bäume auf der Grundfläche des ehem. Apothekerflügels nicht wirklich abhelfen.






      Als FW IV mit dem Ausbau des Museumsareals begann, sollte der Lustgarten gleichsam das Pendant zu Schlüters nicht realisiertem Konzept einer Place Royale von 1701 bilden: Zugang über eine repräsentative Brücke, an der einen Seite das Schloss, an der anderen Seite ein Pendant, an der Kopfseite der alles dominierende Dom, der schon von weitem als Point de Vue und als Axialdominante des Platzes wirkte.



      In Stülers und später auch in Raschdorffs frühen Entwürfen verband der Dom das Alte Museum und das Schloss sogar wie zwei Flügelbauten.



      Der ausgeführte Dom leistete dies nur noch in Teilen, der jetzige Zustand nach dem Abriss der Denkmalkirche vermag es noch weniger.

      Ursprünglich füllte die Denkmalkirche wenigsten in Ansätzen die Lücke zwischen Dom, Altem Museum und Nationalgalerie. In ihrer Außengliederung führte sie die Säulenarchitektur der Domvorhalle nach Norden fort. Diese kommunizierte ihrerseits mit den Kolonnaden des Alten Museums und dem Peribolos des Neuen Museums/der Nationalgalerie.

      Des weiteren bedeutet der Verzicht auf die Schlossterrassen einen enormen Verlust, da sie das Schloss in den Lustgarten einbetteten und mit der Treppe des Alten Museums korrespondierten (Rossebändiger-Tierkampfgruppen).

      Vergleicht man den ursprünglichen Zustand mit dem gegenwärtigen, so wirkt das Schloss ungeachtet seiner Großartigkeit weitaus isolierter als es das jemals war. Das festzustellen, hat m. E. wenig mit Ängstlichkeit zu tun, sondern eher mit Nüchternheit.
    • Vielen Dank für die Bereitstellung der alten Pläne und Ansichten. Immer sehr eindrücklich, welche Gestaltungsideen unsere Ahnen sich vorgenommen hatten. Die erste Ansicht des "Place Royale" zeigt uns die Situation von Osten her gen Westen geschaut, also Richtung "Unter den Linden"!? Der große Vierflügelbau im rechten Mittelgrund dürfte das Zeughaus sein. Die Schloßteile vorne rechts die alte Ostseite. Dann wäre der "Place Royale" anstelle des heutigen Schloßplatzes gelegen, mit einem Dom an ganz anderer Stelle, als heute. Eher nahe der alten Klosterkirche, entsprechend nach Westen verschoben. Der Lustgarten wäre ganz rechts zu verorten am Bildrand. Also eine Ansicht aus ganz anderer Himmelrichtung als die folgenden Entwürfe von Stüler und Raschdorff, die von Westen her in den Lustgarten "schauen". Wenn ich mich in der Verortung nicht irre, können die Entwürfe dann nicht vom Ort her verglichen werden. Sie zeigen dennoch das Ringen der Baumeister über die Jahrhunderte um ein königliches Zentrum im Sinne eines Gesamtkunstwerkes. Schlüters Entwurf hätte wohl ein Zuschütten des Kupfergrabens bedurft. Also wäre es vorbei mit der Spreeinsel gewesen und wir müßten uns heute hier nicht über die Definition der Museumsinsel streiten, ... :koenig:

      The post was edited 1 time, last by SchortschiBähr ().

    • Die erste Zeichnung mit dem Titel "Place Royale" ist von J.B. Broebes, der stets Fantasien zeichnete und seine Stiche als Realität ausgab. Auch bei vielen anderen dargestellten Gebäuden in Berlin und postadm hat er mit der Wahrheit nicht so genau genommen.
      „Wer sich der Vergangenheit nicht erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“ George Santayana (1863-1952), US-amerikanischer Philosoph spanischer Herkunft
    • Der Tagesspiegel hat sich in seiner Ausgabe vom 04.11.2019 mit der Errichtung des Denkmal für Einheit und Freiheit in der Berliner Mitte in einem Artikel befasst. Die geplante Eröffnung zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung ist gefährdet. Fledermäuse haben den Denkmalsockel nicht wie erhofft verlassen.

      tagesspiegel.de/berlin/bau-der…ken-bringen/25183030.html

      Ich bin der Meinung, dass das Denkmal nicht aufgebaut werden sollte. Die Mosaike sollten freigelegt werden und der Sockel leer bleiben. Das Denkmal versperrt auch die Sicht auf das neue Stadtschloss (HuF).
    • Die Kolonnaden vom Nationaldenkmal aufzustellen, war nur so ein Vorschlag. Das wurde aber nicht weiter verfolgt. Es ist schon traurig, dass man in Deutschland nicht sachlich über ein Denkmalsprojekt diskutieren kann, sondern am Ende wieder der Naturschutz und die Gerichte entscheiden oder, was wahrscheinlicher ist, das Projekt nur weiter verzögern und verteuern. Statt darüber zu reden, was ein gutes Denkmal ausmacht, redet man über das Leben von Fledermäusen. Warum klammert sich die Politik so sehr an einen Denkmalsbeschluss, von dem doch gar nicht das Wohl und Wehe unseres Landes abhängt?

      Es ist auch schade, dass man das Schloss nicht stärker als Chance begreift. Ich finde, man sollte in der verfahrenen Situation erst mal das Schloss fertigbauen und eröffnen. Keiner von uns hat doch die Westfassade mit dem Eosanderportal und der Kuppel darüber live und in Farbe gesehen. Wie groß ist denn der Platz auf der Schlossfreiheit, wenn man dort vor dem Portal steht? Welcher Raumeindruck ergibt sich? Wie sieht es aus, wenn man von der Schlossbrücke in diese Richtung guckt oder vom Schinkelplatz? Sollten wir nicht erstmal das fertige Schloss auf uns wirken lassen? Die heutige Farbfassung der Schlossfassaden gehört in eine frühere Epoche als das Denkmal und sein Sockel. Damals war die Schlossfreiheit noch mit Häusern bebaut. Das würde uns heute sicher nicht gefallen, sondern eher die freie Sicht auf das Schloss.

      Mir kam neulich bei einem Besuch vor Ort der Gedanke, man sollte das Marx-Engels-Forum teilweise bebauen. Ich finde, früher wirkte die große Freifläche zwischen Fernsehturm und Palast der Republik besser. Seit jetzt das Schloss wieder präsent ist, habe ich den Eindruck, östlich vom Schloss fehlt ein Stück Stadt. Dann kam mir noch der Gedanke: Jetzt brauchen wir hier im alten Zentrum Berlins noch einen ordentlichen Marktplatz. Die meisten deutschen Städte haben einen Marktplatz als Mittelpunkt. Das Schloss ist nun da, aber einen schönen deutschen Marktplatz kann es nicht ersetzen. Hier kommen mir jetzt Überlegungen, welche Platzqualitäten die Schlossfreiheit haben kann. Gerade in Anbetracht der ideologischen Verkrampfungen in der Debatte um das Schloss und das Nationaldenkmal sollte man, denke ich, das Schloss erstmal in der Stadt ankommen lassen.
    • Meister Lampe wrote:

      Die Fledermäuse haben den Denkmalsockel nicht wie erhofft verlassen.
      Welch eine Realsatire!! :biggrin:
      Aus unserer Sicht kann man natürlich nur hoffen dass sich die kleinen Tierchen mit ihrem Umzug noch lange Zeit lassen. Andererseits ist es aber schon traurig dass wichtige Infrastrukturprojekte in diesem Land immer wieder an solchen lächerlichen Scheinproblemen scheitern oder zu scheitern drohen (ich erinnere an die Posse um die "Kleine Hufeisennase" in Dresden).
    • Das sind doch super Nachrichten! Jetzt muss man nur noch darauf hinweisen, dass das Kaiserwilhelm Nationaldenkmal eigentlich ein Denkmal zu Ehren des deutschen Tierbestandes war. So hatte dieses doch:

      Die eigentliche Zoologie aber ist, wie folgt, vertreten: 21 Pferde, 2 Ochsen, 8 Schafe, 4 Löwen, 16 Fledermäuse, 6 Mäuse, 1 Eichhorn, 10 Tauben, 2 Raben, 2 Adler, 16 Eulen, 1 Eisvogel, 32 Eidechsen, 18 Schlangen, 1 Karpfen, 1 Frosch, 16 Krebse, zusammen 157 Tiere.

      Es wäre doch das perfekte Denkmal und passend zur aktuellen Klimadebatte ;)
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      In Anbetracht des aktuellen Baustopps der geplanten Wippe vor dem Schloss, verweise ich auf den Entwurf eines Bekannten von mir, der eigentlich Bauzeichner ist.
      Den beiliegenden Entwurf für die Wiederauferstehung der Schloss-Kolonnaden, hat er zwar nur als Freizeit-Studie entwickelt, gefällt mir jedoch um ein Vielfaches besser als das Design von Milla & Partner.
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      ALEA IACTA EST.
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      Wenn wir uns jetzt Gedankenspielen hingeben und sagen, Mensch lasst uns doch die Kolonnaden statt der Einheitswippe aufbauen so geht ein Aufschrei durch die Politik und schon wird man den Bau der Einheitswippe vorantreiben. Denkt doch nur einmal daran als Johannes Kahrs (SPD) den Vorschlag machte, die Kolonnaden wieder aufzubauen oder Marc Jongen (AfD) das Projekt "Einheitswippe" ganz kippen wollte.

      Unser Ziel muss es sein, dass das Denkmal für Einheit- und Freiheit nicht gebaut wird, der Platz leer bleibt und die Mosaike wieder freigelegt werden.