Berliner Stadtschloss - Umfeld (Schlossplatz, Schlossfreiheit, Lustgarten & Spreeufer)

  • Man muss gar nicht nach China gehen und auch nicht anfangen zu polemisieren, auch andere demokratische Länder (z.B. die Schweiz) schaffen es viel schneller. Die Wahrheit ist, dass man mittlerweile sämtliche Prozesse dermaßen bürokratisch überfrachtet hat und man keinen Vergleich mehr zu Vorzeigebürokratiestaaten wie Italien scheuen braucht, auf das man früher immer mit erhobenen (und überheblichen) deutschen Zeigefinger gezeigt hat. Jeder (selbst nicht einheimische) Lurch kann riesige Investitionen auf Jahre verzögern...

    Demokratie und Freiheit sind nur was für Leute mit Verantwortungsbewusstsein und Disziplin.

  • In dem Artikel steht immerhin dass der Zugbetrieb schon Ende dieses Jahres beginnen soll. Da bin ich ehrlich etwas baff. Ich hatte geglaubt, das wäre noch um einige Jahre nach hinten gerückt. Wenn das tatsächlich was wird, dann ist das ja mal was Gutes, kurz nach der Eröffnung des Humboldt-Forums. :)
    Ich finde den Entwurf des U-Bahnhofs übrigens recht ansehnlich, die rustizierte Optik der Wände und Bögen und dann die mit Sternen gespickten Tonnengewölbe nach einen Bühnenentwurf von Schinkel.

  • Ja, irgendwann wird auch in Berlin mal was fertig. Aber zum Ende des Jahres fährt nur die U-Bahn. Die Station "Museumsinsel" wird nicht bedient, sondern ohne Halt durchfahren. Erst im Sommer 2021 soll der U-Bahnhof eröffnet werden. Hinsichtlich der gestalterischen Qualität des Entwurfs für die Bahnsteighalle von Max Dudler bin ich skeptisch. Der Sternenhimmel soll sich nur über den Gleisen und den Bahnsteigkanten wölben. Erfahrungsgemäß wirken bei einer Station mit Inselbahnsteig und Pfeilern die Decke direkt über dem Bahnsteig, die Wände hinter den Gleisen und die Pfeiler am stärksten. Sie prägen den Raumeindruck. An diesen Stellen dominiert aber grauer Stein. Aus der fahrenden Bahn heraus ist der Sternenhimmel gar nicht zu sehen. Auch vom Aufenthaltsbereich auf dem Bahnsteig zwischen den Pfeilerreihen wird man vom Sternenhimmel nichts sehen. Ich frage mich, wer sowas plant. In Prag, Moskau oder Petersburg sind sie da nicht so dumm. Bei dieser Bauform müssen die Seitenwände und die Mitteldecke den künstlerischen Hauptakzent tragen. Die Decken über den Gleisen sind dagegen unwichtig und zeigen oft keine besondere Gestaltung. In Leipzig hat Max Dudler die Tunnelstation "Wilhelm-Leuschner-Platz" der S-Bahn entworfen. Diese gefällt mir sehr gut, hat aber eine ganz andere Bauform und gestalterische Mittel. In jedem Falle steht Dudler für strenge und moderne Gestaltungen.


    Näheres zu diesem U-Bahnhof auf der Projektseite.


    Die Bahnsteighalle liegt zum Teil unter dem Spreekanal. Das Ding, das vor dem Schloss so schräg in den Spreekanal hineinragt, dient nur als Baustellenzugang und wird zurückgebaut. Interessant finde ich, dass es an beiden Enden der Station zwei Ausgänge geben wird. Auf der Webcam Berliner Schloss Nordseite sind die beiden östlichen Ausgänge gut zu sehen. Von den westlichen Ausgängen befindet sich der eine vor dem Kronprinzenpalais, der andere auf der anderen Straßenseite zwischen Zeughaus und Kupfergraben. Der Besucherstrom zur Museumsinsel soll also vorrangig an der Ostseite des Zeughauses entlang und über die Eiserne Brücke zur James-Simon-Galerie geführt werden. Hier der Lageplan der Station. Die Tiefe der Station Museumsinsel liegt bei etwa 16-17 m. "Museumsinsel" ist damit der tiefste Bahnhof der Strecke und der einzige, der in Tunnelbauweise, nicht in offener Bauweise realisiert wird. Wie es aussieht, soll es nur einen Aufzug (auf der Schlossfreiheit) geben.

  • Ich erinnere der Bau der Nord- Süd S- Bahn dauerte von 1930- 1939, mitten durch die Innenstadt und Unterquerung der Spree und des Landwehrkanals.


    Die ersten drei Jahre wurde noch ganz demokratisch gebaut. Aber vielleicht kam ja danach der totalitäre Turbo :evil:

    " Dem Wahren, Schönen, Guten "

  • Könnte ein Forumskollege aus Berlin vielleicht diese Info-Veranstaltung des Senats zum Schlossumfeld besuchen ??

    Danke für den Hinweis.
    Ich werde diese Veranstaltung besuchen, sofern ich meinen Dienst an diesem Tage getauscht bekomme.


    Gruß aus Berlin.


    Nachtrag: Der Diensttausch hat geklappt.

    Ich werde also zugegen sein und berichten.


    Gruß aus Berlin.

  • Blick durch den Bauzaun auf Portal IV mit den noch in Bau befindlichen "Beeteinfassungen":






    Portal IV mit dem Stein mit den beiden Jahren des Baubeginns:


    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • ^ Mehr Informationen als die Fotos selbst habe ich leider auch nicht, da ich es mit der Kamera ziemlich stark heranzoomen musste. Könnte auch Feuchtigkeit im Granit sein, oder eine Ungleichmässigkeit in der Steinbeschaffenheit?

    Eingestellte Bilder sind, falls nicht anders angegeben, von mir

  • Der Tagesspiegel berichtet über die gestrige Diskussionsveranstaltung in der Urania über das Schlossumfeld, in der viele Teilnehmer ihrem Ärger über dessen modernistisch-steinerne Gestaltung Luft machten.


    Etwas widersprüchlich sind die Angaben zum Neptunbrunnen und den Rossebändigern:

    Immerhin hat sich Berlin so weit bewegt, die Voraussetzungen für die Rückkehr der beiden Großskulpturen zu schaffen. Also auf der Lustgartenseite die zwei Skulpturen der Rossebändiger sowie vor dem früheren Haupteingang im Süden den “Schlossbrunnen“. Die Fundamente sind gelegt. Aber damit der eigentliche Umzug geschieht, müssten Zivilgesellschaft und Bund nicht nur den Senat nötigen, sondern auch den Landschaftsplaner. Herrmann sagte: „Eine Rückführung des Brunnens näher ans Portal ist mit uns nicht machbar.“ Wenn überhaupt, dann müsse der Brunnen an seinen ursprünglichen Platz. Dazu müssten aber „zentrale Anlagen“ für die Versorgung Berlins mit Fernwärme umgebaut die Straße verlegt werden.

    Die Fundamente sind gelegt, aber eine Rückkehr ist seitens der Bestimmer von BBZ und Senat nicht erwünscht?? huh:)

  • Vielleicht sind die Fundamente ja näher am Schloss gelegt, nicht am Originalstandort.


    Oder die Aussage ist bloß eine Metapher.


    Weiß jemand, wieviel näher der Brunnen ans Schloss müsste, ohne die Straße zu verlegen?

  • Werte Gemeinde,


    ich war gestern bei der Podiumsdiskussion in der Urania und werde morgen darüber berichten.

    Ich bitte um Geduld bis dahin.


    Danke!


    Gruß aus Berlin.

  • Liebe Gemeinde,


    so wie in dem oben beschreibenden Artikel trug es sich zu.

    Es wurde auch arg kritisiert, dass die ahistorische schnurgerade Straßenführung über den Schlossplatz nicht in Abstimmung mit den Verantwortlichen des Baus des Stadtschlosses vollzogen wurde.


    Herr Herrmann argumentiert, dass unter Berücksichtigung des aktuellen Straßenverlaufs eine Rückführung des Schlossbrunnens (Neptunbrunnen) nur dann erfolgen könne, wenn man diesen näher vor Portal |V setzte, dies mit ihm aber nicht zu machen sei.


    Ein Schelm wer dabei...


    Eine Rückverlegung des Brunnens an seinen angestammten Platz ginge mit einer Umverlegung der Straßenführung und Umbauten der unterirdischen Fernwärmeanlagen einher, was zu kostenintensiv wäre.

    GÄHN!


    Ich hatte den Eindruck, dass diese steinerne Wüste an der Südseite des Schlosses etwas unbeholfen verteidigt wurde.


    Ferner wurde argumentiert, dass Platz für die Logistik, behindertengerechte Parkmöglichkeiten und Platz für den zu erwartenden Zweiradverkehr bereit gehalten werden muss.
    Und das würde man nun mal mit dem Schlossplatz gewährleisten, da man dem Humboldtforum sonst die Baugenehmigung entziehen müsste.


    Spätestens hier fiel es mir schwer mich ernst genommen zu fühlen.


    Positiv festzuhalten bleibt aus meiner Sicht, dass die historischen Räume durch die vorgesehene Bepflanzung erfahrbar gemacht werden sollen, der historische Höhenunterschied auf der Lustgartenseite durch die Neuinterpretation der Schlossterrassen aufgegriffen wird, Holzbänke zur Verwendung kommen, eine Rückführung der Rossbändiger schon jetzt möglich wäre und der Saal geschlossen die Hand hob, als Herr André Schmitz die Frage stellte, wer denn für die Rückführung des Schlossbrunnens an seinen angestammten Platze sei?


    Wir alle sind gefragt.


    Im Übrigen erfreute sich die uns drohende Einheitsschale geringem Zuspruch.


    Gruß aus Berlin.


    P. s.: Am 19. März wird es wohl noch mal eine Veranstaltung geben, auf der die Möglichkeit besteht, für die Rückführung des Brunnens zu stimmen.

    Diese Gelegenheit werde ich ergreifen.


    Die genaue Adresse ist mir entfallen.

    Evtl. kann jemand helfen?

    Ansonsten melde ich mich, sobald ich die in Erfahrung gebracht haben werde.

  • Das hätte alles vermieden werden können, hätte man das Schloss gedreht - also parallel zum Schloßplatz - zur Spree und zur K-L-Str. wieder aufgebaut.

    Auch das Fundament des Nationaldenkmals hätte dann halbwegs parallel im Kupfergraben gestanden. :unsure:


  • Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Immerhin werden die beiden Rossebändiger statisch eingerechnet - das gibt Hoffnung. Trotzdem wird der Landesdenkmalpfleger einer Veränderung des Gartendenkmal "Kleistpark" nicht zustimmen. Aber man weiß ja nie, und vielleicht schlagt Gerhard Schröder bei Wladimir Putin eine Kopie der beiden Figuren der Anitschnikoff-Brücke in Petersburg, vielleicht als Variation die beiden Rossebändiger, die noch nicht als Zweitguß in Berlin und Neapel stehen.


    Beim Brunnen liegt die Ursache tief: Regula Lüscher Und Manfred Kühne weigern sich den Schloßplatz (also den historischen Schloßplatz, die heutige Südseite des Schlosses) als Platz zu sehen. Als solcher bedarf der Platz Platzwänden, die ihm im Westen und auch Osten eben noch fehlen. Rekonstruiert man die Brunnenumfahrt würde deutlich, daß der Schloßplatz eine kaiserzeitliche Paraphrase auf die Piazza Navona ist und das Erfordernis der Bebauung des "Roten Schlosses" und der Burgstraße träge offen zutage. Beides fürchten Lüscher & Co wie der Teufel das Weihwasser.

    „Ärzte können ihre Fehler begraben, aber ein Architekt kann seinen Kun­den nur raten, Efeu zu pflanzen.“
    George Sand

  • Dabei wurde der Neptunbrunnen ja von den Bürgern gestiftet. Und er enthält keinerlei imperiale Motive - im Gegenteil. Neptun kehrt dem Schloss den Rücken zu und blickt Richtung Cöllner Rathaus. Aber solch differenzierte Betrachtungen überfordern Ideologen wohl.