Berliner Schloss - Umfeld

  • @SchortschiBähr
    Deine Hoffnungen sind unbegründet. Ein Animationsfilm ist etwas anderes als ein Denkmal. Die angeblichen Urheber müssten zudem den Klageweg beschreiten, um ihre Rechte durchzusetzen. Das wollen sie aber offensichtlich nicht tun. Vermutlich auch, weil sie wissen, dass es nichts bringen würde. So haben sie sich mal ins Gespräch gebracht. Das wird ihr Ziel gewesen sein, mehr nicht.


    Das Zitat von Anonymus, das du bringst, ist auch sinnlos. Schon der Vergleich mit der Granitschale vor dem Alten Museum zeigt das. Es liegt nahe, dass Milla seinen Denkmalsentwurf verteidigt. Wer seinen Entwurf bearbeitet, begeht Urheberrechtsverletzung. Das ist der springende Punkt. Kritik üben, darf jeder. Aber sich den Entwurf aneignen (klauen) und verändern, das ist nicht erlaubt.


    Ich kann gut verstehen, dass dir und anderen das Einheitsdenkmal nicht gefällt. Ich sehe aber nicht, dass es jetzt noch gestoppt wird. Ich kann mir auch vorstellen, dass das Denkmal am geplanten Standort gar nicht so schlecht wirken wird, wie von vielen befürchtet. Ich halte aber auch ein Fiasko für nicht ganz ausgeschlossen, neige jedoch eher der ersteren Annahme zu. Eine Wiedererrichtung des alten Nationaldenkmals wäre sicherlich ein schönes Projekt. Da wüsste man auch, was man bekommt, aber politisch durchsetzbar ist es eben nicht. Zumal in der Kaiserzeit Deutschland Kolonialmacht war. Das Nationaldenkmal stünde also konträr zum Inhalt des Humboldt Forums.

  • Im Prinzip stimme ich "Rastrelli" zu.


    Nur den Punkt mit dem Kolonialbezug halte ich für konstruiert. Das alte Nationaldenkmal verherrlicht nicht das Kolonialreich. Es findet sich dort ja meines Wissens nach auch kein Bezug zu den Kolonien. Somit müsste heute jedes Kulturerzeugnis der Kaiserzeit als politisch-unkorrekt gelten, weil es in jener Zeit Kolonien gab (wie bei allen westlichen Großmächten).


    Zudem stünde es für die radikalen "Antikolonialisten" gar nicht "konträr zum Inhalt des Humboldt Forums", sondern konform. Für diese werden ja im Humboldt-Forum gerade koloniale, unkorrekt erworbene "Beutestücke" zur Schau gestellt. Ganz im Einklang mit den angeblichen einstigen Kolonialinteressen.
    Wir sehen, wenn man sich auf solche Diskurse einlässt, hat man umgehend verloren. Wie bei jedem dieser "anti"-Diskurse, die im Handumdrehen morgen jeden eigenen Vertreter durch eine noch radikalere Drehung selbst zum Unmensch stilisieren, der heute noch im Chor mitpfeift.


    Aber, grundsätzlich stimme ich zu. Das alte Nationaldenkmal ist politisch nicht durchsetzbar. Nicht in der Mitte der Hauptstadt und mit einer rot-rot-grünen Stadtregierung. An den Bau irgendwelcher halbgar-postmodern abgespeckter Kolonnaden ohne weiteren Denkmal-Inhalt glaube ich auch nicht recht. Die Schale kann hingegen bei wertiger Ausführung interessant wirken.
    Allerdings wird sich zeigen, ob auch sie wirklich realisiert wird. Denn es gibt ja Kräfte, die gar kein positives Gedenken an 1989/90 wünschen, es insofern zu hintertreiben versuchen werden.

  • An der Stelle des Nationaldenkmal gab es doch für einige Zeit eine Flussbadeanstalt mit einem bildschönen kleinen Gebäude. Hat dazu jemand ein Bild / Link?

  • Bevor das Nationaldenkmal errichtet wurde gab es dort die Wassermühlen, dann das Café Helms. Wann soll das mit der Flussbadeanstalt gewesen sein?


    Leopold Ahrendts, Ansicht der Häuser der Schlossfreiheiit von der Schlossbrücke her, 1865:


    Schloßfreiheit

  • Ja das links vom Café Helms könnte in der Tat eine Flussbadeanstalt gewesen sein, also erst nach dem Abriss der Mühlen eingerichtet. In der Öffnung scheinen so eine Art Kabinen (Duschen?) zu sein.


    Foto F. A. Schwartz mit dem zinnenbekrönten Eingang zum Flussbad, 1887 (?):


    Schlossfreiheit


    Entweder zeigt es im Vordergrund den Bau des Café Helms, also 1882 oder aber bereits den Abriss 1893 desselben. Die Jahresangebe 1887 oben ist damit fraglich



    Während des Abrisses der Häuser der Schlossfreiheit:


    Schlossfreiheit

  • Badeanstalt hinter den Werderschen Mühlen an der Stadtschleuse


    Die "Badeanstalt hinter den Werderschen Mühlen an der Stadtschleuse" hieß im Volksmund kurz "Sechserbad" (wegen des Eintrittspreises) oder "Magistratschwemme" und war zu Anfang ausschließlich der männlichen Bevölkerung vorbehalten. Um 1890 wurde sie zu einer "modernen Doppelbadeanstalt" umkonzipiert, die für beide Geschlechter geöffnet war. Sie war so gebaut, daß die Umkleidekabinen wie Hausboote auf der Spree schwammen und für 120 Badegäste Platz boten. (Arnold/Arnold, S.33)


    "Breite Treppen führten zu zwei Balkonen, von denen man einen guten Überblick über die Bassins hatte. Außer den offenen Oberlichtern über den Bassins waren in den Außenwänden des Mittelbaues zur Erzielung einer angenehmen Beleuchtung in der Halle zahlreiche bunte Glasfenster angebracht. Der Reinigung vor dem Baden dienten zwei geräumige Brauseräume, die reichlich mit Kopf-, Strahl- und Sitzbrausen ausgestattet waren." (Bohm zitiert nach Arnold/Arnold, S.33)


    Durch ihre Größe und Zweckmäßigkeit wurde die Badeanstalt an der "Schlossfreiheit" als eine der schönsten Flußbadeanstalten Berlins erachtet. (Arnold/Arnold, S.33)Im Zuge des Umbaus der "Schlossfreiheit" wurde die Badeanstalt 1894 an die Waisenbrücke verlegt.


    Quelle: http://www.zeitreisen.de/schlo…eschichte/badeanstalt.htm

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Auf jeden Fall soll es eine neue Freitreppe an der Schlossfreiheit geben. Hier ist auch der Wasserzugang für das im Spreekanal an der Museumsinsel geplante „Flussbad Berlin“ vorgesehen.


    https://berliner-schloss.de/bl…e-an-der-schlossfreiheit/
    (Quelle: Förderverein Berliner Schloss, 25.04.2019)


    „Flussbad Berlin“ ist ein Stadtentwicklungsprojekt zur Reaktivierung des seit über 100 Jahren weitgehend ungenutzten Spreekanals im Herzen des historischen Berlins. Das Projekt gliedert den Spreekanal in drei Abschnitte unterschiedlicher Nutzung, Atmosphäre und Funktion.


    (Quelle: Projekt - Flussbad)

  • Und auf der 'Wippe' kann man sich dann sonnen! Dufte!


    Ich war bei einer Veranstaltung in der Karl-Liebknecht-Str zum Thema Stadtbad und da hieß es noch, der Zugang erfolgte neben dem Staatsratsgebäude, als da wo die Grünfläche neben dem Spreekanal ist und dort soll es dann auch Umkleideräume, Toiletten etc. geben. Ist vielleicht schon wieder überholt. Sollte mich dann freuen, wenn man dort ins Wasser steigt, bis hier zu den Treppen am Schloss schwimmen kann und dann, da erschöpft, nackt auf dem Landweg zurück läuft. Det wär Berlin!

  • Also wenn man sich die Webcam des Ostflügels anschaut, habe ich schon seit Wochen das Gefühl die bauen nach dem Kinoklassiker ,, Den sie wissen nicht was sie tun " . Da werden wieder Gräben gezogen wo vor einiger Zeit alles Plan gezogen wurde, man hat offensichtlich die Entwässerung vergessen. Aber dieser Ostflügel ist schon von seinem Konzept totaler Murks. Allein die überdimensionierten Rampen sind grauenhaft.
    Da Trauer ich dem alten Ostflügel sehr nach ! :wuetenspringen:


  • Zustimmung. Die jetzige Lösung ist mir zu klotzig. Gerade, wo die runde Ecke ist, kommt ihr die Ostseite viel zu nahe. Bei Kollhoff hätte sich auch eine harmonischere Abfolge der Uferfront - Marstall/Schloss/Dom - ergeben. Jetzt wird diese Abfolge durch die Ostseite sehr negativ beeinträchtigt . . . mal von der völlig vermurksten neuen Rathausbrücke abgesehen . . .


    Kollhoffs Lösung + eine rekonstruierte Kurfürstenbrücke wäre vermutlich nicht teurer, aber sehr viel schöner gewesen . . .

    "Mens agitat molem!" "Der Geist bewegt die Materie!"

  • Wer Kolhoff sagt, muss auch sagen: Keine Innenseiten von Portal II, III und IV, keine Durchfahrten in den Portalen I-V und kein Foyer, sondern Kinosaal.


    Nimm das Recht weg, was ist der Staat dann noch anderes als eine große Räuberbande? (Augustinus von Hippo)

  • Stimmt genau. Der von den Schlossgegnern immer wieder beschworene Widerspruch zwischen Barockfassaden außen und modernem Völkerkundemuseum innen ist m.E. bei Kolhoff tatsächlich wahrnehmbar und besonders extrem ausgeprägt. Kolhoff wäre keine gute Wahl gewesen, trotz deutlich besserer Ostfassade als bei Stella. Aber man muss eben das Gesamtpaket sehen.
    Und der Eosanderhof als futuristischer Kinosaal, in dem man sich in der Konzernzentrale von Apple wähnt?? Ein Grauen! Stattdessen bekommen wir an gleicher Stelle die herrliche Agora von Stella. Gut so.

  • Wer Kolhoff sagt, muss auch sagen: Keine Innenseiten von Portal II, III und IV, keine Durchfahrten in den Portalen I-V und kein Foyer, sondern Kinosaal.

    Es ging mir in erster Linie um das äußere Erscheinungsbild. Was das Gesamtkonzept betrifft, hätte man das sicher auch mit Kollhoff noch mal entsprechend überarbeiten können. denke nicht, dass sich jemand wie er dagegen verwehrt hätte. Hilft aber nichts. Alles in allem ist es eh fast ein Wunder, dass das Schloss überhaupt zurückkommt.

    "Mens agitat molem!" "Der Geist bewegt die Materie!"

  • ja, wir haben Schwein gehabt dass es dieses Gebaude jetzt überhaupt gibt, dass sollen wir tatsaechlich nie vergessen.
    die Anti Schloss Kraefte haben wirklich alles versucht in den vergangenen Jahren, dass Schloss zu ""blockieren"" man hat wirklich ""tausend"" Argumente benutzt es zu verhindern …(auch Alle Medien waren nicht gerade Schloss Freunde )


    Uebrigens:


    die beste Loesung waere damals eine Mischung aus den Entwuerfen von Stella ( West und MIttel Teil ) und Kollhoff
    (Ost Teil )gewesen, aber gut, ich kann damit leben.
    Uebrigens ist Kollhoff ein grosser Fan der Bauakademie, aber dass wisst ihr sicher schon!

  • Ob ohne F. Stella die Rückseiten der Portale II bis IV samt Durchfahrten gekommen wären, vermag ich nicht zu sagen. Ich bin da eher skeptisch. Sein Hauptargument war von Anfang an, dass die Außenseite eines Blocks auch der Innenseite entsprechen müsse. Darum wollte er ursprünglich auch den Eosanderhof weitgehend herstellen, während er sich resistent zeigte, die zwei barocken Westachsen des Schlüterhofs mitzurekonstruieren, weil es auf der Seite zur Passage kein Pendant gab. Die Portale hat er immer als Stadttore gesehen, daher auch die Durchfahrten.
    Ob ein anderer Architekt das in sein Programm nachträglich hätte aufnehmen können, obwohl es nicht integraler Bestandteil seines Konzepts gewesen wäre, weiß ich nicht.

    Nimm das Recht weg, was ist der Staat dann noch anderes als eine große Räuberbande? (Augustinus von Hippo)

  • Zufällig habe ich ein Foto entdeckt, das Reinhold Begas in seinem Atelier bei der Arbeit am Modell des Reliefs mit der Furie des Krieges zeigt. Das danach geschaffene Bronzerelief war Bestandteil des Sockels des Nationaldenkmals Kaiser Wilhelm I. auf der Schlossfreiheit in Berlin. Wenn man die Körpergröße von Reinhold Begas im Verhältnis zur Höhe des Reliefs als Vergleichsmaßstab nimmt, so wird einem erst bewußt, wie groß das Denkmal zur Deutschen Einheit von 1871 tatsächlich gewesen sein muss.