Berliner Schloss - Umfeld

Die Wahl des Gebäudes des Jahres 2020 findet statt. Bis 28.02. habt ihr Gelegenheit abzustimmen. Vereinsmitglieder schauen mal in ihrem Email-Postfach nach, Forenmitglieder können hier im Forum auf Abstimmung des Gebäudes 2020 abstimmen.
  • Wer hätte gedacht dass es ausgerechnet von der taz massive Kritik am neuen Schlossumfeld geben würde? So geschehen: "Graue Ödnis... steinerne Realitätsverweigerung" etc., hier der >> Link zu taz.


    Aus klimatischer Sicht ist die derzeitige Gestaltung m.E. nicht einmal das größte Problem, das nahe Marx-Engels-Forum und die Spree sorgen auch an heißen Sommertagen für Durchmischung mit kühlerer Luft. Das eigentliche Problem ist der ästhetische Aspekt: Das bbz-Umfeld ist einfach unendlich öde, phantasielos, geschichtslos und dem neuen Schloss unwürdig. Und das liegt weniger an den vielen Steinen, sondern an bbz selber. Man vergleiche z.B. den von bbz neu gestalteten Rathausplatz in Troisdorf, dann erkennt man, dass bbz durchaus nicht die talentiertesten Landschaftsplaner sind (auch unter der Prämisse, dass Geschmäcker höchst unterschiedlich sind).

    Wie auch immer, bbz sind von sich selber sehr überzeugt:

    Aus der sorgfältigen Analyse des Ortes heraus entwickeln wir maßgeschneiderte Lösungen für die jeweiligen Nutzungen. Die zeitgemäßen und nachhaltigen Lösungen zeichnen sich durch Reduktion auf das Wesentliche, Klarheit und Eleganz aus. Kern der Arbeit von bbz landschaftsarchitekten ist eine klare und präzise Raumkonstellation. Die Qualität der räumlichen und gestalterischen Lösungen wird sinnlich und real erlebbar. Unsere Entwürfe bieten neue und ungewohnte Wahrnehmungen und Raumerlebnisse. Wir fühlen uns den Anforderungen des öffentlichen Raumes verpflichtet, modische Verspieltheit und Aufgeregtheit liegen uns fern. Unsere besondere Aufmerksamkeit gilt hierbei der Pflanze, als dynamisches Element von Wachstum und Wandel.

    Von einer "besonderen Aufmerksamkeit gegenüber der Pflanze" ist jedenfalls auf dem Schlossplatz nicht sonderlich viel zu merken. Von der angepriesenen "Sinnlichkeit" ganz zu schweigen. :augenrollen:

  • Aus klimatischer Sicht ist die derzeitige Gestaltung m.E. nicht einmal das größte Problem,

    Naja, im Hochsommer auf dem kahlen steinernen Platz vor sich hin zu schmoren, ist nun auch nicht gerade das vergnüglichste.

    Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden.

    Horst Seehofer

  • Wer hätte gedacht dass es ausgerechnet von der taz massive Kritik am neuen Schlossumfeld geben würde? So geschehen: "Graue Ödnis... steinerne Realitätsverweigerung" etc.,


    Das zeigt mal wieder, dass die parteipolitisch-ideologische Vereinnahmung von Architektur und Stadtbild Unsinn ist.


    Der taz-Artikel ist wirklich super...https://taz.de/Graue-Oednis-am-Berliner-Humboldt-Forum/!5734924/

    Die Ostfassade wird zu recht als "Gigantisches Abluftgitter" bezeichnet.



    Und offensichtlich sind ja nicht die bösen Politiker und Beamten für alles schuld, denn wie es heißt...:

    "Grau wäre also ein zweites Eigenschaftswort für die Schlossumgebung, wenn auch keine „Fifty Shades of Grey“, sondern nur zwei. Etwas masochistisch muss man dennoch veranlagt sein, um dieser grau-haften Ästhetik etwas abgewinnen zu können.

    Ähnlich sahen das wohl auch die Vertreterinnen und Vertreter von Land und Bund in der Jury des Freiraumwettbewerbs. Ihnen, so war es 2013 zu hören, hatte der andere, weitaus grünere Entwurf, der damals noch im Rennen war, deutlich besser gefallen. Den Ausschlag aber gaben die Fachrichterinnen und Fachrichter, also die Zunft der Architekten und Landschaftsarchitekten."

  • Weil es ein Zitat war, und Zitate verändert man nicht. Aber mir ist die fehlende Genderung auch aufgefallen - und das ausgerechnet in der taz! 😂

  • Das zeigt mal wieder, dass die parteipolitisch-ideologische Vereinnahmung von Architektur und Stadtbild Unsinn ist.

    Es zeigt wieder einmal, dass die Ziele grün-linker Ideologie oft nicht miteinander vereinbar sind. Zum einen ist man für eine ökologische Orientierung der Stadtgestaltung, zum anderen will man aber die gefühlte Wiederauferstehung des preußischen Junkertums wenigstens auf das Gebäude selbst begrenzen.


    Beides gleichzeitig ist nicht einfach, und das sonst übliche "Am liebsten beides - weg mit dem Schloss!" war nicht mehr möglich. Daher gibt es im grünlinken Lager (verständlicherweise) Diskussionen darüber, welches der beiden Ziele höher zu bewerten ist.


    Im Grunde muss man froh sein, dass niemand auf die Idee gekommen ist, das Schlossumfeld mit von Brombeeren umwucherten, schnellwachsenden Pappeln zu bepflanzen und das entstehende Ensemble als Landschaftsschutzgebiet zu verewigen...

    _______________________________________
    Gutmensch = Gut gemeint, nicht zuende gedacht, schlecht gemacht

  • Ich habe mir eben auf der Webcam des Förderverein Berliner Schloss e.V. das Stadtschloss angeschaut und muss sagen, jetzt wo das Umfeld aufgeräumt und die Container weg sind kommt das Umfeld in der Dunkelheit sehr gut zur Geltung. Aber wie ihr schon gesagt habt, der Platz ist ziemlich leer, ohne Neptunbrunnen, Rossbändiger und den kleinen Terassen.

  • Die Diskussion hier ist wenig hilfreich. Was wollt Ihr denn JETZT konkret auf welche Weise erreichen?


    Unter den momentanen Bedingungen können wir m. M. n. froh sein, wenn an der Gestaltung des Umfeldes nichts geändert wird. Ich würde es für sehr unglücklich halten, wenn ausgerechnet von unserer Seite die öffentliche Aufmerksamkeit auf dieses Thema gelenkt wird.


    Haltet doch einfach mal die Füße eine Weile still und legt Euch den Punkt "auf Wiedervorlage".


    Euch allen ein Frohes Neues Jahr!

  • .... Unter den momentanen Bedingungen können wir m. M. n. froh sein, wenn an der Gestaltung des Umfeldes nichts geändert wird. Ich würde es für sehr unglücklich halten, wenn ausgerechnet von unserer Seite die öffentliche Aufmerksamkeit auf dieses Thema gelenkt wird.

    Haltet doch einfach mal die Füße eine Weile still und legt Euch den Punkt "auf Wiedervorlage".

    fällt mir zwar extrem schwer, ist aber unter den Umständen richtig!

  • Im Grunde muss man froh sein, dass niemand auf die Idee gekommen ist, das Schlossumfeld mit von Brombeeren umwucherten, schnellwachsenden Pappeln zu bepflanzen ...

    Also die Ostfassade so umwucheren zu lassen hätte doch Charme...wie bei Dornröschen

  • Rastrelli,die Neubauten am Schinkelplatz sind nicht nur kraftlos und blass,sie sind allsamt architektonisch völlig unharmonisch für den Platz.Aber es war ja anscheinend bewusst als moderner Bruch gewollt ,von den Verantwortlichen,wie auch das unmittelbare Schlossumfeld.

  • Rastrelli,die Neubauten am Schinkelplatz sind nicht nur kraftlos und blass,sie sind allsamt architektonisch völlig unharmonisch für den Platz.Aber es war ja anscheinend bewusst als moderner Bruch gewollt ,von den Verantwortlichen,wie auch das unmittelbare Schlossumfeld.

    Ja ja, der Weg in die Gegenwart ist der längste.

    Auckland bei Nacht

  • ... bewusst als moderner Bruch gewollt ...

    Wie nur konnten die modernen Architekten es schaffen, den Begriff "Bruch" in diesem Zusammenhang positiv zu besetzen? Und wer hat Libeskind, Foster & Co. hier die Meinungsführerschaft übertragen?


    Hinter diesem Schachzug stand vermutlich in etwa folgende Motivation: Wenn wir schon diese uralte, ineffiziente Architektur nicht beseitigen können, brauchen wir wenigstens einen künstlerischen Vorwand, um unsere einfallslosen Klötze direkt daneben stellen zu dürfen...

    _______________________________________
    Gutmensch = Gut gemeint, nicht zuende gedacht, schlecht gemacht

  • Der von manchen Architekten inszenierte „Bruch“ mit früheren Städtebauprinzipien, Architektur- und Kunststilen (Palladio) zeigt m. E. eine heutige Arroganz, wonach „zeitgemäßes“ Bauen und Gestalten durch Klarheit, Großflächigkeit und Schnörkellosigkeit früheren „rückständigen“ und „überladenen“ Stilen überlegen ist. Es gibt heute (eher selten) hervorragende, gegenüber dem Umfeld harmonisch-einfühlsame, moderne Architektur, leider sehr oft aber phantasielose großflächig-monotone Kastenbauweise (z. B. Innenministerium). Zudem vertreten gerade prominente Architekten die Einstellung, durch disfunktional verdrehte, überraschende, gegenüber der Umwelt rücksichtslose, narzisstische Bauten („Bruch“) auf sich aufmerksam zu machen. Die Aufenthaltsqualität der Anschauung zu steigern und die Ästhetik anzusprechen, kommt dabei oft zu kurz.

  • Was ich allerdings an der Diskussion nicht ganz verstehe: Am Schinkelplatz kann ich keine Intentionen erkennen, einen irgendwie gearteten Bruch herzustellen -- außer dass man versucht hat, in den Details mit zeitgenössischen Details zu arbeiten. Am Gebäude ganz rechts findet sich ja sogar eine Art Ornamentik. Sie bleibt freilich im heute üblichen Abstrakten. Somit kann man sich fragen, ob die Integration in den Stadtraum gelungen ist oder nicht so sehr-- aber intendiert war sie grundsätzlich schon, abgesehen von der modernen Formensprache.

  • Maßwerk

    Ich sehe da auch keinen beabsichtigten Bruch. Im Detail und aus der Nähe ist abstrakte Ornamentik erkennbar, aber aus nur wenig größerer Entfernung sind die 3 Gebäude links von der Kommandantur eben ziemlich glatt und strukturlos geraten. Etwas profilierte 3-Dimensioanlität im Mauerwerk würde wenigstens auch je nach Tageszeit Schatteneffekte generieren. So wirken die Gebäude m. E. einfach zu platt.

  • Der Berliner Kurier hat sich am 13.01.2021 mit der Zukunft der Mosaike des Kaiser- Wilhelm-Nationaldenkmal in einem Artikel beschäftigt.


    https://www.berliner-kurier.de…ueckkehren-soll-li.132186


    Ich kann die Kulturstaatsministerin nicht verstehen, überall wird von Brüchen gesprochen und hier kann man Alt und Neu wunderbar verbinden. Aber nein, sie kehren nicht an ihren Ort zurück. Nun ja der Sockel wurde ja auch schon zerstört aber vorher mit Steuergeldnern noch instand gesetzt.


    Zum Thema Sockel, es gibt noch einige erschütternde Bilder in einem Bericht der Berliner Zeitung vom 07.01.2021. Der Bericht ist übrigens gesperrt :sad:.


    https://www.berliner-zeitung.d…rberei-li.130563?pid=true


    Es ist Kulturbarberei :augenrollen::augenrollen::augenrollen:

  • Mal ein ganz allgemeiner Hinweis zum Berliner Schloss: Die historisch korrekte Bezeichnung ist "Berliner Schloss". Den Begriff "Stadtschloss" verwendet man in der Berlin-Potsdamer Schlösserlandschaft nur für das Potsdamer Stadtschloss. Dieser Fehler schleicht sich immer weiter ein. Vielleicht könnten wir das in den Titel hier korrigieren.