Bremen - Schwachhausen

Wir wünschen allen Nutzern ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2021
  • Lauermann-Kataloge dringend gesucht !


    Es ist übrigens nicht davon auszugehen, daß es sich bei dem Bauschmuck an der Schwachhauser Chaussee Nr. 106 um Sonderanfertigungen für dieses Gebäude handelte. Es dürfte sich vielmehr um die Produkte von Modeln handeln - vorzugsweise der Firma Albert Lauermann aus Detmold. Daher dürften sich in deutschen Landen eventuell weitere 'Exemplare' an zeitgenössischen Gebäuden finden lassen. Und das führt wiederum zu einem - von uns allen sicherlich heiß ersehntem - Desiderat: Dem Auftauchen der Betsellkataloge von Lauermann. Für am historistischen Bauschmuck Interessierte dürften diese eine wahre Fundgrube - gerade auch zur ikonographischen Entschlüsselung - sein !

  • Vor einem halben Jahr verschwand die Villa Gross von der Bildfläche. Dafür verantwortlich zeichnete sich der Baulöwe Thorsten Italiano. Zur Stunde des Abriss' war er im Kreise seiner Familie Zeuge, als die Bagger ihre Hand an das 'Medienhaus' legten. Pizza-mampfend wurde zugeschaut, wie die Villa in Staub und Asche versank. Vernichtung von Kulturgut als Live-Event für die ganze Familie. Vernichtung als Anschauungsmaterial und Unterricht für die nächste Generation.


    Nun, ein halbes Jahr später verdichten sich damals gewonnene Indizien:

    Die Abrissgenehmigung war das einzige Dokument, das Italiano als 'Zählbares' in der Hand hielt.

    Wie ein Weser-Kurier Artikel am heutigen Tag darlegt, fehlt dem Bauherr schlicht Geld, da noch nicht genug potenzielle Käufer für das Projekt gezeichnet haben, damit die Bank ihr 'Okay' für das Projekt gibt.

    Außerdem klagen die Anwohner weiterhin erfolgreich – und verzögern das Projekt damit unvorteilhaft für den Investor.


    Es zeigt, dass Italiano Anfang Oktober durchaus in der Lage gewesen wäre, den Abriss der Villa Gross aufzuhalten oder auszusetzen, damit die Bürgerinitiative weiter Verhandlungen mit Interessenten für den Erhalt der Villa hätte führen können – darunter auch die Stadt Bremen.


    Es ist daher doppelt bitter, dass das rigorose Verhalten eines beleidigten Investors zum vorschnellen Abriss der Villa Gross führte. Die Villa könnte noch stehen, da kein unmittelbarer Bauzwang vorlag.


    Vor Sommer 2020 wird sich auf der Brachfläche an der Schwachhauser Heerstraße laut Auskunft des Investors und Eigentümer Italiano nichts tun.

  • Tja, wie man solche Menschen bezeichnet, dem enthalte ich mich jetzt lieber, der Forenetiquette zuliebe.

    "We live in the dreamtime-Nothing seems to last. Can you really plan a future, when you no longer have a past." Dead Can Dance - Amnesia

  • Ich war bisher kein Anhänger von Verschwörungstheorien. Trump hat Corona über die Chinesen gebracht, um deren Wirtschaft zu schädigen? Blödsinn! Die Mondlandung der Amerikaner wurde in Wirklichkeit im Filmstudio inszeniert? Unsinn! Verantwortlich für den Flugzeugcrash am World Trade Center war die CIA/das FBI? Schwachsinn!

    Nun bemerke ich aber, dass ich bei bestimmten Themen langsam verschwörungsaffin werde. Nach einer Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht hatte der Staat Bremen Recht bekommen, dass die Polizeikosten zwischen Bremen und der DFL/DFB zu teilen sind. Seitdem gewinnt Werder Bremen kein Spiel mehr. Entweder hat DFL/DFB den Spielern was ins Essen getan oder aber, die Spieler sind alle bestochen worden

    Eine weitere verschwörungstheoretische Einschätzung bemerkte ich bei mir im Fall des Medienhauses. Das absolute Böse, Lord Voldemort, dessen Name ja eigentlich nicht genannt werden darf, hat nun via Presse erklärt, dass ihm das Geld ausgegangen ist. Das Geld für den Kauf des Medienhauses war da, das Geld für den Abriss des Medienhauses war da, aber nun fehlt ihm das Geld für den Bau eines hässlichen Riesen-Gebäudes. Ist er ein schlechter Kaufmann oder ein großer Trickser? Nachdem mir kürzlich ein Bekannter erzählt hat, dass in München die Bodenpreise um bis zu 31 000 % gestiegen sind (fragt sich natürlich, ab wann er gerechnet hat - ab dem Mittelalter oder ab 2010?), können wir davon ausgehen, dass der Kauf eines Grundstücks und das sich daran anschließende NICHTBEBAUEN eine ganze Menge an Kohle einspielen kann. Ich glaube, Berlin hat aufgrund schlechter Erfahrungen hier einen Bauzwang für Grundstückskäufer eingeführt. Aber Bremen nicht. So kann Lord Voldemort die nächsten 5 bis 10 Jahre abwarten und dann das Grundstück zu einem 5 bis 10fachen des ursprünglichen Kaufpreises wieder abstoßen. OK, keine Münchener, sondern Bremer Verhältnisse.

    Ich glaube, genau darum ging es ihm, er wollte da nie bauen, sondern er tat nur so. Er hatte den Abriss erledigt, hat sich mit dem Denkmalschützer herumgeärgert ebenso wie mit der Bürgerinitiative, hat seinen schlechten Ruf verschlechtert ......... das kostet, dafür gibt eine Wertsteigerung des Grundstücks. Die Belohnung: nie mehr arbeiten. Und jetzt wartet er ab - weil er es kann - bis er ein lukratives Angebot bekommt (so was gab es ja jetzt auch in der Überseestadt, da hat der Grundstückseigentümer, der das Grundstück vor etwa 2 Jahren von der Stadt gekauft hatte, wieder an Zech verkauft, natürlich mit Gewinn ohne den Ärger der Bauausführung).


    Hat noch irgend jemand was gegen Verschwörungstheorien?

  • Eine Theorie im Sommer 2019 war folgende:


    Wenn ich derjenige wäre, dessen Name nicht genannt werden darf, und ich wäre Eigentümer des Grundstücks an der Schwachhauser Heerstraße mit diesem hässlichen und protzigen Kapitalisten-Palast, und ich würde dort gerne bauen – ich habe Visionen und fertige Pläne, und auch schon genügend Interessenten, aber die schneckengleiche Baubehörde kommt nicht in die Puschen – und dabei habe ich das Grundstück samt dem alten Kasten gekauft, natürlich auf Pump. Also muss ich Kreditlinien bedienen – und da am Rande der alten Bahnhofsvorstadt gibt es Probleme, die mich zusätzlich Geld kosten – und jetzt kommen da auch noch so ein paar Historien-Liebhaber aus dem Keller gekrochen und meinen für den Erhalt dieser Ruine zu kämpfen; meine Interessenten und Partner werden langsam unruhig. - Aber ich habe ja die Abriss-Genehmigung von der Behörde, von der Stadt – und jetzt zeige ich diesen selbstverliebten Bürgern erst einmal, was ich kann und reiße den minderwertigen Klotz ab – bevor es noch zu einem Volksentscheid kommt...das geht dann richtig ins Geld und das Grundstück verliert dazu noch an Wert; denn wer kauft schon, wenn die Hypothek eines Volksentscheid das Grundstück belastet. Reiße ich aber ab, dann ist endlich Ruhe im Karton. Und ja, so ein Grundstück in Schwachhausen, noch in dieser Nachbarschaft, ist eine Menge wert; gerade, wo die Preise für Grundstücke durch die Decke gehen; da ist jeder freie Quadratmeter pures Gold wert; besonders dann, wenn es frei von lästigen Gerümpel ist, da ist ein Abriss eine Investition in die Zukunft. Und der Stadt und diesen sogenannten Bürgern zeige ich dann mal, wer hier wirklich in der Stadt die Hosen an hat: Nämlich ich. Ich bin hier der Eigentümer. Mir gehört der monströse Klotz. Ich darf abreißen. Und das mache ich auch. Dafür ist noch genügend Geld in der Kasse; und selbst wenn nicht: Die Banken sehen auch lieber ein geleertes Grundstück als ein Grundstück mit Altlasten in ihrem späteren Portfolio; falls es bei mir finanziell zu knapp wird und die den Laden übernehmen. Und überhaupt: Entweder, die Stadt kommt bald mit der Änderung im Bebauungsplan um die Ecke oder ich nutze die Zeit und verkaufe das geleerte Grundstück an den Meistbietenden und kaufe mich dann als potentiellen Investor wieder ein...Zum Teufel, was habe ich zu verlieren? Ich halte die Fäden des Handelns in Händen! Ich bin der Allmächtige!! Ich bestimme, wohin es geht - und nicht dieses Geschmeiß; wozu gibt es Roundup?!

  • So ein über längerem Zeitraum leerstehendes Baugrundstück, eignet sich allerdings auch da zu, so manch unliebsames Zeugs preiswert zu entsorgen, welche ansonsten mit horrenden Sondermüllsummen zu Buche geschlagen wären. Ich weiß nicht in wie weit ein Dioxin und Schwermetall belastetes Grundstück so arg im Wert steigt :N:

    Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt werden, haben nichts zu entscheiden.

    Horst Seehofer

  • Von der Apollonvilla hatte ich ja schon unter der Nr. 26 hier im Strang berichtet. Die neuesten Bilder erwecken den Eindruck, als könnte hier demnächst was "passieren". Der Zustand der Villa ist sehr schlecht. Man hat das Gefühl, als hätte der, dessen Name nicht genannt werden soll, hier mal wieder seine Finger mit im Spiel.





    Der Garten ist bearbeitet, Bäume sind gefällt worden.



    Baumstümpfe im hinteren Teil



    Viele, viele Holzspäne weisen auf viele, viele Baumfällungen hin. Was die Grüne Bausenatorin dazu wohl sagt?



    Der hinter Teil des aufgeräumten Gartens erinnert mich stark an das Grundstück des Medienhauses



    Breite und tiefe Spurrillen im Garten


  • Kurfürstenallee 155

    Diese Villa im Art déco Stil soll seit 2018 abgerissen werden. Die Bremische Volksbank ist Eigentümerin und plant einen großen Neubau. Falls es noch Aktivisten gibt, die im Kampf um den Erhalt des Medienhauses ihren Akku wieder etwas aufgefüllt haben........Denkmalschutz besteht wohl nicht.


    Seitenansicht Barbarossastraße:



    Die Pläne der Bremischen Volksbank (die schlechte Bildqualität bitte ich zu entschuldigen):



    Vorderseite:



    Rückseite:



    Seitenansicht:




    Auszüge aus dem Protokoll einer Anwohnerversammlung des Beirats Schwachhausen/Neue Vahr:

    Auf Nachfragen äußern die Referenten:
    • die Stadt Bremen habe das Ziel formuliert, die Stadt im Innern zu verdichten, um eine Bebauung im Außenbereich vermeiden zu können. Gleichzeitig wolle Bremen neuen und günstigen Wohnraum schaffen, dies geschehe im vorliegenden Fall;
    • ein neuer Bebauungsplan müsse erstellt werden, weil der jetzige die beabsichtigte Bebauung nicht zulasse;
    • die heute Abend geäußerten Einwände würden im weiteren Verfahren abgewogen und das Ergebnis in der weiteren Planung berücksichtigt.
    • im späteren Verfahrensschritt der förmlichen Beteiligung der Öffentlichkeit könnten die Anwohner*innen auch ihre Belange einbringen; Einwände müssten dann ebenfalls abgewogen werden. Frau Dr. Mathes ergänzt, dass das Ortsamt die Anwohner*innen erneut informieren werde, wenn dieser Verfahrensschritt anstehe. Die Unterlagen könnten dann auch im Ortsamt eingesehen werden.
    • Im gleichen Verfahrensschritt könnten sich dann auch die sog. Träger öffentlicher Belange äußern. Hierzu zählten bspw. auch das Amt für Straßen und Verkehr, der Beirat und die Feuerwehr;
    • die Bestandsgebäude seien unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht zu sanieren. Mit den Neubauten verfolge die Volksbank keine Gewinnmaximierung;
    • das städtebauliche Leitbild, das die Gartenstadt präge, gelte an dieser Örtlichkeit nicht.

    Die anwesenden Anwohner*innen äußern folgende Anregungen und Bedenken:

    • es sei nicht nachvollziehbar, dass geltendes Baurecht aufgehoben und entsprechend dem Wunsch des Grundstückseigentümers neues geschaffen werden solle. Die Nachbarschaft habe ihre Häuser in Kenntnis des jetzigen Baurechts gekauft;
    • das Vorhaben passe sich nicht in die Bebauung der Umgebung ein, sondern es erwecke den Eindruck, dass „möglichst viel auf möglichst wenig Platz“ gebaut werden solle. Die Gartenstadt sei durch große Grünflächen geprägt, dies werde nicht berücksichtigt. Die hinteren Gebäude mit zwei Voll- und zwei Dachgeschossen wirkten wie ein viergeschossiges Gebäude, das vordere wie ein sechsgeschossiges. Deshalb sollte darüber nachgedacht werden, mit einer Etage weniger auszukommen. Außerdem seien die Abstandsflächen zur bereits vorhandenen Nachbarbebauung zu gering bemessen;


    Ein Artikel aus dem Weser-Kurier von 2018:


    Kaufmannsvilla vor dem Abriss

    Christiane Mester 28.11.2018 0 Kommentare

    Erbaut wurde sie vor vielen Jahrzehnten, seit Anfang der 90er-Jahre ist sie im Besitz der Bremischen Volksbank – nun sind die Tage der Villa an der Kurfürstenallee, Ecke Barbarossastraße offenbar gezählt.


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    Zunächst Wohnhaus, dann Bürogebäude: die Villa an der Kurfürstenallee.


    Zunächst Wohnhaus, dann Bürogebäude: die Villa an der Kurfürstenallee. (STUBBE)


    Auch das benachbarte Bürogebäude, ebenfalls im Besitz des Geldinstituts, soll abgerissen werden.

    Wo derzeit zwei Gebäude stehen, sollen es künftig vier sein. Das Ziel: Vier Gebäude, das höchste von ihnen 18 Meter hoch, verteilt auf die gesamte Fläche mit mehr als 40 Wohnungen. Die Pläne für die neue Bebauung wurden der Öffentlichkeit nun bei einer Einwohnerversammlung vorgestellt.

    Auf viel Gegenliebe stießen die Ideen bei den Nachbarn allerdings nicht: Was der Architekt, Gerd van Hülst, einen „Lärmriegel“ zur viel befahrenen Kurfürstenallee nannte, wurde aus den Reihen der Zuhörer als „Riesen-Klopper“ bezeichnet. Der Entwurf und die Begründung des neuen Bebauungsplans sollen spätestens im Januar in der Baudeputation diskutiert werden.

  • Die Villa Schwachhauser Heerstraße 266 ist eines der wenigen großbürgerlichen Gebäude im Stil des Historismus, das noch erhalten geblieben ist. Der Preis ist, zumindest äußerlich, ein Stilbruch, was funktionale Anbauten angeht und insbesondere das, was früher mal als Garten bezeichnet worden ist. Letzteren gibt es nicht mehr, das ist nur noch Parkfläche. Es sieht so heruntergekommen und stilbrüchig aus. dass ich erst gar keine Fotos davon gemacht habe. Sehr beeindruckend ist die große Außentreppe, die zum Eingangsportal führt und uns noch dieses großbürgerliche Flair der Kaufmannsschaft vermittelt, das vor 120 Jahren in Schwachhausen gang und gebe war (Wenngleich ich nicht weiß, wer diese Villa früher genutzt hat). Heute befindet sich in dem Gebäude der Landesverband für Gehörlose, für Blinde und andere soziale Einrichtungen. Denen fehlt, wie ich annehme, das Geld für eine ansprechende Gestaltung des Gartens. Und irgendwo müssen ja auch die Autos bleiben.




    Im Vordergrund der von mir schon beklagte fehlende Garten zwecks Parkplatzschaffung.




    Und hier nun noch die "passenden" Anbauten


  • Außerdem seien die Abstandsflächen zur bereits vorhandenen Nachbarbebauung zu gering bemessen;



    Hallo findorffer,


    hierzu nur eine kleine Anmerkung aus baurechtlicher Sicht: Die Höhe der Abstandsflächen ist klar in der bremischen Landesbauordnung geregelt und keine Frage der Auslegung. Wenn die Abstandsflächen zu gering sind und die Abstandsfläche auf das Nachbargrundstück schlägt (0,4 x Wandhöhe), dann muss auf dem Nachbargrundstück eine Abstandsflächenbaulast eingetragen werden, dem der Eigentümer aber natürlich nicht zustimmen muss, da es den Wert des Grundstücks mindert.


    Also sie sind entweder zu gering, oder sie passen. Ist letzteres der Fall, kann man daraus kein Argument gegen die geplante Bebauung machen.

  • Nur zur Klarstellung Hansolol: Das Zitat stammt nicht von mir, sondern ich hatte nur, wie ja in der Überschrift auch erkenntlich wird ("Die anwesenden Anwohner*innen äußern folgende Anregungen und Bedenken"),


    die Bedenkend er Anwohner wiedergegeben. Und diese sind wiederum vom Beirat veröffentlicht worden.

  • Nun passiert es also wirklich. Die Kurfürstenalle 155 soll abgerissen werden (Hier im Strang auch noch mal unter der Nr. 228 zu sehen). Nachfolgender Artikel aus dem Weser-Kurier gibt Aufschluss. Entlarvend die Begründung der Bank: „Sie sieht sehr schön aus, aber ist energetisch in einem schlechten Zustand und müsste teuer saniert werden“. Deswegen sei in der Volksbank die Entscheidung gefallen, dort neu und nach dem aktuellen energetischen Standard zu bauen. AHA, wegen dem energetischen Standard wird also abgerissen. LÄCHERLICH UND VERLOGEN!


    Neubau statt Sanierung
    Bremer Villa soll neuen Wohnungen weichen

    Christian Hasemann


    Die Volksbank möchte in der Vahr 34 neue Wohnungen bauen, dafür muss eine Villa an der Kurfürstenallee abgerissen werden.


    Die Villa in der Barbarossastraße hat ihre besten Tage gesehen und wird abgerissen.Die Villa in der Barbarossastraße hat ihre besten Tage gesehen und wird abgerissen. (PETRA STUBBE)

    Auf den ersten Blick sieht die Villa an der Ecke Kurfürstenallee und Barbarossastraße noch einladend aus: weißer Putz, Fensterläden, ein Fußweg mit einem aparten Brunnen in der Mitte und viel Grün. Doch die Tage der Villa sind gezählt. Sie soll nach dem Willen des Eigentümers Volksbank zwei Gebäudekomplexen weichen. Die Pläne dafür haben der Architekt und die Volksbank im Beirat Vahr vorgestellt.

    Ernst-Bernhard Hamann, stellvertretender Geschäftsführer der Bremischen Volksbank Immobilien GmbH, stellte einige allgemeine Worte zur Situation der Banken voran. „Die Bankenbranche ist im Wandel, das gilt nicht nur für uns, sondern auch die Wettbewerber.“ Tatsächlich dünnen viele Banken ihr Filialnetz aus, um Kosten zu sparen. Andere Bereiche werden zusammengelegt.



    Stadtentwicklung: Kaufmannsvilla vor dem Abriss

    Kaufmannsvilla vor dem Abriss


    Erbaut wurde sie vor vielen Jahrzehnten, seit Anfang der 90er-Jahre ist sie im Besitz der ...

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    „Deswegen gibt es für einige Flächen keinen Bedarf mehr“, beschrieb Hamann die Situation, vor der die Volksbank steht. Das trifft auch auf die Villa und das Nebengebäude auf dem Grundstück an der Barbarossastraße zu. „Sie sieht sehr schön aus, aber ist energetisch in einem schlechten Zustand und müsste teuer saniert werden“, so Hamann über den inneren Zustand des einschaligen Gebäudes. Deswegen sei in der Volksbank die Entscheidung gefallen, dort neu und nach dem aktuellen energetischen Standard zu bauen. Insgesamt sollen in zwei Gebäudekomplexen 34 Wohnungen, davon acht sozial gefördert und 24 komplett barrierefrei, entstehen. „Auch in einer Größe, die derzeit in Bremen am meisten nachgefragt wird“, betonte Hamann.

    Architekt Gerd von Hülst ging auf die Details ein, denn seit einer ersten Präsentation vor Anwohnern im Jahr 2018 hat sich das Projekt etwas verändert. „Es werden nicht mehr 40 Wohnungen, sondern nur noch 34, aber es bleibt bei der Anzahl von 31 Stellplätzen in den Tiefgaragen.“ Damit sei es nicht mehr nötig, Stellplätze im öffentlichen Raum abzulösen. Insgesamt seien die Baukörper etwas nach Norden zur Kurfürstenallee verschoben worden – was durchaus als Zugeständnis an die Anwohner gewertet werden kann, die besonders die Nähe zur bestehenden Bebauung im Vorfeld kritisiert hatten.

    Gebäude 18,50 Meter hoch

    Direkt an der Kurfürstenallee sollen zwei Gebäude mit je vier Vollgeschossen mit einem Gaubendach entstehen, im südlichen Bereich zwei niedrigere Gebäude mit zwei Vollgeschossen sowie weiteren Wohnungen im Dachgeschoss. Insgesamt sollen die Gebäude knapp 18,50 Meter und 12,75 Meter in die Höhe ragen.

    „Wir werden außerdem keine Grundwasserabsenkung benötigen und das Niederschlagswasser auf dem Grundstück versickern lassen und nicht in den Kanal einleiten“, so Hülst. Energetisch seien die Anforderungen nach KfW 55 erfüllt. „Aber wir werden versuchen durch Fernwärme, Außenverkleidung und Wärmerückgewinnung KfW 40 zu erreichen.“ Der sogenannte KfW-Wert bezeichnet die Energieeffizienz eines Hauses. Dabei gilt: je niedriger, desto geringer der Energiebedarf. Neben den Dächern der Tiefgaragen würden außerdem die Flachdächer der Gebäude an der Kurfürstenallee begrünt.

    Das gesamte Verfahren zur nötigen Neuaufstellung des Bebauungsplans befindet sich derzeit in der Phase der öffentlichen Beteiligung. Das heißt, dass nun der Beirat und die Bevölkerung noch Einwände und Stellungnahmen abgeben können. Im Herbst rechnet Christina Treber vom Planungsbüro Sweco mit der sogenannten „Planreife“. Zu diesem Zeitpunkt könnte die Deputation den Bebauungsplan beschließen. Dann müsste nur noch die Bremische Bürgerschaft mit ihrem Votum das Vorhaben verabschieden.


    Villa wird Wohnungen weichen

    Auf den beiden Grundstücken an der Kurfürstenallee 115 und 117 sollen in vier Gebäuden ...

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    Die Bauhöhe der Gebäude stieß im Publikum nach wie vor auf die größte Kritik. „Knapp 20 Meter ist viel“, sagte ein direkter Anwohner. Er bezweifelt außerdem, dass die geplanten Abstellräume im Dachgeschoss auch solche bleiben. „Ich verspreche ihnen, dass es eine Nutzungsänderung geben wird und dann haben wir dort die fehlenden Wohnungen“, wandte er sich an den Beirat. Gerd von Hülst widersprach. „Wir haben im Spitzboden Abstellräume vorgesehen, die nicht umzubauen sind, weil sie keinen Rettungsweg haben.“

    Ernst-Bernhard Hamann ging auf den Vorwurf ein, dass die Volksbank die Gebäude vorsätzlich habe leer stehen lassen und keine Sanierungsarbeiten durchgeführt habe: „Wir hatten in beiden Gebäuden aufsteigende Feuchtigkeit und sie sind mehrmals saniert worden, allerdings ohne Erfolg.“ Bernd Siegel (SPD), Beiratssprecher Vahr, wandte sich direkt an den Anwohner. „Ich bin bei ihnen gewesen und kann es verstehen, dass sie nicht glücklich sind und ich hätte es auch besser gefunden, wenn die hinteren Gebäude um ein Staffelgeschoss verringert worden wären.“

    Schwächste Form der Zustimmung

    Auf der anderen Seite sei es sehr gut, dass Wohnungen gebaut würden. „Ein kleiner Vorteil für sie könnte sein, dass sich durch die neuen Gebäude der Lärm für sie verringert, der sonst in das Viertel hineindringt.“ Er bitte außerdem zu beachten, dass es wichtig sei, dass geförderter Wohnraum und barrierefreie Wohnungen in der Vahr gebaut würden. „Denn davon haben wir in der Vahr nicht all zu viele.“

    In eine ähnliche Richtung zielte Oliver Saake (Grüne). „Für die Anwohner ist es ein Einschnitt.“ Aber nichtsdestotrotz seien größere Abstände in einer Stadt nicht möglich. „Das Eckgrundstück ist außerdem prädestiniert dafür, ein Tor in das Barbarossaviertel zu schaffen.“ Der Beirat nahm das Vorhaben in der anschließenden Abstimmung einstimmig zur Kenntnis – die schwächste Form der Zustimmung.


    Weitere Informationen

    Anwohner können die Unterlagen zum Bebauungsplan 144 bis zum 24. August im Ortsamt Schwachhausen/Vahr oder bei der Bausenatorin einsehen und eine Stellungnahme abgeben. Online Infos auf http://www.bauleitplan.bremen.de.

  • Im Weser-Kurier online gab es auch Kommentare zu dem Artikel Kurfüstenallee 155. Folgenden habe ich kopiert:


    Hanam 16.07.2020, 15:27

    .... jaja, das schnuffelige Bremen. Ist übrigens das einzige Bundesland in welchem man einfach ein Gebäude abreißen kann ohne jegliche Genehmigung seitens der Stadt einholen zu müssen. Lediglich gibt es eine Mitteilungspflicht. Ausnahmen sind Denkmal und Ensemble Schutz... gibt’s aber so gut wie gar nicht. Also aufgepasst liebe Investoren, Schwarzgeld aus der Matratze und auf Einkaufstour nach Bremen. Ich empfehle Viertel oder auch Schwachhausen..... und wer das Ganze für einen Scherz hält, kann gerne mal bei der Baubehörde anrufen (wenn er durchkommt).... viel Spaß und willkommen im wilden Bremen.


    Der Autor schreibt bemerkenswerterweise, dass Bremen das einzige Bundesland sei, in dem man einfach ein Gebäude abreißen kann, ohne jegliche Genehmigung seitens der Stadt einholen zu müssen. Es gebe nur eine Mitteilungspflicht.


    Meine Frage an die Forumsgemeinde: Stimmt das? Ist das in Eurer Stadt, wenn Ihr nicht aus Bremen kommt, anders? Wenn dem so ist, dann wundern mich die vielen Abrisse im Lande Bremen bis hin zum Medienhaus, nicht. Wenn dem so ist, stellt sich die Frage, warum die Bremer Politik das zulässt (oder sogar wünscht?)

  • Findorffer, die Information stammt aus der Kloake des Internets, der Kommentarspalte. Haben Kommentare aus solchen Quellen Hand und Fuss? Ich lese den Mist grundsätzlich nicht, aber wenn, dann gehe ich mit der Einstellung an den Sachverhalt, dass meine Vermutung erst einmal erschüttert werden muss.


    Ich habe nun vier Minuten gegoogelt, darum ist meine Recherche nun nicht sehr belastbar, aber unsere niedersächsischen Nachbarn regeln es folgendermaßen. Ich habe dabei die Rechtsnormen in einer Weise aufgelistet, die die Logik des Gesetzes hoffentlich verdeutlicht:


    § 2 (13) Baumaßnahme ist die Errichtung, die Änderung, der Abbruch, die Beseitigung, die Nutzungsänderung oder die Instandhaltung einer baulichen Anlage oder eines Teils einer baulichen Anlage.


    § 2 (2) Bauliche Anlagen sind mit dem Erdboden verbundene oder auf ihm ruhende, aus Bauprodukten hergestellte Anlagen.


    § 59 (1) Baumaßnahmen bedürfen der Genehmigung durch die Bauaufsichtsbehörde (Baugenehmigung), soweit sich aus den §§ 60 bis 62, 74 und 75 nichts anderes ergibt.


    § 60

    (2) Verfahrensfrei ist auch

    [...] 4. der Abbruch und die Beseitigung baulicher Anlagen, ausgenommen Hochhäuser, und der im Anhang genannten Teile baulicher Anlagen,


    Und jetzt wird es interessant! Damit habe selbst ich nicht gerechnet, aber so lese ich das Gesetz (in der kurzen Zeit, also mich bitte nicht ans Kreuz nageln):


    § 60 (3) Der Abbruch und die Beseitigung eines Hochhauses oder eines nicht im Anhang genannten Teils einer baulicher Anlage ist genehmigungsfrei, aber der Bauaufsichtsbehörde vor der Durchführung der Baumaßnahme schriftlich mit Unterschrift der Bauherrin oder des Bauherrn anzuzeigen.


    Nach § 60 (3) gehe ich - argumentum e contrario - davon aus, dass in Niedersachsen der Abbruch (anderer Gebäude als Hochhäuser) noch nicht einmal mitteilungspflichtig ist, wie er es - angeblich - in HB sein soll. Und jetzt schau Dir mal Hannover an.

    Aber wie gesagt, ich habe in die Recherche nun nicht viel Zeit investiert und übernehme keine Haftung! :)

  • Ja, eine peinliche Farce. Unglaublich, mit was für einem künstlichen Zeitdruck der Abriss durchgeprügelt wurde und wie vorhersehbar der weitere Vorgang dann erlahmt ist. Hier sollten schnell Fakten geschaffen werden, ohne Rücksicht auf Verluste.

  • Es schmerzt.

    Daher denke ich nicht oft daran zurück.


    Drei Monate hätten uns gefehlt – und das von uns vorgestellte Nutzungskonzept wäre gebilligt worden.


    Hier, an der Villa Gross, am Medienhaus, wollte der Eigentümer ein Exempel statuieren. Und das hat er gnadenlos durchgezogen. Erschreckend, welche Charakterzüge dabei, mMn; zutage traten.


    Die Rettung des Medienhauses war möglich. - Das macht es doppelt unerträglich!