• Sehr geehrter Henry H.,

    da ich bisher nicht wirklich auf facebook aktiv bin - und in den anderen sozialen Medien schon gar nicht, wäre ich dankbar, wenn diese Aufgabe einer der anderen Bremer hier übernimmt...

    Die Anregung ist jedenfalls sehr wichtig und richtig - zumal unter dem jetzt obwaltenden enormen Zeitdruck !

  • Ein Bild der Villa Gross aus der Vorkriegszeit, als sie noch von Dr. Gross bewohnt wurde.
    Man erkennt die Sprossenfenster und die Fensterläden, beides Elemente, deren heutiges Fehlen die Denkmalpflege bemängelt und Letztere (neben weitere Monita) veranlaßt, hat die Denkmalswürdigkeit des Gebäudes zu verneinen. Aber sein wir mal ehrlich: hätte man das nicht beheben und 'heilen' können ?

    Und natürlich trugen darüberhinaus die - hier zu sehende, heute nicht mehr vorhandene - vordere Toreinfahrt und ganz besonders der Bewuchs der Fassaden mit wildem Wein dazu bei, ein heimeliges und ansprechendes Aussehen des Gebäudes zu erzeugen...

    Edited once, last by Pagentorn (April 13, 2019 at 10:29 PM).

  • Gedenkstein von Johann Gerhard Gross aus Brake

    Auf diesem Foto ist der - von Jakku Scum erwähnte - Gedenkstein noch am Haupteingang der Villa zu sehen, welchen der Urgroßvater von Heinrich Gross, Johann Gerhard Gross, anläßlich der Einweihung eines Erweiterungsbaus seines Wohn- und Geschäftshauses in Brake an der Unterweser im Jahre 1794 dort einsetzen ließ (siehe hierzu: Gross, Detlev: Die „Blinddarmburg“, in: Gross, Detlev G. / Ulrich, Peter [Hrsg.]: Bremer Häuser erzählen Geschichte. Bremen 1998: Johann Heinrich Döll Verlag, S.66-71.hier: S.71.).
    Die Prof.Gross Familienstiftung wird diesen Gedenkstein wohl sichergestellt haben.
    Möglicherweise war die Girlande dieses Gedenksteins Vorbild für all die übrigen Girlanden in den Fensterbekrönungen der Villa !?

    Das Portal mit dem Gedenkstein (Foto von Petra Stubbe)

    Das Portal nach Herauslösung des Gedenksteins - Foto vom 13.04.2019.

  • Das tragische an der ganzen Geschichte ist ja, dass neben dem Beirat Schwachhausen weite Teile der Bürger Bremens einen Erhalt der Villa begrüßen und sich gegen einen Abriss aussprechen.
    Jetzt drängt die Zeit - und es scheint unmöglich, die Öfentlichkeit für den Erhalt der Villa zu gruppieren.
    Dennoch gibt es immer wieder kleine Lichtblicke, so heute im Weser-Kurier unter den Leserbriefschreibern:

    Medienhaus-Villa erhalten!
    Jedes Mal, wenn ich mit der Straßenbahn an der Medienhaus-Villa vorbeifahre, schließe ich die Augen und frage mich, ob sie noch unversehrt ist oder ob die Abrissbagger schon am Werk sind. Bisher hatte ich Glück, aber die Angst vor dem unwiederbringlichen Ende blieb und bleibt. Umso größer war die Freude zu erfahren, dass es Menschen gibt, die den Kampf um den Erhalt der Villa noch nicht aufgegeben haben: Ich bin Nils Mahler von der „Vereinigung für das historische Stadtbild Bremens“ für seinen Einsatz sehr dankbar! Nun besteht wieder ein Hoffnungsschimmer. Diese Villa darf nicht abgerissen werden! Soll denn immer noch mehr vom Krieg verschonte Historie Bremens zerstört werden?
    ⇒ Dorothea Neumann, Bremen

    Auch wenn wir auf verlorenen Posten stehen: Danke, Frau Neumann. Noch steht die Villa!


    Wie das Foto im Beitrag 62 von Pagentorn zeigt, gab es schon damals eine Gaube auf dem Dach!
    Nun sind es drei - die in ihrer Gesamtheit von der Landesdenkmalpflege bemängelt wurden.
    Manchmal denke ich, hier wurde krampfhaft nach dem Haar in der Suppe gesucht, damit das Prädikat denkmalwürdig nicht ausgesprochen werden musste - im Sinne des bezahlbaren Wohnraums und den Wünschen des Investors.
    Den Konserbatoren der Stadt ist die wahre Geschichte Bremens anscheinend zu unbedeutend; von den Gefühlen der Bemerinnen und Bremern und ihren ausgeprägten Sinnl für Identifikation mal ganz zu schweigen.

  • Da hatten der gute Jakku Scum und meine Wenigkeit zeitgleich wieder einmal den selben Gedanken. Aber 'doppelt, hält bekanntlich besser' !

    Daher nochmal:

  • Pagentorn, zwar gefällt mir die Aktion, aber den Namen Blinddarmburg finde ich etwas daneben, auch wenn es vielleicht eine historisch korrekte Bezeichnung ist. Der Name fällt natürlich auf, stößt aber gleichzeitig irgendwie ab.

    Nach der Villa GROSS kommt jetzt die Bebauung KRASS!

    Edited once, last by findorffer (April 14, 2019 at 6:07 PM).

  • Lieber findorffer,

    in der Tat ist der Begriff etwas speziell, er fällt aber in der Tat auf und bleibt eher haften als die neutrale Bezeichnung 'Villa Gross'. Zudem wurde er auch von der Familie Gross selber verwendet.
    (Siehe hierzu: Gross, Detlev: Die „Blinddarmburg“, in: Gross, Detlev G. / Ulrich, Peter [Hrsg.]: Bremer Häuser erzählen Geschichte. Bremen 1998: Johann Heinrich Döll Verlag, S.66-71.hier: S.67.).


  • Mein lieber Pagentorn.

    Ohne Zweifel ist die 'Blinddarmburg' historisch in entsprechenden Berichten und Büchern erwähnt und verbürgt.

    Aber für eine Kampagne eignet sich dieser Titel eben nicht!!

    Wir wollen hier keinen Splatter-Horror-Streifen bewerben, sondern gegen den Abriss einer Villa Stimmung erzeugen.

    Der 'Blinddarm' ist nun einmal im Sprachgebrauch negativ belastet - und belastet damit auch die Kampagne.
    Man fragt seinen Gegenüber ja auch: Wie geht es dir? - und nicht: Wie war dein Stuhlgang heute?
    Darm und Darmtätigkeiten sind in der öffentlichen Debatte ein Tabu!

    Mit der Blinddarmburg ziehen wir nur Freaks an, die um Mitternacht dort Sessions und ihre Art der Messe abhalten werden.

  • Verzicht auf das Alleinstellungsmerkmal ?

    Möglicherweise bin ich tatsächlich etwas blauäugig an diesen Begriff herangegangen und kam nicht auf den Gedanken, daß er Angehörige einer gewissen Szene anziehen könnte. Aber selbst wenn, wären mir diese - notgedrungen und übergangsweise - lieber als die Abrißbagger !

    Die Familie selber fand ja auch nichts dabei, gerade die Anekdote von den Blinddärmen immer zuvörderst zu erzählen (siehe den oben genannten Aufsatz von Detlev G. Gross). Die Villa war eben nicht das Haus eines ‚antiseptischen’ Bankdirektors, sondern das eines Chirurgen – und nicht irgendeines, sondern das des Begründers der modernen Chirurgie in Bremen !
    Unzählbare Bremer verdanken ihr Leben und ihre Gesundheit dieser Berufssparte.

    Ich denke daher, daß der Begriff ‚Blinddarmburg’ wenig negative Assoziationen hervorrufen dürfte (eher erleichterte, für den der Blinddarmschmerzen kennt). Und für Perverse und Satanisten, sind ein kleiner Blinddarm und eine OP-Schürze eh nicht aufregend genug…

  • Allerdings wäre es uns unbenommen, für die etwas zarter besaiteten Gemüter ein zweites Plakat zu verwenden, welches den Aspekt des Architekten Abbehusen aufgreifen könnte:

    Derart: " Rettet die Schwester des Theaters am Goetheplatz !"

    Aber das ist hinwiederumg etwas an den 'Haaren herbeigezogen' und nicht sofort verständlich...

    Und: "Wider die Verdrängung Andrea Palladios" wäre wohl etwas zu hoch gegriffen...

  • Alleinstellungsmerkmal?

    Säulen, vollgestopft mit chirurgisch entfernten Därmen, die dort im Inneren der Säulen vor sich hin-verwesen sollen das Alleinstellungsmerkmal der Villa Gross sein?

    Ich dachte immer, die neo-palladianische Bauweise des Objektes wäre das Alleinstellungsmerkmal - nun sind es offenbar abgeschnittende Blinddärme.

    Prof. Dr. med. Heinrich Gross nur auf Blinddärme zu reduzieren, kommt der Bedeutung der Person nicht im Geringsten nahe und verwässert den Charakter der Bremensie "Gross".

    Bisher ergötzen sich am Gebäude vorbeischlendernde Bremerinnen und Bremer an den antik-anmutenden Säulen und der Optik des Gebäude. - Sollen diese vielen Spaziergänger, Autofahrer und Straßenbahnbenutzer angeekelt die Nase rümpfen bei dem Gedanken an mit Därmen vollgestopfte Säulen?
    Statt ein 'Aaaah, wie schön!' nun ein "Iiiiigitt, wie abstoßend!'?

    Die Bezeichnet Blinddarmburg rührt in meinen Sinne vom Naserümpfen des einfachen Bürgers und Arbeiters angesichts der damaligen 'Geldkaste', der nur in diesem Zusammenhang von Detlev G. Gross erwähnt wird, weil es seinen Großonkel mehr verunglimpft als ehrt. Damals kostete eine lebensrettende Binddarm-OP sehr viel Geld, was sich das einfache Volk nicht leisten konnte - eine gesetzliche Krankenkasse gab es nicht. Der Begriff Blnddarmburg ist hier also abwertend-verächtlich im Sprachgebrach zu werten - und darauf zielt der Autor. Die Säulen des reichen Doktors waren (so dachten die Bremerinnen und Bremer damals) also mit den Blinddärmen bezahlt - daher die Begrifflichkeit.
    Eine solch negative Begrifflichkeit würde sich trefflich für den Abriss der Villa eignen - nicht, um den Abriss zu verhindern!

    Die Blinddarmburg eignet sich nicht als Alleinstellungsmerkmal - unabhängig ob man noch Träger eines Blinddarmes ist oder nicht.

    Blinddarmburg ist ein absolutes No-go!

  • Mein lieber Pagentorn,

    ich habe dir in einer E-Mail ein Konzept beschrieben.

    Neben bzw. unter dem Konterfei des Herrn Professors in Öl - der sich absolut nix aus Titeln und Etikette machte,
    gehört der Ausspruch:

    "Heini heet ick!"

  • Schwachhauser Heerstraße : Gestern - Heute - Morgen ??

    Lieber Jakku Scum,

    vielleicht kann man die Schwierigkeit mit dem Namen umgehen, wenn man einfach auf den stadträumlichen Kontext des Gebäudes verweist. Dieser Teil der Nordseite der alten Schwachhauser Chaussee wurde in den letzten Jahrzehnten nämlich schon arg gefleddert und nun droht ihm mit dem Abbruch der Nr. 78 der gänzliche Gesichtsverlust:

  • Mein lieber Pagentorn,

    das sieht klasse aus!!!

    Und wenn du jetzt noch ein zweites Plakat mit dem von dir angesprochenen Gestern-Heute-Morgen
    entwirfst, bist du ein wahrer Zauberer!!!

  • Schwachhauser Heerstraße 251

    Dass man Neubauten auch anders gestalten kann als in Zukunft auf dem Gelände der Grossvilla - und zwar im Neoklassizismus/Neohistorismus mit Säulen - zeigt das Beispiel Schwachhauser Heerstraße 251 mit seiner beeindruckenden Kolossalordnung und symmetrischen Gestaltung.

    Tja, hätte das Planungsbüro Italiano die historischen Bezüge aufgenommen und ausdrucksvoll in die zukünftige Gestaltung eingearbeitet - ich glaube, wir hätten sicherlich weniger Kritik geäußert.
    Genau gegenüber - Schwachhauser Heerstraße 178 - steht übrigens ein etwa 25 Jahre alter Neubau, die alte Vorgängervilla wurde... ich weiß es nicht. Der dazugehörige Park, der alte Zaun und auch das Eingangstor bestehen noch. Den Neubau finde ich gerade im Vergleich mit der 251 abstoßend und einfallslos, 0815-Architektur.

    Blick durch die Reste des ehemaligen Eingangsportals, die nur noch aus zwei jämmerlichen Stümpfen bestehen. Ja, Ja, so geht "Erinnerung" in Bremen.

    Ein weiteres Verschandelungsbeispiel ist für mich die Schwachhauser Herrstraße 218.

    Eine am Zaun angebrachte Tafel soll das Gebäude wohl "veredeln" und so wirkt das etwa 20 Jahre alte Haus, als hätte der Denkmalschutz hier schon in vorauseilendem Gehorsam eine der Leuchten der Architektur unter Schutz gestellt. Schön wieder mal die Architektenprosa. Wer der Urheber des Textes ist, bleibt leider unklar - vielleicht war es ja Ulf Sommer selber. Der Bremer Schlüssel erzeugt den Anschein von Authentizität, so, als wäre die Tafel im Namen der Stadt angebracht worden, die Textwiederholung in Englisch versucht den Eindruck von Internationalität zu vermitteln. Ich habe aber noch keine Architekturstudenten aus New York, London, Paris, Peking oder Toronto dort gesehen.

    In diese ästhetische Richtung wird sich der Neubau nach dem Abriss der Gross-Villa wohl entwickeln.

  • Seltsame Auslese bei den Abbehusen-Bauten

    1. Das ehemalige Schauspielhaus Wiegand (heute Theater am Goetheplatz)

    Architekten: Abbehusen & Blendermann. Baujahre 1912-1913.
    Schwere Zerstörunge im 2. Weltkrieg.
    Wiederaufbau durch Werner Commi in den Jahren 1948-1949.
    Einschneidende innere und äußere Veränderungen.
    Dennoch : DENKMALSCHUTZ !

    a. Originalzustand:


    b. Gegenwärtiger Zustand

    2. Das ehemalige Lyzeum Vietor (heute Schule Carl-Schurz-Straße)

    Architekten: Abbehusen & Blendermann. Baujahre 1912-1913.
    Kriegszerstörung der Aula.
    Dennoch : DENKMALSCHUTZ !

    3. Villa Gross

    Architekt: Abbehusen. Baujahr 1911.
    Äußerlich in der Substanz unverändert (Fensterläden und Fenstersprossen wiederherstellbar; ergänzte Gauben entfernbar).
    KEIN DENKMALSCHUTZ ! ABBRUCHFÄHIG !