Bremen - Schwachhausen

  • Das ist auch das, welches mir immer so absurd vorkam. Andere Gebäude wurden stellenweise viel stärker verändert und das nicht nur innen, doch trotzdem stellte das überhaupt kein Problem dar. Die Kunsthalle Bremen müsste man auch zu dieser Liste zählen. Sich an Kleinigkeiten (im Vergleich von so manch anderen Umbauten) wie Fensterläden hochzuziehen verstehe ich einfach nicht. Bei anderen bereits Denkmalgeschützen Gebäuden war es komischerweise kein Problem nachträglich Glasaufbauten aufzusetzen. Auch die Baumwollbörse kann hier noch dazu gezählt werden, bei der trotz Denkmalschutz ein Glasaufbau in Planung war bzw. ist. Wenn man nur einmal genauer hinsehen würde, dann würden einem noch deutlich mehr Beispiele einfallen.

  • Beim Schauspielhaus / Theater am Goetheplatz wäre schon einiges gewonnen, wenn man das lächerliche Logo im Dreiecksgiebel (krummer Pfeil) entfernen und durch das ursprüngliche Figurenrelief austauschen würde. Das Nebengebäude würde durch kleine Maßnahmen (Wiederanbringung des bescheidenen Fassadenschmucks, Fensterläden, Rekonstruktion der Vasen) ebenfalls gewinnen. Oder steht der jetzige kahle/lieblose Zustand spezifisch unter Denkmalschutz?

  • Hoffentlich nütz der - hinter dem Datenschutz anonym bleibende - Eigentümer des Grundstücks die Ereignisse um Notre Dame nicht aus, um in deren Windschatten, den Abriß der Villa Gross still un heimlich über die Bühne zu bringen !

  • Durch die Berichtestattung der letzten Wochen war ich so voller Hoffnung und nun stehen Bauzäune um die Villa? Ich fasse es nicht, der Eigentümer will hier offensichtlich schnell kurzen Prozess machen, jetzt, wo das Thema wieder Fahrt aufgenommen hat.

  • Sehr geehrter Schwachhauser,


    verfügt ihr Archiv eventuell über Grundrisse, die den originalen Zustand von 1911 zeigen, sowie Innenansichten des Gebäudes ?

  • Tja Schwachhauser,


    Deine Befürchtungen werden sich bewahrheiten. Habe heute mit dem Beirat telefoniert: DER NEUE EIGENTÜMER, ÜBRIGENS EIN BREMER, DARF DAS GEBÄUDE ABREISSEN - JEDERZEIT. Der Bausenator/Senat hatten bereits im Vorfeld versucht, das Medienhaus zu retten und ein Abrissverbot erteilt. Dagegen hat der Eigentümer vor dem Verwaltungsgericht Bremen geklagt und Recht bekommen. Seine Begründung: Renditeminderung bei Erhalt des Gebäudes. Der Gang zur nächst höheren Instanz schien nach rechtlicher Prüfung nicht von Erfolg gekrönt, deshalb wurde darauf verzichtet. Nach den bundesrepublikanischen Gesetzen - Bundesrecht ist stärker als Landesrecht - kann - Eigentumsschutz - jeder mit seinem Haus machen, was er will, es sei denn, es besteht 1. Denkmalschutz, 2. Ensembleschutz, 3. Schutz nach der Erhaltungssatzung. Letzeres ist hier nicht gegeben, weil in diesem Bereich bereits in früheren Jahren zu viel verschwunden ist. Das gilt auch für den Ensembleschutz.
    Da sieht man mal wieder, wie die Vergangenheit die Gegenwart bestimmen kann - ein Phänomen, das nicht nur Freudianern geläufig ist. Hätte, hätte, Fahrradkette nun der Eigentümer ein Gebäude in Auftrag gegeben, wie ich es mit der Schwachhauser Heerstraße 251 hier vorgestellt habe - der Neubau wäre erträglicher. Leider ging der Auftrag aber an das Planungsbüro Italiano, die ja nur modern bauen. Wenn ich mir deren Neubau an der Schleiffmühle ansehe, kriege ich Alpträume und Seelenschlottern.
    Die für romantisch-kunstgeschichtliche und bauhistorische Argumente aufgeschlossenen Foristen müssen ein weiteres Element bei der Anschauung von abrissgefährdeten Gebäuden in ihren Wortschatz aufnehmen: It´s The Economy, Stupid (Bill Clinton). Will sagen: Ob Ansgariigrundstück, Brill-Bebauung, die Atlantic-Hotelketten-Verschandelung direkt neben der Böttgerstraße oder die Dudlerbauten am Hauptbahnhof - es geht nie um unser Stadtbild sondern der Transmissionsriemen für diese Entwicklung ist und bleibt: DIE KOHLE. Also beschäftigen wir uns in Zukunft mehr mit Wirtschaft, dann haben wir schon viele Ursachen für die Veränderungen im Stadtbild unserer Städte herausgefunden. Weiterer Kenntnisse - z. B: über Architektur - bedarf es leider nicht.

  • Hallo Findorffer, danke für die Infos. Gibt es zu dem Gerichtsurteil ein Aktenzeichen oder Datum? Ich hätte das gern gelesen.
    Im Februar schrieb ich Briefe mit meinem Protest gegen den Abriss direkt an Bürgermeister Carsten Sieling und an das Büro Italiano. Da wusste ich noch nicht, dass Italiano nicht der Eigentümer ist. Außerdem kontaktierte ich Klaus Hübotter, der seinerzeit den Sendesaal vor dem Abriss rettete, und bat um Hilfe, den Abriss abzuwenden. Einzig die Senatskanzlei hat mir geantwortet. Ich stelle das Dokument hier ein.

  • Mich ärgert vor allem der Begriff "wirtschaftliche Freiheit". Hier kann also jemand einfach ein Haus abreißen, dass historisch und architektonisch wertvoll ist und den Stadtteil maßgebend prägt (Ok, die Denkmalpflege sieht das anders, aber das ist ein anderes Thema). Aber wenn ich meine 3 Zimmer Wohnung bei Airbnb als Ferienwohnung vermieten will, schreibt mir Bremen per Gesetz vor, dass ich das max. 90 Tage pro Jahr machen darf. Wo ist denn hier bitte meine wirtschaftliche Freiheit? Die scheint niemanden zu interessieren. Und andere Menschen dürfen ganze Straßenzüge vernichten. Es ist nicht mehr zum Aushalten, wie sorglos hier mit Architektur umgegangen wird.

  • Schwachhauser,


    ich schlage vor, noch mal beim Ortamt anzurufen und nachzufragen, ob sie ein Aktenzeichen rausgeben könnten, falls sie es haben und dürfen.


  • seit wir 2013 nach Schwachhausen gezogen sind, der Altbauten wegen, hat sich das Bild der Strassen immer mehr verändert. Ob Graf Moltke Strasse, Parkallee, oder Schwachhauser Heerstrasse, hier werden wunderschöne Altbauten durch gesichtslose McMansions ersetzt, die dann auch noch meistens monatelang leerstehen. Spekulantenburgen allesamt! Ich kann mich noch erinnern, wie entsetzt ich war, als vor 1.5 Jahren ein anderer Altbau in der Schwachhauser Heerstrasse, total intakt und schön anzusehen einfach abgerissen wurde. Die geschwungenen Türflügel wurden vom Bagger zerquetscht, die riesige Deckenrose aus Stuck landete im Müllcontainer!
    Die Münchner und Hamburger haben den Wert eines charakteristischen Stadtbildes erkannt. Deshalb sind sie auch unter den beliebtesten Wohnstätten Deutschlands.

  • Nach dem Verständnis der Denkmalpflege wäre der Schutz von Rathaus, Dom und anderen Denkmälern hinfällig. Was da alles schon verändert wurde....


    Denkmalschutz ist immer innen und/oder aussen - nicht nur beides zusammen! Ferner auch immer Bedeutung, Emotion und Zusammenhang für die Menschen vor Ort!

  • seit wir 2013 nach Schwachhausen gezogen sind, der Altbauten wegen, hat sich das Bild der Strassen immer mehr verändert. Ob Graf Moltke Strasse, Parkallee, oder Schwachhauser Heerstrasse, hier werden wunderschöne Altbauten durch gesichtslose McMansions ersetzt, die dann auch noch meistens monatelang leerstehen. Spekulantenburgen allesamt! Ich kann mich noch erinnern, wie entsetzt ich war, als vor 1.5 Jahren ein anderer Altbau in der Schwachhauser Heerstrasse, total intakt und schön anzusehen einfach abgerissen wurde. Die geschwungenen Türflügel wurden vom Bagger zerquetscht, die riesige Deckenrose aus Stuck landete im Müllcontainer!
    Die Münchner und Hamburger haben den Wert eines charakteristischen Stadtbildes erkannt. Deshalb sind sie auch unter den beliebtesten Wohnstätten Deutschlands.

    In meiner Zeit in Hamburg habe ich damals leider oft das geflügelte Wort "Freie und Abrißstadt Hamburg" gehört; ich weiß nicht, ob die Stadt gerade das beste Beispiel für Denkmalschutz oder Stadtbildpflege ist - ich denke da eher an Leipzig oder Görlitz. Ich weiß noch, wie Sie in den Großen Bleichen direkt an der Binnenalster einen Gründerzeitler bearbeitet haben. Da schlackerten mir nur die Ohren.
    Welches Gebäude in der Schwachhauser Heerstraße meinst Du genau? Vis-à-vis der Orleanstraße? Das war schon ein schlechter Witz, keine Frage. Aber wenn ich es richtig sehe, wird es zumindest im historischen Stil oder jedenfalls mit historischen Elementen wieder aufgebaut. Fragt sich nur, warum man es dann überhaupt erst abreisst. Aber viel ist da wahrscheinlich ohnehin nicht zu verstehen, außer man bemüht die üblichen Motive.


    Bezüglich der "Angelegenheit Medienhaus" - ich bemühe mal den Beamtenjargon - hatte ich damals Kontakt zum Beirat, weil ich wirklich sauer war - also so sauer, dass man, obwohl man eigentlich weiß, dass ein Kontakt mit der "Beamtenstube" wenig Aussicht auf Erfolg hat, eben jenen Kontakt dann aber doch einfach sucht (Ventilfunktion). Der Beirat war zwar auch untröstlich und ich kann nicht sagen, dass man dort dem Abriß auch nur im Geringstem etwas abgewinnen konnte (aus Vertraulichkeitsgründen gehe ich da nicht weiter drauf ein), aber es waren wohl auch rechtliche Aspekte, die dem Beirat kaum Möglichkeiten beließen, etwas dagegen zu tun. Rechtliche Mittel, solchen Irrsinn zu verhindern oder zu bremsen (es geht nicht um Gestaltungssatzungen oder dergleichen), wird es womöglich in der nächsten Legislaturperiode geben. Vielleicht aber auch nicht.

  • Eine gestrige (Karsamstag) Vorbeifahrt in der Straßenbahn zeigte, daß sich an der äußerlichen Situation bisher nichts verändert hat. Bauzaun steht, Gebäude aber auch noch !!


    (Aufgrund der Aufnahme durch die Scheibe der Bahn ist die Qualität miserabel. Ich bitte das zu entschuldigen.)


  • Eine gestrige (Karsamstag) Vorbeifahrt in der Straßenbahn zeigte, daß sich an der äußerlichen Situation bisher nichts verändert hat. Bauzaun steht, Gebäude aber auch noch !!

    Das sieht jetzt garnicht gut aus, ich fürchte kurz nach Ostern machen die die Villa platt, noch bevor irgend ein Entscheidungsträger etwas machen kann :crying:

  • Sehr geehrter Schwachhauser,


    herzlichen Dank für das Teilen dieser Inschrift !


    So bleibt sie uns zumindest virtuell erhalten. Wie so oft sehen eben mehrer Augenpaare mehr als eines...


    Haben Sie eventuell die alte Gedenkinschrift aus dem Stammhause 'derer von Gross' in Brake auf Ihre Photoplatte gebannt ? Diese ist ja schon vor einiger Zeit dem todgeweihten Hause entnommen worden.