Bremen - Schwachhausen

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    • Aus dem "Stadtteil-Kurier Schwachhausen" vom 8.4.2019:

      "Was dahin kommen wird, wird uns alle erschrecken", Georg Skalecki, Landesdenkmalpfleger


      Historisches Gebäude

      Petition kämpft für Medienhaus-Villa
      Margot Müller 07.04.2019 0 Kommentare

      Dem ehemaligen „Bremer Medienhaus“ an der Schwachhauser Heerstraße 78 droht der Abriss. Nun kommt seit der im Januar eingereichten Petition für den Erhalt der Villa wieder Bewegung in die Debatte.Die Mitglieder des Petitionsausschusses haben sich vor dem Medienhaus getroffen, das der neue Eigentümer abreißen will. (Petra Stubbe)
      Vor dem großen Säulen-Portal am ehemaligen „Bremer Medienhaus“ sind am Donnerstag die Mitglieder des Petitionsausschusses der Bürgerschaft zu einem Ortstermin zusammengekommen. Dem historischen Gebäude an der Schwachhauser Heerstraße 78 droht bekanntlich der Abriss, weil der neue Eigentümer hier ein Apartmenthaus mit rund 30 Wohnungen errichten will. Eine äußerst unpopuläre Maßnahme, die bisher schon stadtweit einigen Protest hervorgerufen hat.
      Da das über 100 Jahre alte Gebäude allerdings nicht unter Denkmalschutz steht, scheint das private Bauvorhaben unabwendbar. Nun hat Nils Mahler von der „Vereinigung für das historische Stadtbild Bremens“ Anfang Januar eine Petition für den Erhalt der Villa eingereicht und es kommt wieder Bewegung in die Debatte.

      Die Mitglieder der Vereinigung engagieren sich in mehreren Initiativen, unter anderem in der Innenstadt, für die Erhaltung und Verbesserung des Bremer Stadtbildes. Auch der Vorsitzende Nils Huschke bekräftigte seine Hoffnung, den Abbruch des besonderen Gebäudes mit der eindrucksvollen Fassade und dem alten Baumbestand vor dem Haus doch noch verhindern zu können.
      Als Sprecher des Petitionsausschusses berichtete Claas Rohmeyer (CDU), dass es gemäß aktueller Sachlage für den Investor und Privateigentümer gesetzlich zulässig sei, hier einen modernen Neubau zu errichten. Allerdings gebe es überhaupt noch keine Information, wie und wann der Bau im Einzelnen geplant sei.

      Kulturgut geht verloren

      In seiner Stellungnahme verdeutlichte Nils Mahler bei dem Treffen, nicht noch mehr historische Bauten im Stadtgebiet dem Abriss zu überlassen. „Dabei geht uns Bremer Bürgern immer mehr Kulturgut verloren“, betonte Mahler, der selbst in Arsten lebt und nachdrücklich für historische Strukturen und den Bremer Bürgersinn schwärmt. Seine Idee geht dahin, die stadtbildprägende frühere Arzt-Villa Gross unbedingt zu erhalten und für die Öffentlichkeit weiter zu nutzen. Das direkte Umfeld in Schwachhausen mit St.-Joseph-Stift, Villa Vollmer, Synagoge und Focke-Museum sei dafür geradezu prädestiniert. Dabei sieht Nils Mahler einen wichtigen Bezug zum Kulturtourismus. „Besucher und Gäste in unserer Stadt orientieren sich positiv an solchen attraktiven Gebäuden“, meint Mahler. Er kann sich als Denkanstoß vorstellen, in dem Haus zum Beispiel ein Museum für Bremer Köpfe einzurichten, wie Loriot, Hans-Joachim Kulenkampff oder auch Rudi Carrell.
      Damit einher geht ein eindringlicher Appell an die Politik, sich mit dieser Sache nochmals grundlegend zu befassen. Auch der Beirat Schwachhausen bezieht eine klare Position. Als Vertreter des Ortsamts Schwachhausen war Thomas Berger anwesend. Er stellte klar, dass der zunehmende Schwund von geschichtsträchtiger Bausubstanz im Stadtteil sehr bedauerlich sei und diese Petition jetzt eine gute Lösung biete, alles noch einmal zu überdenken.


      Villa soll verschwinden

      Im Namen der Bürgerschaftsabgeordneten bedankte sich Insa Peters-Rehwinkel (SPD) für die umfänglichen Informationen. Die Ausschuss-Mitglieder sehen nach eigenen Angaben nun ihre parlamentarische Aufgabe darin, die Rolle des Denkmalschutzes abzuklären. Das sei zwar ein juristischer Spagat, zumal die Unterschutzstellung schon einmal geprüft und dann abgelehnt worden sei. Aber es bestehe vielleicht eine Chance, die Angelegenheit neu zu beleuchten und den Senat um Abhilfe zu bitten.
      Der Beirat hat nach eigenem Bekunden alle rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft, um das Gebäude zu erhalten. Parteiübergreifend habe man sich für die alte Villa eingesetzt, ­erklärte bereits vor Jahresfrist Beirats­sprecherin Barbara Schneider (Grüne).
      Erbaut wurde das Gebäude mit den prägnanten vier Säulen im Eingangsbereich 1911 als groß­bürgerliche Villa im Auftrag von Heinrich Gross, damals leitender Arzt am nahegelegenen St.-­Joseph-Stift. Bis zu seinem Tod 1954 wohnte der Mediziner in der Villa. In den Nachkriegsjahren kamen wohnungslose Familien in dem markanten Gebäude unter, später eine Schifffahrtslinie. Seit 1988 waren verschiedene Unternehmen aus der Medienbranche in der Villa ansässig.

      Allerhand Unmut

      Erste Gerüchte um bevorstehende Abrisspläne waren im Sommer 2017 an die Öffentlichkeit gedrungen. Dagegen hatte sich lautstarker Protest unter Anwohnern erhoben. Im Sommer 2018 setzte sich ein zehnjähriges Mädchen aus der Nachbarschaft für den Erhalt des Medienhauses ein. Allerhand Unmut artikulierte sich auch in den Leserbriefspalten des WESER-KURIER.
      Wegen zu starker baulicher Veränderungen hatte die Landesdenkmalpflege eine Unterschutzstellung 2001 verworfen. Eine neuerliche Überprüfung mit abweichendem Ergebnis hält Landeskonservator Georg Skalecki für „ganz schwierig“, seine Behörde sei „ein Stück weit“ gebunden an die damalige Entscheidung. Gleichwohl bedauert er die Abrisspläne. Zumal ihm Böses schwant, wenn er sich die künftige Bebauung ausmalt. „Was dahin kommen wird, wird uns alle erschrecken“, so Georg Skalecki nach Bekanntwerden des Investorenvorhabens an dem exponierten Standort.

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    • An der Villa Gross wird es jetzt brenzlich !

      Habe heute erstmals einen komplett aufgestellten Bauzaun um das Areal herum gesehen, inklusive Werbebanner eines Abbruchunternehmens. Der Zaun muß in den letzten Tagen aufgestellt worden sein. Ein LKW-Lader der Firma stand auch schon vor der Tür.
      Werde morgen Fotos anfertigen und hier einstellen.
      Es sieht nicht gut aus für das schöne Gebäude !
    • Um es mit Prinzessin Leias Worten zu sagen:

      "This is our desperate hour...!"


      Die Berichte um die Petition zur Villa Gross hat das Medienhaus wieder ins Bremer Gedächtnis gebracht.

      Der Investor fürchtet nun seinerseits, es könnte sich eine Initiative bilden - ähnlich wie bei der Galopprennbahn, der Kohlhökerstraße - oder zu Protesten wie beim Sparkassen-Brill-Neubau kommen, und will mit dem vorgezogenen Abriss

      Tatsachen schaffen, um aufkeimenden Protest rasch zu ersticken.


      Dies ist wirklich unsere verzweifeltste Stunde. Wer kann sachdienliche Hinweise oder Vorschläge unterbreiten, um den Abriss vorläufig zu stoppen? Dies ist ein breitgefächertes Forum. Es gibt bestimmt Parallelen zu Fällen, die hier dem einen oder anderen Foristen bekannt sein dürften.

      Helft uns mit diesem Wissen. Steht uns beiseite. Leitet uns an. Zeigt uns Wege auf, damit ein rascher Abriss der Villa Gross verhindert werden kann!


      Ich zähle auf euch! - Und alle, die es mit dem Medienhaus halten ebenso!
    • Rundgang um die Villa Gross - Teil 2

      (Bilder vom 13.04.2019)

      stadtbild-deutschland.org/foru…d89b13266424d85926e647a78

      Blick in die Eingangshalle
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      stadtbild-deutschland.org/foru…d89b13266424d85926e647a78








      Hier wurde schon eine Girlande herausgestemmt ! Am Tage des Ortstermins des Petitionsausschusses war diese noch vorhanden !!








    • Welche realen Möglichkeiten hätte man, um einen wohl zeitnahen Abriss der Villa zu verhindern oder hinauszögern???

      An die Säulen ketten wie im Hambacher Wald?
      Das Haus besetzen wie an der Hamburger Hafenstraße?
      Dem Investor genügend Geld anbieten?
      Auf Grund des Versagens der Politik eine alternative Partei wählen?

      Oder es einfach hinnehmen und zukünftig um Bremen einen großen Bogen machen???

      Guter Rat ist manchmal teuer... aber nicht unmöglich!
    • An den Ostwestfalen:
      Das Problem ist die private Bauträgerschaft. Es ist ja nicht einmal der Names des Bauträgers oder des Investors oder des Grundstückeigentümers bekannt. Offizielle Stellen der Baubehörde oder des Beirates dürfen aus datenschutzrechtlichen Bestimmungen keine Auskünfte geben.
      Den Bauträger recherchiere ich gerade.
      Da jetzt der Bauzaun angebracht wurde, ist anzunehmen, dass bald oder bereits eine Abriss-Genehmigung vorliegt. Weshalb jetzt wohl bald die Bagger anrollen, denn es sieht so aus, als ob der Bauträger für seine Neubau-Planungen noch keine Baugenehmigung hat. Somit ist der Abriss des Gebäudes - das ja bekanntlich nicht unter Denkmalschutz steht - legitim, und es spielt keine Rolle, in welchem Jahr die Bebauung des - von alter Bausubstanz - befreiten Geländes erfolgt.
      Ich habe leider keine Beziehungen zur alternativen Szene. Die Besetzung von alten Häusern ist ja schon oft geschehen.
      Ich habe leider keinen Anwalt an der Hand - und leider auch nicht das entsprechende Salär auf dem Konto, aber mir würde da schon ein Mittel einfallen. Also: Interessierte Anwälte bitte bei mir melden!!!

      An den lieben Pagentorn.

      Der 'Ausbruch' an Seiteneingang der Villa war schon am 04.04. vorhanden.
      Es handelt sich dabei um den Gedenkstein der Familie Gross, der aus dem Familienhaus der Gross' in Brake stammte.
      Auf dem Stein sind die Namen Johann Gerhard Groß und seiner Ehefrau Ahlke Margarethe Groß und die Jahreszahl 1791 zu lesen.
      Der Stein dürfte sich wieder im Besitz der Familie Gross befinden. Wenigstens dieses Stück Bremer Familiengeschichte scheint der Nachwelt erhalten zu bleiben.

      Wunderbare Dokumentation der Villa.