Am 9.November findet unser großes Initiativentreffen in Frankfurt am Main statt. Unter der Rubrik "Aktuelles und Allgemeines" finden Sie alle Informationen vor.

Abrißstadt Bremen: Schwachhausen

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    • Abrißstadt Bremen: Schwachhausen

      In Anlehnung an Findorffers 'Abrißstadt Bremen: Parkallee' hier ein neuer Strang, der sich mit abgängigen Bauten im Stadtteil Schwachhausen beschäftigen soll.

      Abriß in der Graf-Moltke-Straße im Jahre 2016

      Als erstes Beispiel soll hier der äußerst bedauerliche Verlust eines großbürgerlichen Wohnhauses in der Graf-Moltke-Straße dienen, das im vergangenen halben Jahr - ohne zwingende Notwendigkeit, denn das Gebäude war total intakt und bestens 'in Schuß' - abgerissen wurde. Damit ist einem an dieser Stelle bisher existierenden, geschlossenen baulichen Ensemble im Jugend- und Heimatschutzstil der rechte Flankenbau abhanden gekommen. Anbei zwei Bilder, die die Situation vor dem Abbruch bzw. den geplanten Neubau an selbiger Stelle zeigen.

      Warum nur, ist uns Heutigen die Fähigkeit früherer Bauunternehmer, legitimes Gewinnstreben mit optischer Schönheit und Beachtung der europäischen Bautraditionen zu verbinden, verloren gegangen ?

      Hier muß sich - in der Breite der Gesellschaft - dringend etwas ändern !


      Der Zustand vor dem Abriß des Flankenbaus.


      Der geplante Neubau, der bereits mit großformatigen Anzeigen in der Lokalpresse beworben wird.
      (Und ich dachte bisher, solche grauenvollen Klötze im besten 70er Jahre Stil gehörten mittlerweile der Vergangenheit an...)

      The post was edited 4 times, last by Pagentorn ().

    • Hier sieht man mal wieder schön die Gewinnmaximierung des Investors. Niedrige Deckenhöhe erlauben dann 4 statt nur 3 Geschosse und zum Design des Neubaus.........70er und 80er Jahre lassen grüßen. Schön, das in der Visualisierung mindestens 2 Bewohner es nicht mehr in der Wohnung aushalten und lieber auf ihren Balkonen stehen, da bei den Deckenhöhen ihn wahrscheinlich ansonsten die Decke auf dem Kopf fällt.
    • Wir regen uns - zu Recht - über den Umgang mit der historischen Baukultur in der Vergangenheit auf. Aber die Vergangenheit ist auch heute. Wir müssen davon ausgehen, dass unsere Stadtbild-Nachfolger in 25 - 30 Jahren fragen: "Was haben die Heinis eigentlich damals so gemacht, gab es keinen Widerstand"?.
      Hier nun das Medienhaus an der Schwachhauser Heerstraße, das abgerissen wird. Der Landeskonservator sieht sich außerstande, dass Gebäude unter Denkmaschutz zu stellen, da Innen schon sehr viel verändert wurde.

      Außerdem: Wir brauchen Wohnungen, Wohnungen über alles. Schließlich wollen ja auch alle in Schwachhausen wohnen, wegen der historischen Bebauung ist es da so schööööööööööööööööööööööööööööön.

      Vorderansicht:



      Seitenansicht


      Also, Mitforisten, wir sind mittendrin.

      The post was edited 1 time, last by findorffer ().

    • "Eine Unterschutzstellung sei 2001 zwar geprüft, aber verworfen worden, sagt Skalecki. Der entscheidende Grund: „gravierende Veränderungen“ im Gebäudeinneren bei zwei Umbauten in den Jahren 1940 und 1974." Zitat aus dem Weser Kurier

      Was für eine Absurde Begründung!
      Würde es nur nach dem innren eines Gebäudes gehen, könnte man ja fast 90% aller Altbauten abreißen. Die meisten Altbremer Häuser wurden innen in den letzten hundert Jahren stark verändert, es ist hingegen eher selten gänzlich unverbastelte Häuser anzutreffen. Handwerkskammer, Schütting und Kunsthalle wären nach dieser Logik alle nicht erhaltenswert
    • Wie irre ist das denn, so ein Haus abzureißen?! Gibt es denn vor Ort niemand, der dieser Barbarei etwas entgegensetzen kann? Mich macht so etwas immer wahnsinnig. An solchen Nachrichten erkennt man, welches kulturelle Niveau eine regierende Kaste besitzt. Vermutlich wäre jedes andere Land der Erde stolz über so ein herrschaftliches Gebäude, aber ist ja leider kein 50er Jahre Baukasten aus der Anfangszeit der deutschen Zeitrechnung...da hätte das Denkmalamt garantiert alle erdenklichen „Argumente“ geliefert, um rasch unter Schutz zu stellen und wie wir das überall sonst auch erleben.
      „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)








    • Man denke an die Richard-Wagner-Villa Wahnfried, die zu 2/3 vollständig zerstört war. Von den Innenräumen ganz zu schweigen. Und die heute diese Zeit wieder erlebbar macht. Oder Ruinenhäuser, die nach 1990 zu alter Schönheit zurückgefunden haben.

      Nein, Eigentum verpflichtet.
      Und wenn diese Herrschaften das Haus nicht erhalten wollen, sollten sie enteignet werden. Denn es zwingt sie niemand, das Haus zu besitzen.

      Auch sollte es bald einen Stadtbildschutz geben.
      "Wir ziehen dahin, weil es dort so schön ist."
      So wie es eben Naturschutzgebiete gibt.
      "Wir fahren dahin, weil die Natur dort noch unberührt ist."
    • Villa1895,


      es erscheint nicht nur dir als Außenstehender, als suche sich der Denkmalschutz - besonders in der Hauptstadt Deutschlands in Bezug auf den Abriss nach dem Krieg 1945: Die einst stolze Hansestadt Bremen - die Begründungen passend zum Objekt aus. Im Bezug auf das Medienhaus ist es eine veränderte Innenarchitektur, am Wall oder der Galopprennbahn werden und wurden andere Gründe genannt, die meiner Meinung nach nur vorgeschoben wirken.


      Was interessiert mich die Innenarchitektur des Medienhauses? Was interessiert es mich, ob es dort Veränderungen gegeben hat, die vom Original abweichen? - Für mich ist alleine die Außenstruktur erhaltenswert. Wie viele vergleichbare Objekte einer solchen Erscheinungsform gibt es in Bremen noch?


      Denkmalschutz soll das allgemeine Ziel verfolgen, über die Geschichte der Gesellschaft zu informieren, indem sie konkret die sinnlich wahrnehmbaren historischen Zeugnisse der Baukunst und Lebensweise vergangener Zeiten für die Nachwelt erhält, und darüber hinaus auch Lebensqualität sichert.


      Ich kann nicht sehen, wie der Denkmalschutz in der Hansestadt Bremen dieser Formulierung seines eigentlichen Auftrags an die Gesellschaft nachkommt.


      Aber wir Bremer sind ja auch selbst Schuld: Wie können wir auch erwarten, dass ein Mann aus Marpingen im tiefen Saarland einen innig gelebten Bezug zu einer sich zu seiner Vergangenheit bekennenden Hansestadt aufbauen kann?
      Einem Landeskonservator geboren in Bremen würde sicherlich eine ganz andere gelebte Verbindung zu seiner Heimatstadt aufweisen und den wahrnehmbaren historischen Zeugnisse der Baukunst vergangener Tagen mehr Respekt und Emotionalität entgegenbringen als es derzeit der Fall ist.
    • ‚Husslachter’

      Lieber Exilwiener,
      ich teile Ihre Trauer und Empörung !
      Und ja, es ist schon Alles versucht worden (Unterschriftenlisten, Einschalten einer Bürgerinitiative). Aber leider – wie in Bremen bisher immer – erfolglos.
      Unser hiesiger Verein hat wirklich viel Arbeit vor sich, wenn er im Frühjahr vom Stapel läuft !


      Noch eine kleine Ergänzung zu der, dem Untergang geweihten Villa:

      Mit dem Gebäude verschwindet das Wohnhaus von Dr. Heinrich Gross, dem von 1905 bis 1937 leitenden Arzt der Chirurgie im St. Joseph Stift, welcher die moderne Chirurgie in Bremen einführte. In diesem Zusammenhang verliert Bremen auch den baulichen Anküpfungspunkt einer köstlichen Anekdote:
      Dr. Gross war vor dem 1. Weltkrieg der ‚Modearzt’ der besseren Gesellschaft von Bremen und ganz Nordwestdeutschland, wenn es um die Entfernung von Blinddärmen ging. Die Portalsäulen seines Wohnhauses sollen deshalb – so der Volksmund – innen hohl und randvoll mit tausenden von Appendices gefüllt sein…
      Dr. Gross pflegte, nach vollbrachter Blinddarm-OP, vom Operationssaal aus quer durch das Foyer des Krankenhauses zu seinem Dienstzimmer zu gehen – und zwar mit blutverschmierten OP-Schürze. Eines Tages nun, lief er in dieser Montur einer – bei ihm schon für eine OP angemeldeten – auswärtigen Patientin im Foyer über den Weg, die ihn aber noch nicht von Angesicht kannte und also nicht wußte, wen sie da vor sich hatte. Ob des blutigen Aufzuges schockiert und einer Ohmnacht nahe, soll sie fragend ausgerufen haben: „Um Gottes Willen, wer sind Sie denn ???“. Darauf antwortete ‚Heini Gross’ auf Plattdeutsch: „ Ick, Madame, ick bin hi bloß de Husslachter !“(Ich, Gnädige Frau, ich bin hier bloß der Hausschlachter).

      Ob diese zum Schmunzeln anregende Anekdote, den Abriß des schönen Gebäudes lange Überleben wird, darf bezweifelt werden.

      Anbei eine historische Ansichtskarte von der Wirkungsstätte von Dr. Gross, dem St. Joseph Stift:

    • Ein in der Immobilien-Marketing-Sprache relativ neues Sprachkonstrukt ist die Rede von dem "sich neu erfinden". So auch hier:

      Medienhaus Bremen

      Großzügigkeit in urbanem Flair.
      In der Schwachhauser Heerstraße erfindet sich das altehrwürdige Bremer Medienhaus durch Entwürfe des Planungsbüro Italiano neu. Das bekannte Medienhaus mit seinen Säulen verabschiedet sich und weicht dabei einem großzügigen Wohnkomplex, der mit viel Raffinessen besticht.
      Sowie (zynischer geht es kaum noch...):



      BESONDERHEIT
      Der Bau an diesem sensiblen Standort stellt eine Hommage an das Bremer Medienhaus dar.
      pbi-bremen.de/projekt-m78/

      Tja, was kann man noch machen? Petition? Transparente am Haus? Proteste vor der Bürgerschaft? Hausbesetzer?... Oder alles schon gegessen?...
    • Eine Petition ist eine hervorragende Idee, Heimdall.

      Für eine entsprechende Online-Einreichung könnte ich ein paar bauhistorische Fakten gebrauchen. Stellt sie bitte hier im Forum ein, damit ich eine Petition ausformulieren kann.

      Ich hoffe auf eine breite Unterstützung hier im Forum.

      Und ich möchte hier nicht hören, dass eine Petition eh nix bringt. Ich denke, es ist an der Zeit, Nadelstiche zu setzen. Und eine Petition wäre so ein Nadelstich, denn die Politik muss sich damit auseinandersetzen und Zeit aufwenden. Unabhängig vom möglichen Erfolg oder Misserfolg.
      Ich finde es wichtig, dass wir zeigen: Wir sind da! - Und handeln auch!
    • Schon der Name ist irreführend. 31 Wohneinheiten - was hat das mit einem "Medienhaus" zu tun? Außer man bezieht es auf Wasser, Strom und Versorgungsanlagen.

      Das Haus benötigt eine behutsame Sanierung mit Wiederherstellung der ursprünglichen Fenster, der Fassadenfarbe und des Dachgiebels.

      Der austauschbare WEISSE Entwurf, der dort geplant ist, kann auch problemlos woanders hin.
    • Diese Hinterlist der Architekten zeigt, wo wir inzwischen moralisch gelandet sind: im Nirgendwo. Wie in der Werbung zu lesen ist, ist dieser Bau - der aussieht wie alles, was heute so gebaut wird - eine BESONDERHEIT, die Architekten betonen den sensiblen Standort, ihr Neubau stellt gar eine Hommage an das Bremer Medienhaus dar. Das kann man alles so ungestraft behaupten, soll doch mal einer das Gegenteil bewweisen. Könnte man eine Anzeige wg. Falschbehauptung in die Wege leiten. Wohl kaum, die Architekten bewegen sich auf sicherem Terrain, denn der eine sagt so, der andere sagt so.

      Ich muss neidlos zugeben, an den Ähnlichkeitsfeststellungen zum Medienhaus (Hommage) ist was dran. Die Ähnlichkeit des Neubaus mit dem Medienhaus ist in der Tat verblüffend. Auch ästhetisch sind kaum Unterschiede zu erkennen. Mit Kapitalakkumulation hat das Ganze überhaupt nichts mehr zu tun, ebensowenig wie mit frechen Lügen.

      Es ist wie immer, alle arbeiten zusammen: Der Investor will Kohle machen, der Archtekt braucht Aufträge, der Senat - ich sage nicht, die Stadt - braucht Wohnungen und die Bürgerinteressen...............bleiben auf der Strecke.

    • Jakku Scum wrote:

      Für eine entsprechende Online-Einreichung könnte ich ein paar bauhistorische Fakten gebrauchen. Stellt sie bitte hier im Forum ein, damit ich eine Petition ausformulieren kann.
      Andere Foristen sind weit größere Experten zur Bremer Baugeschichte. Sie mögen bitte ergänzen.

      Folgende Informationen finden sich bei Wikipedia:
      Villa Gross, Bremer Medienhaus
      Die Villa Gross entstand 1911 nach Plänen von August Abbehusen und Otto Blendermann für Professor Dr. med. Heinrich Gross (1869–1954), Chefarzt am St Joseph Stift, im Stil des Neoklassizismus auf dem Grundstück des Gartenlokals Ernst Geisler. Im Gebäude befindet sich seit um 1988 das Bremer Medienhaus.
      Hier existiert bereits ein Engagement gegen den Abriss:

      schwachhausen-online.de/medienhaus.pdf

      Einige Tipps zum Verfassen einer Petition:

      secure.avaaz.org/de/petition/how_to_write_a_petition/
    • Heimdall, hab vielen Dank für deine Informationen und Verlinkungen.

      Die Petition ist so gut wie ausformuliert - wenn also jemand hier im Forum noch irgendwie relevante Informationen wie z.B. zu den Architekten August Abbehusen und Otto Blendermann hat, bitte hier im Forum äußern.

      Bezüglich einer Petition in Bremen für das Medienhaus möchte ich über ein paar Details informieren:
      - Eine Petition unterliegt keiner besonderen Form; für eine Petition reicht es seinen Namen und Anschrift zu nennen, einen Text zum Anliegen zu verfassen, diesen zu unterschreiben und in an den Petitionsausschuss zu schicken.
      - Zu einem Anliegen dürfen mehrere Petitionen eingereicht werden; also Jedem, dem das Thema Medienhaus auf den Fingernägeln brennt, kann und sollte eine Petition schreiben bzw. einreichen. Es muss lediglich festzustellen sein, dass die einzelnen Petitionen nicht von ein und derselben Person geschrieben sind und nicht den gleichen Wortlaut aufweisen. Oder wie es die Verfahrensordnung beschreibt: Mehrfachpetitionen sind Eingaben mit demselben Anliegen, die individuell abgefasst sind.
      - Eine Petition kann unabhängig vom Wohnsitz verfasst und eingereicht werden. Wenn also Heini in München der Meinung ist, die in Bremen sind deppert, dann darf er eine Petition dazu in Bremen einreichen, denn die Verfahrensordnung sagt dazu: Das Petitionsrecht ist von den persönlichen Verhältnissen der Petentinnen und Petenten und vom Wohnsitz oder der Staatsangehörigkeit unabhängig. Wer also einen Onkel in Amerika hat, kann den Onkel ebenfalls dazu ermuntern, eine Petition zum Thema einzureichen.

      Ich möchte also an dieser Stelle alle hier im Forum aufrufen, die sich zum Medienhaus bekennen und das Haus an der Schwachhauser Heerstaraße gerne erhalten haben möchten, eine Petition zu verfassen. Man muss nur Namen und Anschrift im Schreiben nennen, das Anliegen kurz oder ausführlich benennen und den Text abschließend unterschreiben. Der Brief kann dann an folgende Adresse geschickt werden:

      Petitionsausschuss der Bremischen Bürgerschaft
      Am Markt 20
      28195 Bremen.


      Oder er verfasst eine Petition online unter

      petition.bremische-buergerscha…index.php?n=petitionsform

      Doch vorsicht, gestern konnte keine Petition hier abschicken werden, es kam nur ein Error als Bestätigung. Ich werde daher die Petition ganz altmodisch über die Post verschicken.
      Wer ein Fax sein Eigen nennt, darf die Petition selbstverständlich auch faxen unter (0421) 496 - 12352.


      Heimdall, ich werde der zehnjährigen Lilo Pataj-Vogt so schnell wie möglich eine e-Mail schicken.