Bad Wiessee

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    • Ich habe vor kurzem im Urlaub in Bad Wiessee von einem mich sehr schockierenden Abriss- und Neubauvorhaben erfahren, das ich hier kurz vorstellen möchte in der Hoffnung, Mitstreiter zu finden, dies eventuell noch zu beeinflussen.

      In Bad Wiessee, einem schmucken Ferienort am Tegernsee, liegt an prominenten Stelle, direkt hinter der Seepromenade, ein Ensemble aus den beiden 30er-Jahre Gebäuden "Haus des Gastes" (ehemaliger Tourist-Information), "Hotel Wittelsbach" und dem 1908 erbauten "Hotel Lederer", früher "Kurhaus Hanselbauer" und Schauplatz einer der ersten nationalsozialistischen "Säuberungen". 1934 wurde dort SA-Chef Ernst Röhm unter dem Vorwand, einen Putsch zu planen, festgenommen. Das Hotel Lederer war bis zu seiner Schließung 2011 das erste Haus am Platz und beeindruckt m.E. noch heute mit einer prägnanten Seefront. Bis vor einigen Jahren stand dort zudem noch die Spielbank Bad Wiessee aus den 1960er Jahren, dieser Bau wurde bereits abgerissen, an der Stelle ist jetzt ein Parkplatz.

      Diese drei Gebäude wurden in den letzten Jahren vollständig von einem Investor erworben mit dem Plan, diese vollständig abzureißen und dort ein 5-Sterne-Hotelneubau zu errichten. Derzeit steht das Haus des Gastes leer, das Hotel Wittelsbach wird noch als solches betrieben und das Hotel Lederer steht ebenfalls leer und verfällt, lediglich im zum Strand gewandten Außengelände wurde eine Strandbar installiert.

      Anbei zunächst ein paar Fotos:

      Haus des Gastes und Hotel Wittelsbach:


      Haus des Gastes:





      Haus des Gastes - in den Eingangsbereich fotografiert:



      Hotel Wittelsbach:



      Hotel Lederer - historisches Hauptgebäude:








      Innenhof mit jüngeren Gebäude auf der linken Seite:




      ... dasselbe von der Seeseite:


      Schöne Lüftlmalerei an einem weiteren Nebengebäude des Hotelkomplexes:




      ... und noch einmal die Hauptfront des Hotels bei strahlendem Wetter:


      ... sowie ein Blick zurück auf das Haus des Gastes:



      Innenaufnahmen des Hotels Lederer gibt es noch beim Merkur (Link), zudem noch etwas Geschichte (Link). In der Lokalzeitung Tegernseer Stimme wird zudem die Rolle des Hotels während des Röhm Putsches aufgearbeitet (Link).


      Zu den Neubauplänen ist noch nichts so richtig konkretes bekannt, im aktuellen Bürgerboten "Bad Wiessee im Blick" (wird vmtl. in Kürze an dieser Stelle abzurufen sein) sowie in einem Artikel der Tegernseer Stimme (Link) sind jedoch schon erste Grundrissvisualisierungen zu sehen. Nach denen wird der gesamte Lederer-Komplex einschließlich des geschichtsträchtigen Hauptgebäudes abgerissen, ebenso das Haus des Gastes während das Hotel Wittelsbach als Baumasse erhalten bleibt, vmtl. aber dennoch abgerissen wird. Der Neubau wird ein U-förmiger Flachdachkomplex und passt in etwa in das bayerische Ortsbild wie eine spanische Finca, dennoch habe ich bisher kaum kritische Stimmen gefunden, die sich dem Abriss entgegenstellen. Scheinbar verspricht sich die Gemeinde einen ganz großen Wurf, so schreibt der Bürgermeister im Vorwort, dass Bad Wiessee 25 Jahre touristische Versäumnisse aufzuholen hat und in dem Artikel zum Lederer-Areal ist die Rede von einer gelungenen Einbettung eines neuen Areals in die vorhandene Ortsstruktur, die ich leider auf Basis der ersten Visualisierungen überhaupt nicht sehe.

      Mich würde mal interessieren, wie Ihr die Einflussmöglichkeiten seht? Meines Erachtens sollte das vornehmliche Ziel darin liegen, dass Hauptgebäude des Hotels Lederers zu erhalten und in den neuen Hotelkomplex zu integrieren, wobei es auch um das Haus des Gastes und das Hotel Wittelsbach schade wäre. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass ein 5-Sterne-Hotel mit allen drum und dran nur mit Komplettabriss aller Gebäude möglich ist.

      Kommt jemand aus der Region und hat vielleicht Ideen, wen man anschreiben müsste um hier ggf. noch etwas erreichen zu können? Ich persönlich bin etwas schockiert, dass ein Gebäude wie das Hotel Lederer mit einer so starken Ortsbildprägung (DAS seeseitige Gesicht des Ortes) und gleichzeitig auch Schauplatz (wenn auch unschöner) historisch wichtiger Ereignisse widerstandslos abgerissen werden kann. Das darf doch eigentlich nicht sein, oder?
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • Diese Meldung macht mich sehr traurig. Das sind doch Gebäude, die ortsbildprägend für Bad Wiessee sind. Diese durch irgendwelche Flachdachkomplexe zu ersetzen ist ein Vorhaben von solcher Seelenlosigkeit, dass ich wohl davon absehen werde, in Zukunft in diese Ecke zu reisen, einfach, um mir das nicht antun zu müssen.
      Ich habe an das Haus des Gastes zudem sehr schöne Kindheitserinnerungen. Dort habe ich die Fußball-WM geguckt (praktisch eine Art public viewing), mich im Lesesaal herumgetrieben, an einer Tombola beteiligt und Preise gewonnen. Ein so gelungenes und intaktes Gebäude abreißen zu wollen, ist wirklich eine Schande.
    • Da regt sich wohl noch kein Widerstand, weil es den Leuten noch nicht bekannt ist was droht! Presse aktivieren.
      Das Haus des Gastes ist unbedingt erhaltenswert. Sehr schön proportioniert. Ein Beispiel, wie traditionelle ortstypische Architektur mit modernem Impuls weiterleben kann! Beim großen historistischen Hotelkomplex sieht es so aus, als ob dieses schon vor Jahrzehnten etwas entschmückt wurde. Aber die Balkonbauten mit den gedrechselten und geschnitzten Säulen sind allemal auch erhaltenswert. Man kann doch alle Gebäude auf den neuesten Stand bringen und hat dann noch individuelle attraktive Architektur, zigmal anziehender als Flachdachkisten. Doch immerzu ist's das gleiche Phänomen: Modernisierungnachholbedarf wird noch immer vielerorts mit bauhausgeprägter Verschlichtung und mit Verflachung im architketonischen Ausdruck gleichgesetzt. :kopfschuetteln:
      Die örtliche Presse anschreiben und wachrütteln. Bildvergleiche müssen her!
      Der Gemeinderat sollte mal ins Oberallgäu fahren, in die Gegend um Immenstadt und Oberstdorf. Dort habe ich neulich nirgends eine Flachdachkistenmodernisierung gesehen, im Gegenteil: Neubauten in Holzbauweise ganz und gar im traditionellen Stil mit Schindelverkleidung und Blockbohlenbauweise. Da ist man selbstbewußt stolz auf seine bewährten Traditionen. Eine lebendige prosperierende Urlaubsregion!
    • Der ehemalige Inhaber des Hotels, Josef Lederer, setzt sich weiterhin für den Erhalt ein. Leider stellt sich das Denkmalamt quer:

      Münchener Merkur schrieb:

      Im Fall der Forderung nach Denkmalschutz liege schon eine Antwort der Fachbehörde vor. Dort sei Lederer laut Oberkonservator Burkhard Körner bereits im Dezember 2016 vorstellig geworden. Ergebnis: Es erfolgt kein Eintrag in die Denkmalliste. Die Bauphase der 1930er-Jahre sei kaum mehr erhalten, der Ort des Geschehens nicht mehr ablesbar.


      merkur.de/lokales/region-teger…enkmalschutz-7599869.html

      Hmm... also ich habe das Gebäude ja gesehen und mit Fotos der 1930er Jahre verglichen - für mich ist das Hauptgebäude noch komplett erhalten, auch im Inneren ist scheinbar viel Originalsubstanz erhalten. Nur weil vielleicht der ein oder andere Treppenaufgang oder ein Blumenbeet überbaut wurde, ist dies für den Denkmalschutz schon genug, den gesamten Denkmalwert in Frage zu stellen....
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • Die letzten Tage des Hotel Lederer scheinen so langsam gezählt. Gegen Großinvestoren und Lokalpolitiker hat auch ein bedeutender Erinnerungspunkt der dunklen deutschen Geschichte keine Chance. Derzeit wird noch mit Fledermäusen argumentiert, ich vermute aber, dass das geschichtsträchtige Hotel Lederer in ein paar Monaten Geschichte sein wird.

      Artikel auf BR.de
      Artikel auf Merkur.de
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • Das Hotel Lederer steht zwar immer noch, wird aber wohl im Herbst endgültig abgerissen.

      Stattdessen wurde in Bad Wiessee das geschichtsträchtige Jodlbad von 1925 abgerissen, laut dem Münchner Merkurs der grösste Abriss jemals am Tegernsee-Ufer. Und wieder mal wird ein Bau abgerissen, von dem ich aufgrund der Ortsprägung nie erwartet hätte, dass dieser zur Disposition steht.

      Der Nachfolgebau wird wieder quadratisch, praktisch, langweilig, wie man es heutzutage gewohnt ist
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • Unglaublich, was da alles weggerissen wird. Mit Bad Wiessee (wie auch den Ort Tegernsee) habe ich mich überhaupt noch nicht beschäftigt geschweige denn dass ich da mal angehalten hätte. Bin da nur x-mal durchgefahren, weil man da eben durch muss, wenn man auf Fockenstein, Wallberg, Hirschberg, Schildenstein, Schönberg etc. rauf möchte. Die Gebäude vom Jodbad sehe ich so bewusst jetzt das erste Mal, jetzt wo sie nicht mehr existieren.
    • Ja, das ist wirklich unglaublich... so eine große Abrisswelle ist eigentlich unvorstellbar. Das einzige, was anscheinend stehenbleiben soll, ist die Wandelhalle, in der früher das Kurorchester Wiessee, ein vollständiges Symphonieorchester, Konzerte gegeben hat.
      Was Bad Wiessee als Ort betrifft, kann man allerdings sicher behaupten, dass es noch nie besonders schön oder anziehend war, es gibt eigentlich nur ein paar schöne alte Bauernhäuser, ansonsten war die Uferpromenade noch nie etwas Besonderes (was jetzt natürlich nicht heißt, dass ich die Abrisse gut finde...). Die schöneren Orte am Tegernsee waren immer schon der Ort Tegernsee (mit Abstrichen) und Rottach-Egern, was einen hübschen alten Ortskern besitzt (um die sehr schöne Kirche St. Laurentius herum).

      Gibt's schon Visualisierungen für den neuen Hotelkomplex?