Dresden, Altstadt - Umbau Kulturpalast

  • Ich glaube schon, dass wenn einmal alle Quartiere am Neumarkt bebaut sind, dass in 50 Jahren der Kulturpalast (der Name passt hier nicht zum Produkt - diese Mogelpackung) entsorgt wird und am Muell der (Bau-)Geschichte landen wird. Der Stadtgrundriss schreit doch foermlich danach. Im Endeffekt wird man dann sicherlich schon rein aus objektiven Gründen hier die notwendige Bereinigung versuchen umzusetzen.

  • Ich glaube schon, dass wenn einmal alle Quartiere am Neumarkt bebaut sind, dass in 50 Jahren der Kulturpalast (der Name passt hier nicht zum Produkt - diese Mogelpackung) entsorgt wird und am Muell der (Bau-)Geschichte landen wird. Der Stadtgrundriss schreit doch foermlich danach. Im Endeffekt wird man dann sicherlich schon rein aus objektiven Gründen hier die notwendige Bereinigung versuchen umzusetzen.

    Wunschmäßig sollte es schneller gehen als 50 Jahre ... Der Kulturpalast als Fremdkörper muss so schnell wie möglich weg!

  • Zu köstlich, diese von vollkommener Ahnungslosigkeit geprägte Diskussion.


    Es mag ja ein berechtigtes Gefühl sein, den Kulturpalast hässlich zu finden. Deshalb jedoch von einem baldigen Abriss zu schwadronieren, entbehrt jeglicher Grundlage.
    Im Gebäude werden der Konzertsaal der Dresdner Philharmonie, die städtische Hauptbibliothek und das Kabarett "Herkuleskeule" untergebracht - also durchaus kulturelle Nutzungen, die die ständigen Gänsefüßchen einiger Nutzer ad absurdum führen und die im Herzen der Stadt durchaus ihre Berechtigung haben dürften.
    Inwiefern der Bau dem historischen Stadtgrundriss widerspricht, ist in Anbetracht der Tatsache, dass allein 2/3 des Altstadtkerns nach dem 2. Weltkrieg vollkommenen überformt wurden, eine wenig zielführende Frage. Vielmehr sollte man darüber diskutieren, ob der Wiederaufbau der DDR-Zeit mit seiner Paradestraße (Wilsdruffer Straße) und dem zentralen Versammlungsplatz (Altmarkt), dessen Herz der Palast darstellt, insgesamt erhaltenswert ist. Dies würde ich uneingeschränkt bejahen und sogar den Wert des Nebeneinanders einer Art Altstadt (Neumarkt) und des sozialistischen Zentrums betonen.

  • Vielmehr sollte man darüber diskutieren, ob der Wiederaufbau der DDR-Zeit mit seiner Paradestraße (Wilsdruffer Straße) und dem zentralen Versammlungsplatz (Altmarkt), dessen Herz der Palast darstellt, insgesamt erhaltenswert ist. Dies würde ich uneingeschränkt bejahen und sogar den Wert des Nebeneinanders einer Art Altstadt (Neumarkt) und des sozialistischen Zentrums betonen.


    Den DDR-Zustand haben wir doch schon mit der Bebauung der Altmarktsüdseite überwunden. Darüberhinaus erscheint es mir wenig logisch, hier ein angeblich architektonisch kohärentes sozialistisches Ensemble zu erhalten, nur weil man es unter "DDR-Zeit" etikettieren kann. 50er Jahre Prunk, 60er Jahre Spararchitektur und 80er Jahre Moderne - da passt kaum etwas zusammen. Sicher ist ein Abriss und großflächiger Umbau völlig utopisch, deswegen muss man es sich aber nicht schöner reden als es ist.

  • Der realisierte Bereich des Zentrums wurde auf Grundlage eines Planes aus den späten 50'er Jahren bebaut, dessen Grundzüge jedoch bereits 1955 abgesteckt waren. Trotz der sich spätestens ab 1955 radikal wandelnden Architektur-Doktrin hielt man an diesem Plan fest und realisierte ihn den jeweils geltenden Architekturauffassungen entsprechend, sodass man am heutigen Ensemble durchaus den radikal postulierten, aber sich innerhalb von 5 bis 10 Jahren sanft vollziehenden Übergang von der Nationalen Tradition hin zur Internationalen Moderne nachvollziehen kann. Das stellt einen städtebaulichen und historischen Wert dar, der durch die Bebauung der Südseite nicht geschmälert sein dürfte, war diese doch auch schon in den ursprünglichen Planungen vorgesehen.


    Du siehst: meiner Ansicht nach macht es wenig Sinn, Gebäude und Ensembles anhand ihrer subjekt zu bewertenden Schönheit zu beurteilen. Das dürfte nicht zielführend sein.


    PS: Wo in diesem Bereich befindet sich die 80er-Jahre-Moderne?

  • OK, aber objektiv gesehen, nämlich städtbaulich ist der Kulturpalast für den rekonstruierten Neumarkt eine Katastrophe. Die wiederaufgebauten bzw die noch aufzubauenden Grundstücke rundherum müssen sich um diesen Koloss herumgruppieren und sich laut Gestakltungskommission auch noch architektonisch daran orientieren. Eigentlich fast alle (wieder neu gebildeten historischen) Gassen vom Neumarktbereich führen quasi auf eine Mauer (Fassade KP) zu, die einen Sackgasseneffekt erzeugen - das ist städtebaulich ein NoGo. Der KP hat seine Berechtigung gehabt solange er frei stand - dass er subjektiv eine grobe hässliche Kiste ist und für andere ein adretter 70er Jahre Palast, das mag noch Geschmackssache sein, aber nach raum- und städtebaulichen Kriterien ist er objektiv gesehen ein Desaster, das spätestens mit Fertigstellung der gesamten Neumarktquartiere seine Berechtigung verloren hat.


    Ich prophezeihe ihm eine Zukunft a la Technisches Rathaus in Frankfurt. Wenn man auch noch weiß, unter welchen Umständen er unter Denkmalschutz gestellt wurde (Hänsch und Glaser...), dann wird auch nach dem von Hänsch gerichtlich bekämpften Umbau pro futuro das dann "entstellte" Bauwerk so nicht mehr allzu denkmalschutzwürdig sein (sogar aus denkmalpflegerischer Sicht). In dem Moment, wo ein Paradigmenwechsel und wieder die Lebenszyklusfrage sich stellt, wird das Ding fallen. Momentan aber hast Du recht, dass der KP sicherlich die nächsten 30 Jahre erhalten bleibt.

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • OK, aber objektiv gesehen, nämlich städtbaulich ist der Kulturpalast für den rekonstruierten Neumarkt eine Katastrophe. Die wiederaufgebauten bzw die noch aufzubauenden Grundstücke rundherum müssen sich um diesen Koloss herumgruppieren und sich laut Gestakltungskommission auch noch architektonisch daran orientieren. Eigentlich fast alle (wieder neu gebildeten historischen) Gassen vom Neumarktbereich führen quasi auf eine Mauer (Fassade KP) zu, die einen Sackgasseneffekt erzeugen - das ist städtebaulich ein NoGo.


    Dabei handelt es sich aber um kein rein für den Kulturpalast spezifisches Phänomen.
    Schau dir einfach mal die Saal- und Theaterbauten des 19. Jahrhunderts in ihrem geweiligen städtebaulichen Umfeld an. Abgesehen von ihrer Hauptschauseite bestehen auch sie meistens nur aus fensterarmen und oft im Fußgängerbereich monolithisch geschlossenen Blendfassaden, die kaum einen Bezug zu ihrer Umgebung aufnehmen. Der von dir beschriebene Sackgasseneffekt ist in diesem Zusammenhang fast unvermeidlich.
    So gesehen muss man sich fragen, in was für einen städtebaulichen Zusammenhang man Theater- oder Konzerthäuser überhaupt einordnen kann. Ich für meinen Teil sehe sie als Bauten mit einer klaren Zentrumsfunktion unbedingt in einer kompakt bebauten Innenstadt und kann demnach auch mit den angespochenen Nachteilen leben.


  • Dabei handelt es sich aber um kein rein für den Kulturpalast spezifisches Phänomen.
    Schau dir einfach mal die Saal- und Theaterbauten des 19. Jahrhunderts in ihrem geweiligen städtebaulichen Umfeld an. Abgesehen von ihrer Hauptschauseite bestehen auch sie meistens nur aus fensterarmen und oft im Fußgängerbereich monolithisch geschlossenen Blendfassaden, die kaum einen Bezug zu ihrer Umgebung aufnehmen.

    Hast du da Beispiele dafür? Und was hätte trotz allem dagegen gesprochen den Kulturpalast abzureißen, sowie alle Gebäude die der Altstadt bis zur Wilsdruffer Strasse für ein Gesamtensemble im Wege stehen?

  • Beispiele kannst du dir in nahezu jeder Stadt anschauen. In Dresden gäbe es da die Semperoper, in Leipzig die Oper am Augustusplatz, in Berlin die Staatsoper Unter den Linden usw. usf.


    Was gegen einen Abriss sprach, habe ich bereits zuhauf aufgeführt und werde es daher nicht mehr bis ins Detail "aus­ei­n­an­der­po­sa­men­tie­ren". Deshalb möchte ich auch nur den städtebaulichen Gesamtzusammenhang, die baugeschichtliche Bedeutung und nicht zuletzt den Denkmalschutz erwähnen.

  • Beispiele kannst du dir in nahezu jeder Stadt anschauen. In Dresden gäbe es da die Semperoper, in Leipzig die Oper am Augustusplatz, in Berlin die Staatsoper Unter den Linden usw. usf.

    Keine dieser Beispiele reißen ein negatives Beispiel wie der Kulturpalast in die Landschaft, denn die Umgebung passt da sehr gut. Semperoper und Oper am Augustusplatz haben keine Nachbarn die davon gestört werden und die Staatsoper unter den Linden passt sich hervorragend ein.

  • Der Kulturpalast ist aber auch unter ganz anderen städtebaulichen Bedingungen entstanden als die Theaterbauten des fin de siècle. Damals bestanden die Altstädte nicht aus Brachflächen, weshalb man an deren Peripherie ausweichen musste. Und wenn der Kulti wirklich die Umgebung stört, dann liegt das eigentlich an der Umgebung, denn er war objektiverweise früher da. Wir haben das wirklich schon oft genug diskutiert, und auch Bilderbuch hat gemeint, dass eine Translozierung die beste Option gewesen wäre. Man braucht das nicht bei jeder Gelegenheit wieder aufzuwärmen. Hier geht es nur um den Umbau, dem ich insofern kritisch gegenüberstehe, als mir die Altmarktseite an sich gut gefällt und ich eine Verschlechterung des äußeren Erscheinungsbildes befürchte.
    Der Rest ist gegessener Kas.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Am Kulturpalast kann man erste Teile der aufgearbeiteten und neu verglasten Fassade aus den 60er Jahren sehen.



    Blick vom Jüdenhof zum Palast, der nunmehr wieder - wie in den 60ern - eine Klarverglasung erhalten hat.



    Die sandfarbenen Schutzelemente im Bereich der Etagendecken verbergen meinem Kenntnisstand nach blau eingefärbte Glasflächen.


    Bilder sind von mir.

  • Also ehrlichgesagt kann ich mit dem Kulturpalast mittlerweile einigermaßen leben. Auch wenn ich für Nachkriegsarchitektur allgemein offen bin, kann ich mit dem KP allerdings recht wenig anfangen. Dennoch begrüße ich eher eine Rekonstruktion des Urzustandes als irgendeine halbseidene Weiterentwicklung. Wenn dafür der noch verbleibende Rest im Neumarktbereicht größtenteils rekonstruiert wird, dann sind doch die größten Wunden der Stadt geheilt. Viel schlimmer finde ich eigentlich die Auflösung großer Teile des historischen Straßennetzes im Bereich Pirnaischer Platz und von da Richtung Großer Garten. Und eine Wiedergewinnung alter Strukturen wird hier vmtl. nicht stattfinden.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Quote

    Also ehrlichgesagt kann ich mit dem Kulturpalast mittlerweile einigermaßen leben. Auch wenn ich für Nachkriegsarchitektur allgemein offen bin, kann ich mit dem KP allerdings recht wenig anfangen


    zwar kein offener Widerspruch, aber doch irgendwie diffus, nicht wahr?

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Da hast Du nicht ganz unrecht. Kurz gesagt, der Kulturpalast stört mich nicht, allerdings sehe ich ihn nicht unbedingt als erhaltenswertes Zeugnis der Nachkriegsarchitektur an.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)