Der Touri-Strang - Tipps und Anregungen für Dresden-Besuche

  • Also man muss ja nicht alles schlecht reden und solche Begriffe wie "Touristenfalle" und "Disneyland" hier einzubauen, finde ich ungerecht. Ja die Gaststätten sind neu und neu eingerichtet. Urige Kneipen, die wie im Mittelalter noch im Original eingerichtet sind, wirst du eben aus bekannten Gründen nicht finden.


    Übrigens gehen auch Dresdner in Sophienkeller und Pulverturm, nicht nur Touristen. Und ich finde, die von Dir verlinkten Bilderstrecken gar nicht schlecht. Machen eher Lust mal reinzuschauen, als dass sie abschreckend wirken. Wenns Dir nicht gefällt, dann geh einfach nicht hin.

  • Vielen Dank! Ich war im Sommer 1989 in Dresden und damals einfach nur entsetzt. Die Stadt war ja gar nicht wiederaufgebaut, nur planiert. Magdeburg sah fast besser aus. 2004 war es besser - es fehlte aber immer noch ein Zentrum hinter der schönen Kulisse. Bin gespannt wie der Neumarkt auf mich wirkt. Köln haben wir problemlos überlebt - keine Schönheit, aber sehr lebendig. Irgendwie habe ich doch ein Bisschen Angst wieder schockiert zu werden...

    Davs med dig :)


    Nein, also ich denke Angst brauchst du keine zu haben. Der Unterschied zwischen 2004 und jetzt ist GEWALTIG. Gar nicht zu vergleichen.


    Ich war auch ungefähr 2003 in Dresden, das einzige was dort auf dem Neumarktgebiet stand war das Coselpalais, das Johannäum und das war's. Das scheussliche Polizeigebäude aus DDR-Zeiten war noch da, heute gott sei dank verschwunden. Der Neumarkt war gar kein Platz, sondern ein surrealer, grotesker Raum mit einem Barockpalais, dem scheusslichen DDR-Klotz und ein riesiges Vakuum dazwischen. In der Mitte trohnte die Frauenkirche, aber verdeckt mit Gerüsten.


    Der Neumarkt heute ist mit dem damaligen Un-Ort gar nicht zu vergleichen! Es sind dort komplette Strassenzüge wiederauferstanden! Ich werde jedesmal begeistert wenn ich davon spreche. Es sind wirklich wunderschöne Bauten darunter, mein Favorit ist das Dinglingerhaus, ein kleines Palais.


    Das Barockviertel, das jetzt wieder dort steht, ist zwar wunderschön aber nun mal nicht sehr gross. Du musst deinen Kids klarmachen, dass die Stadt total (!) zerstört war. Gemessen daran ist aber das kleine Gebiet , bestehend aus Zwinger-TheaterPlatz-Schloss Areal und Neumarktgebiet, für meine Begriffe eine absolute Meisterleistung!


    Ich denke du wirst nicht enttäuscht werden.

    Jeg ønsker dig et behageligt ophold :)

    "Die Modernisten sollten sich endlich eingestehen, dass sich die Qualität einer Stadt konventioneller Architektur verdankt" - (H. Kollhoff).

  • Wer hat noch Ideen?

    Es kommt wohl auch etwas auf den Anspruch an. Was sächsische Spezialitäten auf der Speisekarte angeht würden mir einfallen:

    • Feldschlösschen Stammhaus, Brauhaus am Waldschlößchen und die Watzkes als "rustikale" Brauerei-Restaurants mit deftigem Essen
    • Gaststätte "Oma" in Cotta, ein kleineres privat geführtes Gasthaus im Stile von Omas Wohnzimmer
    • Kutscher-Schänke in der Münzgasse
    • Altmarkt-Keller am (Überraschung!) Altmarkt

    Ich bin jetzt nicht so der Gourmet, aber ich habe dort immer was leckeres deftig sächsisches gefunden und fand die Atmosphäre ganz schön.


    Wie das Beispiel "Oma" zeigt, gibt es auch in den äußeren Stadtteilen ganz schöne Gaststätten, z.B. auch das "Gerücht" in Laubegast, die sich selbst als "letzte Kaschemme" bezeichnen.


    Von der "Trödelschänke" in der Gewandhausstraße habe ich auch schon weniger Gutes gehört, aber da hat, glaube ich, mal der Betreiber gewechselt.

  • Also vor den Touristenfallen Sophienkeller (Taschenberg-Palais) oder auch Pulverturm (im Cosel-Palais) kann man eigentlich nur warnen, finde ich.
    Da verirrt sich wohl kein Dresdener hin. Und das scheinbar "super-urig historische" ist hier wirklich "Disneyland".

    Deko vom Raumausstatter in Histo-Kitsch. Bedienung in Mittelalter-Kleidern oder barocker Kostümierung.

    Das ist doch eher was für die Abfertigung von Reisebussen mit Ü-65-Insassen...


    Und wirklich gute Küche gibt es bei der Massenabfertigung auch nicht. Alles vorproduziert und aufgewärmt. Richtig kochen kann da niemand mehr.

    Man versuche es doch mal in der äußeren Neustadt. Dort gehen Gäste nicht nur 1mal zum Essen und deswegen ist es da oft selbst gekocht und lecker.

    Sorry, dass ist Quatsch. Zumindest, was den Sophienkeller betrifft. Da merkt man, dass Du dort nicht warst. Es ist mir Wurscht, ob da nur Touristen rein gehen. Bin dort ja selbst als Tourist rein. Die Gerichte waren sehr gut und das Preis-/Leistungsverhältnis auch. Das Spanferkel drehte sich im Ganzen am Spieß . . . man konnte dabei zusehen. Es war Butterzart und Außen schön kross. Top!


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    "Mens agitat molem!" "Der Geist bewegt die Materie!"

  • Es ist schade, dass manche einfach hier sind um zu meckern. Was hier Kitsch sein soll, wird bei uns gesucht!


    Eine Frage: Ich planne, vieleicht naechsten September mit Freunden Dresden zu sehen. Wo kann man schoen Schlafen?

    Es darf ruhg Kitschig sein, manche meiner Begleiter waren noch nie in Deutschland und wollen "was anderes"

    und auch mal raus aus dem Hamsterrad. Deutschland ist mal was Erfrischend anderes. Alles was noch fehlt ist eine Bleibe.


    Vielen Dank!

  • Vielen Dank für Eure Hinweise! Ich werde nach dem Besuch erzählen, wie ich die Stadt erlebt habe. Aber: Ihr Deutsche lieben einfach Schwarzmalerei. Was in Ostdeutschland nach 1990 erreicht wurde ist einfach ein Wunder. Schaut bloss nach Süditalien oder Wallonien....

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Hallo Bohnenstange,


    einige Hotels sind schon am Anfang dieser Diskussion genannt worden. Das Hotel im Taschenbergpalais ist sicher eines der schönsten, wenn auch nicht ganz günstig: https://www.kempinski.com/en/d…ent=gmb&source=S308962248

    "Mens agitat molem!" "Der Geist bewegt die Materie!"

  • Ich bin gerade aus Dresden zurückgekommen. Leider war das Wetter nicht so gut, weshalb wir keine Ausflüge unternommen haben. Und wie war es nun Dresden nach 20 Jahren wieder zu sehen? Das Positive überwiegt deutlich, vor allem weil die Stadt endlich eine Mitte bekommen hatte: Der Neumarkt-Bereich ist wirklich sehr schön und wird von sowohl Dresdnern als Touris angenommen. Das gilt eigentlich auch für den Altmarkt und die Prager Strasse. Überall waren Leute unterwegs. Ich war auch kurz im Viertel am Wettiner Platz/Herzogingarten - dort entsteht auch ein vernünftiges Areal. Die Neustadt ist natürlich toll, sogar die Hauptstrasse gefiel mir irgendwie ganz gut. Im Weissen Hirsch waren wir studenlang unterwegs - einfach wunderschön dort. Radebeul ist auch eine Perle. Wir haben im Bayerischen Hof sehr schön übernachtet und hervorragend im Restaurant "Alte Meister" gegessen.


    Was die Restinnenstadt betrifft muss ich aber zugeben, dass der Ausmass der Zerstörung aber vor allem der DDR-Wiederaufbau shockierend ist. Der Vergleich mit dem ebenso sehr stark zerstörten Würzburg zeigt wohin die Reise hätte gehen können. Leider kam es nicht dazu, und deshalb gibt es in der gesamten Altstadt und in den Vorstädten fast keine einzige richtige Strasse. Ich habe mich eine Stunde durch die Seevorstadt gequält um es selbst zu erleben. Die Innenstadt besteht aus riesigen Freiareale, überbreite Strassen und hilflose totsanierte DDR-Bauten. Im grunde fangen die Probleme schon 200 Meter südlich der Albertbrücke an.. Dieser verschwenderischer Umgang mit Stadtraum ist typisch für den Sozialismus und ist mir auch in Minsk, Warschau und Magdeburg aufgefallen. Generell scheint die Stadt in der Stadt der Individuallverkehr priorität zu haben - immer wieder muss man lange warten um eine Strasse zu kreuzen. Die Fassade der Altmarktgalerie am Wilsdruffer ist unglaublich schlecht und muss unbeding verändert werden.


    Ein Wiederaufbau der Vorstädte ist ausgeschlossen - dazu ist zu wenig erhalten. Oberste Priorität sollte deshalb die Vernetzung der funktionierende Stadträume haben. Das heisst konkret: 1) Bebauung Königsufer und Neustädter Markt wie geplant. Damit wären die Altstadt und Neustadt als Einheit wieder erlebbar. 2) Rückbau und Verdichtung im Bereich Wildsdruffer Strasse, Schlossstrasse und Altmarkt. 3) Rekonstruktion des Stadtwaldschlösschens und der Fassade der Sophienkirche. Der heutige Advanta-Riegel und der Kubus stören unheimlich am Zwinger und Postplatz - damit wäre ein Übergang zum Schauspielhaus und Bereich Wettiner Platz / Friedrichstadt hergestellt.


    Die restliche Innenstadt kann man als DDR-Zeugnis erhalten.

    Unsere große Aufmerksamkeit für die Belange des Denkmalschutzes ist bekannt, aber weder ökonomisch noch kulturhistorisch lässt es sich vertreten, aus jedem alten Gebäude ein Museum zu machen. E. Honecker

  • Ein Wiederaufbau der Vorstädte ist ausgeschlossen - dazu ist zu wenig erhalten.

    Gegenüber der Forderung, die Wilsdruffer Straße neu zu bebauen, liegt meine Hoffnung genau in diesem Punkt. V.a. die Pirnaische Vorstadt bietet dafür enormes Potential. Der Schlüssel liegt in der Bebauung auf historischem Stadtgrundriss, weniger auf flächendeckender Rekonstruktion, was natürlich nicht möglich ist. Aber bei so einem Vorgehen sind punktuelle Rekonstruktionen oder klassische Neubauten möglich, auch später, wenn Füllbauten ggf. wieder zur Debatte stehen. Der Vorschlag, das Venezianische Haus zu rekonstruieren, ist ein wunderbarer Testballon, der genau diese Art der Stadtreparatur in der Bevölkerung als zu gehenden Weg ermittelt hat. Die Chance, Dresdens altem Glanz wieder näher zu kommen, sind die leeren Vorstädte und der aktuelle Bauboom. Damit wäre ein gleichberechtigtes Nebeneinander von (neuem) altem Dresden und DDR möglich, in der Innenstadt und in den Vorstädten.

  • Däne, wie kannst du in Coronazeiten das Frönen einer dermaßen leichtfertigen Wanderlust verantworten?

    Deinen Bericht kann ich bis auf den skurrilen Verweis auf Würzburg gut nachvollziehen, er deckt sich auch mit meinen (älteren) Erfahrungen.

    Dass in den zerstörten Vorstädten (Restinnenstadt) nichts mehr zu machen ist, ist auch meine Meinung. Ich würde hier allerdings die Prager Straße ausnehmen, der Rest ist Schweigen. Die Stunde durch die Seevorstadt hätte man wohl besser investieren können. Man muss sich halt damit abfinden, dass die Peripherie an den Rand der Altstadt gerückt ist, und dass schönere Stadtteile ganz außen zu suchen sind. Innenstadtlage ist im heutigen Dresden eben keine gute Lage. Die Abkehr vom System der alteuropäischen Straße hat leider zu keinen brauchbaren Lösungen geführt, dabei hätte es interessante US-amerikanische Modelle gegeben (die natürlich ebendarum nicht in Betracht gekommen sind). Dass der Sozialismus diese Stadt andererseits prägt, ist auch klar, denn er hat sie ja auch weitestgehend erbaut.

    Augustinus (354-430) - Zweiundzwanzig Bücher über den Gottesstaat
    14. Buch 9. Kapitel
    Der Staat oder die Genossenschaft der nicht gottgemäß, sondern nach dem Menschen wandelnden Gottlosen dagegen, die eben infolge der Verehrung einer falschen und der Verachtung der wahren Gottheit Menschenlehren anhangen oder Lehren der Dämonen, er wird von den bezeichneten verkehrten Gemütserregungen geschüttelt wie von Fieberschauern und Stürmen.

  • Was die Restinnenstadt betrifft muss ich aber zugeben, dass der Ausmass der Zerstörung aber vor allem der DDR-Wiederaufbau shockierend ist. Der Vergleich mit dem ebenso sehr stark zerstörten Würzburg zeigt wohin die Reise hätte gehen können. Leider kam es nicht dazu, und deshalb gibt es in der gesamten Altstadt und in den Vorstädten fast keine einzige richtige Strasse.

    Besser kann man es nicht formulieren.

    Ich gebe Dir 100 %-ig Recht.

  • Die Chance, Dresdens altem Glanz wieder näher zu kommen, sind die leeren Vorstädte und der aktuelle Bauboom.

    Aber der um Welten größere Nachteil ist, dass Dresden von einer in allen Bereichen korrupten und absolut unfähigen Stadtführung "regiert" wird, die bei Neubauten maximal formschöne Betonwürfel zu bieten hat.

    Insofern kannst Du diese Träume getrost begraben.

  • Falls wiedermal irgendwo die Frage auftaucht, was man in Dresden denn so ansehen sollte...


    Teil 2 bei Youtube

  • Aber der um Welten größere Nachteil ist, dass Dresden von einer in allen Bereichen korrupten ...

    Ich finde solche - mutmaßlich unbedachten - Äußerungen nicht hilfreich. Wenn Du von tatsächlicher Korruption Kenntnis hast, gehe zur Staatsanwaltschaft.

    Solche Begriffe sollten nur verwendet werden, wenn sie tatsächlich angebracht sind.

  • Ich finde solche - mutmaßlich unbedachten - Äußerungen nicht hilfreich. Wenn Du von tatsächlicher Korruption Kenntnis hast, gehe zur Staatsanwaltschaft.

    Solche Begriffe sollten nur verwendet werden, wenn sie tatsächlich angebracht sind.

    Also ich kann diesen Eindruck von Mattielli bestätigen. Vieleicht ist ja an dem Verdacht was dran. Dem kann ja mal die Presse nach gehen, allerdings sollten wir froh sein das wir deren Maßstäbe an Wortwahl und Dramaturgie hier noch nicht anwenden.


    Außerdem ist wohl der zweite Punkt, die Unfähigkeit und der Hang zum ideoligisch politschen, absichtlich hässlichen Bauen das gravierendere Problem.

    Schöne Städte werden letztlich auch glückliche Städte sein.