Neubau des Hauptgebäudes der Uni Leipzig

  • Neußer


    Naja, wenn der Architekt auch GU (Generalübernehmer) ist, dann gibt es hier tatsächlich Probleme. Sowohl Planung als auch Ausführung liegen, wenn das hier so sein sollte, in einer Hand. Eigentlich billiger für den Bauherrn, wenn er dem GU vertraut...und der Bauherr, ganz genau weiß, mit wem er sich einlässt.


    Wie auch immer, noch ist der Architekt noch nicht in Konkurs, sondern nur insolvent! Wenn es eine Geldspritze (kenne die Sicherheiten nicht und das Rating) gibt, dann wird der Betonbunker weitergebaut werden können. Wenn nicht...dann könnte auch eine Berliner Topografie des Terrors daraus werden :augenrollen: ...wodurch a la longue auch ein Abriss der Ruine und eine Reko der Paulinerkirche wieder möglich wird :lachen: , die dann wohl die billigste Lösung wäre, da es hierzu massig Spenden regnen würde. Naja, da ist wohl der Wunsch die Mutter des Gedankens, aber wie heißts beim Lotto: Alles ist möglich! :zwinkern:

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

  • sehr richtig neusser, die finanzierung (durch den freistaat) steht. und van egeraat wird ja auch nicht zum arbeitsamt gehen. sicher wird es ein paar verzögerungen geben - und dann wird zu ende gebaut.


    in neualter traditionsmoderne und mit holländischer fassadenkompetenz

  • Ich weiß gar nicht, wo das Problem sein soll: Der insolvente Architekt hat seinen Entwurf abgeliefert, und sein Honorar sackt dann eben der Insolvenzverwalter ein. Und weil der Verwalter natürlich so viel Insolvenzmasse wie möglich generien will (und muß), wird er natürlich auch van Egeraat sämtliche Leistungsphasen ausführen lassen, damit auch das gesamte Honorar fällig wird. Eine Gefahr für das Bauprojekt kann dadurch nicht entstehen (eher schon, wenn ein Architekt stirbt und keinen Mitarbeiter hinterläßt, de rdie Pläne genauso gut kennt).

  • Ohne den Architekten auf der Baustelle dürften die Baumaßnahmen vermutlich noch schneller zum Abschluß gebracht werden - da im Zweifel eben nach "bewährter Art" verfahren wird. Nix mit ausgefallenen, experimentellen Vorhangsystemen noch während der Bauphase; die komplizierte Raumtechnik übernehmen heimische Fachkräfte - nach ihrer Art.


    Würde den Entwurf nicht verbessern, aber auch nicht verschlechtern.


    Der "Naja, geht so..."-Eindruck des Gesamtentwurfs wird sich nicht verändern; natürlich wird der pleitegegangene Holländer an den Jubelarien der Medien noch genesen können. Liebeskind stand auch mal vor dem Ruin, Coop Himmelb(l)au ebenso.


    Und, keine Frage - dieser Entwurf bewegt wirklich die Gemüter und lockt Interessenten nach Leipzig; wohl viel mehr als die -IMO bessere- Variante mit einer ruhigeren (an den Zustand der Kirch um 1830 angelehnten), aber geschichtsgetreueren Formsprache.

    Nein, die werden gedünstet

  • @ Wissmut, die geschichtsgetreue Formensprache von St. Pauli stand nie zur Disposition, weder beim Paulinerverein noch bei sonstwem. Es gab keine Initiative und auch keine Einzelmeinungen in der Öffentlichkeit, die die mittelalterliche Kirche forcierten. Ansonsten stimme ich deinem Beitrag zu.

  • Nun werden die Gerüste zur Montage der Fassde angebracht. Die Seite Unikirche zum Kaffee Felsche ist schon eingerüstet. Vielleicht wird's nun sichbar vorwärts gehen.
    Ebenso wurden erste Dachplatten montiert. Sind wir also guter Dinge

  • Nicht nur der Architekt ist insolvent, nein nun gab es letzte Woche auch noch einen Todesfall auf der Baustelle. Ein Bauarbeiter ist in einem Fahrstuhlschacht von herunterstürzenden Bolzen erschlagen worden. Trotz aller Hiobsbotschaften gehen die Bauarbeiten weiter. Die äußere Form ist nun so gut wie vollständig:


  • Warum wurde, abgesehen von der Pauliner Kirche, niemals entschlossen für Rekonstruktion des, in der DDR in 1968 abgebrochen, klassischen Augusteums?
    Gehörte das Augusteum nicht zu der bedeutendste historische Bauten Leipzigs??
    Sind die Stimmen die rekonstruktion befürworteten allen heute zum Schweigen gebracht??

  • ^ Wenn es eine Reko der Paulinerkirche gegeben hätte, hätte es auch eine Reko des Augusteums gegeben. Da es keine Reko der Paulinerkirche geben wird, gibt es auch keine Reko des Augusteums. Und die Kritiker wurden nicht zum Schweigen gebracht, die schweigen von selber und konzentrieren sich eher auf Aspekte wie Glaswand, Paulinerkanzel, Rossbachfassade ans Paulinum.

  • Dase. Ok, aber von das gesammte einstige Komplex mit Augusteum, Johanneum, Paulinum und Albertinum wurde also nichts mehr rekonstruiert ausserhalb nur eine Rossbach Fassade??

  • Selbst bei der Rossbach-Fassade stehen viele Fragezeichen dahinter. Ich habe jedenfalls noch nichts davon gehört, dass sie jetzt umgesetzt wird. Die R.-Fassade ist Wunschdenken jedes Rekonstruktionisten, damit wenigstens ein Teil wiederhergestellt wird. Ich würde mich auch freuen bin in der Hinsicht jedoch äußerst skeptisch.

  • ^Dito. Es ging mir nicht darum, aufzuzählen, was rekonstruiert wird, sondern worauf sich beispielsweise der Paulinerverein momentan konzentriert. Der Term "zum schweigen gebracht" hat da einen äußerst unschönen Unterton.

  • Sagen wir mal so, die Klügeren haben nachgegeben. Der gesellschaftliche und politische Background für eine Rekonstruktion der Paulinerkirche und des Augusteums waren und sind in Leipzig einfach (noch?) nicht reif. Das Thema hat sich für die nächsten 100 Jahre erledigt. Die jetzige Lösung ist optisch so verkehrt nicht und größtenteils akzeptabel.
    Es gibt in Leipzig Wichtigeres, in welches man seine Kräfte investieren sollte.

    Leipzig - Back to the roots

  • Laut MDR gibt es bei der Uni nun doch Verzögerungen wegen der Insolvenz des Architekten.
    Diese Leistungen (baubegleitende Planungen) sollen neu ausgeschrieben werden.
    Hoffentlich wird bald nach Außen (äußerlich erkennbarer Baufortschritt) etwas zu sehen sein.

  • Unter den Bewerbern der Neuausschreibung ist übrigens wieder ein alter Bekannter: Erick van Egeraat. Diesmal aber nicht mehr mit seinem inzwischen insolvent gegangenem Büro sondern als Egeraat + Partner. Ich schätze mal dass der Partner der Kapitalgeber sein wird. Aber sonderlich gute Chancen wird er wohl nicht mehr haben.

  • Mal ein paar neue Bilder...


    Rückseite bei besserem Wetter


    Damit ich nicht alles rückwärts durchkämmen muss: Könnte jemand etwas zu diesem aufpolierten Torbogen/Portal sagen?

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)

  • Bei dem Portal handelt es sich um das sog. Schinkelportal, ursprünglich der Haupteingang (Mittelportal) des Universitäts-Hauptgebäudes (Augusteum) an der Fassade Augustusplatz, erbaut um 1835, Architekt des Gebäudes Albert Geutebrück. Die Bildhauerarbeiten stammen von Ernst Ritschel. Auf Schinkel geht lediglich der Entwurf des Portals zurück.
    Das Schinkelportal wanderte beim Umbau des geutebrückschen Hauptgebäudes um 1895 durch Arwed Rossbach links neben das Hauptgebäude (heute etwa Hochhaus) und diente als Hofportal, freilich wurde dabei der obere Abschluss verändert und die seitlichen Fenster zu Fußgängertoren umgebaut.
    Kurz vor der Sprengung des Hauptgebäude 1968 wurde das Schinkelportal abgebaut und auf dem alten Johannisfriedhof (Grassi-Museum) eingelagert. Anlässlich Schinkels 200. Geburtstags 1981 wurde es zwischen Hörsaalgebäude und Seminargebäude im neuen Universitätskomplex aufgebaut, jetzt mit neuer Balustrade oben drauf. 2004 wurde es wiederum abgebaut und eingelagert, die Balustrade wurde später aus dem Depot gestohlen. Seit 2008 steht es an der jetzigen Stelle, wie man sieht, noch (?) ohne Balustrade.

  • Vielen Dank für die genauen Informationen, Leipziger!
    Das mit dem Diebstahl der Balustrade aus einem Depot ist natürlich ein Hammer - die liegt womöglich jetzt auf irgendeiner LKW-Ladefläche zwischen Brest und Litowsk. :(

    Schön ist das, was ohne Begriff allgemein gefällt.
    (Immanuel Kant)