Neubau des Hauptgebäudes der Uni Leipzig

  • spacecowboy


    das spacecowboy hier seit ewigkeiten gegen aph wettert und das daf lobt ist erstens inhaltlich unsinn, zweitens nicht statthaft für ein forumsmitglied. wir haben dieses aph forum gerne und für viele sind andere foren mit anderer struktur kein ersatzt. wir alle versuchen, hier energie zu investieren um im Deutschen sprachraum das nummer eins forum für themen im bereich rekonstruktion und zeitgenössische traditionelle architektur nicht nur zu sein, sondern auch zu bleiben, bzw besser zu werden...


    Ich gehe davon aus, das DAf und APH friedlich koexistieren können und sollen, da unsere schwerpunkte sich im grunde nicht überschneiden. Ich persönlich war mehrere male im DAF und es hat mich nicht wirklich begeistern können, mich zwischen den guten beiträgen durch massen mich nicht betreffende posts von begeisterten greti und pleti über den bau eines neuen supermarktes in essen oder den tollen xy verwaltungsbau in Köln Deutz zu wälzen.


    im übrigen ist das hier nur ein kurzfristiger kommentar auf spacecowboys xten anti-aph-daf-reklame angriff. wir werden ab jetzt dafür sorgen, dass polemische stimmungsmache aufhört und ein informatives, positives freundliches Klima gewahrt bleibt, da beziehe ich mich übrigens selbst mit ein.


    Dieser post dient nur als info für die, die gerade im moment die diskussion hier mitverfolgen, wir werden die themenfremden posts dann verschieben, um zum thema zurückzukehren.


    weitere unerfreuliche themenfremde diskussionen werden im interesse aller nicht mehr akzeptiert.

  • @ alle


    ich finde die Entwicklung hier sehr schade! Ich möchte hier jetzt nichts zu den Äußerungen einzelner Mitglieder sagen, aber ich bitte zu bedenken, dass es sich beim APH, im Gegensatz zum DAF, um ein Forum handelt, das sich primär mit traditioneller Architektur und Rekonstruktionen beschäftig. Daher kann man nicht damit rechnen, dass Entwürfe, die zugegebenermaßen nicht schlecht, aber qualitativ das Niveau der Vorgängerbauten nicht erreichen, hier hochgejubelt werden.


    Mir haben am Leipzigforum, das nun ja auch endlich ein eigenes Unterforum bekommen hat (der Grund für die späte Gründung ist doch bekannt und es lag prinzipiell daran, dass antiquitus verschwunden war), in dem ich kaum geschrieben, aber immer begeistert mitgelesen habe, vor allem immer die Bildergalerien zu den Sanierungen sehr gefallen. Leider werden in den letzten Monaten kaum noch Bilder gepostet, dann kann man auch schlecht über etwas diskutieren.


    Außerdem wurde die kritische Rekonstruktion der Paulinerkirche und die Platzfassade zum Augustusplatz hier durchaus gelobt, zumindest von mir, auch wenn ich mir eine Reko gewünscht hätte, denn dies ist nun mal das konstituierende Element des Forums.


    Ich würde mich jedenfalls über neue Bilder sehr freuen.

    APH - am Puls der Zeit

  • Tendenziös mag doch sein, aber Diskussion muß erlaubt sein! Es steht jedem frei, darauf zu reagieren aber bitte mit Argumenten und nicht mit Ideologie, daß das Eine richtig ist und das andere falsch.
    Aber zurück zum Thema:


    Quote


    Außerdem wurde die kritische Rekonstruktion der Paulinerkirche und die Platzfassade zum Augustusplatz hier durchaus gelobt, zumindest von mir, auch wenn ich mir eine Reko gewünscht hätte, denn dies ist nun mal das konstituierende Element des Forums.


    Eine kritische Rekonstruktion halte ich für den richtigen Weg. Man hätte eine Reko machen können, diese wäre aber angesichts der Platzhistorie nicht angemessen. Es ist einfach nichts mehr übrig vom alten Augustusplatz und er ist vielmehr ein Museum der moderne seit den Fünfzigern (Oper) über die Achtziger (Gewandhaus) bis eben hin zum neuen Hauptgebäude. Die entstehende Architektur ist einfach spektakulär! Ersetzt zwar nicht die Reko, aber ist für mich der beste Weg. Auch wenn es an anderen Orten Rekos durchaus geben kann (Markthalle am Leuschnerplatz). Aber für diesen Ort ist die Reko nicht das Mittel der Wahl.

    Den Willigen führt das Schicksal, den Unwilligen zerrt es dahin. (Seneca)

  • Quote

    Eine kritische Rekonstruktion halte ich für den richtigen Weg. Man hätte eine Reko machen können, diese wäre aber angesichts der Platzhistorie nicht angemessen. Es ist einfach nichts mehr übrig vom alten Augustusplatz und er ist vielmehr ein Museum der moderne seit den Fünfzigern (Oper) über die Achtziger (Gewandhaus) bis eben hin zum neuen Hauptgebäude. Die entstehende Architektur ist einfach spektakulär! Ersetzt zwar nicht die Reko, aber ist für mich der beste Weg. Auch wenn es an anderen Orten Rekos durchaus geben kann (Markthalle am Leuschnerplatz). Aber für diesen Ort ist die Reko nicht das Mittel der Wahl.
    Tendenziös mag doch sein, aber Diskussion muß erlaubt sein! Es steht jedem frei, darauf zu reagieren aber bitte mit Argumenten und nicht mit Ideologie, daß das Eine richtig ist und das andere falsch.
    Aber zurück zum Thema:



    Eine kritische Rekonstruktion halte ich für den richtigen Weg. Man hätte eine Reko machen können, diese wäre aber angesichts der Platzhistorie nicht angemessen. Es ist einfach nichts mehr übrig vom alten Augustusplatz und er ist vielmehr ein Museum der moderne seit den Fünfzigern (Oper) über die Achtziger (Gewandhaus) bis eben hin zum neuen Hauptgebäude. Die entstehende Architektur ist einfach spektakulär! Ersetzt zwar nicht die Reko, aber ist für mich der beste Weg. Auch wenn es an anderen Orten Rekos durchaus geben kann (Markthalle am Leuschnerplatz). Aber für diesen Ort ist die Reko nicht das Mittel der Wahl.



    Danke für deine Rückmeldung. Ich finde man sieht an deinem Kommentar doch, dass die Standpunkte durchaus vereinbar sind.
    Ich hätte mir eine Reko gewünscht und dies nicht nur von der Kirche, sondern vom gesamten Unikomplex. Dass von der historischen Bebauung nicht mehr viel übrig ist, ist für mich kein Ausschlusskriterium, denn irgendwo muss man ja anfangen. Wenn man dieser Argumentation folgen würde, dann gebe es auch keine Frauenkirche, denn da war vom Platz auch nichts mehr übrig - dies nur mal als kritischen Einwand gegenüber deiner Position :zwinkern:


    Aber in anbetracht des Gewandhauses und der restlichen Bebauung kann ich aber auch die Bürger verstehen, die sich am Augustusplatz für eine moderne Bebauung aussprechen. Und wie gesagt halte ich die Platzfassade für einen modernen Bau für überaus gelungen, vorausgesetzt, die Fassade wird hochwertig ausgeführt. Denn da kann noch so einiges schief gehen. Z.B. in Dresden sahen einige moderne Entwürfe auch nicht so schlecht aus, aber aufgrund minderwertiger Materialien und mangelhafter Ausführung sind einige - insbesondere AdF 22 - völlig mißglück, so dass sie die Architekten genötigt sahen, sich ausdrücklich von den eigenen entwürfen zu distanzieren.


    Wie soll die Fassade eigentlich ausgeführt werden? Naturstein, Putz, Metall, ich bin da nciht auf dem Laufenden.


    Aber zum Neubau in der Seitenstraße muss ich sagen, dass er mir persönlich nicht gefällt, weil es Architektur von der Stange ist, ohne Bezug zu Leipzig, aber dies ist méine persönliche Meinung. Ich hätte mir wie bei der Platzfassade mehr Mut und Kreativität gewünscht. So ist die Situation zwar besser als vorher, was nebenbei bemerkt auch nicht soooo schwierig war, aber meiner Meinung nach nicht gerade grandios.

    APH - am Puls der Zeit

  • ^ keine Frage, der einzige Teil der Behet/Bondzio Bauten, der halbwegs gelungen ist, ist die Mensa zur Moritzbastei hin:




    Liegt aber auch an dem entsprechenden Ort (direkt am Ringgrün, Eckhaus aus den 50ern) und der vorherigen Situation. Ansonsten spricht es Bände, dass das sanierte DDR-Seminargebäude zur Universitätsstrasse beinahe besser aussieht als die Behet/Bondzip Fassaden zur Universitätsstrasse und zur Grimmaischen. Vom Innenhof wollen wir mal nicht sprechen - Paulinerkirche und Augusteum werden wohl ganz gut, die restlichen Gebäude sind ja noch DDR-Bestandsbauten, die nur saniert wurden. Trotzdem hätte man hier ordentlich gestalten können, die kommende Lösung erinnert ganz einfach an eine Gesamtschule am Stadtrand:



    Das rote ist das alte DDR-Hörsaalgebäude, das saniert wurde, das rechte das DDR-Seminargebäude.


    Hier nochmal die Innenhoffassade der Paulinerkirche:



    Was die Materialien betrifft - die Dachfassaden und das Paulinum/Paulinerkirche erhalten eine Fassade aus italienischem grünlich grauen Serpentinit. Ausnahme: die Giebelfassade zum Augustusplatz hin erhält wie die vertikalfassaden eine Verkleidung aus hellem Granit oder Jurakalkstein.

  • @ Dase


    danke für die Info. hier mal das Material:


    Quelle: wikipedia


    Ich bin bei Natursteinplatten bzw. Platten insgesamt immer etwas skeptisch, weil es in Dresden bislang immer schief gegangen ist. Vor allem sollte man aufpassen, dass die Farbe nicht zu dunkel ist, sonst entsteht schnell ein Bunkereindruck. Daher mag ich Gebäude mit einem schönen hellen Putz eigentlich lieber, aber man muss wohl abwarten wie es am Ende aussieht.

    APH - am Puls der Zeit


  • Also ich kann auch diesem Bau nicht so viel abgewinnen, aber dies rührt nicht daher, dass ich moderne Architektur ablehne (ich habe einst den Dubaistrang eröffnet, in dem ich viele Projekte dort gelobt habe, was nicht auf viel Gegenliebe im Forum stieß), sondern weil ich genau den gleichen Kasten in jedem Vorort in einer anderen Variation sehe. Zudem fehlt ihm die nötige Eleganz. Dies rührt daher, dass die Platten billig aussehen, allein ein anderes Material hätte hier eine Aufwertung bedeutet. Wenn man schon modern baut, dann bitte richtig. Ich mag den Potsdamer Platz in Berlin sehr, aber da hat man sich mal was getraut. Warum müssen die Gebäude immer weiß, grau oder schwarz sein oder eben dieses leuchtende rot.
    Es gibt so viele Materialen, Farben und andere Gestaltungselemente, warum ist man nicht mal etwas mutiger. Aber für hochwertigere Materialien oder sonstigen Fassadenschmuck ist leider wohl kein Geld mehr da, insbesondere bei öffentlichen Bauten. Wenn den Gründerzeitlern der Schmuck fehlt, sehen sie auch alle gleich und langweilig aus. Die Moderne müsste es mal schaffen, den Fassadenschmuck neu zu interpretieren und ins 21. Jahrhundert zu holen. Dann würde auch wieder Abwechslung und Individualität entstehen, abseits der üblichen glatten Fassaden aus Glas, Stahl und Beton. Denn die ständige Wiederholung ist doch gar nicht zu umgehen, einfach weil man kaum Gestaltungsmittel hat, die man einsetzen könnte.

    APH - am Puls der Zeit

  • Falls einige die vorstehenden Ausführungen von marc! so verstanden haben, dass es hier künftig ein Diskussionsverbot gibt oder nur noch Beiträge "pro Reko" erlaubt sein sollten, so möchte ich mich im Namen der Administration dafür entschuldigen und klar stellen, dass dem natürlich nicht so ist. Bei *sachlich* vorgetragenen Argumenten bzw. einer sich daraus entspinnenden Diskussion, selbst wenn sie der natürlich vorhandenen Tendenz des Forums entgegensteht, wird im Gegenteil begrüßt, denn sonst könnte man das Forum gleich dicht machen, gell? ;)


    Und nun als Nutzer: ich würde mich ebenso wie Wissen.de über neue Bilder freuen, denn auch ich finde den Neubau *persönlich* ein höchst interessantes Projekt, wie ich schon vor einigen Seiten habe anklingen lassen. Und nun back to topic. :)

  • Ich finde die Mensa ist durchaus ein hochwertiges Stück Architektur, ich bin mir ob der Wirkung im Stadtraum aber nicht sicher. Das Gebäude ist eigentlich 1-2 Geschosse zu niedrig. Wenn man die Traufhöe mit der des dahinter gelegenen Baues vergleicht, auch meinetwegen mit der des Städtischen Kaufhauses (nicht im Bild zu sehen), dann finde cih den Bau zu niedrig.


    Nun ja, warten wir einmal ab wie das Gebäude in 20 Jahren aussieht. Ich sage voraus, die Wertanmutung wird durch Verwitterung und urbanen Vandalismus, etc. leiden, so das der reine, klare Eindruck verlorengeht. Ein historisierendes Gebäude setzt da erst Patina an, es fügt sich noch besser in die Umgebung ein als zu Zeiten der Errichtung. Das ist ja gerade der Vorteil historisierenden Bauens! Jedoch wollte man hier -gerechtfertigterweise- einen moderne Bau der auf die Umgebung mit Unihochhaus, Paulinum und Gewandhaus Bezug nimmt. Insofern o.k., aber zu niedrig.

    Den Willigen führt das Schicksal, den Unwilligen zerrt es dahin. (Seneca)

  • Quote from "madmellow"

    Die deutschen Städten von vor '41 waren so reich an Kultur und Überzeugung, wie sie es nie wieder sein werden. Und ja: Wenn es möglich und durchsetzbar wäre würde ich sofort für sämtliche Rekos im Land sein. Aber nun mal ehrlich: Wir sind selber dran Schuld, wenngleich man zu dem Thema auch wieder ganze Bücher gegeneinander antreten lassen könnte.


    Das primäre Problem war und ist aber definitiv der fehlende Wille der politisch Handelnden, nicht eine angeblich fehlende prinzipielle Möglichkeit zur Rekonstruktion. Wenn alle wirklich gewollt hätten, hätten ganze Altstädte rekonstruiert werden können. Hätten die Verantwortlichen nach dem Krieg, was den Wiederaufbau bürgerlicher Profanarchitektur (!) angeht, nur so gehandelt wie die Polen es in Danzig und Warschau taten, Deutschland stünde heute um Längen besser da. Berlin, Nürnberg, Dresden, Frankfurt, Braunschweig hätten wieder eine zusammenhängende Altstadt, Städten wie Leipzig, Lübeck, Halle oder auch Augsburg sähe man den Krieg bei flüchtigem Blick kaum noch an. Warum soll es dem reichsten Land des Ostblocks oder gar der dritten Wirtschaftsmacht der Erde denn nicht möglich gewesen sein, ein paar tausend Bürgerhäuser äußerlich weitgehend zu rekonstruieren - neu gebaut wurde, im Westen praktisch immer, im Osten meistens, doch sowieso? Auch heute könnte bei zahlreichen Neubauprojekten theoretisch eine Rekonstruktion auf die andere folgen und verlorene Stadträume schrittweise zurückgewonnen werden. Verhindert wird eine solche Entwicklung meist jedoch von den architektonischen Dogmen und ideologischen Bedenken einflussreicher Kreise, nicht etwa aufgrund fehlenden Geldes oder absolut ungenügender Nutzungsmöglichkeiten.



    Beim konkreten Fall hier in Leipzig stellt sich mir die Frage: Wenn sogar die Paulinerkirche es anscheinend nicht wert ist, rekonstruiert werden, ja was denn dann? Leipzig war und ist arm an Baudenkmälern aus dem Mittelalter und ausgerechnet einer seiner wichtigsten Kirchenbauten aus dieser Zeit ist nun endgültig dauerhaft verloren - und das auch noch nach einer Schlammschlacht mit hochnotpeinlichen antikirchlichen Ausfällen. Der Neubau ist zwar insofern nicht gänzlich daneben, als dass man die Form einer Kirche noch durchaus erkennen kann (heutzutage bei einem Kirchenbau leider keine Selbstverständlichkeit mehr). Als Ersatz der ehemaligen Universitätskirche St. Pauli - eines der herausragendsten baulichen Zeugnisse deutscher Universitätsgeschichte - ist er dennoch einfach nur enttäuschend. Abgesehen von der kulturhistorischen Bedeutung wäre eine Rekonstruktion der Kirche allein als eines der zweifellos wichtigsten und ältesten Gebäude der Stadt zwingend geboten gewesen.

    "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
    Arthur Schopenhauer

  • Quote

    Beim konkreten Fall hier in Leipzig stellt sich mir die Frage: Wenn sogar die Paulinerkirche es anscheinend nicht wert ist, rekonstruiert werden, ja was denn dann? Leipzig war und ist arm an Baudenkmälern aus dem Mittelalter und ausgerechnet einer seiner wichtigsten Kirchenbauten aus dieser Zeit ist nun endgültig dauerhaft verloren - und das auch noch nach einer Schlammschlacht mit hochnotpeinlichen antikirchlichen Ausfällen. Der Neubau ist zwar insofern nicht gänzlich daneben, als dass man die Form einer Kirche noch durchaus erkennen kann (heutzutage bei einem Kirchenbau leider keine Selbstverständlichkeit mehr). Als Ersatz der ehemaligen Universitätskirche St. Pauli - eines der herausragendsten baulichen Zeugnisse deutscher Universitätsgeschichte - ist er dennoch einfach nur enttäuschend. Abgesehen von der kulturhistorischen Bedeutung wäre eine Rekonstruktion der Kirche allein als eines der zweifellos wichtigsten und ältesten Gebäude der Stadt zwingend geboten gewesen.


    Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen und ich würde mir einfach mal wünschen, wenn die Fans des Egeraat-Baus und des neuen Augustinerplatzes, unsere "Vier Leipziger", diese Problematik
    a.) überhaupt einmal zur Kenntnis nehmen würden und
    b.) einmal wirklich Gegenargumente formulieren würden statt mir und anderen immer nur dogmatische Verbohrtheit und mangelndes Verständnis des Leipzigertums vorzuwerfen.

  • Die "vier Leipziger" sind nicht meinungskonform, was die Bewertung angeht, ob eine Reko die bessere Alternative gewesen wäre. Die Reko, da spreche ich jetzt nur für mich, wäre ganz klar die bessere Alternative gewesen. Von daher stimme ich tendenziell Georg Friedrich zu. Tendenziell deshalb, weil das mittelalterliche St. Pauli im Wandel der Zeit - dem modernen Zeitgeist der damaligen Zeit jeweils entsprechend - mehrfach überformt wurde. Leider funktioniert derzeit photobucket.com nicht, weshalb ich die Veränderungen der Paulinerkirche hier nicht einstellen kann. Aus Zeitgründen kann ich jetzt auch nicht auf andere Anbieter ausweichen. Und solche baulichen Veränderungen wie bei St. Pauli sind typisch für die ganze Stadt Leipzig. Spätestens seit der Renaissance hat sich das Bild Leipzigs im Schnitt alle 50 bis 70 Jahre verändert. Vielleicht ist das ja ein Grund, warum das "Leipzigtum" gegenüber Rekos anders argumentiert als das "Nürnbergtum" oder das "Frankfurttum".

  • @ Wissen.de: Sie treffen den Nagel auf den Kopf: Fassenschmuck modern interpretieren. Daß es so etwas kaum gibt, ist wahrscheinlich das Hauptproblem moderner Architektur. Mit Ihrem Argument der Materialien und Farben (nicht immer nur grau, weiß rot) kommt gleich das andere Wichtige dazu. HIER sollte vielleicht eine Dislussion Reko versus Neubau ansetzen


    Zum Thema Reko stellt sich mir nach wie vor die Frage: welcher Zustand soll den rekonstruiert werden? Auch St. Pauli wurde, wie gesagt, mehrfach überformt. Dies, so finde ich, hölt den Begriff der Reko stark aus.


    Zum Neubau: weiß jemand, was das für ein Turm links neben dem Dach ist??? Der war auf den Visualisierungen nicht zu sehen.

  • @ DrZott, das wird wohl die Kirchturmspitze werden.


    @ Georg Friedrich, wie schon gesagt, viel sah man der Paulinerkirche nicht mehr an, dass sie ursprünglich aus dem Mittelalter stammt. Da jetzt photobucket wieder funktioniert, ein kleiner historischer Abriss in Bildern. Bauhistorisch betrachtet, ist der Egeraat-Entwurf nur konsequent.



    St. Pauli mit Bauplatz "Felsche" um 1834

    Quelle: lipsikon.de



    St. Pauli nach der klassizistischen Neugestaltung von Albert Geutebrück nebst Neubau Cafè Felsche. Aufnahme um 1836.

    Quelle: lipsikon.de



    Paulinerkirche nach ihrer neogotischen Neugestaltung durch Architekt Arwed Rossbach (Hotel de Pologne) im Jahr 1897

    Quelle: lipsikon.de



    Der Bruch nach der kulturbarbarischen Sprengung der vom Krieg unversehrten Universitätskirche durch die SED-Administration im Jahr 1968. Danach erfolgte der Neubau, ein Plattenbau, ohne Kirche und ohne Cafè Felsche. Die auf dem Bild zu sehende Installation wurde vom Paulinerverein angebracht.





    Paulinerkirchen-Rohbau aktuell nebst Rohbau "Augusteum" links und noch im Rohbau befindlichen Cafè Felsche rechts. Sieht doch wieder nach Kirche aus, oder? "Das Ding muss weg" (Walter Ulbricht): jetzt kommt "es" wieder. Übrigens laufen aktuell Gespräche mit mehreren Investoren, die das legendäre Cafè Felsche im oberen Stockwerk wieder aufleben lassen wollen. In die unteren zwei Etagen zieht die Kette Vapiano ein.



    Bild: DAF-User DAvE LE

  • Die Frage des zu rekonstruierenden Zustands stellt sich letztlich bei jedem Bauwerk und muss und kann individuell gelöst werden. Dies war auch bei auf den ersten Blick einheitlichen und unveränderten Bauwerken wie der Dresdner Frauenkirche (hier: Innenausstattung, Deckengemälde und Stuck) oder dem Kurländer Palais zu lösen.
    In der Regel löst sich diese Frage schnell dadurch, dass nur der letzte Zustand ausreichend dokumentiert ist.
    Im Fall der Paulinerkirche betrafen die Rossbachschen Umbauten in erster Linie die Fassade Augustusplatz, alles andere war nur in Teilbereichen betroffen. In der Grundstruktur war die mittelalterliche Kirche erhalten, und das nicht schlechter als die Thomaskirche oder die Nicolaikirche in Leipzig, die ja auch erhebliche Änderungen im Laufe der Jahrhunderte erfahren haben und dadurch erst interessant wurden. Insbesondere der Kirchenraum, die Gewölbe und Stützen, wurden nie wirklich verändert und bot bis 1968 das Bild eines in Jahrhunderten gewachsenen Kirchenraumes mit all den Geschichtsspuren. Man lese dazu das Buch von Elisabeth Hütter, Die Pauliner- Universitätskirche zu Leipzig. Geschichte und Bedeutung.
    Durch die Fassadenumbauten hat man sogar den Vorteil, dass man quasi wählen kann, welche Fassade man denn lieber hätte: Rossbach oder Geutebrück-Fassade? Die Geutebrück-Fassade wäre sogar kostengünstiger.
    Für mich alles kein Grund, die Rekonstruktion abzulehnen. Im Übrigen frage ich mich auch, wenn es nicht lohnt, die Paulinerkirche zu rekonstruieren, wo lohnt es dann?


    Als „konsequente“ Weiterentwicklung kann man den Egeraat-Bau durchaus nicht bezeichnen.
    Ganz andere „Weiterentwicklungen“ wären denkbar gewesen.
    Schaut mal auf diese Seite des Architekten und ihr werdet sehen, dass alle seine Bauten sehr modernistisch sind. Warum soll die Paulinerkirche anders werden? Die Imposanz des Rohbaus wird verschwunden sein, wenn erst mal die glatte, langweilige, Fassade dran ist, die nur an der Frontseite ein Spitzbogenfenster haben wird. Der Bau wird, wenn der Glanz des Neuen erst mal verschwunden ist, eher dem Gewandhaus aus den 80ern ähneln als der alten Kirche. Die ganzen Leute stehen doch derzeit nur am Bauzaun, weil 60% denken, da käme die alte Kirche wieder hin, die auf einem Foto am Bauzaun genauso prominent platziert wurde wie der Entwurf des Architekten. Dass der Rohbau nicht zur alten Fassade passt, wird nicht jedem auffallen.


    Hier ein beliebiges Uni-Gebäude von Egeraat herausgesucht – so werden die Schrägverglasungen am Kirchendach nachher wirklich aussehen.
    http://www.eea-architects.com/projects/metzo_nl.shtml" onclick="window.open(this.href);return false;\r
    http://www.eea-architects.com/projects/metzo_nl.shtml


    Was reden wir, es ist entschieden und gut ist.

  • Ich zitiere an der Stelle nochmal den ZEIT-Artikel:


    http://www.zeit.de/2008/23/Leipziger-Bilderstreit" onclick="window.open(this.href);return false;\r
    http://www.zeit.de/2008/23/Leipziger-Bilderstreit

    Quote


    Bis die Diktatur wirklich überwunden ist, muss noch viel gegraben werden in Leipzig. Vielleicht gibt es ja irgendwann den politischen Willen, die Trümmer der Kirche zu bergen, die in eine Sandgrube am Rande Leipzigs gekippt wurden. Mancher schlich damals ans Loch und stahl ein Erinnerungsstück, ein junger Geophysiker barg eine Helmzier. Heute ist Ulrich Stötzner Vorsitzender des Paulinervereins, manchmal fährt er hinaus nach Probstheida, zur Sandgrube, die jetzt ein grasüberwachsener, vom Grün üppiger Büsche umwehter Hügel ist. Tonnenweise Schutt wurde über die Kirchenreste getürmt, auf dass sie für immer begraben blieben. Man rechnete nur nicht mit der Hartnäckigkeit Stötzners. Der hat mittlerweile den »Hügel der Schande« geophysikalisch vermessen. Dreizehn Meter unter Gelände, sagt er, beginne die Kirche, wobei die großen Bruchteile natürlich ganz unten liegen. Aber sie liegen trocken. Ihre Bergung würde zwei Millionen Euro kosten, das klingt viel, aber wenn man bedenkt, dass ein Wiederaufbau auf 25 Millionen veranschlagt wurde, während der Neubau nun mehr als das Doppelte verschlingt…


    Blickt man vom Grabhügel der Kirche in Richtung Völkerschlachtdenkmal, dann schrumpft die Gegenwart auf ihr Maß und erscheint weniger hoffnungslos. Über 700 Jahre alt wurde die Paulinerkirche, 600 Jahre wird bald die Universität. Der sozialistische Brachialbau währte kaum 40 Jahre. Gut möglich, dass auch die »Paula« nicht ewig steht.

    "Europa wurde von den Bürgern erbaut und von den Proleten zerstört."
    - Sándor Márai

  • @ Leipziger:


    Zunächst einmal - ich behaupte, wenn dann hätte es die Rossbach'sche Fassade gegeben. Erstens ist diese durch die Sprengung zum Symbol geworden, zweitens hat ja auch der Paulinerverein für das jetzt entstehende Gebäude vorgeschlagen, die Rossbach'sche Fassade vorzuhängen.


    Quote from "Leipziger"

    Als „konsequente“ Weiterentwicklung kann man den Egeraat-Bau durchaus nicht bezeichnen.
    Ganz andere „Weiterentwicklungen“ wären denkbar gewesen.


    Welche denn? Die anderen Architekten haben es jedenfalls nich hingekriegt (siehe nochmals der Behet-Entwurf). Und hätte eine weniger expressive Weiterentwicklung nicht die Kritik auf sich gezogen, weil sie als "unkorrekte" Rekonstruktion aufgenommen worden wäre?


    Quote from "Leipziger"

    Warum soll die Paulinerkirche anders werden?


    Weil es ein anderer Entwurf ist, der explizit auf ein Vorgängergebäude eingeht - im Ggs. zu den sonstigen Egeraat-Bauten.


    Quote from "Leipziger"

    Die Imposanz des Rohbaus wird verschwunden sein, wenn erst mal die glatte, langweilige, Fassade dran ist, die nur an der Frontseite ein Spitzbogenfenster haben wird.


    Stimmt so nicht


    Quote from "Leipziger"

    Die ganzen Leute stehen doch derzeit nur am Bauzaun, weil 60% denken, da käme die alte Kirche wieder hin, die auf einem Foto am Bauzaun genauso prominent platziert wurde wie der Entwurf des Architekten. Dass der Rohbau nicht zur alten Fassade passt, wird nicht jedem auffallen.


    Glaube ich nicht. Erstens weil die Leute die davorstehen sehr gut informiert sind und sich gegenseitig den Bau erklären, zweitens weil über das Gebäude in Leipzig bereits so viel und lange diskutiert , berichtet und demonstriert wurde, dass wohl nur Autisten nichts davon mitbekommen haben.

  • @ Dase, ich habe gelesen, dass die seitlichen Spitzbogenfenster von der Fassade wieder verdeckt werden sollen, und in Zukunft somit nur von innen als solche wahrgenommen werden. So sieht es auch die Visualisierung vor. Die Paulinerkirche steht und fällt, ich habe es anderswo schon geschrieben, mit der Fassade. Da kann wirklich noch viel schief gehen, aber ich bin dennoch optimistischer als Leipziger, dass sie ihre derzeit schon imposante Wirkung nicht verlieren wird. Innen wird ja auch weitesgehend rekonstruiert, natürlich mit den uns allen bekannten Abstrichen.


    Und hier noch ein (nicht ganz ernst zu nehmender) Artikel für hitzige Gemüter: http://www.kreuzer-leipzig.de/politik/603" onclick="window.open(this.href);return false;\r
    www.kreuzer-leipzig.de/politik/603

  • Ich hatte es auch bereits geschrieben: Die Idee ist ja richtig - moderne Interpretation einer historischen Struktur, Nutzung, Material und Konstruktion zeitgenössisch angemessen für die alte Handelsstadt.
    Nur: Anhand des von spacecowboy gezeigten ornamentmäßig sehr sparsamen Ausgangszustandes (davon existiert ein Foto!) wäre eine in den Öffnungsmaßen akkurate Rohbau-Reko möglich und folgerichtig gewesen.
    Die Notwendigkeit einer Anpassung des GESAMTEN Baukörpers im Sinne einer schwer verständlichen Idee und einer Zementierung des kommunistischen Gewaltakts("fallende" Dächer und Fenster ect.) hätte nicht bestanden.


    Kirche und Unigebäude waren vorher klar baulich getrennt - es hätte Herrn Eckaarts Aufgabe als Architekt sein müssen, auch bei diesen kastenartigen Nebengebäuden für "interessante, spannungsreiche Kontraste" zu sorgen - OHNE die Kirche als gestalterische Wurstpfanne für alle Verwaltungsriegel zu nehmen.

    Nein, die werden gedünstet