Neubau des Hauptgebäudes der Uni Leipzig

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    Die Abstimmung für das Gebäude des Jahres 2018 ist geöffnet! Abstimmungsende ist am 15. November 2018. Bitte gebt bis dahin Eure Stimme ab.

    • Saxonia schrieb:

      Finde ich hingegen nicht. Bin froh, dass das Gebäude auch am Tage etwas Farbe zeigt und nicht, wie die meisten Glasbauten, am Tage eine dunkle Festung darstellt.


      Aus dieser Perspektive sieht es aber wie eine dunkle Festung aus. Ohne Eingänge und abweisend. Und wo gotische Kirchen einladende Portale aufwiesen findet man jetzt eine weiße Wand.

    • Sehe ich ähnlich wie Saxonia, mir scheint es keine "dunkle Festung" zu sein. Wer hat das Gebäude denn schon mal live vor Ort bewundert?
      Und wenn ich mir folgende Panoramaaufnahme anschaue Kubische Panoramen - Panorama: Leipzig - Augustusplatz - Gewandhaus , passt es sich sogar ganz gut in das benachbarte modernistische Ensemble aus Gewandhaus und Radisson-Hotel ein. Von daher ist das Gebäude durchaus nicht ganz Leipzig-Untypisch, denke ich. Diskussionen darüber, dass die Meisten von uns (natürlich auch ich) eine Rekonstruktion an dieser Stelle bevorzugt hätten, bringen eh nichts mehr. Kurzum, ich könnte mit dem Neubau wohl gut leben, wenn ich in Leipzig wohnen würde.

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    • MunichFrank schrieb:

      Wer hat das Gebäude denn schon mal live vor Ort bewundert?

      Ich. Na ja, bewundert kann man nicht sagen, gesehen halt. Mein erster Eindruck war von der Westseite, also vom Innenhof. Ich war einfach nur schockiert über ein Bauwerk, das nichts mit einer Kirche gemein hat. Es war erdrückend, abstoßend, kurz zusammengefasst: schockierend. Angesichts dessen ist die Farbe auch schon wurscht.
    • Kirchenbauten der Moderne haben mit klassischen Kirchen allgemein nicht mehr viel am Hut. Die neue Probsteikirche wird da deinen Anforderungen ebenfalls nicht gerecht werden obwohl die vordergründig als Kirche konzipiert und gebraucht wird.

      Ich finde man hat hier endlich mal in das Gestaltungspotential gegriffen, dass Glas und Stein in Kombination bieten. Trotzdessen das Gebäude weitestgehend auf Glas basiert, ist die Fassade nicht monoton und weißt verschiedene Farbschattierung in Kombination mit der Steinverkleidung auf. Alles in allem bin ich mit dem Äußeren sehr zu frieden. Meiner Ansicht nach neben dem Berliner HBF einer der besten Bauten seiner Zunft.
    • Die neue Leipziger Uni scheint mir ebenfalls gut gelungen, nicht nur, was den äußeren Bau angeht.

      Neugierig darf man auf die wohl schrittweise einzufügenden, historischen Mobilien in der Paulinerkirche sein.
      Die Restaurierung der kostbaren Kunstwerke ist sicher nicht preiswert, kann länger dauern als vorgesehen.

      Sehr, sehr sachlich wird in der Tat die neue Kath. Probsteikirche - aber die Gemeinde hat sie bereits "ins Herz geschlossen".
      Persönlich hätte ich mir einige, dekorative Elemente an dem schlichten Baukörper gewünscht, offenbar war das nicht gewollt.
    • Zeno schrieb:


      Mein erster Eindruck war von der Westseite, also vom Innenhof. Ich war einfach nur schockiert über ein Bauwerk, das nichts mit einer Kirche gemein hat. Es war erdrückend, abstoßend, kurz zusammengefasst: schockierend. Angesichts dessen ist die Farbe auch schon wurscht.


      Erst einmal vorweg - ich bin kein religiöser Mensch, und lehne moderne Sakralbauten entschieden ab (ganz gleich welcher Religion).

      Bei den historischen Kirchen jedoch handelte es sich um Baukunst, und ausschließlich darum geht es mir. Es war die älteste Kirche in der SBZ, welche man einfach mal so sprengte, da dieses alte ehrwürdige Gotteshaus nicht in die pseudoatheistische Idiologie des Sozialismus paßte (man mag jetzt wieder meinen Zynismus tadeln, jedoch war dies zu DDR Zeiten Realität)

      Diese "zeitgenössische" Andeutung des neuen Bauwerkes, was mal da gestanden ist, betrachte ich persönlich als Hohn und würde sogar so weit gehen daß ich denke dies jetzige Bauwerk könnte durchaus dazu geneigt sein die religiösen Gefühle derer zu verletzen, welche die alte Kirche noch kannten.

      Viele Grüße

      Strandfliese
    • Strandfliese schrieb:

      betrachte ich persönlich als Hohn

      Ich auch:

      Zeno schrieb:

      Wenn man unmittelbar davor steht, ist es ein unerträgliches Machwerk. Es ist eine Karikatur der einstigen Kirche. Die atheistische Zweckbestimmung des jetzigen Baus muss wie der gewollte Triumph über das Christentum erscheinen, das als bedeutungslos geworden erhofft wurde. Nein, dieser Veranstaltungssaal ist keine Kirche, er steht nur an der Stelle einer einstigen. Die Paulinerkirche hätte insgesamt rekonstruiert werden müssen. Offensichtlich konnten sich jedoch die Kräfte durchsetzen, die dies zu verhindern zielten.

      Lieber gar kein Wiederaufbau als das, was jetzt dasteht.
    • Strandfliese schrieb:

      Diese "zeitgenössische" Andeutung des neuen Bauwerkes, was mal da gestanden ist, betrachte ich persönlich als Hohn und würde sogar so weit gehen daß ich denke dies jetzige Bauwerk könnte durchaus dazu geneigt sein die religiösen Gefühle derer zu verletzen, welche die alte Kirche noch kannten.


      Vielen Dank, Strandfliese und Zeno. Zwar habe ich die Leipziger Paulinerkirche vor ihrer Zerstoerung nicht gekannt, aber meine Gefuehle sind trotzdem zutiefst verletzt. Von einem Wiederaufbau kann hier keine Rede sein. Leipzig mag zwar durch seine vielen Sanierungsprojekte bestehender Altbauten leuchten, aber hier hat die Stadt entschieden versagt und verloren. :weinenstroemen:
    • Wenn man unmittelbar davor steht, ist es ein unerträgliches Machwerk. Es ist eine Karikatur der einstigen Kirche. Die atheistische Zweckbestimmung des jetzigen Baus muss wie der gewollte Triumph über das Christentum erscheinen, das als bedeutungslos geworden erhofft wurde. Nein, dieser Veranstaltungssaal ist keine Kirche, er steht nur an der Stelle einer einstigen. Die Paulinerkirche hätte insgesamt rekonstruiert werden müssen. Offensichtlich konnten sich jedoch die Kräfte durchsetzen, die dies zu verhindern zielten.

      Lieber gar kein Wiederaufbau als das, was jetzt dasteht.


      Mein Gott, was kann man dazu oder dagegen sagen? Zeno, die Sache ist die, dass wir einfach nicht mehr in einer christlichen Gesellschaft leben. Das spürt man an 100.000 Kleinigkeiten, auch an dieser, und sich darum über diesen Wiederaufbau aufzuregen, könnte den Schluss nahelegen, man wäre im ganz normalen Alltag Realitätsverweigerer.
      Penderecki hat zur Paulinerkirche Folgendes gesagt: in D diskutiert man diesen und jenen Gesichtspunkt, in PL wäre man hingegangen und hätte sie einfach aufgebaut.
      Allerdings wäre sie in PL auch voll gewesen, dort hätte eben auch ein Bedarf bestanden.
      Bei uns besteht kein Bedarf - warum also eine "richtige" Kirche?
      Als Karikatur würde ich ihn nicht auffassen, diesen Neubau. Dass die Linie etwas windschief geraten sind, entspricht ästhetischen Erfordernissen, etwa um aus der lähmenden Primitivität der modernen Gestaltungsprinzipien auszubrechen. Die Anspielungen auf Rosette und Maßwerkfenster sind postmodernistisches Zitat und keine Verarschung. Zumindest in meinen Augen. Ich finden den Bau, soweit ich es aufgrund der Photos beurteilen kann, recht gelungen. Es ist eben ein modernes Ensemble, was hier entstanden ist. Und sicher kein schlechtes. Überdies: war jene neogotische Fassade denn so überwältigend? Da hat selbst der Historismus ungleich Besseres hervorgebracht. Was hier entstanden ist, wirkt auf seine Art immerhing einzigartig.

      Ich versteht dich schon.Auch dein Unbehagen. Aber dessen Wurzeln sind viel tiefer als diese Problematik hier.
      Und überhaupt: diese geistig tote Gesellschaft, die nur noch so sinnentleert bauen darf oder kann, die hier nur Reflexion auf überkommene Stile schafft, dies war ihre einzige Intention, die Platzgestaltung, die Bezugnahme auf Vergangenes, keineswegs BENÖTIGTE man diesen Bau, schon gar nicht als Kult- oder Sakralraum,
      diese leere Gesellschaft also wird ohnehin untergehen, untergehen müssen.
      Was ihr nachkommt, wissen wir derzeit noch nicht. Nur dies eine: für ihre Ideale, und seien sie noch so nett formuliert bzw militant postuliert, wird niemand in den Tod gehen wollen (dies wäre auch wahrlich schwachsinnig).
      Das ist der allerwesentlichste Unterschied zwischen der Paulinerkirche und der heutigen Aula.
      ... dass jeder troglodytischen Lebensart, beruht sie nur fest in sich selbst, etwas schlechthin faszinierendes eignet, überhaupt für solche, die einen Ansatz dazu schon besitzen und mitbringen, der dann nur noch einer gewissen Entwicklung bedarf. (HvD)

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    • ursus carpaticus schrieb:


      Bei uns besteht kein Bedarf - warum also eine "richtige" Kirche?

      [ironie]
      so, so..es besteht also kein Bedarf an "richtigen" Kirchen, scheint sich noch nicht bis nach Dresden herumgesprochen zu haben, sonst wäre wohl anstelle der historischen Frauenkirche so eine "schicke moderne Moschee" hingebaut worden :anbeten: [/ironie]

      Nee, aber moderne Sakralbauten braucht sicherlich kein Mensch, für mich persönlich geht es hier aber in erster Linie um ein Kulturdenkmal - eine vertane Chance eine inzwischen fast 800 Jahre alte Kirche wieder originalgetreu zu rekonstruieren. Abgesehen da von daß ich davon überzeugt bin daß auch genug gläubige Christen das Gebäude wieder genutzt hätten, wäre es für Leipzig ein absoluter touristischer Anziehungspunkt geworden, wenn nicht sogar ein Wahrzeichen.

      Ich sehe es ja am Beispiel von Dresden, diese Stadt ist seit dem Wiederaufbau der Frauenkirche und dem historisch angelehnten Stadtkern wieder zu einem großen Besuchermagnet geworden, Dresden hat sich inzwischen (wieder) zur Weltkulturstadt gemausert - Leipzig hingegen scheint sich trotz sehr lobenswerter Rekonstruktionen (ich sag nur Blüthner Karree) immer noch als touristisch unattraktive Industriestadt zu sehen - warum sonst begeht man einen solch plasphemischen Unsinn ausgerechnet im Herzen der Stadt?

      Viele Grüße

      Strandfliese
    • Das ist in der Vergangenheit schon diskutiert worden.


      Zum Beispiel auch in der: ZEIT



      Zu beachten ist, dass die Stadt Leipzig bei den Bauvorhaben der Universität Leipzig wenig zu sagen hat. Bauherr ist das Finanzministerium des Freistaates Sachsen in Dresden.

      Das war vor einhundert Jahren, als es noch einen König in Sachsen gab, noch krasser als heute. In Betina Maria Kauns Buch: Arwed Rossbach. Ein Architekt im Geiste Sempers ist schon zum Vorvorgängerbau umfangreicher Schriftverkehr veröffentlicht, geführt zwischen dem Architekten und dem Finanzministerium in Dresden.

      In Städten, die erst seit einigen Jahren oder Jahrzehnten über eine Universität verfügen, ist das Spannungsverhältnis zwischen einer Landesuniversität und der Stadt wohl nicht leicht nachzuvollziehen.
      Die Stadt Leipzig war die Stadt Leipzig.
      Die Universität Leipzig war die Universität Leipzig.
      Nur Dresden konnte bei der Universität reinreden.

      Stadt und Universität waren, und sind, getrennt. Die Universität Leipzig verfügte in früherer Zeit sogar über eine eigene Gerichtsbarkeit.

      Noch heute hat die Universität nicht unerheblichen Grundbesitz im Stadtgebiet und außerhalb. Das Krochhochhaus z.B. ist auf einem Erbpachtgrundstück der Universität errichtet worden und heute in deren Besitz. Am Rand von Leipzig gehörte z.B. das Oberholz der Universität Leipzig.


      Wenn wir hier darüber diskutieren, welches Gebäude an dieser Stelle zu stehen hätte, sagen wir doch mehr oder weniger direkt, dass die Entscheidungsfindung in der Universität und zwischen dieser und Dresden falsch war. Außenstehende wollen der Universität vorschreiben, was für sie gut ist. Wie soll das funktionieren?

      In der Studentenschaft wird der Bau aus ganz anderen Gründen kritisch gesehen. Der Freistaat kürzt die Mittel für Lehre und Forschung. Instituten in Leipzig droht die Schließung. Die TU Dresden wird bei der Entwicklung zur Eliteuniversität massiv gefördert. In Leipzig wird für ein schönes Gebäude, in dem auch noch eine kirchliche Nutzung stattfinden soll, viel Geld aus dem (Bildungs-)Staatshaushalt ausgegeben. Dies in einem Land, in dem eigentlich die Trennung zwischen Staat und Kirche gelten sollte.

      Da kann doch nur ein Kompromiss heraus kommen. Und der steht jetzt am Augustusplatz in Leipzig.








      Das Blau ist wohl ein Problem der heutigen Kameratechnik. Am Originalgebäude habe ich das Blau nicht so intensiv gesehen. Auch die Form ist im Original irgendwie anders.

      Das Gestänge auf dem Paulinum ist fertig, soll so bleiben. Ist wohl Kunst am Bau – und Sonnenschutz.
    • Ich hatte es schon im DAF geschrieben, auch ich komme mit dieser architektonischen Interpretation nicht klar. Ein Schönreden finde ich deplaziert. Dass moderne Materialien für die Darstellung alter Bau- und Architekturformen herhalten muss, ist es bisher selten gelungen. In der Regel wirkt es lächerlich. Es wird der 600 Jahre alten Universität nicht gerecht und das ist das, was mich am meisten stört. Dass der Augustusplatz heute sowohl gestalterisch als auch städtebaulich im Sinne der deutsche Nachkriegsmoderne gehalten ist, wäre die einzige akzeptable Begründung für die entstandene Version des Paulinum, aber in der Abwägung mit der Universitätstradition ist das Entstandene unbefriedigend. Die Kitschwirkung und Poparchitektur ist einfach nur belastend. Eine Rekonstruktion wäre mehr als angezeigt und moralisch leicht durchsetzbar gewesen. Aber wo von Anfang an bei allen Vernantwortlichen (Stadt, Uni, Land) keine Wille war, gab es auch keinen Weg.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Roland ()

    • Ich kann nur jedem empfehlen sich selbst mal ein Bild vor Ort zu machen. Man muss den Bau nicht grandios finden - wie ich das z.B. tue. Aber ihn als Kitsch abzuqualifizieren finde ich absolut überzogen. Ein bisschen Auseinandersetzung mit der Architekten und der Vorgeschichte würde nicht schaden. Das könnte einen evtl. davor bewahren, Pauschalurteile zu fällen.
    • Na ja, das ist jetzt aber schon sehr platt à la "Unsere Tradition ist es, dass alles sich verändert und da das Gebäude sich nicht in irgendeine Tradition einfügt, stehen wir voll in unserer Tradition des Traditionsbruchs". Eine "Tradition des Traditionsbruchs" ist aber nicht gemeint, wenn von "Tradition" die Rede ist.
      Abgesehen davon, dass die Aussage auf die Universität Leipzig auch nicht zutrifft.

      Bei Rekonstruktionen geht es zunächst einmal darum, Bauwerke wiederzugewinnen, die Wesen, Bild und die Seele einer Stadt ausmachten. Im Fall der Universitätskirche käme noch die Wiedergutmachung der Untaten von Ulbrichts Verbrecherregime dazu.
      Dass beides in Leipzig nicht geschehen ist und stattdessen diese postmoderne Albernheit hingeklotzt wurde, bleibt eine Schande für Leipzig, die so lange währen wird, wie dieses alberne Ungetüm nicht wieder abgerissen und stattdessen die wirkliche Universitätskirche rekonstruiert wurde.
    • Eines der wenigen aktuellen (ich will den Begriff "modern" vermeiden) Bauwerke, das mir gefällt. Mal ganz unabhängig davon, dass ich eine Reko bei Weitem vorgezogen hätte. Also rein auf die Architektur bezogen muss ich festhalten, dass dieses Gebäude meiner Vorstellung von kreativer Weiterentwicklung traditioneller Stile entspricht. Und die befürworte ich grundsätzlich, da ich mir von aktueller Architektur eigentlich mehr erhoffe als Schwarz-Weiß, als Reko und Glas-Stahl-Kubus. Wenn es dann auch noch orignell wird, will ich nicht meckern. Regionaltypik ist in unserer seltsamen Bauepoche leider zu viel verlangt, das kann man nicht erwarten.

      Ob dieser Bau an diese Stelle gehört, bleibt zu hinterfragen.
      Ich entschuldige mich von Herzen für meine früheren arroganten, provokanten, aggressiven und unfreundlichen Beiträge!
      Jesus ist mein Herr und Retter!
    • Wenn es denn wirklich das wäre, was es vorgibt zu sein, nämlich ein großer, im Sinne einer "einstürzenden" Architektur spannungsvoll aus Naturstein geschnittener monolitischer Körper. Aber allein die vielen unvermeidlich Fügungen und Fugen offenbaren eben doch, wessen geistes Kind die Architektur ist, nämlich ein durch und durch modernes Gebäude mit einer tapetenhaften Vorhangfassade, bei dem gerade einmal eine Rosette und ein Fenster tatsächlich in monolitischer Fügung erscheint, in der Art einer manieristischen Postmoderne. Darüber hinaus trägt die mit Ausnahme der Glasscheiben nicht vorhandene Farbigkeit wesentlich dazu bei, dies Gebäude zwischen alle den belanglosen Gebäude der Moderne einzureihen. Dieser Eindruck festigt sich mehr und mehr, je öfter ich an dem Gebäude vorbei komme. Wenn es in einigen Jahren noch etwas mehr angegraut sein wird als jetzt, wird kaum noch ein Qualitätsunterschied zu der stets ungeliebten Pergola mit der Tiefgarageneinfahrt und den Milchtöpfen erkennbar sein.
    • Bei Rekonstruktionen geht es zunächst einmal darum, Bauwerke wiederzugewinnen, die Wesen, Bild und die Seele einer Stadt ausmachten.


      Und das ist ausgerechnet bei der historistischen Architektur der Augustusplatz-Front der Universität der Fall gewesen, einer Architektur, wie sie zwischen Tokyo und New York sowie zwischen London und Kapstadt en masse existiert?


      Dass beides in Leipzig nicht geschehen ist und stattdessen diese postmoderne Albernheit hingeklotzt wurde, bleibt eine Schande für Leipzig, die so lange währen wird, wie dieses alberne Ungetüm nicht wieder abgerissen (...) wurde.

      Das, mit Verlaub, ist lediglich die verbohrte Ansicht einer kleinen Minderheit aus Kreisen der Traditionalisten und Modernisten. Ja, ja, die in diesem Forum so geschätzten Ultra-Modernisten lehnen den Neubau mit den gleichen (Schein-)Argumenten ab. Irgendetwas muss der Neubau also genau richtig gemacht haben. Ist der Neubau nun eigentlich eine "postmoderne Albernheit" oder ein "albernes Ungetüm"?