Neubau des Hauptgebäudes der Uni Leipzig

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    • Eine Traditionsuniversität sollte aber auch Zeichen ihrer langen Geschichte tragen, selbst wenn diese "zweckentfremdend" als große Aula genutzt wird. Die Universitätskirche war fast sechshundert Jahre alt und ein stadtbildprägender Bau; ihre Sprengung ein Akt kultureller Barbarei und gewollter Vernichtung von Geschichte. Gut, wer keinen Sinn für Schönheit und geschichtliches Bewußtsein hat, so wie du z.B, der ist solchen Argumenten eben nicht zugänglich. Alleine die Tatsache, daß du nicht verstanden hast, worum es Madmellow mit seiner Aussage über die dt. Geschichte und Architektur von vor 1933 ging, beweist es.
      Ich sage ja auch nichts gegen diese Art von Ignoranz - ich selbst z.B. besitze keinerlei Sinn für religiöse Empfindungen - aber ich gebe das offen zu und muß eben auch zugestehen, in diesem Forum in der Minderheit zu sein, da die meisten in irgendeiner Art von Religionsinstitution organisiert sind, egal ob als passive oder aktive Mitglieder. Aber das nur am Rande.


      Daß es nicht zwangsläufig die -neugotische- Fassade ist, welche wiederauferstehen muß, sondern der Baukörper mit seinen Maßen, Proportionen und Materialien, darüber kann natürlich diskutiert werden; schließlich war die "originale" Kirche mit ihrem Dachreiter ziemlich schlicht, aber elegant gehalten. Die Abmessungen blieben aber immer diesselben.

      Entweder man läßt diese Geschichte ganz bleiben oder wiederaufleben - ein Mittelding, wie das vom hochgelobten Holländer, wird zwangsläufig scheitern. Wie kann man denn eine Sprache verstehen, die man zum ersten Male hört ? Es wäre schon viel gewonnen, würde van Eckaat den First der Aula gerade halten (d.h. ein richtiges Dach; ja, es KANN auch teilverglast sein) und wenigstens dem Außenbau das originale Baumaterial zugestehen, als Unterscheidung zu den knallweißen flankierenden Gebäuden.

      Im übrigen: warum kann das ganze Gelände denn nicht zu einem wirklichen Campus umgebaut werden ? Mit einem Innenhof, kleinen Park und mehreren, baulich getrennten Baukörpern auf angepaßter Höhe statt ein, zwei Riesenriegeln ? Der Augustusplatz ist groß genug, um auf ihm einen Universitätscampus entstehen zu lassen.
    • Also ich möchte mich doch in gewisser Weise bei Madmellow entschudligen. Mein Artikel ist übers Ziel hinausgeschossen. Er wurde im " Eifer des Gefechts und zwischen Tür und Angel geschrieben".
      Auf keinen Fall wollte ich dich in die rechte Ecke schieben. Nach Deinem Gefühlsausbruch verstehe ich auch genauer Deine Vorstellungen.
      Ich denke jedoch nach wie vor, dass Du in Deiner Vorstellung einer romantisierten Traumwelt nachtrauerst aber darüber lässt sich ja diskutieren.
    • "JimPanse" wrote:

      Also ich möchte mich doch in gewisser Weise bei Madmellow entschudligen. Mein Artikel ist übers Ziel hinausgeschossen. Er wurde im " Eifer des Gefechts und zwischen Tür und Angel geschrieben".
      ...



      Ist angenommen. ;) Vorallem wollte ich mit meinem etwas längerem Post klar machen, dass es kein Blech ist, was ich rede.
    • @wissmut:
      dafür, dass du nach eigenem bekunden keinen sinn für religiöse empfindungen hast, hast du dich am 7.9. beim thema "tausenden kirchen droht der abriss" ganz schön weit aus dem fenster gehangen...

      immerhin, die diskussion um die leerstehenden oder verfallenden kirchen zeigt, dass es für eine neue universitätskirche keine notwendigkeit gibt. sicher war sie mit ihrem "geraden" first stadtbildprägend - der abgeschrägte first des neuen gebäudes wird es aber umso mehr, schliesslich sind die umliegenden häuser auch in der höhe gewachsen. da macht es sinn, auch das pauliner-gebäude wachsen zu lassen, um die ihm gebührende städtebauliche dominanz zu verschaffen und den platzmangel zu lindern. (der kollhoff-entwurf sah ein neues uni-hochhaus vor, neben dem dann die paulinerkirche wie die pförtnerloge wirkte.) einen innenhof wird es übrigens auch im neuen uni-komplex geben. und dass die gebäude zum augustusplatz hin eine neue architektursprache sprechen - was wäre gerade für eine traditionsreiche und selbstbewusste uni passender? auch diese sprache kann man verstehen lernen...

      ach ja, und noch etwas: wer anderen sinn für schönheit und geschichtliches bewusstsein abspricht, sollte doch besser auf ein albernes phantasie-fähnchen unter seinem namen verzichten.
    • Neuer Streit um Paulinerkirchen-Bau in Leipzig
      Rund anderthalb Jahre nach der Entscheidung für die Neubebauung des Areals der Leipziger Paulinerkirche flammt der Streit um die Gestaltung wieder auf. Der Paulinerverein will die weitgehend originale Rekonstruktion der gotischen Universitätskirche im Inneren und hat nun 250 Unterschriften aus ganz Deutschland gesammelt. Zu den Unterzeichnenden zählen unter anderem Schriftsteller Erich Loest, Trompeter Ludwig Güttler, Thomaskantor Georg Christoph Biller und Maler Bernhard Heisig. Die Universität Leipzig als Nutzer favorisiert hingegen einen multifunktionalen Bau mit transparenten Säulen.


      "Die derzeitigen Planungen zur Innenraumgestaltung mit der Auflösung der Pfeiler in hängende Lichtstelen aus Porzellan und Glas widersprechen dem Geist dieses Hauses als schlichte Bettelordenskirche der Dominikaner und spätere Universitätskirche", sagte Vereinschef Ulrich Stötzner. "Die Rekonstruktion der Universitätskirche hätte 25 Millionen Euro gekostet und wäre zu großen Teilen aus Spenden finanzierbar gewesen." Der Entwurf des Rotterdamer Architekten Erick van Egeraat koste hingegen 50 Millionen Euro, die Gestaltung des Inneren zwischen 1 und 13 Millionen Euro.

      Universitätsrektor Franz Häuser will an den Planungen festhalten, wenn die Baukommission Ende November zusammentritt. Beim jetzigen Entwurf van Egeraats würden die ursprünglichen Säulen "innovativ und ästhetisch akzeptabel" aufgegriffen. dpa




      Artikel erschienen am Fr, 4. November 2005

      Quelle: http://www2.welt.de/data/2005/11/04/798459.html\r
      www2.welt.de/data/2005/11/04/798459.html

      Dazu auch folgender Text aus der LVZ:
      http://www.lvz-online.de/lvz-heute/10779.html\r
      www.lvz-online.de/lvz-heute/10779.html
    • Letzendlich wird eine Kirche/Aula gebaut, die aufgrund eines selbstgefälligen Rektors und einem idiologisch verblendeten Studentenrats NIEMANDEN gefallen wird. Mit einem solch missglückten Spagat zwischen historischem Wiederaufbau und multifunktionaler Transparenz, macht man sich höchstens zum Gespött der Nation.

      Ein Leipziger Bürger schrieb dazu treffend: "Es ist ein Kompromiss vom Kompromiss des Kompromisses."

      Und 2009, wenn Kritik an der Gestaltung der Paulineraula laut wird, höre ich Rektor Häuser regelrecht schon unken, dass er sich natürlich auch ein besseres Resultat erhofft hatte, die Uni aber auch Rücksicht auf die Wiederaufbaubefürworter genommen habe / nehmen musste.

      Die aberwitzige Idee der Disneyland-Diffamierer mit dem Lichterspektakel im Chorraum ist auch noch nicht vom Tisch. Siehe dazu auch folgender Link:

      http://db.uni-leipzig.de/aktuell/index.php?pmnummer=2006038\r
      db.uni-leipzig.de/aktuell/index. ... er=2006038
    • mir gefällt´s.
      und begriffe wie "selbstgefällig" und "ideologisch verblendet" liessen sich auch locker auf die reko-befürworter anwenden - für wen oder was sollte denn ein kirchenbau entstehen, wenn nicht mal die kirche als institution einen haben wollte? also was soll der quatsch? wenn alle mitreden und mitentscheiden kommt immer ein kompromiss heraus. und dieser hier immerhin architektonisch und funktional überzeugend.
      allerdings: da die kanzel ja noch vorhanden ist und die säule wieder errichtet wird, sollte man meines erachtens auch den logischen schritt gehen und die kanzel wieder an ihrem ort aufstellen. es sei denn, man böte eine bessere variante...
    • Im Gegensatz zu der Kritik, die uns immer wieder an den Kopf geknallt wird, argumentieren wir eben nicht "selbstgefällig" und "ideologisch verblendet" sondern sachlich und nach ästhetischen, städtebaulichen und kulturhistorischen Argumenten, auch wenn man ideologische argumentationen nie ganz ausschließenm kann, besonders wenn ideologische, als sachlich getarnte Argumente entkräftet werden müssen.

      Die ganze Diskussion um das Paulineum und die Universitätskirche ist doch nur entstanden, weil man das Karl-Marx-Relief möglichst schnell weg haben wollte, bestimmt nicht aus ästhetischen und kulturellen, sondern ausschliesslich aus ideologischen Gründen. Da das Relief aber signifikanter Bestandteil des Statik des Gebäudes ist, kann es nicht so ohne weiteres abgenommen werden. Der derzeitige Universitätsbau im Stil der 60ger Jahre würde im sanierten Zustand vom Standpunkt der Zweckmäßigkeit und Funktionalotät her vollauf den Ansprüchen der Universität genügen. Der derzeitig geplante Aulabau scheint lediglich mit einem möglichst großen Zeigefinger auf die Sünden Ulbrichts zu zeigen um von irgendwas abzulenken... von den eigenen Sünden, vom Selbstverwirklichungsdrang des Rektors, von der Ideologie in der ganzen Sache... ich weiss es nicht und ich ewill es auch gar nicht wissen.

      Nun aber zu den sachlichen Überlegungen: Zum ersten sind wir uns darüber ja scheinbar einig, dass der 60ger-Jahre-Klotz da sonicht stehen bleiben soll. Er erfüllt zwar die funktionellen, nicht aber die ästhetischen und städtebaulichen Anforderungen an ein derart wichtiges Gebäude.
      Was an die Stelle des alten Paulineums treten soll, ist dabei ersteinmal zweitrangig. Es geht ja hier um die Universitätskirche. Fangen wir doch mal mit dem schnöden Mammon an. Die Rekonstruktion der Paulinerkirche wird nachweislich deutlich weniger Geld kosten, als die geplante Aula, zudem könnte man einen nicht unerheblichen Teil aus Spenden finanzieren. Die Unterhaltung beider Gebäude wird zunächst etwa gleich teuer werden, wenn es in den Bereich von Sanierungen und größeren Reperaturen geht, wird aber die geplante Aula aufgrund ihrer komplizierten Konstruktion einen deutlich höheren aufwand darstellen. In Zeiten knapper Kassen ist Sparsamkeit immer ein starkes Argument.
      Zur Funktionalität: das Gebäude soll primär als Aula für akademische Festveranstaltungen dienen, aber auch für Ausstellungen, Konzerte, Vorträge etc. genutzt werden. Nehmen wir das Beispiel der rostocker Universitätskirche. Diese erfüllt alle diese aufgaben zur Genüge, kann zudem noch für Gottesdienste genutzt werden und zieht Touristen an. Die letzten beiden Aufgaben kann der aulaentwurf nur bedingt oder gar nicht erfüllen. Auch aus dem funktionalen Blickwinkel sprechen die Tatsachen also eher für die Kirche.
      kommen wir zum Städtebaulichen Aspekt. Der augustusplatz hat zumindest an seiner Westseite seine Proportionen nach dem Kriege kaum verändert. Das in den 50ger Jahren errichtete Opernhaus entspricht in Größe und Form weitgehend dem Vorkriegsbau, die nördliche Zeile der Westseite hat ebenfalls weitgehend ihren Charakter der Vorkriegszeuit bewahrt. Das Neue Gewandhaus passt sich, wenn auch mit moderner Formsprache und Gestalt, den Proportionen und Größenverhältnissen des Platzes an. Lediglich das Hochhaus ragt aus dem wohlproportionierten Platz deutlich heraus. es wird jedoch optisch durch die umstehende bebauung in den Hintergrund gedrängt und nicht als direkter Bestanmdteil des Platzensembles wahrgenommen. Nun nimmt die aula aber gerade an diesem Hochhaus Bezug und sticht deutlich, aus der übrigen Bebauung hervor, wirkt wie ein Fremdkörper, der den Betrachter optisch zu erschlagen droht. Freilich hat die Aula auch eine Stadtbildprägende Wirkung, jedoch eine vernichtende. Sie verdeckt vom Augustusplatz aus den Blick auf den Turm der Nikolaikirche und die restliche Altstadt, als wolle sie diese der Wahrnehmung entziehen. Die Paulinerkirche an dieser stelle passte sich nicht in die umliegende Bebauung ein, sondern gab mit ihren Formen und Proportionen überhaupt erst die Grundlage für die übrige Gestaltung des Platzes. Sie ließ den blick an ihrem hohen Dach entlanggleiten und leitete ihn auf die Türme der dahinter liegenden Stadt.
      Sie lud in die Stadt ein, zeigte als Vorzeichen, was den Besucher noch in der stadt erwartete und stellte mit ihrem schlanken Gibel einen wilkommenen Kontrast zu den Traufenständigen Gebäuden am Platz dar, ohne aus de Gesamtbild herauszuragen. Man könnte sie fast mit der Gestalt der gütigen Mutter, die im Kriese ihrer (erwachsenen) Kinder sitzend sich von diesen zwar abhebt, mit ihnen aber das geschlossene Ganze der harmonischen Familie bildet. Die Aula hingegen stellt sich, wenn wir bei diesem Vergleich bleiben wollen eher als hochnäsig nach hinten gebeugte Stiefmutter, die Hand zur Züchtigung erhoben, dar, die ihre Schutzbefohlenen brutal niederdrückt. Besonders deutlich wird dieser Vergleich werden, wenn man die aula von der "Rückseite" her betrachtet, wo sie wie ein Fremdkörper aus der Dachlandschaft ragt und auch hier den Blick auf sich zieht.
      Schliesslich bleibt da noch der Kunst- und Kulturhistorische Aspekt. Selbst wenn die überragenden Kunstwerke der Paulinerkirche, die Renaussanceepitaphien, die Skulpturen, die Kanzel und andere Einrichtungsstücke in der Aula einen würdigen Platz finden, so werden sie dort doch nur zu Ausstellungsstücken degradiert, die ihrer natürlichen Umgebung entrissen und ihrer ursprünglichen Bedeutung beraubt ein geduldetes aber sinnloses Schattendasein führen. Nur in der wiedererstandenen Paulinerkirche würden diese kulturhiostorisch bedeutsamen Kunstwerke eine wirklich würdige Bleibe finden, denn nur dort bilden sie mit dem Raum, den sie füllen und dem Gebäude, das sie beherbergt, eine funktionale und harmonische Einheit und nur dort kommen sie sowohl ihren kust- und kulturhistorischen wert und ihre Bedeutung betreffend wirklich zu der Geltung, die ihnen zukommt.
      Zudem würde die Kirche, anders als die Aula, ihrer städtebaulichen Funktion als Teil der gewachsenen Stadt erfüllen, indem sie einen wichtigen Punkt und bereich im Organismus Altstadt markiert. Die aula könnte dieser funktion nur sehr eingeschränkt nachkommen, denn sie ist kaum auf den ersten Blick als das zu erkennen, was sie im Städtebaulichen Kontext darstellen soll. Die kunst- und architekturhistorische Bedeutung der Kirche als bedeutende mitteldeutsche Hallenkirche mit markantem Ostgiebel, kunstvoller Maßwerkausstattung und wohlproportionierter Raumaufteilung, mit Gewölben und Maßwerkfenstern und dem kunstgeschichtlich einmaligen östlichen Rosettenfenster wird die Aula jedenfalls niemals erreichen.
      Ja auch die aula stellt ein Kunstwerk dar, eine Synthese aus moderner Bauweise und Gestalt und leise zitierten gotischen Elementen. Sie ist ein geschlossener künstlerischer Entwurf, der durchaus seinen Wert hat. Das will ich hier auf gar keinen Fall in Abrede stellen. Trotzdem ist sie verglichen mit der Paulinerkirche bei fast jeder Betrachtungsweise die zweite Wahl. Zudem wird ihr wegen der fehlenden Konsequenz, sich entweder ganz zur Moderne oder ganz zur Gotik zu bekennen, immer der Ruf anhaften, nur ein Kompromiß zu sein, obwohl gerade diese Synthese den Wert des Entwurfs ausmacht.
      Zuguterletzt möchte ich auch auf die identitätsbildende Funktion des Gebäudes zu sprechen kommen. Die Universität Leipzig ist eine alte und traditionsreiche Universität, eine der ältesten im deutschsprachigen Raum. Sie wurde zu einer Zeit gegründet, als die kirche nun einem die Maßgebende Institution in Europa war. Das gebäude Paulinerkirche, das von Anfang an zur Universität gehörte, hat sich dabei deutlich in das Bewußtsein der Universität eingeprägt und stellte zu jeder Zeit einen Teil der Tradition der Universität dar. Die gesamte Tradition ist auf dieses Gefüge ausgerichtet sie bricht mit dem Wegfall eines signifikanten Teils ihrer selbst unweigerlich zusammen. Um die Identität der Universität aus der Masse der heutigen Gesellschaft herauszuheben ist es notwendig, sich nicht nur fachlich sondern auch traditionell zu profilieren. Mit dem Versuch, krampfhaft ein modernes Image zu schaffen, tritt die Universität jedoch in den Kries der farb- und gesichtslosen modernen "Bildungssupermärkte" und verleugnet den Geist der Universitas und ihre eigene Identität. Die Paulinerkirche ist in der Lage, genau die Säule der akademischen Tradition und Identität Leipzigs darzustellen, die das Bewusstsein der Studenten, Mitarbeiter und Professoren für die Identität der Universität als Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden, als Verbindung von Forschung und Lehre und als Hort der Wissenschaft und akademischen Freiheit trägt. Ob eine moderne Aula dieser Funktion nachkommen kann, kann ich nicht sagen. Ich fürchte aber, wenn sie es nicht kann, wird der dadurch entstehende idelle Schaden nicht absehbar sein.

      Ich denke, ich habe meine Gedanken zur Problematik Aula oder Kirche, die leider zu der tatsache Aula statt Kirche geworden zu sein scheint, klar dargelegt. (AY)
      "... es allen Recht zu machen, ist eine Kunst, die niemand kann..." (Goethe)
    • nun ja.
      also erstens war die paulinerkirche nicht von anfang teil der universität. erst nach einführung der reformation wurde das klostergelände der uni übertragen.
      zweitens wird die neue uni nicht gebaut, weil an der jetzigen ein marx-relief hängt, sondern weil sich die studentenzahlen nach der wende verdreifacht haben und also die uni mehr platz und eine aula braucht.
      drittens spielt bei der frage neubau oder reko der kostenfaktor keine rolle - sonst hätte man ja auch gleich eine kastenförmige billig-aula bauen können. und die wäre dann garantiert preiswerter als die kirchenreko gekommen.
      viertens: mich hat die rostocker uni-kirche noch nicht als tourist angezogen, deswegen kenne ich sie nicht. aber die logik sagt schon, dass eine stützenfreie halle variabler und somit funktionaler als eine mit säulen zugestellte ist.
      fünftens bleibt es ein geheimnis, warum ausgerechnet das höchste haus am platz (und der stadt) nicht wahrgenommen werden sollte. da darüberhinaus auch das benachbarte rektoratsgebäude höher ist als das alte albertinum, würde eine reko-kirche im heutigen städtebaulichen kontext eher mickrig erscheinen.
      sechstens ist die these, dass kirchenkunst nur in kirchen zur geltung kommen könne, sehr gewagt. da müsste man ja die sixtinische madonna aus der dresdner gemäldegalerie holen. dann schon lieber die alte kanzel im neuen gebäude.
      und siebentens hat die uni nicht nur eine tradition, sondern auch eine zukunft. und beides symbolisiert der entwurf besser, als dies eine reine aula oder eine reine kirche könnten. darum ist es gut, dass er bis zum 600jährigen uni- jubiläum verwirklicht wird.
    • Im Gegensatz zu den Klostergebäuden war die Paulinerkirche immer Teil der Universitätstradition, auch wenn sie nicht der Universität gehörte.
      Studierendenzahlen sind ja auch eine so abstrakte Größe, dass sie den Rektor und die Universitätsbehörden vollig unvorbereitet überfällt und es keine Möglichkeit zur regulierung derselben gibt... Ausserdem hat Leipzig einen enormen Leerstand an Bürofläche, z.B. im Hochhaus, dass es kein Problem darstellt, dorthin auszuweichen. Für die größeren Lehrveranstaltungen wird das neue Hauptgebäude und die Aula sowieso nicht genutzt werden, von daher ist dieses Argument in Bezug auf die Kirche völlig uninteressant.
      Die Kostenfrage stellt sehr wohl ein Kriterium dar, denn das Geld, das da verbaut wird, ist das Geld der Steuerzahler. In Zeiten, in denen Universitäten aufgrund ihrer Finanzen Lehrstühle vakant halten müssen, in denen nicht ausreichend Bücher zur Verfügung stehen und in denen nicht einmal das Beheizen der Hörsääle sichergestellt ist, sind solche Bauvorhaben fast schon als Verbrechen zu (dis)qualifizieren, zumal es ja Alternativen gibt.
      Das du die Rostocker Universitätskirche nicht kennst, tut dabei nichts zur Sache, es ändert nichts an ihrer touristischen Anziehungskraft.
      Was sollen denn in einer AULA für Veranstaltungen stattfinen, bei denen die äulen im Wege währen? Erntemaschinenausstellungen? Rockkonzerte? Preisschiessen? Fussballspiele? Oktoberfest? Das soll eine aula, ein Rum, für würdige Veranstaltungen werden, keine Sport- und Mehrzweckhalle.
      Was die Kunstwerke angeht, da geht es eben nicht nur um die Wahrnehmung. Welchen Besucher der gemäldegalerie ist denn beim betrachten der Sixtinischen Madonna bewusst, dass er vor einem Hochaltar steht, der als würdiger Rahmen für die heiligen Sakramente geschaffen wurde? Ausserdem sind Epitaphien strenggenommen ja Gedentsteine, die gerade wegen der nähe zum Hochaltar und der damit verbundenen göttlichen Gnade (darüber, was diese nun tatsächlich bedeutet, lässt sich streiten) dort aufgestellt wurden. in einem komplett profanen Gebäude haben sie eher den charakter von Trophäen, der dem andenken der dargestellten Persönlichkeiten in keinster Weise gerecht wird. Die Aufstellung der Kanzel, die Ort des Geistlichen bei der Predigt und der Ausrufung des heiligen Geistes ist. in einem profanen Gebäude, womöglich noch als Rednerpult für politische Veranstaltungen, ist eine Beleidigung der Kanzel als liturgisches Gerät und des christlichen Glaubens.
      Friedrich Engels hat mal gesagt: "wer seine Vergangenheit verleugnet hat keine Zukunft". Die Universität hat in der Tat nur dann eine Zukunft, wenn sie sich profiliert. und das kann sie im Zuge der unsinnigen deutschen Bildungspolitik derzeit nur durch ihre Tradition. Tritt sie diese mit Füßen oder versucht sie krampfhaft modern zu sein, dann werden ihr die studierenden über kurz oder lang wegbleiben. Das selbe droht, wenn aufgrund der Kosten der aula (und der anderen Prestigebauten) kein Geld mehr für Bücher und Lehrkräfte da ist. Aber weiter als bis zum Universitätsjubiläum scheint man in Leipzig nicht zu denken. Oder vielleicht doch, und man hat die Säulen aus dem Entwurf entfernt, um die Aula, wenn sie nach dem Jubiläunm ihre Schuldigkeit getan hat, als Sport- und Mehrzweckhalle verkaufen zu können...
      "... es allen Recht zu machen, ist eine Kunst, die niemand kann..." (Goethe)
    • :applaus: @ Mephistino & rakete:

      Das ist mal eine sachliche und vernüftige Argumentation wie man sie oft findet.
      Ich selber kenne mich mit der Situation nicht so gut aus, finde aber Mephistinos Argumente durchaus einleuchtender.

      Zu dem Argument
      und siebentens hat die uni nicht nur eine tradition, sondern auch eine zukunft. und beides symbolisiert der entwurf besser, als dies eine reine aula oder eine reine kirche könnten. darum ist es gut, dass er bis zum 600jährigen uni- jubiläum verwirklicht wird.

      kann ich nur sagen:
      Wenn man die Vergangenheit für die Zukunft nicht braucht, was machen wir dann hier? Wir heulen doch nicht vergangenen Stadtbildern nach sondern versuchen durch gegenseitige Information und Initiativenbildung diese zurück in die Gegendwart zu holen um auch in der Zukunft noch an wichtiges aus der Vergangenheit erinnert zu werden. Beides gehört für mich untrennbar zusammen. Und eine Zukunft wird die Universität auch mit Paulinerkirche haben!
      Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
      Karl Kraus (1874-1936)
    • Im DAF gibt es ein kleines Update zum Umbau der Uni-Leipzig, weshalb ich die Gelegenheit nutze und diesen Thread wiederbelebe.

      Im Wirbel um die Uni-Kirche St. Pauli schien die restliche Bebauung im Fokus der Öffentlichkeit unterzugehen. Das rächt sich jetzt bitter, denn was hier inmitten der Stadt entstehen soll, gleicht einer städtebaulichen und architektonischen Farce. Eine Uni, deren baulicher Anspruch sich in solch kreativ- und seelenloser Gebäude ergötzt, braucht sich nicht zu wundern, wenn sie national wie international nur als mittelmäßige Massenuni wahrgenommen wird. Da nützt es auch nicht, zweitälteste Uni Deutschlands zu sein.

      Beim geplanten Neubau in der Grimmaischen Straße, einer belebten innerstädtischen Fußgängerzone, fehlen mir einfach die Worte:

      Quelle: http://www.2bxl.com/\r
      www.2bxl.com/


      Auch die neue Mensa ggü. der Moritzbastei, die nächstes Jahr fertig werden soll, wird nicht
      besser aussehen. Hier stört sie aber in städtebaulicher Hinsicht weniger.

      Dieses fragwürdige Anspruchsdenken verfolgte die Uni wohl auch, als sie die altehrwürdige Juristenfakultät zwischen Rossman-Drogerie, Lidl, Maggi-Kochstudio und einem Spielcasino hineinquetschen ließ.:

      Quelle: http://www.lipsikon.de">www.lipsikon.de

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      Und hier noch einmal das geplante Hauptgebäude samt Paulineraula am Augustusplatz. Das Ganze sieht aus wie aus den tiefsten Achtzigern. Derweil war das noch der beste Entwurf, der zugelassen wurde...und nur durch Intervenieren des Paulinervereins gewann. Ansonsten hätten wir 'ne Merz-Kiste erhalten. Oder war es Behet & Bonzio? Egal!
    • Grimmaische Straße

      Da ich gestern erstmals diesen derzeit vorgesehenen Neubau zu Gesicht bekam, möchte ich nochmals einblenden, was für den damaligen Wettbewerb geklittert bzw. den Architekten vorsätzlich vorenthalten wurde.

      Der Bundesrechnungshof ist zwar darüber unterrichtet, daß hier ohne seriöse Planungsgrundlagen Steuergelder vergeudet werden, aber das reicht vermutlich noch nicht...

      Übrigens hatte bereits vor über 40 Jahren niemand geringeres als der damalige Dr. Nadler vor einer Blockbebauung auf der Grimmaischen Straße gewarnt.


      Also zur Grimmschen:

      Dies betrifft zuerst das Fürstenhaus an der Ecke zur Universitätsstraße.
      Das im Jahre 1558 auf älteren Grundmauern erbaute Fürstenhaus an der Grimmaischen Straße ging bereits im Jahre 1648 in den Besitz der Universität Leipzig über. Als markantes Wahrzeichen mit zwei in Rochlitzer Stein hergestellten Erkern.

      um 1890


      Hier die Ansicht um 1730



      Nach Abbruch des Grimmaischen Stadttores in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts kam Mitte des 19. Jahrhunderts noch das Mauricianum daneben,
      was allerdings nicht unbedingt ein städtebauliches Glanzlicht war.



      Und natürlich vor das Café Francois, später zum Café Felsche umbenannt um 1840

      um 1925

      um 1910


      Dies also nur als kleine Reprise. Weiteres auf u.a.
      paulinerkirche.org
    • Wenn die Pläne wirklich so umgesetzt werden sollen, wie es nun angedacht wurde, dann wird das sicherlich kein großer Wurf werden.

      Die beste Lösung fände ich sowieso die vollständige Reko der alten Universitätskirche. Die würde nämlich wieder für sehr lange Zeit dort stehen bleiben. Die neuen Gebäude werden in einigen Jahrzehnten wieder zur Disposition stehen, da sie ganz sicher, wenn es einmal los geht, relativ schnell und billig gebaut werden (ich sehe das auch bei den meisten Wiener Hochchuleinrichtungen nach 1945 - eine Sanierung kommt teurer als Abriss und Neubau). Wenn der Entwurf für die Aula genauso umgesetzt wird wie es auf den Abbildungen zu erahnen ist, dann sehe ich schon jetzt die potentiellen Bauschäden im Bereich der Daches - die Ichsen und die Traufe! Das Gebäude wird dann quasi durch sich selbst mit der Zeit abgetragen... :gg: Eine wahnsinnige Geldverschwendung! Das muß man an dieser Stelle bitte aufzeigen! Wer billig kauft, kauft bekanntlich doppelt!
      „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)








    • Das Egeraatsche Konglomerat wäre ja nicht einmal billig.
      Der feine Unterschied:
      van Egeraat - etwa mindestens 50 Mio Euro mit Steuergeldern
      Originalgetreuer Wiederaufbau Paulinerkirche - etwa 25 Mio Euro mit Spendengeldern
      (kann etwas mehr werden, je nachdem wie die Bergung der Bauteile aus der Etzoldschen Sandgrube ausfällt - falls Aushubreste auf die Deponie nach Gröbern müssen. Ansonsten ist ja die Universitätskirche St. Pauli nicht so voluminös, weshalb auch der Kostenansatz so niedrig scheint.)