USA - Neoklassische Architektur

  • Das stimmt. Oft werden wenig interessante Bauten in den USA auch durch tolle neuklassische ersetzt. Manchmal müssen aber auch die falschen dran glauben. Etwas besorgniserregend ist z.B. der Trend in Chicago, originale historische Townhouses durch neuklassische zu ersetzen. Die sind oft gut, aber es fühlt sich doch falsch an.



    Wenig Anlass zur Sorge gibt erfreulicherweise die Bautätigkeit an den guten US-Universitäten!


    Klassischer Neubau am Harvard-Campus (Massachusetts, Vorort von Boston), genannt Robert M. Beren Hall (Ergänzung zum Winthrop House).


    So sah der erste Entwurf aus, völlig unpassend zum Ensemble und austauschbar:



    Doch dann kam zum Glück nach Protesten von Studenten und Professoren(!) dieser Bau:



    In Deutschland wärs wohl genau andersrum gelaufen...





    Bilder von Harvard University, dürfen bei Quellenangabe verwendet werden: https://news.harvard.edu/gazet…y/2017/09/winthrop-house/


    http://www.skyscrapercity.com/…ad.php?t=1022349&page=482

  • Ein schöner (engl.) Bericht und zwei herrliche Bilder vom beeindruckenden Neubau-Campus der Yale-Universität, den Robert A.M. Stern gestaltet hat - einfach Wahnsinn, solch neogotische Herrlichkeit bei einem Uni-Neubau, davon können wir in Europa derzeit nur träumen:


    http://commonedge.org/contrary…a-triumph-of-placemaking/


    Sogar mit Glockenturm:



    Bell Tower of Pauli Murray College, Yale University, New Haven, CT (image) by Graham Hart, auf Flickr

  • Neubau-Campus der Yale-Universität, den Robert A.M. Stern gestaltet hat - einfach Wahnsinn, solch neogotische Herrlichkeit bei einem Uni-Neubau, davon können wir in Europa derzeit nur träumen:

    Das vergleiche man nun mal mit dem Neubau der Fakultät Architektur (ausgerechnet!) an der OTH Regensburg Architekturbüro Henning Larsen präsentiert geplanten Neubau der Fakultät Architektur dort werden die armen Studenten zukünftig in einem Rohbau studieren, wobei sie noch Glück haben, es werden immerhin noch Fenster eingebaut... "universitäre" Notdurftarchitektur reinster Sorte, innen wie außen. Zum Fremdschämen.


    Da erscheint der Neubau in Yale tatsächlich wie ein Traum. Hier hingegen würde man sich schon erhoffen, wenn wenigstens ein menschenfreundlicherer Mindeststandard eingehalten würde. Nun will ich nicht direkt ein College einer amerikanischen Privatuni mit einer deutschen Fachhochschule in einer kleinen Stadt vergleichen. Man könnte allerdings sehr wohl klassisch bauen und wäre womöglich sogar dabei noch günstiger als im modernistischen bauen.


    Hier noch einige weitere Bilder der Colleges, auch Innenaufnahmen: https://www.traditionalbuildin…-awards/new-colleges-yale

  • Ich meine gelesen zu haben das die einflussreichen Studenten dieser Elite Uni sich erfolgreich gegen einen modernen Entwurf gewehrt hatten. Da dieser dem Image der Uni nicht gerecht werden würde und keine zeitlose Eleganz ausstrahlen würde. Aber vielleicht verwechsel ich auch die Uni.


    Hier noch ein Update, des von mir erwähnten Fritzroy Neubaus mit einer Terracotta Fassade in New York:




    Quelle und noch mehr Bilder im Skyscrapercity Forum

  • Wunderschön ist der Uni-Zubau geworden! In den USA studieren eben nicht nur die besten Hirne und lehren die hellsten Köpfe, dort schafft man sich natürlich auch Orte, an denen Studieren leichter fällt - Wissenschaftlich erwiesen: In einer Atmosphäre, in der man sich wohl fühlt, kann man Hochleistungen erreichen!


    ...tja und der Vergleich macht einen dann leider auch sicher: Die ab 1968 zu reinen Graduierungsfabriken verkommenen deutschen Universitäten...(wenn man bedenkt, dass die deutschen Universitäten einstmals zur Weltspitze und wissenschaftlichen Topelite gehörten (30 Prozent aller wissenschaftlichen Publikationen waren auf Deutsch - sic!) und heute...auf dem Niveau türkischer Hochschulen. Alle Achtung, was für eine Schmach! Vielleicht nur eine Erklärung, dass das ehemalige Land der Dichter und „Denker“ nicht einmal mehr einen größeren Flughafen oder mehrgleisige Bahnhöfe auf die Reihe bekommen...


    Der Wiederaufbau der Leipziger Universitätskirche als auch des Uni-Neubaus daneben, wäre in den USA aus oben genannten Gründen sicherlich als Rekonstruktion umgesetzt worden. Das erklärt nun auch hier den Widerspruch für D, wo vor allem die deutschen Professoren (sic!) vehement für einen modernen Neubau waren, also diametral zu ihren „Kollegen“ in den USA, die sich bekanntlich für den traditionellen Bau entschieden haben. Da die deutschen Professoren jedoch leider selbst ideologische 1968er-Opfer sind, brauchen wir uns über das Ergebnis und den (internationalen) Stellenwert dieser Institutionen nicht mehr weiter zu wundern. Man muss daher als Pragmatiker demnach auf eine weitere und bereits längst überfällige, diesmal „gesellschaftliche Rekonstruktion“ warten ;-).

    „Dekoration ist der wichtigste Teil der Architektur“ (Sir William Scott)

    Edited once, last by Exilwiener ().

  • Der Hochschulbau in den USA hat eine eigentümliche Sonderrolle. Dort wird nach meinem Empfinden am stärksten traditionell gebaut, im Vergleich aller Baufunktionen (vllt. mit Ausnahme der kleinen Einfamilienhäuser und Kirchen). Das gilt für private wie staatliche Hochschulen, reiche und eher bescheiden ausgestattete. So ganz erklären kann ich mir das auch noch nicht. Dabei kommen wohl verschiedene Faktoren zusammen, es liegt ein Stück weit sicher am öffentlichen Image der Colleges und Unis: sie gelten als traditioneller Hort des Wissens, die Öffentlichkeit hat das Bild eines klassisch gestalteten Campuskollegs im Kopf, fast wie ein Kloster aufgebaut. Dementsprechend wird dann auch gebaut, um diesem Bild gerecht zu werden.


    Ausnahmen davon gibt es immer mal wieder, vor allem in den Metropolen. In den 60ern/70ern wurde fast ausschließlich modernistisch gebaut an den Unis, davor und danach fast ausschließlich klassisch/historisierend.



    Quote from SirMoc

    Ich meine gelesen zu haben das die einflussreichen Studenten dieser Elite Uni sich erfolgreich gegen einen modernen Entwurf gewehrt hatten.

    Vielleicht erinnertest du dich an das Beispiel der Harvard-Uni von Beitrag #21 weiter oben auf dieser Seite?! ;)

  • Auf dieser Seite werden schöne, klassische Neubauten zum Kauf angeboten:
    https://www.environsdevelopment.com/available-homes


    Im Portfolio wird die ganze Spannbreite aufgezeigt:
    https://www.environsdevelopment.com/portfolio


    Auf Google Maps aus 2018 sind die Baustellen zu sehen:
    https://www.google.com/maps/@4…1tLUhA!2e0!7i16384!8i8192


    Was ich in ihrer Eigenart interessant finde, sind die schmalen Lücken zwischen den Häusern, partiell mit Fenstern.

  • Die Amerikaner sind uns in sachen klassischer Gestaltung weit voraus. Es gibt sehr viele solcher Büros wie das von dir zitierte. Dort wird die Postmoderne bzw. Bauhaus als ein Stil von vielen gesehen aus dem man sich bedienen kann. Bei uns gelten klassische Baustile als rückwärtsgewandt und z.T. anti demokratisch aus der bösen alten Zeit (Idiologie). Das ändert sich gerade sehr sehr langsam.

  • Die Villanova University hat dieses Jahr ein neues Studentenwohnheim im typischen historischen Stil Pennsylvanias errichten lassen. Jeder Neubau in dieser Gegend (Main Line) hat eine solche historisierende Fassade. Der Stil richtet sich danach, was der Kunde will, und was eben dauerhaft gut aussieht. Das Harcum College hat moderne Bauten gleich nebenan, und die sehen 30 Jahre nach Errichtung bereits altmodisch aus. Klassische Architektur erhoeht den Vermarktungswert und den Zeitwert, und das ist der wesentliche Grund fuer einen eher traditionellen Baustil.

  • Ein weiteres Beispiel für klassiche Details: der Kamin. Der wird bei Neubauten gerne "verdreht" gemauert. Hier ein Beispiel wieder aus Philadelphia/Main Line

  • In D. wird leider viel zu wenig Altbaustill gebaut. In Dresden und Berlin sind dazu viele Chancen, aber bis heute nichts besonders schön gebaut....... so entsteht wieder kein harmonisches Gesammtkonzept in D,

  • Die letzte Aufnahme zeigt eine vollkommene Anlagegestaltung; nicht nur der historisierende Stil macht es aus. Das Schwimmbassin, der mit einem Quergiebel überdachte Cheminéeplatz, das Cheminée selber und die markante Kamine liegen alle auf einer Symmetrieachse, assymmetrisch dazu der Liegeplatz, der einspringende Gartenzugang (ohne Bezug zum Häuschen und einer Schwimmbadkante), der Hauptbaukörper selber bis hin zur Aussichtsterrasse als Abschluss des Cheminéeplatzes. Das Ganze liegt an einem Hang und könnte irgendwo in einem Wald oder baumbestandenen Wohnviertel stehen.


    Man müsste jetzt einen Versuch starten, indem verschiedene Architekten beauftragt würden, diese Anlage (nur!) auf Grund des Konzeptes nach ihrem Geschmack auszugestalten. Der eine würde mit filigranem Metallbau einen Vorschlag unterbreiten, der andere mit Betonquader, ein anderer im Bauhausstil, ein anderer mit Holz, weitere in Barock und Klassizismus. Jedenfalls wäre es ein interessantes Experiment, um herausfinden zu können, ob mit allen Stilformen eine menschengerechte Architektur 'herbeigezaubert' werden könnte.