Die preußischen Throne

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    • Die preußischen Throne

      Verbleib der preußischen Thronsessel

      Im Berliner Stadtschloß gab es – neben anderen für Thronzwecke genutzten Stühlen – drei elaborierte Thronsessel aus der Zeit König Friedrichs I., die man wohl als die hochoffiziellen ‚Staats-Throne’ bezeichnen kann und die bis zum Ende der Monarchie ihre zweckgemäße Verwendung fanden. Nach 1918 folgten sie S.M. nicht nach Doorn, sondern verblieben im Schloß und wurden als Exponate Bestandteil des in die Paradekammern eingezogenen Kunstgewerbemuseums. Während der Thron, welcher schon vor der Revolution durchgehend in der - als Kapitelsaal des Schwarzen Adlerordens genutzten - alten Kapelle gestanden hatte dort verblieb, fand das ‚mobilere’ Thronpaar welches unter Wilhelm II. sowohl im Ritter- als auch im Weißen Saal Verwendung gefunden hatte,seine Aufstellung in der Roten Samtkammer. Dort stand auch die Thronbank, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Schloß Köpenick zu sehen war und noch heute zu den Beständen des Berliner Kunstgewerbemuseums gehört. Die drei Thronsessel jedoch scheinen wie vom Erdboden verschwunden zu sein. Sind sie vielleicht während des Krieges verbrannt ? Wenn hier jemand etwas Genaueres weiß (z.B. auch Literaturhinweise), würde ich mich freuen, wenn er das mitteilen könnte. Ich halte dieses Thema im hiesigen Forum nicht für allzu abseitig, denn wenn man eines Tages die Rekonstruktion der wichtigsten Innenräume im zweiten Obergeschoß des Schlosses in Angriff nehmen sollte, müssten auch die Thronsessel ‚wieder her’ – zumindest als Rekonstruktionen…

      Abbildung 01:
      König Friedrich I. (mit der Schärpe des englischen Hosenbandordens) auf ‚Staats-Thron Nr.1’


      Abbildung 02:
      Staats-Thron Nr. 1 im Kapitelsaal vor 1918


      Abbildung 03:
      Staats-Thron Nr. 1 im Kapitelsaal nach 1918 im Schloß-Museum


      Abbildung 04:
      Thronpaar im Rittersaal


      Abbildung 05:
      Thron im Weißen Saal (unter älterem Baldachin)


      Abbildung 06:
      Thronpaar im Weißen Saal (unter älterem Baldachin)


      Abbildung 07:
      Thronpaar im Weißen Saal – neuer Thronbaldachin im Detail (mit königlich preußischer Bespannung; es gab auch eine kaiserlich deutsche)


      Abbildung 08:
      Defilee im Weißen Saal vor S.M. und I.M. anläßlich des Neujahrsempfanges am 1. Januar 1901. Gemälde von William Pape.


      Abbildung 09:
      S.M und I.M. auf dem Thronpaar sitzend, umgeben von der kaiserlichen Familie


      Abbildung 10:
      Rote Samtkammer in der Nutzung durch das Kunstgewerbemuseum. Das Thronpaar ist rot eingekreist; die Thronbank die während der Nachkriegszeit im Schloß Köpenick stand ist blau umrandet.


      Abbildung 11:
      Die Thronbank 'aus Köpenick'

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    • Lieber Spreetunnel,

      vielen Dank für das Bild. Der Sessel sieht mir aber irgendwie eher 'kurfürstlich' aus... ;)

      Aber im ernst: Die vogelkofpartigen Endungen der Armlehnen finden sich nicht beim genannten Thronpaar, sodaß es sich bei diesem Sessel nicht um einen - durch Kriegseinwirkungen - fragmentierten und notdürftig wiederhergerichteten Rest eines Throns aus dem Schloß handeln kann. Auch Staatsthron Nr. 1 hat andere - nämlich volutenartige - Enden an seinen Armlehnen.

      P.S.: Wie steht mein Bremer Landsmann, Prinz Georg Friedrich, denn da ?? (Offenes Jackett, Hände in den Hosentaschen.....) Er ist wohl ganz in den Anblick versunken ?! ?(
      Na ja, kann ja mal vorkommen floet:)

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    • Kennst du das Buch von Guido Hinterkeuser:
      Das Berliner Schloss: Die erhaltende Innenausstattung: Gemälde, Skulpturen, dekorative Kunst

      weltbild.de/artikel/buch/das-berliner-schloss_16172995-1

      Vielleicht stehen dort Informationen zu den Thronsesseln drin. Evtl. wäre es auch nützlich sich direkt an den Autor zu wenden. Ich denke wenige Menschen haben eine derartige Expertise zum historischen Stadtschloss wie Dr. Hinterkeuser.
      Die Moderne verleugnet ihre Herkunft, weil sie fürchtet, die Auseinandersetzung mit ihr könnte sie überfordern - oder ihr gar ihre eigene Banalität vor Augen führen. — Dr. Melanie Möller
    • Einstige und zukünftige Thronstandorte

      Lieber Kurprinz vielen Dank für die aktuelle ‚Verortung’ der Thronbank und lieber Thommystyle vielen Dank für den wertvollen Literaturhinweis ! Das Buch ist schon bestellt.

      Ich denke es wäre ein erster Schritt, wenn die Thronbank von Charlottenburg bis 2019 in das geplante ‚Museum des Ortes’ im Humboldtforum umziehen könnte, denn immerhin waren es ja diese Thronmöbel, die das Berliner Schloß über alle anderen Residenzen und Schlösser im Lande hinaushoben (natürlich mit Ausnahme des Königsberger Schlosses) und es als DEN Hauptsitz der Preußischen Hohenzollern und Herz des Staates auswiesen. Denn es gab – meines Wissens – weder in den übrigen Berliner noch in den Potsdamer Schlössern einen Thronsaal mit zugehörigem Möbel ( der friderizianische Thronsaal im Breslauer Stadtschloß war ja wohl eine historische Ausnahme).
      Auf mittlere Sicht könnte man sich ein Thronarrangement am historischen Standort innerhalb der Raumkubatur vorstellen, die im Humboldtforum den Platz des Weißen Saales einnimmt. Dies wäre dann – solange der Raum museal genutzt wird – eine Art ‚ortshistorische Enklave’ innerhalb der dort ausgestellten ethnographischen Sammlungen. Die Standorte Rittersaal und Alte Kapelle hingegen eignen sich dafür weniger, da sie zum Teil ja Durchlässe zwischen den Räumen blockieren würden.
      Auf lange Sicht wäre es jedoch natürlich wünschenswert, im Zuge der Rückgewinnung der Paradekammern auch diese beiden Thronstandorte wiederherzustellen. Eine Aufgabe für unsere Enkel…???

      Abbildung 01:
      Einstige Thronstandorte im 2. Obergeschoß des Stadtschlosses (rot gekennzeichnet).


      Abbildung 02:
      Mögliche Thronstandorte im 2. Obergeschoß des Humboldtforums (rot gekennzeichnet).


      Abbildung 03:
      Möglicher Standort der ‚ortshistorischen Enklave’. Der rote Pfeil deutet auf die historisch exakte Stelle zwischen den Fenstern.

    • Warum nicht auch in Berlin ?

      Was in München und - jüngst - in Braunschweig möglich war, sollte doch auch eines Tages in Berlin realisierbar sein. Und die Spreemetropole hätte dabei sogar die Chance, dies am exakt authentischen Ort zu tun, während man an Isar und Oker während des Rekonstruktionsprozesses des jeweiligen Schlosses die Thronsäle ja an anderen Stellen des Gebäudes einrichtete. Aber dies zeigt doch nur: Eine Hauptresidenz ohne Thronsaal ist - auch und gerade für das Besucherpublikum - nicht denkbar. Ein solcher wird einfach 'nachgefragt'...

      Abbildung 01:
      Der kürzlich rekonstruierte Thronsaal im Braunschweiger Stadtschloß.


      Abbildung 02:
      Der im Zuge des Wiederaufbaus entstandene Thronsaal des bayerischen Königs in der Münchener Residenz.


      Abbildung 03:
      Farbdia des Thronbaldachins im Schlüter'schen Rittersaal.
    • Hat einer von den Berlinern hier im Forum eventuell Innenansichten vom Rohbau, auf denen die heutigen 'Nachfolgeräume' von Weißem-, Kapitel- und Rittersaal zu sehen sind ? Ideal wären natürlich Perspektiven, die den bekannten Vorkriegsaufnahmen ähneln, so daß man dann per Photomontage eine 'Möblierung' vornehmen könnte...
      Also, wenn solche Photos existieren, wäre ich sehr dankbar, wenn man sie hier für den genannten Zweck zur Verfügung stellen könnte ! Hier schon mal vielen herzlichen Dank im Voraus !!!

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    • Diese Frage hat ja wirklich noch niemand gestellt. Genau, der Thron, der ein Schloß erst ein Schloß werden läßt. Hier in Dresden soll ein solches Möbel ja auch (irgendwann) in den rekonstruierten Thronsaal vom Residenzschloß einziehen.
      In der Architektur muß sich ausdrücken, was eine Stadt zu sagen hat.
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten

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    • Vergesst es!
      Bei der Führung habe ich diverse Innenaufnahmen gemacht, aber man müsste schon vorher von außen die Fenster bestimmen, wo sich z. B. der Tronsaal befand und dann innen nachzählen, aber die Führung geht ja nur durch Teile des 1. Stocks und da ist es schwierig genau diesen Abschnitt zu orten, wo dieser oder jener Raum mal war. Es sei dann man hätte eine Exklusivführung gebucht und würde gezielt diese Perspektiven suchen.

      Den Weißen Saal wird es nie wieder geben, denn die gesamte Ecke ist heute total anders. Die anderen Räume könnte man vielleicht einigermaßen rekonstruieren, wenn man die Stützen, die überall in den Räumen stehen weg bekäme. Aber das hatten wir schon alles in früheren Diskussionen.
    • Der Thron des Königs von Preußen

      Um ganz sicher zu gehen, daß die ‚Staatsthrone’ ausschließlich im Berliner Schloß zu finden waren, habe ich mir einmal die Bestuhlung des Thronsaals im Königsberger Schloß näher angesehen und konnte feststellen, daß die dort unter dem Baldachin stehenden Sessel in keiner Weise mit den aufwendigen Thronen im Berliner Schloß mithalten konnten.

      Welcher der drei genannten Thronsessel im Berliner Schloß war nun aber der eigentliche Thron des Königs von Preußen ? Der von mir als ‚Staatsthron Nr. 1’ bezeichnete, imposante Sessel der im Kapitelsaal stand war leider lediglich eine Nachbildung des Throns des ersten Königs, welche erst in der wilhelminischen Epoche angefertigt wurde (wann das Original verloren ging ist mir bisher nicht bekannt). Ihm fehlt somit die historische Dauer. Demgegenüber stammte das Thronpaar tatsächlich noch aus der Zeit Friedrichs I. und wurde somit während der zweihundertsiebzehnjährigen Existenz des Königreichs kontinuierlich genutzt. Der Thornsessel für den König taucht demzufolge auf vielen offiziellen ganzfigurigen Porträts der preußischen Herrscher auf, so z.B. auf denen von König Friedrich Wilhelm IV., Kaiser Wilhelm I. und Kaiser Wilhelm II. Somit handelt es sich bei diesem konkreten Möbel ganz eindeutig um d e n ‚Thron Preußens’, dem – neben Krone und Zepter – wichtigsten Symbol der Monarchie, besungen in der Kaiserhymne und bekannt aus dem Schlagwort vom ‚Bündnis von Thron und Altar’.

      Da ja das ins Humboldtforum einziehende Ostasiatische Museum einen eindrucksvollen chinesischen Kaiserthron unter seinen Hauptexponaten aufzuweisen hat, ist es um so wünschenswerter, daß auch der Thron der preußischen Könige – und sei es als Nachbildung – in das Stadtschloß zurückkehrt – idealerweise zusammen mit den verbliebenen Stücken des Kronschatzes, die momentan im Schloß Charlottenburg zu sehen sind. Denjenigen, die dies ablehnen, kann man ja vorschlagen, daß sie dafür sorgen, daß in der Halle der höchsten Harmonie in der Verbotenen Stadt anstelle des goldenen Throns der chinesischen Himmelssöhne der Thron des Königs von Preußen aufgestellt wird. Suum cuique …

      Abbildung 01:
      Ansicht des Thronsaals im Königsberger Schloß.


      Abbildung 02:
      Grundriß des Schlüterbaus des Königsberger Schlosses. Der Thronsaal ist rot hervorgehoben.


      Abbildung 03:
      Vergleich des Baldachins im Köngisberger Thronsaal (rechts) mit dem älteren Baldachin im Berliner Rittersaal (links).


      Abbildung 04:
      Ansicht des Rittersaals im Jahre 1844, gemalt von Eduard Gärtner. Der Köngsthron aus dem Thronpaar ist deutlich zu erkennen.


      Abbildung 05:
      Staatsporträts (von links nach rechts) von König Friedrich Wilhelm IV., Kaiser Wilhelm I. und Kaiser Wilhelm II. (letzteres aus dem Stadtmuseum in Köln am Rhein). Auf allen ist der Köngisthron durch die markante Bekrönung seiner Rückenlehne eindeutig zu identifizieren.


      Abbildung 06:
      Details der malerischen Darstellung des Throns.


      Abbildung 07:
      Chinesischer Kaiserthron – momentan noch in Dahlem.

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    • Thronstandort Weißer Saal

      Man sollte die Zukunft des Thronstandorts ‚Weißer Saal’ nicht so pessimistisch sehen. Denn die Raumhöhe des 2. Obergeschosses dürfte selbst ohne das darüberliegende, durch eine Zwischendecke abgetrennte Mezzaningeschoß für die Installation des kompletten Ensembles aus Treppen, Sessel und Baldachin ausreichend sein. Dies würde zwar etwas gestaucht aussehen, wäre aber ein Anreiz für die Zukunft, die Zwischendecke eines Tages wieder zu entfernen. Im Übrigen ist hier die Raumaufteilung nicht mit der im darunterliegenden 1. Obergeschoß vergleichbar, die an dieser Stelle tatsächlich sehr kleinteilig ist: Der neue Museumsraum hat nämlich eine größere Grundfläche, als sie der Weiße Saal je hatte. Für des Letzteren Rückgewinnung müssten somit keine Zwischenwände abgebrochen, sondern vielmehr neu eingezogen werden. Die Situation ist insofern derjenigen im Moskauer Großen Kreml-Palast ganz ähnlich, wo man bei der Rekonstruktion des Alexander- und Andreassaales in den 1990er Jahren die 1934 bei der Schaffung des – diese beiden Säle zusammenfassenden - Sitzungssaales des Obersten Sowjets eingerissene Trennmauer wieder herstellte. Und dabei ließ man es sich im Russland Boris Jelzins nicht nehmen, auch die angestammte Thronanlage im Andreassaal komplett zu rekonstruieren (sie befindet sich genau an der Stelle, wo zu Zeiten der kommunistischen Diktatur die überdimensionale Lenin-Statue in ihrer Konche stand). Sollten die Verantwortlichen im Bund und Land daher eines Tages zu der – überfälligen – Einsicht gelangen, daß unsere Hauptstadt, welche im Vergleich zu allen anderen europäischen Metropolen keine großen repräsentativen staatlichen Versammlungsorte mit historischem Ambiente besitzt, nicht länger auf ihren imposantesten und größten Prunksaal verzichten kann, so wird zu hoffen sein, daß man dann genau so gelassen wie die Russen handelt und die kaiserlich-königliche Thronanlage – sofern diese noch nicht rekonstruiert sein sollte – spätestens dann wiederherstellt…

      Abbildung 01:
      Überlagerung der Grundrisse der 2. Obergeschosse von Stadtschloß (rot) und Humboldtforum (grau). Man erkennt deutlich, daß die Grundfläche des Weißen Saales – mit Ausnahme der ärgerlichen ‚Stützsäulchen’ unverbaut ist.


      Abbildung 02:
      Ansicht des 1934 geschaffenen Sitzungssaales des Obersten Sowjet im Moskauer Großer Kremlpalast.


      Abbildung 03:
      Ansicht des in den 1990er Jahren anstelle der östlichen Hälfte des Sitzungssaales rekonstruierten Alexandersaales. Durch die geöffnete Westtür hat man einen Durchblick in den Andreassaal und kann auch schon die Thronanalge erkennen.


      Abbildung 04:
      Ansicht des in den 1990er Jahren anstelle der westlichen Hälfte des Sitzungssales wiedererrichteten Andreassaales.


      Abbildung 05:
      Thronwand im Andreassaal.


      Abbildung 06:
      Die Thronanlage im Detail.

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    • Der Thron als Zeuge bedeutender historischer Ereignisse

      Der Thronsessel der preußischen Könige wird, nachdem er seit dem Ableben Friedrichs I. offenbar ein Schattendasein führte (denn der Soldatenkönig, Friedrich der Große, Friedrich Wilhelm II. und III. scheinen ihn – wenn überhaupt - nur sehr selten genutzt zu haben und ließen sich auch nicht mit diesem porträtieren), erstmals wieder mit Friedrich Wilhelm IV. bildlich faßbar: Bei der Eröffnung des Vereinigten Landtages 1847 im Weißen Saal saß der König auf ihm. Ebenso benutzte er ihn beim Empfang der Kaiserdeputation des Frankfurter Paulskirchenpalaments, welcher im Rittersaal stattfand. Für das bekannte Monumentalgemälde von der ersten Reichstagseröffnung durch Kaiser Wilhelm II. im Weißen Saal fertigte Anton von Werner mehrer Vorstudien an, auf deren einer der Thron ganz eindeutig zu sehen ist. Auf dem fertigen Gemälde ist hingegen nur ein Teil der vergoldeten Bekrönung der Rückenlehne zu erkennen. Schließlich erblickt man den Thron auch sehr genau auf mehreren Illustrationen, welche die erste Kriegstagung des Reichstages im Jahre 1914 zeigen.
      Problematisch ist bei all diesen Abbildungen, daß die Rückenlehne auf einigen kerzengrade senkrecht steht und bei anderen eine deutliche Neigung nach hinten aufweist, sodaß man an zwei verschiedene Stühle denken könnte. Hier sorgen allerdings die beiden Abbildungen zum Empfang der Paulskirchendelegation im Jahre 1849 für Klarheit, da die eine eine gerade und die andere eine geneigte Lehne zeigt. Da man aber nicht annehmen kann, daß der Monarch während der Veranstaltung den Thron gewechselt hat, werden die unterschiedlichen Darstellungen der künstlerischen Freiheit geschuldet sein.

      Abbildung 01:
      Eröffnung des Vereinigten Landtags 1847 im Weißen Saal des Schlosses. Der Thron war somit Zeuge der beginnenden Demokratisierung des preußischen Staatwesens.


      Abbildung 02:
      Empfang der Frankfurter Kaiserdeputation 1849 im Rittersaal. Die Rückenlehne des Throns steht senkrecht.


      Abbildung 03:
      Empfang der Frankfurter Kaiserdeputation 1849 im Rittersaal. Die Rückenlehne des Throns ist nach hinten geneigt.


      Abbildung 04:
      Vorstudie Anton von Werners zum Bild der Reichstagseröffnung von 1888 im Weißen Saal. Die Rückenlehne des Throns ist nach hinten geneigt. Bildquelle: Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz.


      Abbildung 05:
      Ausschnitt aus dem fertigen Gemälde Anton von Werners. Grün eingekreist ist die – vom Thron allein sichtbare - obere Verzierung der Rückenlehne.


      Abbildung 06:
      Kriegstagung des Reichstags 1914 im Weißen Saal. Der Thron ist deutlich zu erkennen. Ebenso die – fälschlicherweise – senkrecht dargestellte Rückenlehne.
    • Lieber S. Hartmann,

      ich weiß nicht ob der Thron Mandu Yenu (so schön er auch sein mag) ein vollwertiger Ersatz für die preußsiche Throne darstellt dürfte ??


      Und auch die im Weißen Saal zu erwartende Kunst des Buddhismus, die Kunst und Kultur Japans sowie ein japanisches Teehaus trösten an diesem Ort nur sehr wenig über den Verlust hinweg...

      Etagenmodell 2. Obergeschoß - Im Vordergrund das Areal des Weißen Saals:


      Ein kleines Trostpflaster könnte es hingegen darstellen, wenn man an den Eingängen jedes einzelnen Museumsraums (sofern dieser sich im Areal der ehemaligen Paradekammern und der kaiserlichen Wohnung befindet) Photos - möglichst der Perspektive des Eintretenden entsprechend- und Textinformationen zu den jeweils an dieser Stelle ehemals befindlichen historischen Räumen anbringt.
      Diese könnten dann den Besuchern als Appetithappen dienen und sie motivieren, sich für die Rückkehr der Innenräume einzusetzten.... :)
    • ‚Staatsthron Nr. 1’

      Hinsichtlich des von mir als ‚Staatsthron Nr. 1’ betitelten Thronsessels König Friedrichs I. tut sich ein Problem auf, wenn man die beiden ganzfigurigen Porträts des Monarchen von Samuel Theodor Gericke aus dem Jahre 1701 und von Antoine Pesne aus der Zeit um 1712 miteinander vergleicht. Das Aussehen des Throns unterscheidet sich von Gemälde zu Gemälde nämlich nicht unerheblich. Insbesondere der Zierrat oberhalb der Rückenlehne weicht stark voneinander ab. Wenn man einmal davon ausgeht, daß beide Gemälde dasselbe Möbel darstellen, ergibt sich die Frage, welche Abbildung den historischen Tatsachen mehr gerecht wird?
      Auf Gerickes Werk bildet das einem Oval eingeschriebene und die Einzelnwappen aller damaligen brandenburg-preußischen Provinzen umfassende große preußische Staatswappen das Zentrum des unteren Teils des Zierrats oberhalb der Rückenlehne. Das Wappenschild wird eingefaßt von dem ‚Strumpfband’ des englischen Hosenbandordens auf welchem dessen Motto zu lesen ist: ‚Honni soit qui mal y pense’. Friedrich war diese Auszeichnung bereits 1690 verliehen worden, als er noch Kurfürst war. Bis zur Stiftung seines eigenen Schwarzen Adlerordens sollte der Order of the Garter sein ranghöchster Orden bleiben. Die Einfassung des eigenen Staatswappens mit dem Hosenbandorden war in Brandenburg nichts Neues, hatte doch der Große Kurfürst, dem der Orden 1654 verliehen worden war, im Jahre 1680 am Torbau der Zitadelle Spandau ein genau solches Ensemble anbringen lassen. Oberhalb des Ordensbandes sind als Schildhaupt die Wappenhelme der wichtigsten Provinzen aufgesteckt, genauso, wie man es heute noch im Wappensaal von Schloß Köpenick sehen kann, der ja nach den Maßgaben Friedrichs während seiner Kurprinzenzeit entstanden war. Das Arrangement hatte somit Vorbilder in der Realität, die es sehr wahrscheinlich machen, daß der Zierrat des Thrones tatsächlich in der von Gericke wiedergegebenen Weise aussah.
      Als das Gemälde Antoine Pesne’s entstand war Friedrich schon elf Jahre König, sein Titel war konsolidiert, er hatte seinen eigenen Orden und brauchte sich nicht mehr ‚hinter dem ‚Garter’ zu verstecken. Möglicherweise empfand er den Bezug auf den Orden eines anderen Monarchen, mit dem er ja nun schon lange ebenbütig war, mittlerweile als despektierlich und wies Pesne an, Wappen, Ordensband und schildhaltende Adler einfach wegzulassen und lediglich die große Krone beizubehalten.
      Den endgültigen Beweis dafür, daß Pesne hier seiner ‚künstlerischen Freiheit’ frönen durfte, lieferte der Künstler selber und zwar in seiner Skizze zu der Darstellung der Stiftung des Schwarzen Adlerordens am Vorabend der Krönung in Königsberg am 17. Januar 1701. Auf dieser sieht der Thron genauso aus, wie der von Gericke gemalte.
      Als Anton von Werner 1880 den Auftrag erhielt die Skizze Pesne’s als großformatiges, im Kapitelsaal des Schlosses aufzuhängendes Historiengemälde auszuführen, orientierte er sich folglich ohne zu zögern an diesem Aussehen. Dies tat im Übrigen auch der Bildschnitzer, der eine Replik des Thrones anfertigte, welche von da an als Thron des Ordensmeisters bei den Kapitelsversammlungen diente. Diese Replik war notwendig geworden, da – laut Albert Geyer - das aus Silber bestehende Original unter Friedrich dem Großen eingeschmolzen worden war.
      Bleibt noch die Frage, ob dieser Silberthron 1701 tatsächlich mit in Königsberg gewesen ist ? Diese Frage vermag ich nicht zu beantworten. Jedoch sieht der Thron den Wolgang Johann Georg auf dem einschlägigen Blatt des berühmten Stichzyklus zur Krönung abbildet, recht anders aus !
      Und schließlich noch dies: Das Buch von Hinterkeuser, welches mir Thommystyle freundlicherweise empfahl, enthält leider keine Informationen zum Schicksal der Replik von ‚Staatsthron Nr. 1’. Insofern kann weiter trefflich darüber spekuliert werden, ob diese im Schloß oder im Hohenzollernmuseum verbrannt ist…………


      Abbildung 01:
      Staatsporträts König Friedrichs I. von Samuel Theodor Gericke aus dem Jahre 1701 (links) und Antoine Pesne von ca. 1712 (rechts).



      Abbildung 02:
      Die divergierenden Rückenlehnen.


      Abbildung 03:
      Links das Wappen am Torbau der Zitadelle Spandau von 1680. Friedrich I. ließ 1701 den von den Adlern gehaltenen Kurhut durch die Königskrone ersetzten. In der Mitte der Zierrat der Rückenlehne aus dem Gericke-Gemälde. Rechts das große Wappen Brandenburg-Preußens im Wappensaal von Schloß Köpenick.



      Abbildung 04:
      Der Entwurf Antoine Pesne’s zu einem von ihm nie ausgeführten Gemälde über das Stiftung des Schwarzen Adlerordens in Königsberg am Vorabend der Krönung (17. Januar 1701).



      Abbildung 05:
      Monumentalgemälde von 1881 aus der Werkstatt Anton von Werners auf der Grundlage der Skizze Pesne’s. Es fand seinen Platz an der Nordwand des Kapitelsaales im Schloß.



      Abbildung 06:
      Vergleich des von Gericke gemalten Thrones mit der ‚Reko’ von 1881. Sinnigerweise hat man bei der Reko das Band des 'Garters' durch den Stern des Schwarzen Alderordens ersetzt.



      Abbildung 07:
      Der gänzlich anders aussehende Thron aus dem von Wolfgang Johann Georg angefertigten Stichzyklus zur Krönung.

      The post was edited 7 times, last by Pagentorn ().

    • Pagentorn wrote:

      ich weiß nicht ob der Thron Mandu Yenu (so schön er auch sein mag) ein vollwertiger Ersatz für die preußsiche Throne darstellt dürfte
      Halten die Figuren Maschinengewehre in den Händen? Sehr eigenwillige Interpretation von königlicher Macht, oder? X( ?(
      In der Architektur muß sich ausdrücken, was eine Stadt zu sagen hat.
      Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten