Ingolstadt - Allgemeines

  • Hier noch einige Aufnahmen von Ingolstadt, der alten Residenzstadt und zweitgrößten Stadt in Oberbayern.


    Ingolstadt trägt auch den Beinamen "Schanz", was auf die umfassenden "Verschanzungen" zurückzuführen ist, die während des Ausbaus zur wichtigsten bayerischen Festungsstadt entstanden. Von diesen Anlagen ist nur noch ein Bruchteil vorhanden, der in zwei große Parkanlagen eingebettet wurde (übrigens findet sich im ehemals bayerischen Germersheim am Rhein eine ganz ähnliche Festungsanlage mit ähnlichem heutigen Nutzungsprofil).


    Neben zahlreichen Backsteinkasernen gibt es in Ingolstadt auch noch eine recht vollständig erhaltene bzw. rekonstruierte Altstadt, die von einer Ringstraße umschlossen wird.


    Ein erster Blick in die Fußgängerzone...



    Und in die andere Richtung:



    Blick auf die Backsteinkirche - das gelbe Gebäude mitsamt Malerei ist übrigens ein Neubau aus den 90er Jahren.



    Ein Teil des Festungsgrabens, Blick vom Biergarten.



    Das Wahrzeichen der Stadt, das Kreuztor.



    Die ehemalige medizinische Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität, die in Ingolstadt gegründet wurde. Erst im 19. Jahrhundert dann der Umzug nach Landshut und später München. Inspirierte angeblich zum Roman "Frankenstein" :-)



    Blick auf die Stadt von einem Hügel mit Kreuzweg (ob künstlich aufgeschüttet oder nicht, weiß ich nicht... vermute aber, daß er beim Abtragen der Festungsanlagen aufgeschüttet wurde).



    Die neue Donaubrücke mit sehr interessanten freihängenden Fußgängerüberwegen, nur für Schwindelfreie ;-)



    Teil der Stadtmauer mit interessanten Kaminen.



    Nochmals die Fußgängerzone Richtung Kreuztor.



    Ein ganz gelungener Neubau für die Commerzbank - das neue Sparkassengebäude am Rathausplatz ist hingegen absolut schrecklich... habe ich auch noch nicht fotografiert.



    Das alte Rathaus - das neue Rathaus steht gleich daneben und ist ein Plattenbau auf Betonstelzen...



    Das neue Schloß mit dem Armee- und Polizeimuseum. Eigentlich aus dem 14. oder 15. Jahrhundert, in der jetzigen Form aber erst vor rund 30 Jahren fertiggestellt.




    Und noch zwei Fotos von einem ehemaligen Kloster (links) und einer weiteren Fußgängerzone.



  • Boah, vielleicht verfälscht das schöne Wetter den guten Eindruck, aber sehr schöne Aufnahmen einer anscheinend sehr schönen Stadt. Mit Ingolstadt habe ich immer nur Audi verbunden, nicht aber, dass die Stadt ein schönes Stadtzentrum haben könnte. Man sieht zwar, dass einige Gebäude Nachkriegsrekonstruktionen sind, aber die scheinen gelungen zu sein


    Und wo ist der für Westdeutschland typische Betonbrutalismus in der Ingolstädter Altstadt? Sehr schön, vor allem vermitteln mir die Plätze und Straßen auch eine sehr hohe Aufenthaltsqualität. Hier geht man bestimmt gern flanieren, ...oder wie wir Ossis sagen würden: "bummeln". :D

  • Interessant... hab immer gedacht, dass Ingolstadt eine westdeutsche Stadt wie jede andere wäre... aber bin positiv überrascht.


    Das bekannteste Exportprodukt der Stadt mag ich dagegen eher weniger.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Im großen und ganzen ist die Innenstadt von Bausünden weitestgehend verschont geblieben - es gab sogar eine Reihe von Neubauten im historisierenden Stil wie die Weinstube oder das Schanzer Weißbräuhaus.


    Auch Bücher Pustet (leider schon wieder geschlossen) mit einem gelungenen Backsteinbau und sogar Kaufhof (mit einem weiß verputzten, durchaus geschmackvollen Neubau) fügen sich gut ein.


    Ich poste mal ein Foto aus der Schülerzeitschrift des Scheiner-Gymnasiums (sollte keine Copyright-Probleme geben, Quelle steht ja auch auf dem Foto):



    Wirklich negativ fallen nur das Gymasium unten links und das Theater oben in der Mitte auf, von den Neubauten noch die neue Sparkasse gleich am ebenfalls recht mißlungenen neuen Rathaus. Für die Stadtentwicklung steht noch ein sehr großes ehemaliges Industriegelände ganz oben auf dem Bild zur Verfügung, zur Donau hin (wo jetzt das Stadttheater steht) gab es früher keine Bebauung (statt dessen Kasernenanlagen und einen zugehörigen Güterbahnhof).


    Ansonsten ein recht attraktives Stadtbild.


    P.S. ...oder wie wir Südis sagen würden: "strawanzen" :gg:

  • Gefällt mir wirklich gut. :)


    Zwei Anmerkungen:
    1. Der Neubau mit Malerei ist sehr vorbildlich. Fügt sich hervorrragend in das Umfeld ein. Muss ich mir merken, falls ich mal Beispiele für kontextsensitives Bauen brauche.
    2. Die verbaute Mauer mit diesen Kaminen erscheint mir ziemlich einzigartig. Kennt jemand so etwas von anderswo?

    Eine der vorzüglichsten Eigenschaften von Gebäuden ist historische Tiefe.
    Die Quelle aller Geschichte ist Tradition. (Schiller)
    Eine Stadt muss ihren Bürgern gefallen, nicht den Architekten.

  • Hier habe ich noch ein weiteres Beispiel für eher traditionell gestaltete und kleinteilige Architektur gefunden:



    Dabei handelt es sich um eine Reihe von Kaufhäusern in der Fußgängerzone in der Nähe des Schlosses, erbaut (soweit ich mich erinnern kann) Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre.


    Bei Gelegenheit werde ich vielleicht noch ein paar weitere Fotos machen.

  • Das Luftbild ist erstaunlich. Man hat erfolgreich den Verkehr aus der Innenstadt rausgehalten. Könnte wetten, dass in den 50/60ern der Abriss des Tores (ist es das einzig erhaltene Stadttor der Stadt) und Verbreiterung der Hauptstraße zur Debatte stand. Die Fußgängerzone wurde doch bestimmt erst in den 80ern oder 90ern angelegt?!


    Was hat es mit dem Armeemuseum auf sich? Wurde es teils zerstört und vor 30 Jahren wiederaufgebaut oder erfolgte damals nur ein Umbau?

  • Leider habe ich gerade meine Ingolstadt-Bücher nicht hier, werde aber bei Gelegenheit mal sorgfältiger nachlesen.


    Die Fußgängerzone dürfte schon aus den frühen siebziger Jahren stammen, zuvor verlief ein Großteil des Verkehrs tatsächlich durch die Innenstadt, und zwar über die Donaubrücke (oben rechts) und dann am Rathaus vorbei Richtung Norden (also auf dem Foto links mittig, zur Harderstraße, wo das oben abgebildete ehemalige Kloster steht). Daß das Kreuztor abgerissen werden sollte, kann ich mir aber nicht vorstellen, es ist ja das Wahrzeichen der Stadt :schockiert:


    Es gibt noch ein weiteres Tor neueren Datums, das von der Stadtbefestigung übrig blieb - eine Nebenstraße führt hindurch.


    Das Armeemuseum war ursprünglich in München und wurde im zweiten Weltkrieg mit Ausnahme der Kuppel in der Mitte zerstört. Nach dem Wiederaufbau mit modernen Seitenflügeln wurde es ab den achtziger Jahren als Staatskanzlei genutzt (es ist das Gebäude, das den Hofgarten zum Innenstadtring hin abschließt und wird mitunter auch "Straußoleum" genannt :lachen: ).


    Die verbliebenen militärischen Sammlungen wurden bereits zuvor im Ingolstädter Schloß zusammengefaßt, das hierzu völlig umgebaut und erweitert wurde. Zerstört wurde es nicht, die Wittelsbacher hatten nur kein Interesse mehr daran, so daß es im Lauf der Jahrhunderte immer weiter um- und vor allem zurückgebaut wurde. Die heutige Form mit dem beiden Türmen geht jedenfalls auf den letzten Umbau der sechziger Jahre zurück.

  • Es stimmt schon, dass vielen Ingolstadt nicht sehr gefällt, auch in meinem Freundeskreis. Die Gründe sind folgende:
    1. Ingolstadt ist platt, hat keine landschaftlich schöne Lage, wie etwa Passau.
    2. Ingolstadt hat keine außergewöhnliche Attraktion.
    Deine Fotos zeigen aber deutlich, dass die Stadt viel mehr bietet als man glaubt. Ich werde ihr demnächst deshalb auch einen Besuch abstatten.

  • Ingolstadt ist eine sehr schöne, jedoch unterschätzte Stadt. Ich habe mich im Internet nach Bildern von den wichtigsten Bauten umgeschaut und sie hier zusammengestellt. Neben dem Liebfrauenmünster und dem Neuen Schloss - zwei der bedeutendsten Bauten der deutschen Spätgotik - besitzt es noch weitere Highlights wie die Asamkirche Maria de Victoria, in der Cosmas Damian Asam das mit 42 x 16 m weltweit größte Flachdeckenfresko schuf oder das Ickstatthaus, welche das Haus mit der höchsten Barockfassade in Süddeutschland ist. Hinzukommen großartige Befestigungsanlagen aus dem 14. bis 19. Jahrhundert (Leo von Klenze arbeitete daran im 19. Jahrhundert), der Herzogskasten, der Hauptbau einer herzoglichen Burg aus dem 13. Jahrhundert, die Hohe Schule (in Ingolstadt wurde 1472 die erste bayerische Universität gegründet), zahlreiche Giebelhäuser aus dem 15. bis 18. Jahrhundert (besonders entlang der Theresienstraße und der westlichen Altstadt), weitere Kirchen und Klöster und mehr.



    Nochmal das Liebfrauenmünster:
    http://www.the-exit.net/ingols…munster-ingolstadt-25.jpg
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    http://images12.fotki.com/v196…tLiebfrauenmnster2-vi.jpg


    Fullscreen-Panorama vom Inneren des Liebfrauenmünsters:
    http://www.ingolstadt-tourismu…le_tour/muenster_full.htm


    Neues Schloss:
    http://images12.fotki.com/v196…stadtNeuesSchloss2-vi.jpg
    http://www.burgen-und-schloesser.net/fotos/234_07.jpg
    http://images14.fotki.com/v194…ovomParadeplatz2-1-vi.jpg
    http://www.ingolstadt-tourismu…lle_tour/schloss_full.htm (Fullscreen-Panorama von der Vorburg aus)
    http://www.ingolstadt-tourismu…ur/schloss_donau_full.htm (Fullscreen-Panorama von der Donau aus)


    Asamkirche Maria de Victoria:
    http://www.ingolstadt.ru/galereay/asamkirche_pu.jpg
    http://www.schwabenmedia.de/Ki…adt/Maria-de-victoria.jpg
    http://www.spidertrip.de/Bilder/Bild_254.jpg


    Fullscreen-Panorama vom Inneren der Asamkirche Maria de Victoria:
    http://www.ingolstadt-tourismu…tuelle_tour/asam_full.htm


    Ickstatthaus:
    http://www.living-ingolstadt.d…rist/3BIckstatthausAD.gif


    Stadtmauer:
    http://www.hoeckmann.de/travelling/sueden/030905-120.jpg
    http://orcish-by-nature.de/bilder/photos/stadtmauer_web.jpg
    http://www.spidertrip.de/Bilder/Bild_256_1.jpg (Taschenturm)
    http://www.ingolstadt-tourismu…tour/taschenturm_full.htm (Fullscreen-Panorama vom Taschenturm und seiner Umgebung)
    http://www.ingolstadt-tour.de/…usflugsziele/kreuztor.jpg (Kreuztor)
    http://www.ingolstadt-tourismu…le_tour/kreuztor_full.htm (Fullscreen-Panorama vom Kreuztor)
    http://www.ingolstadt-tourismu…e_tour/kreuztor2_full.htm (Fullscreen-Panorama vom Kreuztor und dem Münster)


    Klassizistische Befestigungsanlagen (Klenzepark):
    http://www.living-ingolstadt.d…/tourist/12Klenzepark.jpg
    http://www.mpz.bayern.de/infor…ilder/reduit_tilly_kl.jpg
    http://www.ingolstadt-tourismu…our/klenze_rosen_full.htm (Fullscreen-Panorama)
    http://www.ingolstadt-tourismu…/klenze_turkisch_full.htm (Fullscreen-Panorama)


    Herzogskasten:
    http://www.ingolstadt.ru/galereay/herzogskasten_pu.jpg


    Spitalkirche:
    http://www.ingolstadt.ru/galereay/spitalkirche_aussen_pu.jpg
    http://images9.fotki.com/v188/…stadtSpitalkirche2-vi.jpg
    http://www.ingolstadt.ru/galereay/spitalkirche_innen_pu.jpg
    http://www.ingolstadt.ru/galer…talkirche_gewoelbe_pu.jpg
    http://www.ingolstadt.ru/galereay/spitalkirche_decke_pu.jpg


    Ehemaliges Jesuitenkolleg:
    http://archiv.ub.uni-marburg.d…pro/Kolleg/BILD1/IA44.JPG
    http://archiv.ub.uni-marburg.d…pro/Kolleg/BILD1/IA45.JPG


    Alte Anatomie (1723 nach Plänen von Gabriel de Gabrieli errichtet):
    http://www.living-ingolstadt.d…st/L5S2390bbearbeitet.jpg


    Fullscreen-Panorama vom Inneren der Alten Anatomie (heute Deutsches Medizinhistorisches Museum):
    http://www.ingolstadt-tourismu…lle_tour/medizin_full.htm


    St. Moritzkirche und Pfeifturm:
    http://www.living-ingolstadt.d…NKS_TURM_MORITZKIRCHE.jpg


    Fullscreen-Panorama vom Inneren von St. Moritz:
    http://www.ingolstadt-tourismu…elle_tour/moritz_full.htm


    Hohe Schule (ursprünglich 1434 als Pfründnerhaus gestiftet):
    http://www.living-ingolstadt.d…/HoheSchulebearbeitet.JPG


    Franziskanerkirche:
    http://www.living-ingolstadt.d…SKANERBASILIKA340x227.jpg
    http://images9.fotki.com/v188/…ranziskanerkirche2-vi.jpg
    http://www.ingolstadt.de/stadt…r/ing/bilder/hl-gb-07.jpg


    St. Johann:
    http://www.bistum-eichstaett.d…densreferat/gnadental.jpg


    Fullscreen-Panorama vom Inneren der Kapelle des Klosters St. Johann im Gnadenthal (die Fresken im Chor wurden erst 1953-56 von Schwester Euphemia Blaschke geschaffen):
    http://www.ingolstadt-tourismu…_tour/gnadenthal_full.htm


    St. Matthäuskirche:
    http://www.living-ingolstadt.d…skircheBBbearbeitetII.jpg
    http://images9.fotki.com/v198/…tSt_Matthuskirche2-vi.jpg


    Rathausplatz:
    http://images14.fotki.com/v193…heundAltesRathaus2-vi.jpg
    http://images14.fotki.com/v193…stadtAltesRathaus2-vi.jpg
    http://www.ingolstadt.ru/galereay/rathausplatz_pu.jpg
    http://www.belocal.de/pages/img/belocal_8578_1_b.jpg


    Paradeplatz:
    http://images14.fotki.com/v194…lstadtParadeplatz2-vi.jpg


    Theresienstraße/Kreuzstraße:
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    http://images14.fotki.com/v193…tTheresienstrasse2-vi.jpg
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    Dachlandschaft:
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    Vom Orbansaal im ehemaligen Jesuitenkolleg und vom ehemaligen Colloquium marianum externum (bis ins 18. Jahrhundert Versammlungsort der Akademischen Marianischen Kongregation, jetzt Canisiusstiftung) habe ich auf die Schnelle keine Bilder gefunden, aber ich glaube es wird deutlich, dass Ingolstadt architektonisch schon einiges zu bieten hat.

    "Meistens belehrt uns der Verlust über den Wert der Dinge."
    Arthur Schopenhauer

  • Anbetrachts der Zerstörungen sind die Wiederaufbauleistungen hier geradezu meisterhaft. Wie schön könnte Nachkriegsdeutschland doch sein, hätte eine jede Stadt den bayrischen Weg des Wiederaufbaus eingeschlagen. Ich kenne kaum eine bayrische Stadt, die trotz selbst stärkster Zerstörungen nicht zumindest ansehnlich wieder aufgebaut wurde. Im übrigen Deutschland sind die Städte, wo das so geschehen ist, eher die Ausnahme, die Situation stellt sich also völlig gegenteilig dar. Woran liegt das? Kann ja nicht sein dass Bayern die größeren Ästheten sind / waren... ;)

  • Ich würde sagen: Der Grund ist das historisch gewachsene Selbstbewusstsein Bayerns als regionale Mittelmacht. Nach dem Krieg war die Betonung deutscher Geschichte und deutscher Traditionen verpönt, und Bayern war in der glücklichen Lage. stattdessen auf spezifisch bayerische Traditionen zurückgreifen zu können, die unbelastet waren. Das war meiner Meinung nach für eine Stadt wie beispielsweise Frankfurt schwieriger, weil zum regionalen Selbstbewusstsein Frankfurts als Reichstadt unweigerlich das belastete Deutsche Reich dazugehörte - daher hier der viel stärke Bruch mit der Tradition. Bayerns besondere Eigenständigkeit, die es trotz Zugehörigkeit zum Reich seit 1871 immer noch in vielen Bereichen besessen hat, erwies sich als Glücksfall.


    Im Prinzip wäre Sachsen - in abgeschwächterer Form - ein ähnlicher Kandidat gewesen, aber hier verhinderte die Zugehörigkeit zu einem ideologisch klar definierten Einparteienstaat eine entsprechende positive Entwicklung. Wird aber jetzt teilweise nachgeholt... :zwinkern:

  • Kleine Anmerkung: Trotz der guten Wiederaufbauleistung hat Ingolstadt meines Erachtens nach den bedeutendsten Totalverlust einer Kirche in Bayern zu verzeichnen:


    Die ehem. Franziskaner (Augustiner-Eremiten) Kirche (nicht zu verwechseln mit der in der vorstehenden Linkliste aufgeführten Franziskanerkirche), die 1737 von Johan Michael Fischer erbaut wurde und Dekenfresken von Johann Baptist Zimmermann hatte, wurde 1945 komplett zerstört.


    (Leider schaffe ich es nicht die Bilder direkt zu verlinken) Photos gibt es in http://www.bildindex.de">http://www.bildindex.de im Unterverzeichnis
    "Orte / I / Ingolstadt / Sakralbau / sonstiger / Franziskanerkirche (Augustiner-Eremiten-Kirche)"

  • Ja, Bayern ist ja ein Glücksfall in Wiederaufbauleistung. Es ist doch ganz komisch dass zum beispiel manche andere Gegende ein andere Wiederaufbau Strategie gewählt hat. Für mich steht Hamburg und München in Kontrast mit einander. Besonders wenn man die Dachlandschadt vergleicht....Hamburg kommt deutlicher moderner vor als München.


    Auf die andere Seite ist teile von die Wiederaufbau in Lübeck, Rostock und Braunschweig besser als die durchschnitt in Deutschland.

  • Quote from "Restitutor Orbis"

    Im Prinzip wäre Sachsen - in abgeschwächterer Form - ein ähnlicher Kandidat gewesen, aber hier verhinderte die Zugehörigkeit zu einem ideologisch klar definierten Einparteienstaat eine entsprechende positive Entwicklung. Wird aber jetzt teilweise nachgeholt... :zwinkern:




    Nun, sagen wir mal so: Wir definieren uns über unser striktes Antipreußentum - heißt aber noch lange nicht, daß die sächsische Identität den Gegensatz zum DEUTSCHtum bedingen würde, ganz im Gegenteil. Gerade der mitteldeutsche Raum, zusammen mit Thüringen und den ostfälischen Gebieten war in der Vergangenheit ziemlich deutschnational unterwegs. Und nach 1990 blühten in Freiberg, Erfurt, Jena und Leipzig wieder die Burschenschaften. Nur hat uns der liebe Gott mit den Preußen als gierigen Nachbarn gestraft, so daß Mitteldeutschland nach wie vor mit preußisch-kulturellen...Altlasten gestraft ist. Freilich, man könnte einen Gegensatz zwischen Sachsen und dem restlichen Deutschland konstruieren; in etwa mit dem slawischen Kulturerbe (in der Lausitz)bzw. den vielfältigen Verflechtungen nach Böhmen und Ungarn...aber in dem Falle müßte man Brandenburg und McPomm bereits zu Polen zählen.

    Nein, die werden gedünstet

  • Jetzt fühle ich mich missverstanden...


    Mir ging es nicht darum, dass die bayerische oder sächsische Identität im Gegensatz zur deutschen stehen würde. Sie bietet/bot sich aber als gangbare Alternative an, als das Deutsche an sich als zu belastet galt.


    Wer in dem Moment, in dem die nationale Identität "versperrt" ist, stattdessen auf eine reiche regionale Identität zurückgreifen kann, kann auch weiterhin ein starkes Traditionsbewusstsein zur Schau stellen.

  • Nun, wenn es um vorgeschobenen Ersatz und nicht um ECHTE Andersartigkeit geht, hätten wir mithalten können. Dummerweise hatte der genosse Josef S. es in einem Geniestreich geschafft, Preußen zu vernichten und gleichzeitig für weitere 40 Jahre als realsozialistischen Staat weiterexistieren zu lassen. Der "Kasernenkommunismus" der DDR und der SU resultierte u.a. auch aus den erbitterten Auseinandersetzungen der alten Revolutionäre mit dem preußischen Repressionsapparat. Und wie das nun mal so ist bei Revolutionen: Die Mittel und Wege nähern sich früher oder später an. "Wir kämpfen mit der Waffe in der Hand für unseren sozialistischen Friedensstaat".


    Nun, Dresden hammse nicht gebrochen, Leipzig auch nicht oder Zwickau...letztendlich nur sich selbst. Die Junker, die man 45-53 vertrieb, waren deren Bürgertum...was weg is', is' weg. :p

    Nein, die werden gedünstet

  • "Freilich, man könnte einen Gegensatz zwischen Sachsen und dem restlichen Deutschland konstruieren; in etwa mit dem slawischen Kulturerbe (in der Lausitz)bzw. den vielfältigen Verflechtungen nach Böhmen und Ungarn...aber in dem Falle müßte man Brandenburg und McPomm bereits zu Polen zählen"


    Das erscheint mir jetzt aber schon etwas weithergeholt - zumal ja die Lausitz nicht zum sächsischen Siedlungs- und Kulturraum gehört (auch wenn die Niederlausitz heute wieder Bestandteil Sachsens ist, nachdem beim Wiener Kongreß Sachsen doch arg verkleinert wurde - zuvor ragte es ja weit in Gebiete hinein, die heute als "preußisch" gelten).


    Der Bezug von Mecklenburg-Vorpommern zu Polen erschließt sich mir auch nicht so recht... bezieht sich das auf die Nachkriegsgeschichte?

  • Quote from "MunichFrank"

    Kleine Anmerkung: Trotz der guten Wiederaufbauleistung hat Ingolstadt meines Erachtens nach den bedeutendsten Totalverlust einer Kirche in Bayern zu verzeichnen:


    Die ehem. Franziskaner (Augustiner-Eremiten) Kirche (nicht zu verwechseln mit der in der vorstehenden Linkliste aufgeführten Franziskanerkirche), die 1737 von Johan Michael Fischer erbaut wurde und Dekenfresken von Johann Baptist Zimmermann hatte, wurde 1945 komplett zerstört.


    (Leider schaffe ich es nicht die Bilder direkt zu verlinken) Photos gibt es in http://www.bildindex.de">http://www.bildindex.de im Unterverzeichnis
    "Orte / I / Ingolstadt / Sakralbau / sonstiger / Franziskanerkirche (Augustiner-Eremiten-Kirche)"


    Wird auch in den "Kriegsschicksalen Deutscher Architektur" als bedeutendster Verlust der Stadt überhaupt bezeichnet. Es ist insofern nicht ganz so schrecklich wie mancher Kriegsverlust - ohne das jetzt abwerten zu wollen - als wir das künstlerische Wirken von Zimmermann heute noch in der Wieskirche bestaunen können - die ist immerhin UNESCO-Weltkulturerbe. Die weite Reise dorthin kann ich übrigens nur empfehlen, die Innenraumwirkung kommt ungefähr an das Spiegelkabinett der Würzburger Residenz heran. :schockiert:


    Das Gleiche gilt für das Werk Fischers, ist unter ihm doch die Basilika von Ottobeuren entstanden, die u. a. die wohl schönsten Rokoko-Stukkaturen zu bieten hat, die ich in meinem ganzen Leben gesehen habe.

  • Restitutor Orbis:
    deinen gedanken bezüglich des verhältnisses zwischen regionaler identität und berücksichtigung regionaler bautraditionen beim wiederaufbau halte ich für plausibel.
    zumindest habe ich ein ddr-buch "deutsche baukunst" aus den frühen 50ern, in dem für viele (ost)deutsche gebiete noch regionaltypische vorschläge für den wiederaufbau unterbreitet werden. demgegenüber wird der als bundestag geplante neubau in frankfurt als kosmopolitisches negativbeispiel dargestellt.
    im grunde sind damit auch bereits zwei wesentliche gründe benannt, warum beim wiederaufbau so wenige regionale bezüge genommen wurden: im osten sollten ab mitte der 50er jahre zur stärkung einer sozialistischen ddr-identität die regionalen unterschiede bewusst eingeebnet werden. im westen verwischten sie, weil sich die planungen für einen neuaufbau oft an entwicklungen in anderen grossstädten - egal wo - orientierten.
    daher konnte sich ein vergleichsweise behutsamer wiederaufbau vor allem in mittelgrossen städten im westteil deutschlands vollziehen, die über eine gewachsene identität und ein "gesundes mass an provinzialität" verfügten. ingolstadt ("bayern") oder lübeck ("hanse") scheinen dafür gute beispiele zu sein.
    je nach sichtweise wirken heute solche stadtbilder auf den betrachter etwas "miefig" oder "pitoresk". auf jeden fall wird die wirkung durch den kontrast zu den andernorts beschrittenen wegen verstärkt.