Aachen - Gründerzeitviertel (Galerie)

  • Das ist das Kuriose an dieser erhaltenen Häusergruppe. Man hat von der Adalbertstraße einen von weitem sichtbaren Blickfang bauen wollen, also musste eine hohe Fassade an die kleineren Seitenhäuser angebaut werden. Sicher eine seltene Lösung aus der Gründerzeit.


    und weiter geht es am ehemaligen Kurhaus vorbei. Zuletzt war dort das Spielkasino untergebracht. Jetzt steht das Gebäude leer und ist in einem schlechten Zustand (im Inneren) In der Zeitung stand, dass dort eine Notunterkunft für Asylanten eingerichtet werden soll. Da der Zustrom nun etwas nachlässt, kommt es vielleicht nicht dazu. Sicher wäre es das schönste Asylantenheim der Welt.





    Jetzt geht es am Quellenhof vorbei. Das Adlon von Aachen:




    und an einigen Gründerzeit Wohnhäusern:




  • Einfach umwerfend, weißt du zufällig, wie viele Gründerzeitgebäude in Aachen noch erhalten sind ? Den Bildern zufolge ist der Bestand vergleichbar mit Görlitz oder Leipzig, oder ?(

  • In Aachen sind wirklich noch viele alte Bauten zu bestaunen. Über ein geschlosseneres Gründerzeitviertel verfügt meines Wissens im Rheinland nur Bonn.



    In Aachen hat es im Vergleich zu anderen Städten wenig krasse Abrisse gegeben (Stichwort: Autogerechte Stadt). Das Meiste was fehlt sind tatsächlich Kriegsverluste, was sicherlich neben der Bombardierung auch an dem erbitterten Häuserkampf im Herbst 1944 gelegen hat.
    Trotzdem kann man nicht von einem Westdeutschen Leipzig sprechen. Im Innenstadtbereich wimmelt es nur so von langweiliger Nachkriegsarchitektur.
    Hinzu kommen Bausünden aller erster Güte. Allen voran die Neubauten der RWTH.




    In Aachen braucht es endlich eine Initative unseres Vereins, um erstens das Flair der alten Kaiserstadt zu retten und zweitens möglichst viele Teile davon wiederherzustellen.

  • Hallo Memminger,
    also Bürgerhäuser aus der Gründerzeit gibt es schon noch viele. Wieviele es sind, weiß wohl keiner so genau, weil es ja auch zahlreiche unspektakuläre Gründerzeithäuser gibt, wo man den Stuck entfernt hat.
    Aachen war sehr schwer zerstört und daher gibt es oft nur einzelne verspregte Gründerzeitler in einem Meer voller Nachkriegsbauten.
    in den 60ern gab es noch mal einen kräftigen Versuch Aachen moderner zu gestalten. In der Zeit wurden sehr viele intakte Gründerzeithäuser abgerissen. Das bekannteste ist sicher das große Jugendstilkaufhaus mit einer Blausteinfassade und einem großen Jugenstillichthof. Das wurde durch einen sehr tristen und belanglosen Neubau ersetzt.
    Im Frankenberger Viertel wurde ein kompletter Straßenzug zwischen Oppenhofallee und Adalbert Steinweg abgerissen, weil man die Straße verbreitern wollte. Als man die Pläne verfarf, war nur noch das Eckhaus (hatte ich beim ersten Rundgang schon fotografiert und hier eingestellt) erhalten.


    @'Charlemagne
    Die Nachkriegsbauten der RWTH sind zu 100 % Bausünden, Das Super C neben dem schönen Altbau ist zwar futuristisch, aber dort völlig fehl am Platze. An der Stelle stand früher das sehr schöne Chemiegebäude mit Säulenportikus und prächtigem Kuppelsaal. In jedem anderen Land hätte man das eindrucksvolle Gebäude, von dem bis zum Baubeginn für das Super C vor einigen Jahren noch das Erdgeschoß erhalten war und auch genutzt wurde, wiederaufgebaut.

  • Im Frankenberger Viertel wurde ein kompletter Straßenzug zwischen Oppenhofallee und Adalbert Steinweg abgerissen, weil man die Straße verbreitern wollte. Als man die Pläne verfarf, war nur noch das Eckhaus (hatte ich beim ersten Rundgang schon fotografiert und hier eingestellt) erhalten.

    :sad: Das war mir garnicht bekannt. Um welche Straße handelt es sich denn?


    Könnte man evtl. ein vorher/nachher Bild basteln ? so wie Sir Moc oben mit dem RWTH Gebäude?

  • Es handelt sich um die Goerdelerstraße.
    Hinter diesem Gebäude springt die neue Bebauung deutlich zurück. Habe leider momentan kein Foto der modernen Bebauung.


    Hier das alte Tietz auf dem Marktplatz:
    Bilder sind von
    http://www.aachen-stadtgeschichte.de/page/13/



    und nach dem Abriß in den 60er Jahren:



    und mit der modernen Bebauung:


    Hier noch ein Bild, das gut zeigt wie zerstört der Elisenbrunnen war und wie gut er wiederaufgebaut wurde:
    Quelle: http://www.aachen-stadtgeschichte.de/page/13/


    und heute: (mein Foto)

  • Ich habe in Aachen studiert und mich immer viel für die Aachener Geschichte interessiert. Aber bisher konnte ich kein Bild finden, wie es früher auf dem Gelände des heutige Bushofes aussah. Hat da jemand von Euch einen Tipp?


    Hier mal der heutige "Prachtbau" zum Vergleich:



    Quelle: http://www.lebendiges-aachen.de

  • Deine Ansicht ist von der gegenüberliegenden Ecke des Komplexes.
    Aber zur Orientierung kann dieser kleine Rest vom ehemals riesigen Kurhaus dienen:


    Dieser Seitenteil mit Giebel wurde nicht abgerissen:


    Heute sieht er so aus:


    Von der ehemaligen Gartenseite aus gesehen, wo früher der große Konzertsaal stand:


    Man beachte die sensible Nachbarbebauung:


    Im Inneren blieb sogar dieser Saal erhalten:
    Vor dem Krieg:



    und heute ganz in weiß, ohne Vergoldungen:

  • Vielen Dank! Dann sieht man rechts auf dem Bild das Gelände des Bushofes. Wie konnte man diesen Ort nur so entstellen.
    Hast du eventuell auch ein Bild der alten Synagoge am Synagogenplatz in unmittelbarer Nähe zum Bushof?

  • Ja, es ist nicht zu verstehen, warum diese einst so schöne Gegend (barockes Kurhaus , das einen großen Garten umgibt und einen Konzertsaal beinhaltet) für so einen brutalen Bushofbau geopfert wurde.



    Aachen hat auch keinen optisch erträglichen Konzertsaal mehr. Das Eurogress ist deutlich kleiner als der alte Konzertsaal und sieht aus wie ein Betonklotz. Graue unförmige Wände und unbequeme Stühle.


    Die alte Synagoge von Aachen war im Maurischen Stil gebaut und nicht sehr spektakulär:


    Allerdings werde ich weitere Gründerzeitinseln demnächst fotografieren und hier einstellen. Auch die Gegend der Synagoge.


    Noch was zum Spielcasino, früher eines der alten Kurhäuser:


    Es sieht so aus, dass es vorübergehend wirklich zu einem Asylantenheim umgebaut wird. Wieder etwas, was ich nicht nachvollziehen kann:


    "..Der glamouröse Glückstempel – in Aachen war das Spielcasino
    jahrzehntelang Synonym für das Neue Kurhaus – verwandelt sich gerade in ein ziemlich eigenartiges Flüchtlingsheim. ..... Mehr Wandel scheint kaum möglich: 220 Feldbetten statt 20 Roulettetische, Erbseneintopf statt Kaviar, nur Selters, kein Sekt. Aber alles in riesigen, hohen Hallen – vor prunkvollen Säulen, zwischen denen schon Weltstars wie Curd Jürgens im Blitzlichtgewitter der Weltpresse haufenweise Jetons aufs Filz schmissen..."


    Hier nachzulesen:
    http://www.aachener-zeitung.de…luechtlingsheim-1.1308503

  • Naja, meines Erachtens eine sinnvolle Zwischennutzung - so steht das Gebäude immerhin nicht leer. Ich hoffe aber, dass bei der Sanierung 2020 bedeutende Innenräume rekonstruiert werden - im Krieg wurde es m.W. doch schwer zerstört.


    Im übrigen glaube ich nicht, dass die Flüchtlinge dort sonderlich luxuriös beherbergt sind. Das Gebäude ist von außen nett anzusehen, aber von innen nicht unbedingt auf die Beherbergung von Personen eingestellt. Im Quellenhof lebt es sich wesentlich besser.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Es geht doch nicht darum, ob die Refugees dort über Normalstandard oder womöglich doch nicht so ganz luxuriös untergebracht werden.


    Das ist das Problem:

    Quote

    Kröll hofft nur, dass „sein“ Kurhaus die Zwischenbelegung gut übersteht. „Wenn hier 220 Menschen 24 Stunden am Tag leben, hat das Auswirkungen auf das Haus – ganz egal, woher die Leute kommen“, stellt er fest.


    Das Gebäude könnte vernutzt werden. Wenn dann noch ein Syrer auf die Idee kommt, die Bude in Brand zu stecken, um so für besseres Halal-Essen zu demonstrieren, dann gibt es andere Probleme als die Rekonstruktion von Casino-Räumen.

  • Wie sehen denn die Innenräume heute überhaupt aus? M.W. wurde das Gebäude im Krieg ziemlich stark in Mitleidenschaft gezogen, d.h. wenn eh keine erhaltenswerte Innenelemente mehr existieren ist es auch egal. Ein Gebäude, was jahrelang leersteht, wird auch nicht besser. Und der Anteil an Flüchtlingsunterkünften, die aus Protestgründen angezündet wurde, ist auch verschwindend gering. Ich finde es nicht schlimm.

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)