Aachen - Gründerzeitviertel (Galerie)

  • "Kaoru", das mit dem Abfärben ist auch heute gegeben. Heute wird den Leuten eine amerikanisiserte Pop-Elite in den Massenmedien angeboten, woraufhin viele Medienkonsumenten auf die Idee kommen, sich Baseballkappen, Muskel-T-Shirts oder Einfamilienhäuser im Bauhaus-Stil zu kaufen oder "coole Raps" zu reimen. Der "Volkskitsch" ist stets eine Verarbeitung der Hochkultur, bei der aber die Proportionen verloren gegangen sind. (Beispiel Plastik-Sprossenfenster)
    Mein kleiner Exkurs bezüglich Eliten- und Massengeschmack wurde, dies zur Erinnerung, hervorgerufen durch eine Äußerung "Thomosius´" (siehe unten), nach der sich die "Standard-Architekten" gegen den Geschmack bzw. das Wohlbefinden "des Großteils unserer Bevölkerung" wenden. Wenn Du nun schreibst, man solle nicht immer auf den "Volksgeschmack" hören, nimmst Du praktisch eine Gegenposition zu "Thomosius" ein.
    Nun kenne ich Deine Sichtweise mittlerweile schon ein wenig und weiß, dass Du Dich weder ganz der Haltung der heutigen Architektur-Elite, noch des einfachen Bürgers zugehörig fühlen möchtest. Ich wollte aber auf den Riss in der Argumentation hinweisen, der durch uns geht.
    Einerseits zu sagen, dass das Volk in Bezug auf röhrende Hirsche und Gartenzwerge einen schlechten Geschmack habe, auf den man nicht hören solle, andererseits aber anzumahnen, dass die Architekten zu wenig nach dem Geschmack der Bevölkerungs-Mehrheit bauen würden, birgt einen Widerspruch in sich. Diesen Widerspruch muss man sich deutlich machen, wenn man nicht immer und immer wieder klagen (und an die Wand rennen) möchte.


    All dies lässt mich ebenso staunen und leider auch am 21. Jahrhundert verzweifeln. Das muss doch irgendwann dem deutschen "Standard-Architekten" einleuchten, dass sich der Großteil unserer Bevölkerung in solch stilistisch volkommenen, vorallem historischen Stadtvierteln wohler fühlt als in diesen 08/15-Gebieten des internationalen Stils. :kopfwand:

  • Es wäre eben zu erörtern, welche Qualitäten - wie gut oder verdorben - der heutige Geschmack der Durchschnittsbürger aufweist und inwiefern er als Maßstab für ästhetisches Bauen taugt.
    Und da sind weder du noch ich noch die meisten anderen hier im Forum als Durchschnitt repräsentativ,
    und bei den übrigen Menschen schauts im großen und ganzen eher düster aus, m.E. Wir haben eine Mischung aus einem Großteil Desinteresse (es ist schlichtweg egal, wie die Städte ausschauen) totaler Stilverirrung (kommt laßt uns den alten Plunder wegreißen und stattdessen durch was fesches von Zaha Hadid oder noch banaleres ersetzen!)
    und zu guter letzt einen kleinen Rest solidem Geschmack auf den man aufbauen könnte-

    "Schönheit wird die Welt retten" - Dostojewski

  • ...Und da sind weder du noch ich noch die meisten anderen hier im Forum als Durchschnitt repräsentativ,
    und bei den übrigen Menschen schauts im großen und ganzen eher düster aus, m.E. Wir haben eine Mischung aus einem Großteil Desinteresse (es ist schlichtweg egal, wie die Städte ausschauen) totaler Stilverirrung (kommt laßt uns den alten Plunder wegreißen und stattdessen durch was fesches von Zaha Hadid oder noch banaleres ersetzen!)
    ...


    Das sehe ich leider genauso.
    Wenn man die einfachen Bürger so bauen lässt wie sie wollen, kommt soetwas dabei heraus:
    http://blog.zeit.de/teilchen/2…-der-haesslichen-haeuser/


    Hier eine Horrorgalerie zum durchklicken, es lohnt sich:
    http://uglybelgianhouses.tumblr.com/


    Wenn die einfachen Bürger ihren Geschmack verwirklichen, kommt sehr oft nichts ansehnliches dabei heraus. Allerdings wohnen solche Bürger trotzdem auch sehr gerne in vorgegebenen Schönheiten aus der Gründerzeit. Sie fühlen sich in den reich verzierten Historismushäusern sehr wohl, sind aber nicht in der Lage, selbst so etwas neu zu erschaffen, weil sie kein Gefühl für das künstlerische Gestalten von Fassaden oder Räumen haben.


    Die Architekten sollten vielmehr darauf achten, dass die Architektur erträglich, aber nicht zu steril und banal wird. Dazu gehören auch Ornamente und Figurenschmuck, aber alles in den richtigen Proportionen, so dass das Gesamtergebnis ein Augenschmaus für jeden Betrachter wird. Das Tragische ist jedoch, dass selbst geschulte Architekten heute dazu nicht mehr in der Lage sind. Viele der oben im Link gezeigten Bausünden sind ja Totgeburten von Architekten...

  • Das Tragische ist jedoch, dass selbst geschulte Architekten heute dazu nicht mehr in der Lage sind. Viele der oben im Link gezeigten Bausünden sind ja Totgeburten von Architekten...

    Da kann auch ich ein Lied von singen. In meiner Familie nennt sich auch einer Architekt, weshalb ich ihm meine Entwürfe gezeigt habe, die er durch sein konsequentes Ablehnen des Historismus natürlich nur naserümpfend mit seinem Liebling, dem Bauhausstil, niederargumentierte. Auf die Frage hin, ob er sowas entwerfen könne, folgte nur ein: "Warum sollte ich?"







  • Die Dreifaltigkeitskirche wurde vor einigen Jahren verkauft. Die Orgel und die Innenausstattung wurde daraufhin verkauft und nun beginnen größere Baumaßnahmen. Die Wände an der Chorhalle wurden durchbrochen und außen werden nun moderne Anbauten hochgezogen.
    Auch auf dieser Seite der Chorhalle ist bereits eine Wand durchbrochen.



    Nun machen wir einen kleinen Abstecher Richtung Marschiertor, Die historischen Bauwerke werden jedoch hier nicht berücksichtigt.



  • Begeben wir uns nun die Theaterstraße Richtung Stadttheater hinunter:
    Diese Straße war nach dem Krieg praktisch ein Totalschaden. Nur sehr wenige Häuser haben überlebt:








    Man beachte, dass der Altbau mit drei Geschossen immer noch deutlich höher ist, als die modernen fünf geschossigen Häuser





  • Vielen Dank für die Erweiterung der Galerie. Die Bauten sind ja zu großen Teilen der absolute Wahnsinn - und dann meist auch in einer großen Geschlossenheit erhalten. Neben Bonn wohl die schönste Großstadt im Rheinland.
    Das Theater selbst hast Du aber nicht fotografiert? Oder kommt es noch? Oder ist es klassizistisch und daher kein Gründerzeitbau?

    Wo die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten
    Karl Kraus (1874-1936)

  • Hallo Booni,
    im Zentrum sind die Gründerzeithäuser relativ rar, weil es das Ziel der Bomber war. Dort steht schließlich der Dom und das Rathaus, dessen älteste Bauteile auf das Jahr 790 zurück gehen. Also ein wichtigs Ziel der Engländer.
    In dieser Galerie möchte ich nur die Gründerzeit Aachens vorstellen. Das Stadttheater ist in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts von Schinkel gebaut worden und somit kein Gründerzeitgebäude.




















  • Mittelalter neben Gründerzeit:






    Hier ein Wohnhaus, das eine komplette Fassade aus Aachener Blaustein (ähnlich Belgisch Granit) hat.


    Das Haus befindet sich in Domnähe direkt gegenüber eines selten häßlichen Parkhauses der 60er Jahre. Eine Gegend mit wenig Aufenthaltsqualität. Ein paar Meter weiter Richtung Dom wird es wieder erträglicher.





    Nun gehen wir durch die Adalbertstraße, eine Fußgängerzone mit Geschäften, in der alles aussieht wie das Kölner Zentrum. Ausschließlich triste 50 er bis 70 er Jahre Bebauung.


    Doch am Ende plötzlich erblickt das Auge eine Wohltat für die Seele, eine kleine Häusergruppe aus der Kaiserzeit:
















  • Dieses stattliche Haus hat am Hansemannplatz überlebt. Auf diesem Platz stand einst eines der größten mittelalterlichen Stadttore Europas, das Kölntor. Dieses eindrucksvolle Tor mit Vorburg und zwei Türmen ließ Napoleon sprengen. Als Erinnerung gibt es dieses Tor als Stuckatur an der Fassade dieses Hauses. Wer sieht es?