Würselen - Verfall und Wiederaufbau von Kaisersruh

  • Erfreuliche Nachrichten aus Aachen!


    Die Ruine von Gut Kaisersruh soll wieder aufgebaut werden. Die übrig gebliebenen Mauerreste sollen erhalten bleiben, der Rest wird nach altem Vorbild für eine Bausumme von rund 6,5 Mio. Euro wieder aufgebaut . Baubeginn soll schon innerhalb der nächsten 3 Monate sein. ^^


    Anlässlich des Monarchenkongresses 1818 in Aachen im Nachgang der napoleonischen Kriege war der russische Zar ALexander der I. in dem klassizistischen Gebäude (erbaut Anfang des 19 Jhd.) untergebracht. Seitdem hieß das Gut "Gut Kaisersruh". (Zum weiterlesen : https://de.wikipedia.org/wiki/Gut_Kaisersruh)





    Ist Zustand:




    Früher:





    Geplant :applaus: :





    Und hier die AZ Meldung: http://www.aachener-zeitung.de…ufgebaut-werden-1.1306464

  • Tolle Sache. Aber, warum ist das Haus überhaupt in diesen ruinösen Zustand geraten? In den 70er Jahren (2. Foto, ich schließe die Datierung aus dem Automobil) war es ja noch intakt.

  • Die Vorgeschichte ist ein wahres Trauerspiel


    Bis 1973 sollte in das leerstehende Gut ein Restaurant für 250 Gäste einziehen. Allerdings scheiterte dies am Substanzfetischismus des Denkmalschutzes.
    So blieb das Gebäude dann auf Bestreben des Denkmalschutzes leer...


    Hier ein Bild von 1982


    ... bis es dann in den 1990ern einstürzte, und so der Ganze Innenraum vernichtet wurde. cclap:)


    Auch jetzt sind die Auflagen an den Invester hoch. Scheint aber zu klappen dieses Mal

  • Na, da hat der Denkmalschutz ja wieder mal ganze Arbeit geleistet. Einstürzen mit massenhaft Substanzverlust darf es, aber eine sinnvolle Nutzung als Gasthaus geht nicht... :kopfschuetteln: .

  • Korrektur: Es war wohl das Straßenbauamt das der Nutzung als Restaurant einen (!) Tag vor der Eröffnung einen Strich durch die Rechnung machte. Die Nutzung der leerstehenden Ruine scheiterte dann meines Wissens allerdings am Denkmalschutz.


    Ich zitiere AN Artikel unten
    "Die Zufahrt zu Kaisersruh liege an einer freien Strecke der Bundesstraße 57, der Unterschied zur bisherigen Nutzung sei so gravierend, dass man keinen Präzedenzfall schaffen wolle, hieß es seinerzeit. Will heißen: die Zufahrt sei für den zu erwartenden Publikumsverkehr nicht ausgerichtet."
    ---> http://www.aachener-nachrichte…mt-1.1306458#plx755450614


    "In den Folgejahren wurde das unbewachte Anwesen [...] geplündert. Unter anderem wurde ein Marmorkamin herausgeholt, eine Büste Zar Alexanders gestohlen und die Delfter Kacheln von der Wand geschlagen. Vandalismus und Witterungseinflüsse erledigten den Rest, so dass aus dem einst stolzen Gut innerhalb weniger Jahrzehnte eine traurige Ruine geworden ist." :kopfwand:


    Eine wahrhaft unnötige Vernichtung des kulturellen Erbes der Region, was da passiert ist. Hoffen wir das beste!

  • Zwischen Aachen und Würselen gibt es ein altes Palais, das Gut Kaisersruh, bestehend aus Herrenhaus und Wirtschaftshof.
    Aus Wikipedia: "Anlässlich des Monarchenkongresses 1818 in Aachen im Nachgang der napoleonischen Kriege war der russische Zar Alexander I. Gast bei Freiherr Ludwig von Fisenne[3], im Herrenhaus des Hofes, der seitdem als „Gut Kaisersruh“ bezeichnet wird[4]."
    Das Gebäude hatte eine sehr lange und komplizierte Baugeschichte. Es wurde ständig daran um- und angebaut. Klassizistisch, Barock und Jugendstil waren die Stilrichtungen im inneren.
    Ab 1980 steht das Herrenhaus leer. Es wechselte darauf hin oft den Besitzer. Einer wollte ein Restaurant dort einrichten, was jedoch am Denkmalschutz scheiterte, Ein Anderer wollte eine Disco dort einbauen, was wiederum vom Denkmalschutz abgelehnt wurde. Die Folge des Leerstands:
    Als erstes wurden die Fenster vonJugendlichen eingeworfen. Dann kam die große Zeit der Antiquitätenjäger.Delfter Kacheln, Marmorkamine, historische Öfen, Parkettböden, reichgeschnitzte Türen und Treppengeländer... Alles wurde bis ca. 1990 gestohlen.
    Da ich ab 1990 den Führerschein hatte und das Haus nun von außen schon sehr desolat aussah, bin ich mit einem Fotoapparat bewaffnet durch das Palais gegangen und habe das, was noch da war fotografiert. Das Innere war zu dem Zeitpunkt bereits völlig ausgeschlachtet. Nur der Stuck an den Wänden und Decken war noch vorhanden.
    In den folgenden Jahren habe ich das Haus immer wieder durch fotografiert und den Verfall dokumentiert, bis zum großen Einsturz 1999.


    Die Folgenden Bilder zeigen Kaisersruh, als es noch intakt war:










    Die ersten Jahre des Leerstands ab 1980:






    Die ersten Fenster sind schon eingeworfen und der Regen beginnt sein Zerstörungswerk:




    Der Brunnen im Garten:
    1982:


    2001:

  • Das Innere kurz vor der Zerstörung durch Vandalen und Antiquitätenjägern:












    Zum Vergleich: Der Kamin 1993:











    Zum Vergleich:
    Die gleiche Ansicht 1992:









    Zum Vergleich: Detail Stuckdecke des Ballsaals 1995:





    Zum Vergleich: Ballsaal 1999, im Jahr des Einsturzes:

  • Danke für die Vorstellung dieses Anwesens. Die Geschichte macht mich gerade richtig sauer. Da lässt der Denkmalschutz die Gebäude lieber vergammeln und einstürzen, bevor er von seiner strengen Linie abrückt, und ein Restaurant einziehen lässt. Das ist so krank.


    Bei Wikipedia steht:




    (...) Große Teile der Anlage sind als Ruine erhalten.(...)




    Na toll! Soll man dafür dankbar sein?


    Leute, die solch ein Bauwerk mutwillig zestören und zur persönlichen Bereicherung ausplündern, sind für mich der letzte Abschaum.


    Im Titel des Themas steht ja auch "Wiederaufbau". Ebenfalls bei Wikipedia ist folgendes zu lesen:





    (...) Anfang März 2016 wurden neue Pläne bekannt: Der Aachener Unternehmer Franko Neumetzler hat vor, das Gut wieder aufzubauen und eine Büroimmobilie daraus zu machen.


    Na, hoffentlich spielt der Denkmalschutz da mit. Und hoffentlich meint es dieser Unternehmer ernst und verfügt über das nötige Kleingeld.

  • Boooaah, so was von erschütternd!!! Macht mich sprachlos! Wie kann es in unserem Land zugelassen werden ein Gebäude dieser Qualität derart dem Verfall preiszugeben, daß nach mehr als 30 Jahren nur noch die Außenmauern übrig bleiben!?
    Aber auch ein schockierendes Experiment, daß bereits nach 19 Jahren Leerstand der Dachstuhl einstürzte!
    Deine Dokumentation, Kaiser Karl, ist ja von unschätzbarem Wert. Anerkennung, daß Du Dich in das verfallende Gebäude über die Jahre gewagt hast!

  • Hallo Schortschibähr, ja, das Betreten wurde Ende der 90er Jahre etwas waghalsig, aber ich bin nur in die Bereiche gegangen, die noch nicht so sehr vom drohendes Einsturz befallen waren.
    Dass es dazu kommen konnte ist wirklich unverzeihlich. Der Denkmalschutz hat das einzigartige Anbwesen durch die strengen Auflagen zerstört. Allerdings auch die Besitzer sind nicht ganz unschuldig. Hätten sie nur dafür gesorgt, dass dass die eingeschlagenen Dachfenster wieder abgedichtet werden und auch die großen Fenster an den Fassaden, wäre es nie zum Einsturz gekommen. Ich hätte mir das Gebäude als Wohnhaus hergerichtet. 1980 war es ja noch völlig intakt.




    Nach erneutem Verkauf wird seit Sommer 2016 Das Herrenhaus wiederaufgebaut. Es soll nun ein Bürohaus entstehen. Die eingestürzte Rückseite wird modern. Der Garten wird mit einem Bürohaus überbaut. Aber die Ansicht zur Straße wird äußerlich rekonstruiert. Das Innere beibt wohl modern:



    Beginnende Bauarbeiten:








    Die Geschoßdecken des ersten Stockwerks sind betoniert:




    Den weiteren Wiederaufbau werde ich dokumentieren.

  • Zitat aus dem Artikel:

    Quote

    Aus Übach-Palenberg habe sich unter anderen jemand gemeldet, der sogar wisse, wo der wertvolle Marmorkamin abgeblieben sei, der einst in einer Nacht-und-Nebel-Aktion aus der leerstehenden Villa verschwunden war ...


    Doch ein Kamin ist nicht mehr eingeplant. Einen wirkungsvollen Kontrast aus der historischen Hülle und hypermodernen Innenräumen zu schaffen, lautet die Idee hinter dem Invest. „Wenn man die Tür öffnet, soll man in eine neue Welt kommen“, blickt Neumetzler in die Zukunft, die Bauzeit ist auf zwei Jahre konzipiert.


    Der fortgeschrittene Verfall des Objekts kam den Planern zupass. Da die Ruinen völlig entkernt sind, ist beim Innenausbau der Denkmalschutz außen vor. Will heißen: Der Weg ist frei für ein zeitgemäßes Raumkonzept. „Sonst wäre das Ganze für mich nicht interessant gewesen“, sagt Neumetzler.

    Na dann ist ja alles OK. Alle freuen sich offenbar, dass keine Erinnerung an das alte Gebäude im Inneren zurückkehrt, sondern man einen modernen Bürokasten aus einem Zeitgeist-Guss bekommt... :augenrollengruen:
    Als ob das irgendetwas sonderlich überraschendes ist. In Deutschland gibt es zahlreiche Kriegs- und Nachkriegsschäden, die nur noch aus der Fassade bestehen, während drinnen moderne Büros oder Warenhausräume existieren. Das haut nun wirklich keinen Hund mehr vom Sofa. Wirklich überraschender ist es da schon, wenn Äußeres und Inneres ein stimmiges Bild ergeben.
    Wenigstens das äußere Erscheinungsbild zur Straße kehrt wieder. Das ist aber auch der einzige Trost.

  • Ich bin wirklich total sprachlos und entsetzt über dieses nichtsnutzige und überflüssige Denkmalschutzamt, das diesen Namen zu Unrecht trägt! Kleinen Denkmalbesitzern die Ketten anlegen aber im grossen Stil und sehenden Auges wertvollste Kulturgüter verrotten lassen und das nicht nur im Fall des Hauses Kaiserruh! :kopfwand:
    Danke für die Dokumentation dieses Kulturverfalls!

  • Ja, dieser Kulturverlust war wirklich unnötig. Was wäre das für ein schönes Restaurant und Museum geworden...
    Gut Kaisersruh ist quasi das Berliner Schloß für Würselen. Außen alt, mit einer modernen Fassade (Rückseite) und innen hypermodern.


    Hier habe ich ein paar brandaktuelle Fotos der Schloßbau... - äh Palaisbaustelle :)